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(Freitag, 12.Nov 2010, 08:27)
Familie und WoW Hallo Marcus. Mein Name ist Kay, ich bin 36 Jahre jung und war von 2006 bis 2009 süchtig nach World of Warcraft. Ich habe mir in meiner Suchtzeit nie eingestanden abhängig zu sein und habe zuletzt im Schnitt ca. 18 Stunden pro Tag gezockt. Mittlerweile bin ich über ein Jahr frei von diesen Zwang. Ich las deine Zeilen und musste lange überlegen was ich schreibe. Insbesondere ist mir dein Verhältnis zur Familie aufgefallen. Dass unausgesprochene Vorwürfe von deinen Liebsten im Raum liegen kenne ich auch, mir ergings ähnlich. Allerdings solltest Du dieses Gefühl gelassen sehen, da deine Familie Dich mit Sicherheit liebt und wieder zurück nimmt. Egal wie lange Du in Azeroth warst, Du solltest mit deiner Familie offen darüber reden und Du wirst sehen dass sie mehr Verständnis dafür aufbringen wenn sie merken dass Du offen bist und es ernst meinst nicht mehr spielen zu wollen. Eines kann ich Dir mit Sicherheit sagen: Nur wenn Du wirklich aufhörst mit WoW kannst Du davon frei werden. Bei mir hat es fast ein Jahr Abstinenz bedarft um mir überhaupt darüber im Klaren zu werden, dass ich danach wirklich süchtig war. Es ist völlig normal dass man unmittelbar nach der WoW-Zeit ständig an das Spiel denkt, sich alles ausmalt was man noch alles dort erreichen könnte und im Netz nach Guides und Co. Ausschau hält. Ich habe im Spiel auch einmalige Sachen erlebt, ich habe z.B. den letzten nichtgetransten Skarabäuslord (Leonida) in der "Geschichte" der europäischen Realms auf dem Server Ulduar mitgekrönt. Das war als Vanillaspieler natürlich eine unglaubliche "Ehre". Aber... Ich lebe in der Realität und es interessiert hier kein Mensch was ich in Azeroth war oder nicht. Und mich interessiert es heute auch nicht mehr. Ich kann verstehen, dass man als eingesessener Raider mit gutem Gear das Gefühl der Verantwortung für die "Freunde" hat. Gerne lässt man sich feiern als eine Art "Star". Aber es sind keine wirklichen Freunde und ein "Star" ist man auch nicht - glaub mir das bitte. Konzentriere Dich auf deine neue Aufgabe die Arbeit, hier kannst Du Erfolge haben die ein ganzes Leben vorhalten. In WoW sind solche Erfolge nur für den Augenblick und nichts wert. Versuche auch nicht zu viel auf einmal zu wollen. Ich habe am Anfang auch kleine Brötchen gebacken. Ich habe mir eine Morgenstruktur festgelegt, nur alleine damit zu bestimmen dass ich Morgens immer um die selbe Zeit aufstehe, dann Frühstück und TV (ich habe kaum TV geguckt in meiner WoW-Zeit) guckte. Später dann habe ich mich aus der Wohnung getraut, ca 200m weiter zum Kaufmann. Der wurde zugespammt mit endlos viel Leergut. Jeden Morgen bin ich um vier aufgestanden und um ca 7 dann zum Kaufmann und immer die selbe Prozedur. Dann langsam immer mehr dazu gemacht. Habe dann irgendwann immer Mittag um die selbe Zeit gegessen usw. So ging es viele Tage und Nächte. Selbst heute noch habe ich Macken, die aus meiner WoW-Zeit stammen. Aber Stück um Stück meistert man alles, wenn man wirklich will. Nimm Dir kleine Schritte vor, das hilft ungemein viel - Du wirst sehen. Geb Dir einen Ruck und höre endgültig mit WoW auf, nur so kannst Du aus dem Gefühlsschlamassel herausfinden. Ich wünsche mir sehr, dass Du hier im Forum weiterschreibst, denn das würde zeigen dass Du weiter über einen Ausstieg nachdenkst. Und das ist mutiger als so manch anderer WoW Spieler ist. Du wirst sehen, wenn Du frei bist, dann gibt Dir das unglaublich viel Kraft und keiner kann Dir das jemals wieder nehmen. lg Kay |
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