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Christian(Mittwoch, 2.Dez 2009, 15:39)Vor eineinhalb Wochen habe ich unbeabsichtigt meiner Frau beim Chatten mit dem Spieler aus Jordanien zugesehen. Sie sprachen über den geplanten Besuch meiner Frau bei ihm und darüber, ob man sich in islamischen Ländern in der Öffentlichkeit küssen könne und dass sie zusammen in einem Bett schlafen wollen. Sie bat ihn auch um einen Ring. Er kündigte an, sein Haus umzubauen, damit er für sich und meine Frau eine abgeschlossene Wohnung hätte (er lebt mit seiner Familie zusammen). Ich stellte meine Frau zur Rede, sie konnte oder wollte nichts erklären und flüchtete wieder in das Spiel. Seitdem sprach ich sie immer wieder darauf an, bat sie darum, sich zwischen mir und dem Spiel bzw. ihm zu entscheiden. Sie rannte immer wieder davon uns spielte, statt sich ihren Problemen zu stellen. Vor einer Woche bat ich sie darum, auszuziehen. Sie wohnt nun bei ihren Eltern und ihrer Schwester und schläft auf dem Boden. Das Spiel ist allgegenwärtig, weil es dort keine anderen Themen gibt. Die Mutter hat inzwischen ihren Job aufgegeben und eine fünfstellige Abfindung erhalten. Sie hat allein diese Woche 2.000 EUR in das Spiel gesteckt. Da sie nun viel Zeit zum Spielen hat, wird die Abfindung wohl nicht lange halten, sie rennt geradewegs in ihr Verderben. In dieser Umgebung wird meine Frau keine Unterstützung bekommen, reale Freunde hat sie kaum noch, die anderen Spieler werden ihr auch nicht helfen und sie immer wieder zum Spielen überreden. Ich treffe meine Frau noch alle paar Tage an einem neutralen Ort. Wenn sie mit mir allein ist und nicht spielt, ist sie nicht mehr „Niniel“, sondern eine ganz andere Person. Sie klingt vernünftig, erkennt ihre Probleme, bereut die Fehler. Sie kann sich aber immer noch nicht entscheiden, sitzt zwischen zwei bis drei Stühlen. Ich versuche, ihr klarzumachen, dass die Situation durch Abwarten und Weglaufen nicht besser wird, aber es hilft nichts. Auf der Arbeit ist sie ständig in den Foren vom Spiel oder der Gilde unterwegs und bei ihren Eltern kommt sie vom Spiel auch nicht los. Ich muss einsehen, dass ich meine Frau vor mindestens einem Jahr schon verloren habe. Auch ich habe Fehler gemacht, es war nicht alles perfekt. Aber ich habe immer versucht, mit ihr ein glückliches Leben zu führen. Leider kann man die Zeit nicht zurückdrehen. Bei ihr sind die Gefühle verloren gegangen, ich habe das Vertrauen in sie verloren, weil sie mich ein halbes Jahr belogen hat. Momentan bin ich leider machtlos, kann nichts mehr tun als zuzusehen, wie sie weiter absteigt und sich vernachlässigt. Sie hat sich seit Monaten keine neue Kleidung mehr kaufen können, viele ihrer Sachen sind inzwischen kaputt, weil sie lieber dafür sorgt, dass ihre Spielfiguren immer die neueste Ausrüstung bekommen. Ich hoffe, dass meine Geschichte einen anderen Blick auf die Problematik eröffnet. Es ist nicht immer „WoW“ und es sind nicht nur Minderjährige, die ihr reales Leben aufgeben und in virtuelle Welten flüchten. Ich danke für die Aufmerksamkeit und möchte Familie Hirte, allen anderen Beteiligten bei rollenspielsucht.de und dem Verein Aktiv gegen Mediensucht e.V. für das Engagement und die Aufklärung Respekt und Anerkennung aussprechen. Liebe Grüße, Christian. |
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