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        Noch ein Spielsüchtiger

Noch ein Spielsüchtiger

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merle

(Freitag, 12.Feb 2010, 16:41)
nur die Wahrheit ist erträglich
Hallo Johann,
ich bin selbst Mutter von drei Söhnen und habe einfach mal versucht, mich in Deine Mutter hinein zu versetzen: Sie hat einen Sohn, dem sie vertraut und von dem sie der Meinung ist, es würde ihm alles soweit gut von der Hand gehen und er hätte keine schwerwiegenden Probleme. Nun kommt eines Tages dieser Sohn und bittet um ein ausführliches und vertrauliches Gespräch. Sie hat keine Ahnung, um was es gehen könnte, ist aber selbstverständlich bereit, in Ruhe zuzuhören. Und nun öffnet sich der Sohn, offenbart ihr, wie es wirklich um ihn steht und dass er nicht mehr weiter weiß und sehr verzweifelt ist. Wie wird sie reagieren? Wird sie gekränkt sein und ihm Vorhaltungen machen? Wird sie jammern, womit sie das verdient hat? NEIN. Ich bin ganz sicher, dass sie (nach dem ersten Schreck) ihr Herz weit auf machen wird, dass sie Dich in den Arm nehmen und beruhigen wird. Der uralte "Muttergesang" steht im Raum, das "Wir schaffen das. Schschsch, es wird alles gut." Sie wird es als große Wertschätzung empfinden, dass Du soviel Mut und Vertrauen aufgebracht hast, Dich zu "outen", und tief innen drin wird sie es sowieso schon gewusst haben, dass Du Deinen PLatz im Leben noch nicht gefunden hast. Auch sie wird wie erlöst sein, dass die Wahrheit endlich draußen ist, denn nur diese ist erträglich. Auf dieser ehrlichen Basis könnt Ihr gemeinsam die nächsten erforderlichen Schritte besprechen, um den langen und notwendigen Weg der Heilung zu gehen.
Lieber Johann, auch ich war mal Tochter und hatte mit den hohen Erwartungen meiner Eltern an mich zu kämpfen. Das liegt in der Natur der Dinge. Doch jetzt, seit ich Mutter bin, sozusagen auf der anderen Seite, kann ich diese Mechanismen klarer durchblicken. Das mit den Erwartungen ist nämlich gar nicht so wild. Oft sind wir selber es, die sich diesem Druck aussetzen, die das Höchste, Schnellste und Weiteste von sich erwarten, um der fixen Idee, die Eltern würden dies einfordern, gerecht zu werden. Mach diesem Spiel ein Ende. Leg die Wahrheit auf den Tisch. Du schenkst Deinen Eltern dadurch die Gewissheit, dass ihr Sohn ein Mensch ist der kämpft, fühlt, scheitert, leidet, sich wieder aufrichtet, nicht weiter weiß und ratlos ist. Mir sind solche Menschen allemal lieber, als diejenigen, denen alles "locker flockig" von der Hand geht. Die sind mir persönlich nämlich eher unheimlich.
Ich wünsche Dir den ganz großen Mut, Dich Deinen Eltern gegenüber offen und ehrlich zu öffnen.
Viel Glück.
Merle

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