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Marcus35(Freitag, 2.Okt 2009, 14:22)Wie leicht und wie schwer das Aussteigen ist Hallo zusammen. Ich bin Marcus, bin 35 Jahre alt und spiele World of Warcraft seit 3 Jahren. VOR WOW: ========= Ich hatte im Juni 2006 einen Unfall der mir lt. der Ärzte in einem Klinikum 18 Monate Arbeitsunfähigkeit einbringen würde. Ich bekam eine Ellenbogen-Gelenksprothese. Ich war vorher Maschinenführer in einer Firma für Papierveredelung. 7 Jahre Schichtdienst inkl Sa+So. Ich war Torwart in einer C-Liga-Mannschaft, in einem kleinen Städtischen Verein, der mir seit der Kindheit am Herzen lag. Die Firma und der Verein waren mein Leben. Ich wurde auch Mitglied der SPD. Ich wollte die Welt etwas mitverändern. Nach dem Unfall sollte sich alles bei mir verändern. Im September 2006 installierte ich WoW auf meinem Rechner und war von dieser Online-Welt fasziniert. Direkt am Anfang verbrachte ich, aufgrund meiner immensen Zeit die ich hatte, manchmal 2 Tage am Stück vor dem Rechner. Springen wir die Zeit ein wenig nach vorne: Vor einem Jahr habe ich mich in eine Psychatrische Klinik einweisen lassen, nachdem ich den Beitrag in der ARD über WoW-Spieler gesehen habe (ca 12. August 2008). Zu dem Zeitpunkt (12, August 2008) lag ich schon 3 Tage auf der Couch. Ich konnte nicht mehr spielen, weil ich kein Geld mehr hatte. Ich konnte nicht mehr vor die Tür gehen, und meine Wohnung war in einem furchtbaren Zustand. Ich hatte Angst vor dem "draussen". Wenn es an der Tür schellte hatte ich eine solch gewaltige Angst, die man wohl nur noch mit einer Todesangst vergleichen konnte. Ich habe in der Ecke gehockt, und mich versteckt. Die rufenden Stimmen versucht zu Ignorieren. Versuchen sie sich nicht vorzustellen, wie die Stimmen auf mich gewirkt haben. Wie ein Tier, das in die Ecke getrieben war. 2 Tage hatte ich nichts mehr gegessen, und während ich auf der Couch lag hab ich mir immer eingeredet, das gleich jemand kommt, und mir hilft. An diesen zwei gegensätzlichen Sätzen können Sie erkennen, was ich aus mir gemacht habe: Ich war, und bin es teilweise noch immer, ein psychisches Wrack. Und während ich diese Sätze schreibe, kullern dicke Tränen herunter. Ich war damals so krank, das ich dachte, ich werde Sterben und niemand wird es merken. Als ein Tag später der Beitrag in der ARD (http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/843812 gegen 23h) begriff ich für kurze Zeit, das ich krank bin. Ich lief um 01h Nachts durch meine Stadt mit dem Ziel Psychatrische Klinik. Aber ich war so desillusioniert, das ich 4 Stunden dafür brauchte. Ich war erschöpft und stand vor der Pforte der Klinik. "Um Himmels willen, was sage ich denn jetzt?". Ich habe etwas gestottert wie "es geht mir nicht so gut". An den Rest erinner ich mich nur noch Bruchstückhaft. Ich habe die erste Woche auf einer Station verbracht, bei der sich Besucher anmelden müssen, und ich isoliert vom Rest der Welt war. Woran ich mich erinner ist, das mir das sehr gut getan hat. Entzug, Depressive Erschöpfungszustände und eine soziale Phobie, die teilweise darin sich äußerte, das ich Leute hasste, die von anderen Stationen zu unserer kamen, ich fühlte mich bedroht. Ich hasste Leute, die selbst krank waren. 4 Wochen machte mich alles aggressiv, was mich erschreckte: Ein Kicker stand im Flur der Station, er hat mich wahnsinnig gemacht. Ich glaube ich habe die Leute dort bedroht und geschriehen, wenn sie spielen wollten. Ich weiss es aber nicht mehr. Über der Zeit dort liegt alles wie ein Nebeliger Schleier, und ich weiss noch nicht, wie ich damit umgehen soll. Nachdem ich 3 Monate in der Klinik verbrachte habe, stand eine Medizinische Rehabilitation an. Dazwischen lagen zwei Monate, die ich völlig Planlos anging. Für eine Arbeitstherapie war die Zeit zu kurz, und die Anmeldezeit bei einem Therapeuten beträgt 6 Monate und mehr, also auch hier war keine Hilfe zu erwarten. Und die planlose Zeit endete natürlich in World of Warcraft. InGame sagte ich, ich hätte eine ReHa wegen meinem Ellenbogen gemacht. Das ich meiner Sucht freien Lauf lasse, hätte ich nie gesagt. Es hätte nicht viel gefehlt, und ich wäre nicht zur ReHa gefahren. Ich würde sagen, man kann es einem Zufall verdanken, das ich doch in die ReHa gefahren bin. In der Eifelklinik in Manderscheid war ich zum ersten mal seit Jahren wieder mit normalen Menschen zusammen. Sie alle vereinte, das sie sehr krank waren und nun auf dem Wege der Besserung den nächsten Schritt nahmen. Ich war in einer Umgebung, in der ich mich wohlfühlte, weil ich nicht der einzigste war, dem es schlecht ging. Und ich hatte einen Super-Therapeuten. Ein Mensch, der mich auch Intellektuell aus meiner Isolation herrauszog. Die ganzen Vorschläge vorher "geh doch mal zur Bücherei oder beleg einen VHS-Kurs" waren gut gemeint, aber heute kann ich sagen, zu diesem Zeitpunkt vollkommen sinnlos. Ich war süchtig. Nicht aufnahmebereit. Aber es gab keinen in meinem Umfeld, der das erkannt hat. Oder alle haben es erkannt, und ich wollte es nicht erkennen bzw. hören. Wahrscheinlich wäre es damals doch besser gewesen, auc |
Marcus35(Freitag, 2.Okt 2009, 14:42)Teil2 Wie leicht und wie schwer das Aussteigen ist ...auch heute noch, wenn ich eine der Angebote des Betreuten Wohnens in Anspruch nehmen würde. Gehen wir aber nochmal 4 Monate zurück von heute aus gesehen. Ich fing eine Berufliche ReHa von der Renteversicherung gefördert an. Auch hier wieder alles Menschen, die versuchen, nach einer Krankheit wieder Beruflich Fuss zu fassen. Auch ich gehöre dazu. Ich bekomme nun die Möglichkeit eine Ausbildung beim Berufsförderungswerk in Dortmund zu machen. Das hat mir soviel Mut gegeben, das ich langsam, während ich das schreibe, an meinen Ausstieg glaube, aber noch nicht weiss, wie ich ihn vollziehen soll. Denn soviel sollte jeder über World of Warcraft wissen: Einfach den Stecker ziehen, wenn man 3 Jahre mit einer Community verbracht hat, ist, als würde man 3 Jahre irgendwo arbeiten, sogar mit Erfolg, man ist mehr oder weniger beliebt, und auf einmal nicht mehr kommen. In diesem Diskurs steckt aber nur der Süchtige, doch sollte man dem süchtigen nicht mit diesem Problem alleine lassen, in dem man ihm den PC "wegnimmt" oder ähnliche Tolle Vorschläge unterbreitet. Damit ist zwar für die Aussenstehenden "Betroffen" ein lustiger Vorgang (wie man manchmal in Foren liest) von statten gegangen, aber die emotionelle Distanz zu den "Freunden" wird größer und die Rückkehrgefahr auch. Diese Geschichte ist meine (!) Geschichte: Marcus M. Sie darf nicht vervielfältigt werden, auch nicht auszugsweise, ohne meine Ausdrückliche Genehmigung. Denn im moment sind viele Scharlatane aus der Boulevardpresse unterwegs, die "besonders schwere Fälle" suchen. Ich bin nicht gegen Journalisten, aber einer Veröffentlichung stehe ich nur dann positiv gegenüber, wenn ich damit anderen Helfen kann, die diesen Weg evtl noch gehen müssen. Wer seine Auflagen- oder Zuschauerzahl auf meinem Rücken erhöhen möchte, darf auf einen Kontakt direkt verzichten. Gruss Marcus M. |
Marcus35(Montag, 5.Okt 2009, 16:40)Update 5. Oktober Hallo zusammen, Ich spiele seit Donnerstag abend nicht mehr. Meine Gilde weiss noch nicht, das ich nicht mehr zurückkomme. Meine Verfassung ist zu beschreiben mit Worten wie "nervös", "gestresst", "gereizt". Wie lange ein Tag sein kann. Ich verbringe ihn vor dem PC mit einigen anderen Netzwerken (meinVZ usw). Ich weiss das ich da was kompensiere, und ich arbeite an einem Tagesplan, der es mir ermöglicht den langen Tag zu verkürzen, mit Dingen, die mir mehr helfen. Morgen werde ich 2x das Haus verlassen. Einmal muss ich, und einmal kann ich, und werde ich. Heute läuft die Raid-Anmeldung für Mittwoch aus. Ich hab seit März eine 98%ige Teilnahme (2x pro Woche 25´er, 2-3x 10´er Raid). Ich müsste mich melden (mit meinem Gilden-Coming-Out). Nun, mein Ausstieg aus der Gilde dürfte nicht so schwierig werden, was meine Gilden-Kollegen angeht. Nur was mich angeht. Es stellt sich langsam heraus, das ich mit meinem Kopf-Kino mir mehr Probleme damit mache, als es tatsächlich sind. Das lässt sich auch nicht so einfach abstellen. Ich (!), bin in dieses Spiel verwurzelt. 3 Jahre lang habe ich mich gegen alle von aussen so abgekapselt, das ich ein nervöses Wrack bin, wenn ich ausser Haus auf Familie z.b. treffe. Im Kopf schwirren unausgesprochene Vorwürfe von Ihnen herum, das ich mich so von ihnen getrennt habe. Ich habe die Zeit förmlich genossen, als ich in der Psychatrie war. Aber nicht das es mir dort gut ging, sondern nur wenn es den Leuten dort schlechter ging als mir. Das ist auch unausgesprochen gewesen, aber es war ein Gefühl. Wenn ich nun auf Leute treffe, die mir Vorwürfe machen "könnten" macht mich das förmlich platt. Manchmal stresst mich das so, das ich einfach anfange zu weinen oder auch nur zittere. Das Gefühl, alle Verraten zu haben ist wahnsinnig stark in deren Gegenwart. Und kontrollieren kann man das wohl nicht. Vielleicht sollte jetzt ein Spruch kommen wie "da musst du durch". Aber derzeit kann ich keine Klugscheisser (sry) ertragen. Gruß Marcus |
Marcus35(Donnerstag, 8.Okt 2009, 22:03)Update 8. Oktober Hallo, Ich habe heute eine Nachricht bekommen, das meine Ausbildung nun erst am 26. Oktober beginnt, anstatt am 15. Die Tage sind so elendig lang. Einerseits sehne ich mich nach Kontakten, aber andererseits komme ich (fast) gar nicht vor die Tür. Meine Diagnose "Soziale Phobie" ist in sovielen Tagessituationen spürbar, vor allen Dingen wenn ich Kontakt mit Leuten habe, denen ich mit meiner sozialen Abschottung "weh" getan habe. Direkt bei meiner Familie und indirekt in den (finanziellen) folgen. Das Gefühl sich ständig entschuldigen zu müssen und gebückt sich ständig erklären zu müssen macht mich krank. Ich habe heute zwei mal geweint, weil ich nach einem Besuch heute morgen bei der Schuldenberatung nicht in der Lage war die erforderlichen Dokumente anzuschaffen. Als ich von der Schuldenberatung nach Hause gekommen bin, war das oben beschriebene Gefühl, als wenn ich ein Idiot wär. Auf der anderen Seite sitze ich hier in meiner Wohnung, die ich mein "Loch" nenne. Hier habe ich solange gespielt, und all das oben erwähnte erlebt, das ich manchmal nicht fähig bin etwas anderes zu tun, als am PC zu sitzen. Ich habe hier auch nie etwas anderes gemacht. Deswegen war meine Freude auch auf den 15. Oktober (nach Dortmund) gerichtet, was mir nun eine 2 wöchige Verlängerung in meinem Loch gebracht hat. Dieses "Tagebuch" ist derzeit meine einzigste Möglichkeit mich auszudrücken. Ich habe zwar auch Kontakt mit einer Sozialarbeiterin, die mir auch wie oben erwähnt hilft, aber richtig konzentriert sich Gedanken zu machen, was mit mir ist, und ob ich irgendwas dagegen machen kann kommen mir nur hier. Ich bin dankbar, das ich das anonymisiert hier machen kann. Sich damit auseinanderzusetzen ist für mich eine wichtige Stütze in diesen Tagen. Und ich hoffe, das, wenn es Leute dort draussen gibt, die sich in der sozialen Isolation befinden, wissen was sie tun können, wenn es nicht mehr geht. Sollte irgendjemand dazu eine Frage haben, schickt mir hier eine PM. Ich helfe wo ich kann, genauso anonym wie ich hier auftrete. Besser noch: wartet nicht so lange, bis das der Punkt wie bei mir eingetreten ist. Und eins weiss ich: Neben den ganzen Kommentaren im Internet, die abstreiten das WoW in die Isolation führen kann, gibt es auch Leute die es besser wissen, weil sie es am eigenen Leib erfahren haben. Googlen sie, und sie werden eine Menge User finden, die WoW "verteidigen", als wenn es ihr Freund wäre. Diese Art Argumentation, der ich auch verfallen war, hilft mir aber jetzt das alles etwas klarer zu sehen. Nämlich das ich keine Sucht nach WoW habe, sondern "nur" mit den folgen im moment kämpfe. Nicht das ich behaupte jeder WoW-Spieler wäre krank. Aber würde jeder Spieler zugeben, der häufig 6h am stück WoW spielt, das er dadurch Probleme mit seinem Umfeld hat, und es dann auch einsehen, wären wir schon ein Stück weiter. "Probleme mit seinem Umfeld" ist nicht die erste Stufe der Sucht, ich würde sagen, die erste Stufe ist "Verlust der Zeitkontrolle", auch das weiss ich. Und ich weiss, von diesen Spielern gibt es SEHR viele. Und wenn ein Spiel Flächendeckend gespielt wird wie WoW, und es so die (realen) Strukturen verändert, kann man nicht davon ausgehen, das es nur bedingte Einzelfälle gibt. Die äußere Kontrolle darüber, das soziale Umfeld, gibt es nämlich nicht bei allen Menschen. Jemand der, wie ich bis vor kurzem, ALG-II bekommt unterliegt nur selten Termin-Not, so das er häufig das spiel unterbrechen müsste. Das verdeckt meines erachtens sehr viel. Welche Art sozialer Sprengstoff dort besteht, weiss ich nicht. Aber folgelos kann das nicht sein. Nur der Server auf dem ich gespielt hab, hatte 14.000 Charakter. Server wie "Frostwolf" haben 22.000 und mehr. Das sind kleine Städte. Auch wenn häufig mehrere (bis zu 10) Charakter einem User gehören können, so muss man auch beachten, das es 87 (!) deutsche Server gibt. Die "Einwohner"-Zahlen schwanken zwischen 2.000 und 25.000. Ein Addon liefert diese Daten und wird im Internet veröffnetlicht, und es zählt nur die Charakter, die einem begegnet sind in den letzten 30 Tagen. Also sind die Zahlen nicht 100% korrekt, man muss von höheren Char-zahlen ausgehen. Gruss Marcus |
Marcus35(Dienstag, 13.Okt 2009, 19:42)Update 13. Oktober Dienstag, 13. Oktober 2009 Hallo, nachdem ich vor knapp 2 Wochen aufgehört habe WoW zu spielen, und ich zwischendurch davon überzeugt war, das WoW nur ein Spiel ist, habe ich eben zum ersten mal wieder drüber nachgedacht zu Spielen. Bis zum 26. Oktober ist noch soviel Zeit, und ich quäle mich hier in meiner Wohnung, meinem Loch, von Tag zu Tag. Ich fing an binnen Sekunden mir „Ausreden“ einfallen zu lassen warum es „sinnvoll“ ist zu spielen. Ich fing an mich selbst zu überzeugen, und wie ich am einfachsten mein Umfeld davon überzeuge, das es sein musste. Wie ich mich nach außen hin verhalte, und wie ich im spiel argumentiere, warum ich jetzt wieder da bin. Es ist wahnsinnig. Ich hatte mich selbst überzeugt, nicht wieder zu spielen. Und jetzt das. Ich möchte PvP spielen, am liebsten ohne Gildenkontakt. Aber das geht nicht. Das Spiel ist immer noch auf meiner Festplatte. Ich weiss von meinem letzten „Löschen“ das es kein Unterschied ist, ob es da ist, oder nicht. Ich hatte meine ganzen Chars gelöscht, und es war eine Sache von 5 min, bis ich sie alle wieder hatte. Einen GM kontaktiert, und es war alles, sogar die korrekten Taschen-Inhalte wieder an seinem Platz. Ich kann das alles mit einem Mausklick wieder in Gang setzen. Nie in meinem Leben war ich so ehrgeizig mit irgendetwas wie mit WoW. Das alles fing mit Level 60 an. Der Ehrgeiz. „Du machst ja keinen Schaden“ war dieser ominöse Satz. Von da an schwor ich mir, das sagt nie wieder jemand zu mir. Es war der Anfang vom Ende. Mein Jäger war zum Schluss nicht der beste auf dem Server, aber wäre der beste Schadensverursacher des Servers mit mir in einem Raid gewesen, er hätte sich nicht gewagt, eine Sekunde seine Rotation aus dem Auge zu verlieren. Stunden, die ich mit Armory und Skillungen anschauen verbracht habe. Es ging um die Stellung die man in der Gemeinschaft hat, 3 Jahre habe ich nicht immer alle Raidinstanzen gemeistert, aber equiptechnisch hätte ich sie alle meistern können. Man wird von fremden Chars angewispert, wie das mit jener oder dieser Skillung sei. Wer jetzt sagt, Gott bist du arm, der hat recht, aber wer behauptet, das dieses „Bauchpinseln“ nicht bei jedem ein gewisses „Gefühl“ man-macht-alles-richtig auslöst, der lügt sich auch selbst in die Tasche. Die Replys von den Chars („ey danke für die Tipps, ich mach jetzt echt mehr schaden&ldquo oder deren Gildenmitgliedern („was haste denn dem gesagt? Der macht ja auf einmal Schaden&ldquo kommen nicht von alleine. Fremde Spieler, die sich verbeugen, ein /jubeln, oder auch wenn man einfach nur Freunden hilft, die 1 Stunde verzweifelt eine 5´er Ini nicht geschafft haben, und einem Danken, wenn man soviel Schaden verursacht hat, das der vorher unbesiegbare Gegner rasendschnell auf der Erde liegt. Man lebt in einer Welt voller Lobeshymnen UND Aufgaben, die noch nicht bewältigt sind. 2007 haben wir 5 Wochen 2-3-mal pro Woche eine Instanz besucht. Als der letzte Boss lag, nach unzähligen Versuchen (über 200 trys), Streitereien im TS, wilden Diskussionen im Gildenforum, Beschuldigungen hinter vorgehaltener Hand („diese und jene Spieler taugen einfach nichts auf dem Niveau&ldquo muss man sich den Jubel im Teamspeak vorstellen. Wir waren in diesem Kampf wieder an einen Punkt gekommen, wo wir sonst immer gescheitert waren. Als wir ihn zum ersten mal überwunden hatten konnte ich förmlich spüren, wie der Wille durch alle 25 Spieler ging, "DIESMAL MUSS ES KLAPPEN". Im Teamspeak war es absolut ruhig. 30-40 sek keinen Mucks zu hören. Dann hatten wir es geschafft und wildes Geschrei. 25 Leute, die enthusiastische Tänze vor ihrem PC veranstalten. Leute, die so alt wie ich sind, teils älter, teils jünger.Und doch schreibe ich das jetzt wieder mit einer Überzeugung mehr, nicht mehr zu spielen. Gruß Marcus |
Pug(Samstag, 17.Okt 2009, 18:19)Hallo Marcus, ich habe gerade eine Reportage in der ARD Mediathek gesehen, die sich mit dem Thema beschäftigt hat. Daraufhin kam ich von einer Internetseite zur nächsten und landete schließlich hier. Ich muss erstmal gestehen, dass ich mir noch nicht dein ganzes Tagebuch durchgelesen habe. Wollte aber zunächst einmal sagen, dass ich dir Alles Gute auf dem Weg aus der Onlinewelt wünsche! Gib nicht auf! Ich verstehe genau, was du gerade durchmachst, denn auch ich war MMORPG-süchtig bzw bin es wohl noch immer, denn eine Sucht verschwindet ja nicht, man kann ihr nur widerstehen. Als Hoffnung kann ich dir mit auf den Weg geben, dass es mit der Zeit leichter wird, vorallem, wenn man andere Beschäftigungen findet. Und davon gibt es genug. Allein all das wieder zu richten, was man durch seine "soziale Abstinenz" zerstört hat, kann einen schon eine Menge Zeit kosten. Allerdings ist es besser, erst einmal mit den alltäglichen Dingen anzufangen, denn wenn man sich nach und nach besser fühlt, ist es auch leichter, mit anderen leuten darüber zu reden. Wenn du reden willst, sag Bescheid, vielleicht kann ich dir ja irgendwie helfen! |
Marcus35(Dienstag, 27.Apr 2010, 17:59)Update Hallo zusammen, ich bin seit Oktober 2009, also nun rund 7 Monate hier im Berufsförderungswerk und erlerne seit Januar einen neuen Beruf. Ich spiele World of Warcraft weiterhin, aber Zeitlich dosiert. Ich habe Raidzeiten am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Sonntag. Ich bringe aber beides zeitlich in eine gute Koexistenz. Ich habe die Möglichkeiten Raids ausfallen zu lassen, und die nehme ich auch war, wenn in einer Woche Klausuren anstehen. Was mir bisher aber nicht gelungen ist, und auch keiner möchte, ist beide Welten zueinander zu führen, so das meiner Situation der Druck genommen wird. Denn auch wenn meine Arbeitsweise funktioniert, so ist mein Privatleben noch keineswegs in Ordnung. Ich bringe zwar die Disziplin und Ordnung mit, vernünftig an meinem Arbeitsplatz zu funktionieren, aber danach ist mein Privatleben immer noch ein Trümmerhaufen. Ich kann länger als 3-4 Tage zuhause nicht funktionieren. Das habe ich während der letzten Osterferien, als wir 10 Tage beurlaubt wurden, festgestellt. Auch Misserfolge im Beruf sind immer noch durch eine Flucht nach WoW gekennzeichnet. Desweiteren hat sich nach 4 Jahren Spielzeit mein Namensgedächtnis so weit verschlechtert, das ich nicht in der Lage bin nach 4 Monaten die Namen meiner Klassenkameraden zu behalten. Sich neben dem gerade eben beschriebenen Suchtverhalten in einer Welt zu bewegen, die einem manchmal sehr fremd ist, weil man jemandem etwas sagen möchte (smalltalk), aber ständig um seinen Namen kreist ist für mich sehr beschämend. Der Einstieg ist also sehr sehr schwer und ist einfach ohne fremde Hilfe und Unterstützung nicht immer durchzustehen. Auch wenn hier im Berufsförderungswerk Hilfe ist, so ist sie nicht da wenn ich sie brauche, und der ständige Wechsel von irgendwelchen Personen, die für mich zuständig sind, erlaubt mir auch nicht zu jemandem Vertrauen aufzubauen. Ich bin über Ostern in den beschriebenen 10 Tagen wieder in meinen Spielryhtmus gefallen, der da ist: Nachts bis morgens spielen und Tagsüber schlafen. Die Hemmschwelle jemanden von aussen bescheid zu sagen, das es mir schlecht ging, kann ich nicht aufbringen. Ich habe nicht gedacht, das ich nochmal so tief fallen kann. Mit Mühe und Not war ich am ersten Tag nach dem Osterurlaub wieder hier, eine Stunde später. Gruss marcus |
merle(Donnerstag, 6.Mai 2010, 11:07)immer an eine Veränderung glauben Hallo Marcus, schön, nach so langer Zeit mal wieder von Dir zu hören. Deine Zeilen berühren mich zutiefst und ich spüre dahinter Deine ganze Verzweiflung. Es ist deutlich zu sehen, dass Du endlich aus dem Ganzen raus willst, um irgendwann ein "normales" Leben führen zu können. Auch wenn Du soweit noch gut in der Lage bist, Deiner Ausbildung nachzukommen, wird es Dich mit Sicherheit sehr einsam machen, dass Deine gesamte Freizeitgestaltung lediglich vor dem PC stattfindet, und ich denke auch, dass dieses auswegslose Gefühl immer schlimmer wird, je länger es andauert. Dabei könntest Du doch recht zuversichtlich sein, denn Du bist doch immerhin schon an dem Punkt angekommen, an dem Du erkannt hast, dass es so nicht weitergehen sollte und Dich nach Hilfe sehnst. Du solltest wirklich ganz dringend eine professionelle Beratungsstelle aufsuchen, die Dir kompetent und mit viel Verständnis für Deine Situation, Wege aufzeigen kann, da raus zu finden. Es gibt nichts, was nicht zu schaffen ist. In unserer Selbsthilfegruppe für Betroffene sind wir immer wieder erstaunt, aus welch schwierigen, festgefahrenen und auswegslos erscheinenden Situationen diese mutigen Menschen herausgefunden haben. Wir erleben dort z.T. wahre "Wandlungen", und das gibt Mut, in jedem Fall immer an Veränderung zu glauben. Melde Dich doch gerne regelmässiger, tausche Dich aus und hole Dir Kraft und Unterstützung von anderen, die diesen schwierigen Weg bereits gegangen sind. LG Merle |
ddscholz(Freitag, 7.Mai 2010, 15:33)Wege finden Hallo Marcus, zuerst möchte ich mich merle anschließen und Dir mitteilen, wie beeindruckend Deine Zeilen für mich sind. Aus meiner Praxis als Berater für Medienabhängigkeit habe ich eine Vorstellung davon, wie schwer es für einen Betroffenen ist, sein Verhalten als Sucht anzuerkennen (vielen Alkoholabhängigen gelingt das erst nach über 10 Jahren). Du bist sogar noch einen Schritt weiter gegangen und hast Konsequenzen aus dieser Erkenntnis gezogen und sie umgesetzt. Auf dem Weg aus der Abhängigkeit hast Du also schon zwei große Schritte getan. Deine Erfahrungen über die Osterfeiertage kommen Dir vielleicht wie ein Rückschritt vor - allerdings sind auch die besten Wege nie geradlinig und ohne Hürden. Diese Erfahrungen könnten Dir auch helfen auf Situationen zu achten, die Dich in alte Muster zurückfallen lassen können. Und das Entscheidende ist Dir gelungen: Du bist nach den Tagen wieder zur Ausbildung gegangen - das ist fast heroisch, denn Du hast Deinen inneren Schweinehund, diesen allgegenwärtigen Dämon, besiegt und ihn Deinem Willen unterworfen. Ich bin überzeugt, dass Du Deinen Weg finden wirst und wenn Du möchtest, können wir uns hier über das Postfach, das Forum Fachberatung oder meine Mailadresse mediensuchtberatung@suchthilfe-mv.de austauschen. Alles Gute! ddscholz |
Knackpunkt(Samstag, 8.Mai 2010, 21:18)mühsam ernährt sich das eichhörnchen... ... und das fällt mir zu allererst auf bei dir. du willst zuviel auf einmal und das geht meist nach hinten los. wie du ja selbst merken musstest. :( du hast mehrere baustellen die du aber nicht alle gleichzeitig abarbeiten kannst. ein schritt vor den anderen. du bezwingst den berg nicht, indem du versuchst über ihn drüberzuhüpfen, sondern nur wenn du ihn schritt für schritt hinaufsteigst! neuer beruf, privatleben, namensgedächtnis und nicht zuletzt das spielen, dazu unten mehr; ist vielzuviel auf einmal und du kannst nicht erwarten, das sich diese probleme mal ebend so auflösen. eines muss bearbeitet werden und das nächste und wieder ein neues und das 3. baut auf dem funtionieren der ersten beiden auf, das 4. löst sich dann vllt. sogar fast von selbst, sodaß du gleich nr. 5 bearbeiten kannst. aber nicht auf allen hochzeiten gleichzeitig tanzen, das wird nix. desweiteren fällt mir auf, das du zwar siehst das du hilfe brauchst, dich aber zu sehr auf diese hilfe von außen verlässt und daraus schließe ich, für mich persönlich, das du noch nicht vollständig an dem punkt bist aufhören zu wollen. auch hilfe von außen ist immer nur unterstützend und nimmt dir niemals die arbeit ab. wie komme ich darauf: Zitat Ich spiele World of Warcraft weiterhin, aber Zeitlich dosiert. Ich habe Raidzeiten am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Sonntag. Ich bringe aber beides zeitlich in eine gute Koexistenz. man nennt das kontrollierten konsum. funktioniert aber sogut wie nie. es mag vllt. ne kurze zeit klappen aber du wirst den kritischen punkt nicht mitbekommen und wieder in alte muster fallen, wie du selbst erlebt hast. schluß mit spielen oder nicht. darüber musst du dir im klaren werden. Zitat Was mir bisher aber nicht gelungen ist, und auch keiner möchte, ist beide Welten zueinander zu führen, so das meiner Situation der Druck genommen wird. den druck produzierst du dir selbst ebend weil du versuchst die beiden welten zusammenzubringen. das funzt bei einem suchtkranken nicht und erzeugt innerliche konflikte bei denen dir auch keiner von außen helfen kann. das musst du für dich einsehen. Zitat ... so ist mein Privatleben noch keineswegs in Ordnung. Ich bringe zwar die Disziplin und Ordnung mit, vernünftig an meinem Arbeitsplatz zu funktionieren, aber danach ist mein Privatleben immer noch ein Trümmerhaufen. Ich kann länger als 3-4 Tage zuhause nicht funktionieren. ist logisch, weil du nachwievor zockst und dich nicht deinen problemen stellst. außer es stehen klausuren an. Zitat Ich spiele World of Warcraft weiterhin, aber Zeitlich dosiert. Ich habe Raidzeiten am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Sonntag. Ich bringe aber beides zeitlich in eine gute Koexistenz. dieses "...beides..." beziehe ich auf deinen neuen beruf und das zocken. heisst, du bringst diese 2 sachen in eine zeitl. koexistens. aber wo ist denn da zeit, dich mit deinem problem "trümmerhaufen privatleben" zu beschäfftigen. nirgends! musste dich, meiner meinung nach, nicht wundern das sich da nichts ändert. sieh es doch mal so: das reallife ist eine klausur, für die du ständig lernen musst. da bleibt keine zeit für´zocken. und das problem mit dem namensgedächtnis, das sich durchs zocken entwickelt hat bei dir, wird bestimmt auch nicht besser, wenn du jetzt immer noch spielst. oder? ursache: spielen wirkung: fehlendes namensgedächtnis. bekämpfe die ursache um die wirkung zu minimieren. Zitat Der Einstieg ist also sehr sehr schwer und ist einfach ohne fremde Hilfe und Unterstützung nicht immer durchzustehen. Auch wenn hier im Berufsförderungswerk Hilfe ist, so ist sie nicht da wenn ich sie brauche, und der ständige Wechsel von irgendwelchen Personen, die für mich zuständig sind, erlaubt mir auch nicht zu jemandem Vertrauen aufzubauen. hmmm. glaubst du, das ständig 24h einer um dich rumwuselt und auf dich aufpasst? das wird wohl so erstmal nix werden, da muss ich dich enttäuschen. selbst rentner und behinderte haben nicht immerzu einen der auf sie aufpasst und ich glaube du bist noch um einiges fitter.die meiste arbeit musst du ganz allein erledigen. eine vertrauensperson die sich nicht ständig andert findest du aber z.b. in einer suchtberatungsstelle. meine hat mich gut 9 monate begleitet. so wie immer sage ich dazu, das das meine persönlichen eindrücke und meinungen sind. vllt regts dich zum nachdenken an und mit etwas glück konnte ich dir sogar helfen. viel glück und kraft für deinen weg wünsche ich dir. |
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(Freitag, 12.Nov 2010, 08:27)
Familie und WoW Hallo Marcus. Mein Name ist Kay, ich bin 36 Jahre jung und war von 2006 bis 2009 süchtig nach World of Warcraft. Ich habe mir in meiner Suchtzeit nie eingestanden abhängig zu sein und habe zuletzt im Schnitt ca. 18 Stunden pro Tag gezockt. Mittlerweile bin ich über ein Jahr frei von diesen Zwang. Ich las deine Zeilen und musste lange überlegen was ich schreibe. Insbesondere ist mir dein Verhältnis zur Familie aufgefallen. Dass unausgesprochene Vorwürfe von deinen Liebsten im Raum liegen kenne ich auch, mir ergings ähnlich. Allerdings solltest Du dieses Gefühl gelassen sehen, da deine Familie Dich mit Sicherheit liebt und wieder zurück nimmt. Egal wie lange Du in Azeroth warst, Du solltest mit deiner Familie offen darüber reden und Du wirst sehen dass sie mehr Verständnis dafür aufbringen wenn sie merken dass Du offen bist und es ernst meinst nicht mehr spielen zu wollen. Eines kann ich Dir mit Sicherheit sagen: Nur wenn Du wirklich aufhörst mit WoW kannst Du davon frei werden. Bei mir hat es fast ein Jahr Abstinenz bedarft um mir überhaupt darüber im Klaren zu werden, dass ich danach wirklich süchtig war. Es ist völlig normal dass man unmittelbar nach der WoW-Zeit ständig an das Spiel denkt, sich alles ausmalt was man noch alles dort erreichen könnte und im Netz nach Guides und Co. Ausschau hält. Ich habe im Spiel auch einmalige Sachen erlebt, ich habe z.B. den letzten nichtgetransten Skarabäuslord (Leonida) in der "Geschichte" der europäischen Realms auf dem Server Ulduar mitgekrönt. Das war als Vanillaspieler natürlich eine unglaubliche "Ehre". Aber... Ich lebe in der Realität und es interessiert hier kein Mensch was ich in Azeroth war oder nicht. Und mich interessiert es heute auch nicht mehr. Ich kann verstehen, dass man als eingesessener Raider mit gutem Gear das Gefühl der Verantwortung für die "Freunde" hat. Gerne lässt man sich feiern als eine Art "Star". Aber es sind keine wirklichen Freunde und ein "Star" ist man auch nicht - glaub mir das bitte. Konzentriere Dich auf deine neue Aufgabe die Arbeit, hier kannst Du Erfolge haben die ein ganzes Leben vorhalten. In WoW sind solche Erfolge nur für den Augenblick und nichts wert. Versuche auch nicht zu viel auf einmal zu wollen. Ich habe am Anfang auch kleine Brötchen gebacken. Ich habe mir eine Morgenstruktur festgelegt, nur alleine damit zu bestimmen dass ich Morgens immer um die selbe Zeit aufstehe, dann Frühstück und TV (ich habe kaum TV geguckt in meiner WoW-Zeit) guckte. Später dann habe ich mich aus der Wohnung getraut, ca 200m weiter zum Kaufmann. Der wurde zugespammt mit endlos viel Leergut. Jeden Morgen bin ich um vier aufgestanden und um ca 7 dann zum Kaufmann und immer die selbe Prozedur. Dann langsam immer mehr dazu gemacht. Habe dann irgendwann immer Mittag um die selbe Zeit gegessen usw. So ging es viele Tage und Nächte. Selbst heute noch habe ich Macken, die aus meiner WoW-Zeit stammen. Aber Stück um Stück meistert man alles, wenn man wirklich will. Nimm Dir kleine Schritte vor, das hilft ungemein viel - Du wirst sehen. Geb Dir einen Ruck und höre endgültig mit WoW auf, nur so kannst Du aus dem Gefühlsschlamassel herausfinden. Ich wünsche mir sehr, dass Du hier im Forum weiterschreibst, denn das würde zeigen dass Du weiter über einen Ausstieg nachdenkst. Und das ist mutiger als so manch anderer WoW Spieler ist. Du wirst sehen, wenn Du frei bist, dann gibt Dir das unglaublich viel Kraft und keiner kann Dir das jemals wieder nehmen. lg Kay |
Najma(Samstag, 11.Dez 2010, 18:59)Hallo Marcus, ich sehe, du hast eine Weile nicht mehr geschrieben .. Deswegen zuallererst: es würde mich interessieren, wie es dir geht? Vielleicht hast du ja Lust, mal wieder zu schreiben? Dein Bericht hat mich berührt. Ich kenne mich mit Suchtproblemen aus, habe jahrelang gegen Essstörungen gekämpft, nicht mehr gedacht, dass ich rauskommen würde. Mit einer Therapie habe ich es geschafft. Ziemlich unglaublich, dass ich sowas schreiben kann – ich hatte alle möglichen Formen von Essstörungen, jahrelang hat mich das isoliert, mein erstes Studium hab ich gegen die wand gefahren. Ich war seelisch und körperlich ziemlich am Ende. Das war vor sieben Jahren. Die Wende kam, als mein damaliger Freund sich von mir trennte. Nicht wegen der Essstörung würde ich sagen. Er hat wenig davon mitbekommen, aber mit Sicherheit hat mit reingespielt, dass es schwierig mit mir war damals. An dem Punkt wusste ich, dass ich irgendwas tun müsste, sonst würde ich durchdrehen. Ich habe mich - wie du – einweisen lassen, in eine psychosomatische Klinik. Zweieinhalb Monate war ich da. Am Ende sagten die Therapeuten, sie würden mich gern dabehalten, weil sie jetzt erst an mich rankommen würden. Aber ich wollte nicht mehr – aus verschiedenen Gründen. Unbewusst möglicherweise, weil ich merkte, dass es zur Sache ging. Abre es war auch so, dass die Klinik eine so künstliche Welt mit so rigiden Regeln war, dass ich es nicht mher ausgehalten habe. Also bin ich nach Hause gegangen, habe mir eine Therapeutin gesucht, ein paar Unikurse gemacht. Es war alles ein bisschen irreal. Meine Gedanken drehten sich immer noch nur um essen – jetzt darum „richtig“ zu essen. Ich weiß gar nicht mehr, was ich sonst noch gedacht habe – auf jeden Fall habe ich mich nach ein paar Wochen entschieden für ein Semester ins Ausland zu gehen. Ich hatte eine Waisenrente damals und musste nicht allzusehr über Geld nachdenken. Während dieses Auslandssemesters wurde mir dann bewusst, dass ich die Uni nicht mehr schaffen würde. Und ich habe mich entschlossen einen Cut zu machen, neu anzufangen. Ich bin in eine andere Stadt gezogen und habe miteinem anderen Studium angefangen. Ziemlich irre, wenn ich im Nachhinein drüber nachdenke. In dieser Stadt dann habe ich einen Therapeuten gefundne, der mir eine Zeitlang sehr geholfen hat. Als ich über meine Essstörung reden wollte, sagte er, er würde nicht an Symptomen arbeiten. Also haben wir über alles mögliche andere geredet. Und irgendwie ist die Essstörung verschwunden. Ganz langsam, Schritt für Schritt. Unglaublich. Es wäre gelogen zu sagen, dass es damit gut war. Erst hatte ich ein Jahr Panikattacken, dann kamen Schlafstörungen und depressive Phasen – vor allem als der Therapeut dann gestorben ist, wurde es für mich ziemlich schlimm und ich bekam sehr starke Schlafstörungen. Das war der Zeitpunkt, als ich mit Wow angefangen habe – vor 1,5 Jahren war das. Mein Freund hatte mir das Spiel gezeigt und ich hab noch gesagt: lieber nicht, ich bin anfällig für so was. Aber dann hab ichs doch gespielt. Um mich abzulenken von meinem inneren Gefühlschaos. Ich war gerade vor der Endphase meines zweiten Studiums, als das alles passierte und ich brauchte wohl irgendwas, um da irgendwie durchzukommen. Ich habe es geschafft. Ich habe meinen Abschluss gemacht – sehr gut sogar und gleich einen Teilzeitjob bekommen. Es ist unglaublich, dass ich das geschafft habe. Kaum jemand, der nicht selber Erfahrung mit psychischen Störungen oder Süchten hat, weiß, was das bedeutet. Wieviel man kämpfen muss. Wieviel Frustration, Verzweiflung, Erschöpfung, Angst man aushalten muss. Eine der schlimmsten Ängste ist meiner Erfahrung nach die Angst vor der Konfrontation mit der realen Welt. Mit den Menschen, die irgendwie besser klarkommen. Angst, erkannt zu werden, verachtet zu werden. Angst vor der Erkenntnis, nie so glücklich sein zu können. |
Najma(Samstag, 11.Dez 2010, 18:59)Da ist ein Rollenspiel perfekt. Keiner sieht dich. Erfolg ist quasi vorprogrammiert und vor allem: berechenbar. Du kannst Abenteuer erleben, ohne das Risiko eingehen zu müssen zu scheitern. Du kannst das Leben leben, das du in der wirklichen Welt nicht hinkriegst. Du kannst Spaß haben. Das Ding ist nur: du wirst immer wieder mit der Realität konfrontiert. Sobald ich aufhöre zu spielen, geht es mir schlecht. Ich fühle mich ausgelaugt, wenn ich lange gespielt habe, zittere ich. Und: ich bin mit Menschen in Kontakt, die ein sehr buntes, ereignisreiches Leben in der Realität haben. Das macht mich jedesmal wieder unglaublich traurig und neidisch. Ich wollte vorhin mal wieder meine Charaktere löschen. Dann habe ich an diesen Therapeuten gedacht, der sich geweigert hat, an Symptomen zu arbeiten. Man kann eine Sucht nicht einfach „auslöschen“. Es wird etwas anderes kommen, solange man nicht die Probleme dahinter bearbeitet – das ist meine Erfahrung. Ich werde mir einen neuen Therapeuten suchen. Ich werde erklären müssen, warum ich nach x Jahren Therapie noch immer .. so what! Und vielleicht durch solche Foren, wie das hier, und den Austausch .. vielleicht hilft mir das, mit dieser Sucht aufzuhören. Ich habe es schon einmal geschafft. Ich weiß dass es geht. Auch wenn – wie jemand hier schon mal geschreiben hat und wie mir auch in der Klinik damals gesagt wurde – es wohl so bleiben wird, dass ich ein Suchttyp bin. Das heißt aber auch: meine Seele meldet sich so, wenn es ihr nicht gut geht. Und dann ist das ein Zeichen dass ich mich um mich kümmern muss. Aber dieses Mich-Kümmern hat mich schon auf Wege, zu Erlebnissen und zu Menschen gebracht, die ich nicht missen möchte. Tja, was will ich dir sagen? Gib nicht auf, egal wie oft du schon gescheitert bist. Du kriegst eine Sucht nicht oder nur selten mit bloßem Willen weg. Das dauert. Das zu wissen ist mir jetzt in meiner Situation eine Hilfe, weil ich weiß: ich muss nicht von mir erwarten, es jetzt sofort hinzukriegen. Und: es gibt Wege raus. Und die führen zu Zielen, die man sich vorher noch gar nicht ausdenken kann… Alles gute! Najma |
merle(Donnerstag, 16.Dez 2010, 12:57)Wegweiser Seele Hallo Najma, was Du schreibst, hat meine Seele tief berührt. Und ich konnte durch Deine Worte bis ins Tiefste begreifen, was ein depressiver, sozial unsicherer Mensch fühlen muss: " Angst vor der Konfrontation mit der realen Welt. Mit den Menschen, die irgendwie besser klarkommen. Angst, erkannt zu werden, verachtet zu werden. Angst vor der Erkenntnis, nie so glücklich sein zu können. " Welch ein schmerzhafter Zustand, diesen Empfindungen hilflos ausgeliefert zu sein. Du schreibst: " Ich bin mit Menschen in Kontakt, die ein sehr buntes, ereignisreiches Leben in der Realität haben. Das macht mich jedesmal wieder unglaublich traurig und neidisch ." Wie gelingt es Dir nur, all diese Gefühle so präzise zu umschreiben? Vor ein paar Wochen habe ich mit einem sehr lieben jungen Menschen telefoniert, der genau diese Empfindungen immer wieder durchmacht - diese Unfähigkeit, sich zu freuen und so sein zu dürfen, wie die anderen. Die da draußen - ich da drin . Sein sehr junges Lachen war gänzlich ohne Freude, als würde er nur ganz oben lachen und als wäre für weiter unten, da, wo die Seele wohnt, kein Lachen mehr übrig.... Liebe Najma, ich wünsche Dir, dass Du es irgendwann schaffst, Deinem Lachen viel Raum zu geben in Dir. Dass keine Sucht mehr in Dir Platz hat, weil alles voller Leben ist da drin. Der Weg dahin ist harte Arbeit, ich weiß, aber da, wie Du schreibst, Deine Seele sich meldet, wenn es ihr nicht gut geht, hast Du nie verlernt, auf sie zu hören. Das ist der beste, untrüglichste und wahrhaftigste Wegweiser, den Du Dir wünschen kannst. Alles Liebe Merle |
Marcus35(Sonntag, 19.Dez 2010, 00:18)Wie es mir geht Hallo zusammen, nachdem ich mir die Beiträge hier alle durchgelesen habe dachte ich, es ist an der Zeit noch einmal zu schreiben. Zuerst einmal geht es mir ganz gut. Die Ausbildung ist etwas wichtiges in meinem Leben geworden. Es ist eine Aufgabe, die ich mit aller notwendigen Kraft angehe, und sie war wichtig um aus dem Kreislauf herauszukommen. Das ich diese Chance bekam hatte aber mehr mit meinem Unfall zu tun, als mit meinen psychischen Problemen sowie deren Ursache WoW. Eine Aufgabe, die ich auch jetzt erfülle, aber mit WoW. Zu behaupten, ich hätte alles im Griff, wäre wohl eine Lüge. Aber ich sage, das ich in der Lage bin Klausuren zu schreiben die im Bereich zwischen 75% - 95% liegen. Nach dem Erscheinen von Cataclysm (Add-On von WoW) war ich aber wieder im Fieber. Ich war zwei Tage krank geschrieben und bin derzeit (kurz vor Weihnachten) stark dazu geneigt meinen Hunter zu spielen. Die Kollegen aus meiner Klasse kennen aber meine Sucht, und ich habe dort etwas Rückhalt. Außerdem habe ich mir nach diesen zwei Tagen ein schlechtes Gewissen. In 12 Monaten habe ich meine Prüfung vor der IHK. Eigentlich kann ich mir das nicht erlauben. Meine Erkenntnis kam zwar erst danach, aber wenigstens kam sie. Ich habe inzwischen aber auch nicht mehr das Problem vor die Tür zu gehen, obwohl ich es selten mache, so ist das Gefühl mittlerweile ganz okay. Ich wäre aber ohne diese Aufgabe "Ausbildung" sicherlich wieder in einem Kreislauf drin. Ich habe bereits mehrfach um eine Wohnungsbetreuung gebeten, für die Zeit, in der ich zu hause in Aachen bin, aber leider wurde das nicht richtig ernst genommen. Weder von meinen Betreuern, noch von irgendwem sonst. Es ist sicherlich so, das ich es wohl auch selbst in Angriff nehmen könnte, aber wenn ich einmal zu hause bin, ist es selbst nicht mehr wichtig. Anschub brauch ich immer noch, immer wieder. Die Tendenz zur Vereinsamung, sowie meine schlechte psychische Verfassung wenn ich einmal in meiner Wohnung bin, sind nach wie vor stark ausgeprägt. Wenn ich die Situation von vor einem Jahr mit heute vergleiche muss ich aber sagen das es mir besser geht. Auch wenn man nicht sagen kann das es mir gut geht, so doch besser. Gruß Marcus |
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