Goodbye WOW - WB RL (welcome back, real life)
Tagebuch eines Ausstiegs - Der mutige Schritt nach 2400 Stunden reiner WoW-Spielzeit
Seite 3: Gedanken zu WoW - der Versuch einer Aufarbeitung:
WOW - Später
Manchmal habe ich schon Probleme, mich der Namen zu erinnern, die mich über ein Jahr begleitet haben. In seltenen Augenblicken dringen Stimmen in mein Ohr und ich denke: „Ach ja, das war doch…hm“ – ich versuche mich den Namens zu entsinnen, doch er bleibt aus.
Die Abende sind lang geworden, aber nicht langweilig, sondern es sind lange kurzweilige Abende. Abende, an denen ich nicht mehr Teil der Ländereien Azeroths bin, sondern Teil der Welt. Die Wolkenformationen am Horizont betrachtend, entsinne ich mich eines alten Gedichtes:
Im Nebel
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
kein Baum sieht den andern,
jeder ist allein.
Voll von Freunden war mir die Welt
Als noch mein Leben licht war,
Nun, das der Nebel fällt,
ist keiner mehr sichtbar.
Wahrlich, keiner ist weise,
der nicht das Dunkel kennt,
das unentrinnbar und leise,
von allen ihn trennt.
Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
jeder ist allein.
Dieses Gedicht hinterlässt bei mir einen traurigen, schalen Nachgeschmack. Jedoch spiegelt es in gewisser Weise meine derzeitige Situation wieder. Insbesondere die zweite Strophe landet bei mir einen „kritischen Treffer“.
„Voll von Freunden war mir die Welt
Als noch mein Leben licht war.“
Kaum kam ich online, war ich umgeben von Freunden, es gab nur selten einen Moment, in dem ich alleine unterwegs war.
„Nun da der Nebel fällt,
ist keiner mehr sichtbar.“
Der Nebel fällt, dieser Kokon, in dem ich für lange Zeit eingesponnen war, hat sich gelöst – aber noch fühle ich mich nicht ganz frei. Eher wie eine Raupe, die verwundert feststellt, dass sie nichts mehr umhüllt, dass sie in die weite Welt fliegen könnte - wenn sie ihre Flügel nur zu gebrauchen wüsste.
Von meinen Freunden in der Welt der Kriegskunst ist keiner mehr sichtbar, doch wenn man ehrlich ist, gab es sie auch nicht. In Azeroth hat man zwar seine Mitstreiter, seine Freunde mit dem visuellen Auge erblickt, aber sie nicht gesehen.
Avatare sind nichts weiter als der Versuch, die persönlichen Eigenschaften und die, die man gerne hätte mit dem Hammer der Sehnsucht in Pixel einzumeißeln.
In der begrenzten Unendlichkeit der virtuellen Welt, ist es einfach, seinen Platz zu finden. In der unbegrenzten Endlichkeit der realen Welt, gestaltet sich dieses sehr viel schwieriger. Löst sich der Kokon von Azeroth, so ist man in den ersten Momenten, wieder ein kleiner einsamer Charakter, so wie auch damals in Dun Morogh, Tirisfal oder dem Wald von Elwynn. Jedoch – wie auch damals in den weitläufigen, unendlichen scheinenden Ländereien Azeroths trifft man auch hier wieder auf Mitstreiter und Gleichgesinnte.
Und während sich die Wolken am Horizont langsam lichten, verzieht sich der Nebel und ich beginne, sie zu erkennen.
(
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Vielen Dank an howlucky !!
Ergänzung von AKTIV GEGEN MEDIENSUCHT:
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