|
|
Christian(Mittwoch, 14.Apr 2010, 22:00)So, mit Kapitel 2 habe ich angefangen, leider muss ich dazu doch noch mehr lesen als ich dachte. Hab mich auch in meiner Fachhochschule mal nach weiterer Lektüre umgesehen und ein paar Quellen gefunden, die ich momentan leider nicht ausleihen kann, weil der einzige Mensch, der den Bibliotheks-Computer bedienen kann, grad krank ist. Eine sprudelnde Quelle ist auch die Online-Bibliothek der Fernuni Hagen, wo ich parallel eingeschrieben bin. Darüber komme ich an (mir bisher unbekannte) Fachzeitschriften. Material habe ich also satt, muss mich nun nur noch da durch wühlen. Habe mir auch schon überlegt, das Werk später nicht nur als freies E-Book zu verteilen, sondern ggf. auch drucken und binden zu lassen und zum Selbstkostenpreis zu vertreiben. Der Gedanke ist präsent, aber noch nicht zu Ende gedacht. Erst mal sehen, wie ich vorwärts komme und ob ich zwei Wochen, nachdem ich "fertig" bin, immer noch zufrieden bin - das kommt bei mir selten vor, ich finde immer Fehler und Verbesserungsbedarf. Als Zeitmarke peile ich grob den Sommer an. Mitte Juni gehen meine Prüfungen los und Mitte August habe ich die letzte mündliche Prüfung. Das wird mich in meinem Eifer sicher etwas bremsen. Aber ich will am Ball bleiben und kontinuierlich weitermachen. Wenn ich jeden Tag nur eine Seite schaffe, sollte ich in vier Monaten fertig sein. Auf jeden Fall werde ich fertig, bevor meine Frau in Therapie geht... Die Wette steht. Für Kapitel 2 plane ich etwa 20-25 Seiten ein, wovon sicher schon 15 für die möglichen Folgen von Online-Sucht draufgehen. Eine Lücke zu dem Thema: in nur ganz wenigen Werken habe ich etwas zu privater Internetnutzung am Arbeitsplatz gelesen. Es gab mal Prozesse gegen Kündigungen in den USA, wo sich der gekündigte Arbeitnehmer auf seine Krankheit berief weil er ja nichts für sein Verhalten könne. Ich werde mir mal die Sache im Lichte des deutschen Arbeitsrechts ansehen. In der Juristerei fühle ich mich eher zuhause und bin auch wesentlich fitter als in Psychologie, Medizin oder Chemie. Auch die volkswirtschaftlichen Folgen sind bisher wenig beleuchtet worden. Nicht nur die immensen Behandlungskosten sind da ein Thema. Wer in jungen Jahren anfängt, sich selbst wegzusperren und zu betäuben, kommt in Schule und Ausbildung nicht gut voran. Da wird "Humankapital" (ich mag das Wort nicht) verschwendet, Leistungspotenzial nicht genutzt. Und wieder zur privaten Internetnutzung am Arbeitsplatz: das bedeutet einen enormen Produktivitätsverlust, ich habe Studien gesehen, dass bis zu 56% der täglichen Arbeitszeit einer Bürokraft für privates Surfen drauf geht. Wer erstmal ans Netz gefesselt ist, erledigt soviel er kann darüber: illegaler Download statt Kino, Google Earth statt Urlaub, Pizzadienst statt Essen gehen, Flashgames statt Bowling und Billard. Da wiederum wird Geld dem Wirtschaftskreislauf entzogen und wahrscheinlich an verschiedene Betreiber in USA, China, Taiwan, Korea transferiert, die die Angebote haben, die der Abhängige sucht. Je mehr ich lese, desto größer wird das Thema. Bert Theodor te Wildt schrieb mal: "Vieles spricht dafür, dass wir es hier langfristig nicht mit psychischen Problemen klinischer Relevanz, sondern mit soziologischen (Fehl-)Entwicklungen zu tun haben, Entwicklungen allerdings mit den Ausmaßen eines Paradigmen-Wechsels." (Lober, Virtuelle Welten werden real, S. 75) Herr te Wildt mag damit seine Zuständigkeit verleugnen, aber so wie es aussieht, kommt da was richtig Dickes auf uns zu. Und was immer es ist, wir sollten was dagegen tun. Ob es nun in die Zuständigkeit der Psychologen, Psychiater, Pädagogen, Soziologen oder Politiker fällt. Charmanten Abend, Chris. [Edit:] Hm, Merle, Du hast meine positive Einstellung betont. Ja, im Grunde geht es mir gut, aber es ist erschreckend, dass meine Frau seit über zwei Jahren abschmiert und einfach nicht die Kraft findet, einfach mal die Hand zu heben und leise "hilf mir" zu flüstern. Sie muss nicht viel tun, ich und andere kümmern uns schon, sie muss nur wollen. Und nochwas: ich finde die Arbeit an dem Buch zwar spannend und interessant, aber es ist auch belastend. Wenn man erstmal soviele Informationen verarbeitet, was da in ein einem abhängigen Menschen passiert, wie schwer es ist, davon loszukommen, wie teuer das ist, wieviele betroffen sind, wie die Firmen sich goldene Füße verdienen. In der Masse ist das nahezu unerträglich. Es bestärkt mich in dem Kampf gegen den Mist, aber es ist echt kraftzehrend. |
Powered by Koobi:CMS 7.24 © dream4®