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        Spielsüchtig mit 11

Spielsüchtig mit 11

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Christian

(Freitag, 26.Mär 2010, 20:56)
Hallo Leokadia (sehr melodischer Name),

Zitat
Wann hat die Sucht angefangen, wann haben Sie die ersten Anzeichen bemerkt, was hätten Sie anders machen sollen/wollen/können?


meine Geschichte ist etwas anders, aber ich erzähle sie trotzdem gerne, vielleicht hilft sie Dir. Ich bin 30, meine Frau 25. Seit acht Jahren zusammen, seit drei Jahren verheiratet. Sie fing vor zwei Jahren mit dem Spielen an. Rückblende, 2007. Ich war im Job erfolgreich, hab angefangen zu studieren. Sie wollte mir nacheifern, begann ein Fernstudium neben dem Job. Für mich hatte Studium Priorität, ich habe meine Frau vernachlässigt. Sie war mit ihrem Studium überfordert. Während ich mich weiter um mein Studium kümmerte (statt um meine Frau), schmiss sie ihr Studium hin.

Das Spiel ("Tales of Pirates" - muss man nicht kennen, ist nur eines unter vielen Hundert MMORPGs). habe ich ein Jahr vorher entdeckt. Wir haben es nicht verstanden, aber Spaß gehabt, in getrennten Zimmern über Headset und Chat zu quatschen. Naja, sie hat ihr Studium aufgegeben und das Spiel wiederentdeckt. Seit zwei Jahren klebt sie dran. Wie haben alles durchgemacht. Trennung, Scheidungsabsichten, Streit und Stress.

Auch meine Frau wurde gehackt. Stundenlange Diskussionen mit dem Spielesupport waren die Folge. Weil die Firma Geld verdienen will, hat ihre Mutter ihr den Kram wieder gekauft, den sie verloren hat (vierstelliger Euro-Betrag!).

Was ich sagen will: die Süchtigen sind nicht die Täter, sondern meist Opfer. Veranlagung, Umfeld, Schule oder Job, alles kann in die Sucht führen. Wir müssen die Betroffenen als solche akzeptieren, Vorwürfe oder Schuldzuweisungen bringen nichts.

Wo hätte ich anfangen müssen, was anders zu machen? Ich studiere, um im Job vorwärts zu kommen und meiner künftigen Sicherheit bieten zu können. Ist das schlecht? Habe ich meine Prioritäten falsch gesetzt? Und wenn ich die Antwort erfahre - ändern kann ich es nicht mehr. Ich kann nur für die Zukunft daraus lernen.

Prävention ist natürlich wichtig, hilft uns aber nicht weiter, weil wir mittendrin stecken. Dein Sohn ist extrem jung, da besteht die Hoffnung, dass sich das nach der Pubertät wieder von alleine legt. Therapie halte ich in dem jungen und turbulenten Alter für nicht angebracht (es möge mich belehren, wer es besser weiß.

Naja, nun habe ich viel geschrieben und Deine Fragen trotzdem nicht beantwortet und Dir wohl auch nicht weitergeholfen. Vielleicht konnte ich Dir ein wenig das Gefühl geben, dass Du nicht allein bist. Ich wünsche Dir/Euch alles Gute für die Zukunft, berichte ruhig weiter, wie es Euch ergeht. Sich mit Problemen vergraben hat noch niemandem geholfen. Bei uns bist Du ganz gut aufgehoben.

Liebe Grüße,
Chris.

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