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        Eingreifen oder nicht?

Eingreifen oder nicht?

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merle

(Samstag, 21.Dez 2013, 20:16)
Hallo Hugo 99,

das, was du über euren Sohn berichtest, sind die ganz typischen Symptome, die alle von Computerspielsucht Betroffenen zeigen. Ich denke hier besteht kein Zweifel, dass euer Sohn abhängig ist. Dass Exzessivspieler beim Raiden Windeln tragen ist keine Seltenheit. In manchen Fällen wird auch in Flaschen gepinkelt oder es steht ein 10 Liter Eimer unter dem Schreibtisch. Dies ist leider kein Klischee sondern traurige Wirklichkeit. So brauchen die Spieler ihre PC-Sitzung nicht zu unterbrechen und können unbesorgt Stunde um Stunde zocken.

Wir stellen immer wieder fest, wie identisch die Verhaltensweisen der Abhängigen sind und wie sehr sich die Abwärtsspirale, in die sie geraten, ähnelt. Die Ausbildung wird abgebrochen, Versprechen, sich eine neue Stelle oder einen Job zu suchen, werden gebrochen, sie schlafen bis weit in den Nachmittag hinein, ziehen sich völlig zurück, vernachlässigen ihre Umgebung (auch Post, „mtergänge, Fristsetzungen etc.), achten nicht mehr auf ihr „ußeres und blocken jedes Gespräch zu diesem heiklen Thema ab.

Ihr werdet euren Sohn nicht zu einer Therapie zwingen können. Kein Therapeut und keine Klinik wird mit einem Klienten, der nicht aus freien Stücken kommt, erfolgreich arbeiten können. Meist fehlt den Betroffenen über einen langen Zeitraum die Krankheitseinsicht. Sie brauchen lediglich ihr Suchtmittel (den PC) und sind für Argumente nicht zugänglich. Dass euer Sohn dringend Hilfe braucht, wird ihm noch nicht bewusst sein. Erst wenn sein Leben vollends aus den Fugen gerät, wird er die Kraft finden, eine Veränderung zu wollen und entsprechende Schritte zu unternehmen. Dies kann sehr lange dauern. Ihr könnt ihm dies nicht abnehmen, so schwer das auch fällt. Wichtig wäre, dass ihr euren Sohn nicht weiter finanziell unterstützt, sonst sorgt ihr dafür, dass es ihm letzlich an nichts fehlt. Sein Leidensdruck muss so groß sein, dass ihm bewusst wird, dass er so nicht weiter machen kann. Wenn ihr ihn an dieser Erfahrung hindert, kann sich seine Abhängigkeit über Jahre hinziehen. Gebt ihm die Verantwortung für sein Leben und auch die Konsequenzen, die daraus entstehen. So gebt ihr ihm die Chance, zu begreifen, was mit ihm los ist.

Ich wünsche euch viel Kraft.

Herzlichst, Merle

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