Medienkompetenz ist nicht genug
© Dr. Sabine Schiffer (Institut für Medienverantwortung) bei einer Anhörung im bayer. Landtag (Fachgespräche der Grünen)
" Medienerziehung beginnt spätestens mit der Wahl des ersten Bilderbuchs. Bereits hier bietet man piktografische Gewohnheiten an und die weitere Auswahl wird mitentscheiden, ob das Kind später mehr Tiere oder mehr Pokémons kennt. "
" Medienerziehung beginnt spätestens mit der Wahl des ersten Bilderbuchs. Bereits hier bietet man piktografische Gewohnheiten an und die weitere Auswahl wird mitentscheiden, ob das Kind später mehr Tiere oder mehr Pokémons kennt. "
Kompletter Vortrag hier als PDF-Datei
Kurzer Auszug aus dem Vortrag von Dr. Sabine Schiffer:
Statt wissenschaftlich reliable Belege vorzulegen, beschränkt man sich häufig auf das Wiederholen von Segmentbeobachtungen über angebliche Entwicklungsschübe durch die Hinwendung zum Computer, die jedoch nichts über den langfristigen Effekt aussagen. Demgegenüber stehen eindeutige Erkenntnisse und auch langfristige Beobachtungen, die folgende Schlüsse nahe legen:
- Durch die frühe Heranführung an wahrnehmungstechnisch inadequaten Angebote wird Zugang geschaffen, Entwicklung behindert und vor allem Konsum gefördert.
- Je mehr Computernutzung, umso schlechter der Schulerfolg.
- Buntes Layout reduziert klare Strukturierung und Lernerfolg – dies gilt für Schulbücher und Bildschirmangebote gleichermaßen.
- „Webbasierte“ Leseförderung ist ein Slogan der Computer-Industrie. (schlechtere Memorierung + leichtere Ablenkung)
- Sprechende Websites reduzieren die Einsicht ins Lesen- und Schreibenlernen.
- Neugierde, Interesse und Frustrationstoleranz trainiert man durch schnelle Belohnungssysteme ab – so sind aber sämtliche Softwareangebote angelegt.
- Antolin dient einer Zugangsverpflichtung und somit der Gleichschaltung noch junger Schüler. Eine spätere Einführung von PCs wäre sinnvoller – mit der klaren Botschaft - Botschaft für die Eltern: kein eigenes Gerät ins Kinderzimmer!
- Durchschnittswerte der Forschung sollten nicht als Aufforderung zur täglichen Nutzung missdeutet werden: bei der PC-Nutzung durch Schüler auch für Lernzwecke nimmt der positive Effekt mit der Häufigkeit der Nutzung bereits wieder ab.
- Es ist sinnvoll, den PC als Arbeitsgerät einzuführen und den Kompetenzerwerb im 10-Finger-Schreibein anzubieten. Ablenkend wirkt Spielepädagogik in Schulen (à la Warkus oder Fritz, Electronic Arts & Co.) > dort muss man nicht „spielend lernen“, sondern etwas Handfestes fürs Leben!
- „Teaching by walking around“ (also das Betreuen von Schülern, die ihre Aufmerksamkeit auf einen Bildschirm richten) ist die Grundlage für Lehrer- und Schülerversagen: die Entwertung der Beziehung von Schüler und Lehrer muss aufhören!
- Die enormen Ausgaben für Folgekosten für Technik dürfen nicht die Aufstockung des Lehrkörpers verhindern. Da die Kinder bei der Einschulung immer defizitärer und nervöser sind, sind kleinere Klassen unumgänglich! (statt für Gerätewartung Lehrkräfte noch abzuziehen)
Leser Sie ausführlich hier weiter
siehe auch
| Geschrieben von: Team-ch am 17.01.2010 |
Galerien dazu



