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        Wir haben das Sorgerecht verloren

Wir haben das Sorgerecht verloren

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ddscholz

(Freitag, 10.Sep 2010, 14:47)
Liebe Gärtnerin,

Ihre Schilderungen klingen dramatisch und sind inzwischen leider kein Einzelfall mehr - wie Sie auch diesen Seiten entnehmen können. Ein Kind auf diese Weise scheinbar zu verlieren, ist sicher kaum zu ertragen. Einen solchen Verlauf trotz aller Bemühungen nicht verhindern zu können, löst in Eltern oft starke Selbstzweifel und das Gefühl von Ohnmacht aus.
Leider ist die Wirkungsforschung derartiger Spiele im Zusammenhang mit familiären Gegebenheiten und den individuellen Faktoren der Spieler immer noch ganz am Anfang. Meines Erachtens sollte eine Diagnose - wie im Falle Ihrer Tochter gestellt - nach Möglichkeit auch das Umfeld einbeziehen und bestimmte Aussagen mit den Eindrücken und Erfahrungen der Eltern rückkoppeln. Befragte Jugendliche entwerfen mitunter ein völlig anderes Bild von sich, als es sich äußerlich darstellt. Diesem Prinzip der positiven Selbsterzählung folgen die meisten Menschen (wenn ihr Leben nicht zu stark erschüttert wurde), so dass hier keine bewussten Falschdarstellungen erfolgen, sondern bestimmte Gegebenheiten in diesem Sinne anders gewichtet werden. Für Außenstehende kann Ihre Tochter also durchaus nachvollziehbar ihre Sicht schildern und den Vorwurf der "Erziehungsunfähigkeit" nahe legen. Als Berater erlebe ich dies häufig und versuche dann, die einzelnen Fragmente der Erzählung gemeinsam mit den Eltern und dem Spielenden zu beleuchten und auf ihre Tragfähigkeit zu prüfen. Aufgrund der Komplexität von Beziehungen und individuellen Entwicklungen ist selbst das dann oft noch schwierig. Und nur wenn die Bereitschaft von allen zur Änderung vorliegt, lässt sich auch Tiefgreifendes ändern. Ist durch die dauerhafte Beschäftigung mit einem Spiel diese Änderungsbereitschaft völlig zerstört worden, wird Veränderung nur unter großem Druck möglich.
In Ihrer Familie haben Ihre eigenen Bemühungen und die des Hilfesystems - die entsprechenden Mitarbeiter können auch nur nach ihrem Kenntnis- und Erfahrungsstand urteilen und haben i.d.R. das Wohl der Hilfesuchenden im Blick - leider nicht zur Änderung geführt. Trotzdem haben all die Schritte, die Sie eingeleitet haben, Ihrer Tochter mit Sicherheit gezeigt, wie interessiert Sie an Ihr sind und vermitteln Ihr (unterbewusst) die Gewissheit, sich jederzeit an Sie wenden zu können, wenn sie dazu bereit ist.
Derzeit bleibt Ihnen vielleicht nur, für sich zu schauen, wie Sie mit dem Schmerz umgehen können. Mitunter kommt die Zeit, in der Sie Ihrer Tochter einen Brief schreiben können, in dem Ihre Perspektive mit Ihren Emfindungen deutlich wird und Ihre Tochter diese Zeilen annimmt.

Viel Kraft für die nächste Zeit!
D. Scholz

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