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Frau durch Onlinerollenspiel verloren

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Christian

(Montag, 12.Apr 2010, 22:48)
Whoa.

Ich habe mir nochmal die ersten meiner Beiträge in diesem Thema durchgelesen. Erkenntnisse: es hat sich auch nach einem halben Jahr nicht wirklich viel geändert. Meine Frau ist ein völlig normaler Fall. Der Verlauf der Suchtkurve, die Anamnese, die Versuche, aufzuhören, die Lügen, die Flucht, die Reue. Hab ich nun echt etwa tausend Mal gelesen (zB http://wowdetox.com/ = World-of-Warcraft-Entgiftung, Aussteiger-Seite für WoW-Spieler mit zig-Tausend Geschichten) und während meiner Recherchen und Studien nun auch immer wieder erlebt.

Im Grunde ganz einfach:

- Du bist vorveranlagt, genetisch, durch Sozialisation, im Extremfall durch Misshandlung oder Mobbing oder sowas.
- Coping (=Problembewältigungsstrategie) klappt nicht im realen Leben, Deine Urinstinkte kommen hoch
- Instinkt sagt: bleib am Leben. Weil Dir niemand hilft, hilfst Du Dir selbst. Tiefenpsychologische Lösung eines neurotischen Konfliktes
- Du entwickelst eine Impulskontrollstörung, Dein Denken und Handeln, Deine ganze Lebensplanung gehen durcheinander
- Du ziehst Deine Familie und Deine Freunde mit rein - Co-Abhängigkeit
- Dein Handeln sorgt für Dopamin-Schübe, Dein Belohnungszentrum freut sich
...
- Dein Belohnungszentrum ist auf Balance ausgelegt, die Dauer-Dusche von Dopamin verträgt es nicht. Es zieht sich einen Pelz an, wird resistent
- Du willst, brauchst mehr Kick, mehr Dopamin, Dein Belohnungszentrum ist aber an der Decke. Wenn's Dir nicht ab und zu richtig beschissen geht, kann es Dir nicht gut gehen.
- Dopamin hilft nicht mehr, Du freust Dich über nichts mehr, hast keine Gefühle mehr. Nennt man Anhedonie.
- Du bist am Limit, Dein "Stoff" hilft nicht mehr, nichts und niemand hilft Dir. Jetzt gehst Du in Therapie, Du hast das Ende der Leiter erreicht.

Meine Frau ist ziemlich am Ende der Leiter. Wie ich im Vorwort meines Buches schreibe, entweder Einsicht oder Absturz. Ich halte sie fest, werde sie aber nicht auffangen und ihr auch nicht hinterher springen. Dazu lebe ich zu gern. Ich bekomm mein Dopamin durch Spazieren, für die Staatsprüfung lernen, mich hier austauschen, den Balkon bepflanzen, mit den Katzen spielen, Bude aufräumen und putzen, mit Freunden treffen. Und ab und zu fahr ich runter und kaum mir Serotonin. Das entspannt und macht ausgeglichen. Kick und Entspannung, aber immer Herr der Dinge bleiben.

Schöne Grüße aus dem Labor,
Chris.

[Edit:]

Ich sollte noch dazu erwähnen, falls es nicht deutlich genug durch kam: das ist der Verlauf JEDER Sucht, nicht nur "Spiel-Sucht", "Internet-Sucht" oder "Social-Network-Sucht". So läuft jede Sucht ab. Als die Glücksspiel-Sucht aufkam, war die Wissenschaft auch überfordert und hat die Kriterien aus den stoffgebundenen Süchten abgeleitet. Nun Steht die Wissenschaft vor dem Problem: ist Online-Abhängigkeit eher eine stoffungebundene Sucht oder eine Art Glücksspiel-Sucht? Katze beiß sich selbst in den Schwanz... Machen wir lieber eine Impulskontrollstörung daraus, so wie pathologische Brandstifter, da haben wir ja auch ein paar Millionen von in Deutschland, oder...?

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