|
|
Thema ist geschlossen |
Christian(Dienstag, 4.Mai 2010, 21:52)Hallo zusammen, das wird jetzt hart, aber ich muss mir mal viel von der Seele reden/schreiben. Es scheint sich nun erledigt zu haben, das, was ich am wenigsten wollte, auch wenn es nach meinen letzten Beiträgen anders klang, ist eingetroffen: ich habe meine Frau verloren. Heute habe ich etwa zwei Stunden mit ihr telefoniert, wir haben viel geschwiegen, viel geheult, viel in Taschentücher geschnoddert. Jedes Wort von ihr tat weh und doch war es so gut, ihre Stimme zu hören, zu spüren, dass ich ihr nicht egal bin, zu merken, dass sie sich Zeit für mich nimmt und mit mir reden möchte. In den letzten Jahren ist viel passiert, nicht erst seit sie spielt. Wir haben beide Fehler gemacht, uns immer wieder zusammengerissen, versucht, es in Zukunft besser zu machen. Ich habe mich bemüht, ein guter Ehemann zu sein, sie hat sich bemüht, ihre Krankheit zu überwinden. Wir haben in den letzten Monaten viel unternommen, viele Pläne geschmiedet, uns was vorgenommen. Es war immer sehr turbulent bei uns, zwischen tiefer Liebe und heftigem Streit sind wir immer hin und her gependelt. Hoffnung und Zuversicht haben sich mit Resignation und Verzweiflung abgewechselt. Wir sind beide sehr labile Persönlichkeiten, tragen beide unsere Probleme mit uns rum, sind schwach und verletzlich. Ich habe damals viel falsch gemacht, es aber eingesehen und versucht, daraus zu lernen und es besser zu machen. Spätestens nach der Hochzeit wusste ich, dass ich mit diesem wunderbaren Menschen mein Leben teilen und verbringen, eine Zukunft planen will. Ich war sicher nicht das, was ich sein wollte: perfekter Ehemann, treuer Partner, loyaler Freund. Aber ich habe mir Mühe gegeben. Nun muss ich einsehen, diesen Kampf verloren zu haben. Die ewige Frage in meinem Kopf: "warum"? Ich suche die Schuld bei mir. Wie sonst könnte ich mir erklären, dass ich es nicht geschafft habe, sie glücklich zu machen, wenn andere Menschen vom Ende der Welt es schafften? Habe ich nicht genug getan? Ich habe viel aufgegeben und geopfert, Kraft, Zeit, Geld. Habe Geduld und Verständnis gezeigt, die Hoffnung nicht aufgegeben. Ich habe gekämpft, wollte es mit ihr überstehen, wie wir es uns damals geschworen haben: "Der alte Sack und der Frosch schaffen alles". Ich habe Lügen geschluckt, Enttäuschungen überwunden. Die Hoffnung war immer da. Aber sie hat sich immer weiter von mir entfernt. Wir haben uns zusammengerissen, Pläne und Vorhaben beschlossen, versucht, uns aufeinander zu zu bewegen. Je weiter sie von mir wegdriftete, desto mehr merkte ich, wie sehr ich sie liebe, was sie mir bedeutet. Ich versuchte es ihr zu zeigen. Durch Worte, Gesten, Taten, Briefe. Aber es war wohl zu spät. Nun stürzen alle meine Träume, Ziele und Pläne in sich zusammen. Mein ganzes Leben habe ich auf diesen Menschen ausgerichtet, er war meine Zukunft, mein Sinn. Es tut verdammt weh, das alles plötzlich nicht mehr zu haben. Ich habe nicht, wie angekündigt, irgendwas in den Keller gebracht. Auch den Ring trage ich noch. Sie ist ein großer Teil meines Lebens, der wertvollste Mensch, den ich je getroffen habe. Ich habe durch sie und von ihr viel gelernt, sie hat mir viel gegeben, das weiß ich zu schätzen. Ich werde ihr für all die schöne Zeit ewig dankbar sein. Immer wieder habe ich gesagt, das ich sie glücklich machen möchte und sie dafür auch loslassen würde. Nun ist es soweit. Und ich muss nicht nur sie loslassen, sondern auch eine unserer Katzen. Die Katzen waren unsere „Babys“, zum Üben, bis die richtigen Babys kommen. Jetzt bin ich mit der anderen Katze nur noch eine halbe Familie, ein Bruchstück von dem, was wir mal geplant hatten. Dieses ewige „Warum?“ Habe ich zuviel falsch gemacht? Waren wir doch nicht füreinander bestimmt, wie ich immer glaubte? Ist die Krankheit schuld? Wieviel Schuld habe ich an der Krankheit? Was können andere, jüngere Kerle per Internet richtiger oder besser machen als ich? Fragen über Fragen und keine Antworten. Auch wenn es so rüberkam, ich kann ihr einfach nicht böse sein, dazu liebe ich sie zu sehr. Ich kann sie weder hassen noch vergessen. Ich will ihr nicht wehtun und sie mir auch nicht. Es ist wohl einfach viel schief gelaufen, Schuld und Verantwortung zu suchen, ist da weder einfach noch angebracht. Ich bin unendlich traurig, dass es so gekommen ist, aber wenn es nicht geht, dann geht es nicht. Eine Beziehung sollte auf Vertrauen, Gefühlen und dem Wunsch, miteinander zu leben aufgebaut sein. Man kann das nicht erzwingen und sich auch nicht ständig verbiegen, wenn man nicht aus tiefstem Herzen will. An Dich, Engel: Geh Deinen Weg, denk an Dich und tu das, was Du für richtig hältst. Ich wünsche Dir alles Gute und danke Dir für alles, was Du für mich getan hast. Ich werde Dich nie vergessen. So, ich werd noch ein wenig mit alten Fotos reden und heulen. Macht Euch keine Sorgen, auch wenn ich vielleicht ein paar Tage abwesend bin, ich komm schon durch und melde mich bald wieder. Chris. |
Powered by Koobi:CMS 7.24 © dream4®