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Christian(Freitag, 16.Apr 2010, 23:24)Hi Leute, so langsam verliere ich die Übersicht. Das Buch war als persönliches Coping, als Beitrag für die themenbezogene Arbeit, als Aufklärungsmedium gedacht, aber es verselbständigt sich immer mehr. Ich fange an, an allen möglichen Ecken zu schreiben, zu verbessern, zu erweitern, ein paar Absätze zu tippen und dann woanders weiterzumachen. Gut, dass ich gleich am Anfang die Grobsruktur gelegt habe, das hält mich einigermaßen im Rahmen. Aber momentan läuft es echt aus dem Ruder. In die bio-chemischen Prozesse bin ich für ein allgemein gehaltenes Werk schon zu tief eingestiegen, Begriffe wie "präfrontaler Kortex" oder "mesolimbisches System" könnten einige Leute abschrecken. Auch vertiefe ich wohl zu sehr die Diskussion, ob der Mensch überhaupt einen freien Willen haben kann oder ob er trotz Evolution und Bewusstsein nicht doch fremdgesteuert ist. In Kapitel 2 habe ich außerdem Unterpunkt 2.5 "Co-Abhängigkeit" ergänzt. Insgesamt komme ich gut vorwärts, bin nun bei über 50 Seiten, wenn man Inhaltsverzeichnis, Literatur, Vorwort, Glossar und Index mitzählt, inhaltlich also etwas über 25 Seiten. Aber es ist echt schwer. Das Thema ist nicht nur unheimlich komplex, nein, auch persönlich tut es immer weh, sich dem Problem zu widmen. Ich möchte Hilfe anbieten, Lösungen aufzeigen, aber ich weiß nicht, ob ich meinen eigenen Ansprüchen gerecht werden kann. Ich lenke mich ab, indem ich ein paar Zeichnungen und Abbildungen erstelle. In Worten zu erklären, wo der Nucleus accumbens sitzt ist zu schwer. Aber ich denke, es ist notwendig, auch diesen Mist zumindest oberflächlich zu erklären, weil man sonst nicht versteht, was der Suchtstoff in unserem Kopf anstellen kann. Morgen kommt eine neue Lieferung Bücher, mehr Literatur auszuwerten. Ich glaub, ich lass den Karton erstmal ungeöffnet in der Ecke, helfe meinem Kumpel beim Umzug und falle danach erschöpft ins Bett. Ein bisschen Pause von dem Problem und dem Thema tut mir vielleicht gut. Die Flut an Informationen (Studien, Aussteigerberichte, Bücher, Forschungsergebnisse, TV-Reportagen, Aufsätze, Foreneinträge, Gespräche mit Freunden, eigene Erfahrungen, die ich mir in Erinnerung rufe...) ist echt hart. Ich möchte einfach nur schreien. Ich sehe mich mit einem persönlichen und einem gesellschaftlichen Problem konfrontiert, das unaufhaltsam auf mich zu rollt. Ich schreie und es hört mich niemand. Um mich herum sind nur Zombies, gefressen von einer Kunstwelt, bestehend aus Einsen und Nullen, alle nur auf der Suche nach dem Stoff. Jeden Abend habe ich Sorgen und Zweifel, morgens stehe ich aber auch wieder voller Kraft auf - ich bin der Phönix. Ich hoffe, morgen wird es auch so sein. Ich glaube, der freie Tag heute hat mir zu viel Zeit gegeben, zu recherchieren, zu lesen, zu schreiben. Auf Dauer geht das nicht. Daher erstmal ein wenig Pause. Kapitel 2 folgt also wohl erst Ende nächster Woche. Angenehmen Abend wünscht Euch Chris. |
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