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Mittwoch, 5.Aug 2015, 14:38

Barbierossa Benutzer ist offline

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Mitglied seit: 05.08.2015
Hallo zusammen,
ich möchte hier erstmal meinen real life Namen nicht nennen, weil das Web ja bekanntlich nichts vergißt. Namenlose Selbstbeschreibung: ich bin knapp 49 Jahre alt, alleinstehend ohne Kinder und lebe in Wuppertal als "freiberuflicher" Illustrator und (Kunst-) Maler.

Ich habe wohl schon länger Depressionen, die sich in immer häufigeren und immer ernsthafteren Suizid-Überlegungen und Plänen äußern, sowie in einem wohl typischen Zocker-Verhalten. Ich spiele seit vielen Jahren (zwanzig Jahre oder sogar noch länger, müßte da jetzt erst zurückrechnen, wann Diablo 1 rauskam) Computergames. Seit Diablo 2 in suchtmäßigem Umfang. Inzwischen hab ich mir mit der Zockerei so ziemlich das Leben und das Denken ruiniert. Jetzt, in diesem Moment, müßte ich eigentlich unterwegs sein, mich um Kontoauszüge kümmern, die ich beim Jobcenter abzugeben habe, aber als erstes habe ich heute mich nochmal in meinen "Path of Exile" (komplexerer Diablo-Klon, free to play, finanziert sich durch Microtransactions, die aber nicht pay-to-win funktionieren) Account eingeloggt, um dort all meine "wertvollen Items" an andere Gamer zu verschenken und dann alle meine hochgelevelten Chars zu löschen. Was schon mal drei Stunden dauerte...

Ich weiß nicht, ob es hier Sinn macht, detailliert meine "Gamer"-Karriere zu schildern und befürchte, schon das Aufzählen aller Spiele, die ich gezockt habe, könnte schon sowas wie das Gefasel eines Liebeskranken sein, der von seiner ihn unglücklich gemacht habenden Traumfrau erzählt. Aber vielleicht hilft es ja den "Kennern" unter Euch, mich so ungefähr richtig einzuschätzen: Ich habe ganz überwiegend Computer-Rollenspiele gespielt, Baldurs Gate1 habe ich z.B. zehnmal oder häufiger durchgezockt, alle entsprechenden DND-Games (BG 2, Icewinddale 1+2, Neverwinter Nights 1+2 und so weiter...) mindestens ein- meist mehrfach. Dann fing mit Diablo meine Online-Gaming-Karriere an, so richtig intensiv erst mit Diablo 2.

Ich verlor die Zeitkontrolle, einmal spielte ich rund 36 Stunden am Stück mit wenigen Pinkel- und zum-Kühlschrank-geh-Pausen. Tagesrhythmus? Fehlanzeige. Irgendwann, als sich das Zocken langsam negativ auf mein Rest-Leben auszuwirken begann (konnte bestimmte Deadlines oder Versprechen meinem Galeristen oder Kunden gegenüber nicht oder kaum noch einhalten), versuchte ich erstmals, auszuhören. Deinstallierte das Game, packte die Diablo 2-CDs in ihre Packungen (ich zockte mit mehreren d2-Installationen, um mich selbst "ziehen" zu können), ging raus auf die Straße und drückte sie den ersten Teenagern in die Hand, die sie annehmen mochten.

Das hielt ein paar Monate, in welchen ich nur noch moderat klassische und, so redete ich mir ein (und tue das heute noch), geistig wertvollere RPG's. Dann kam ein neuer Content-Patch raus, einstige online-Kumpels fragten per Email nach, ob ich nicht Lust hätte, mal wieder D2 zu zocken, es gab das Spiel inzwischen günstig als Budget-Version zu kaufen und ich fing wieder an...
Ich will Euch nicht langweilen, aber nachdem D2 irgendwann abebbte, kamen halt andere Zeitfresser. Ob Torchlight, Morrowind, Oblivion, Fallout 3, Skyrim... Ich könnte mühelos drei Dutzend Spiele aufzählen, die ich intensiv zockte. ZUM GLÜCK nie ein echtes MMORPG - irgendwie schaffte ich es, dem Hype zur Einführung von WoW zu widerstehen und auch Ultima Online gar nicht erst anzufangen. Der ganze Gilden- und Raid-Scheiss ist also an mir vorbeigegangen. Und wahrscheinlich bildete ich mir darauf irgendwas ein und fühlte mich "besser" als die WOW-Süchtlinge, ich hatte es ja selbst in der Hand und mußte keinen sozialen Online-Verpflichtungen nachkommen... Wobei ich schon mal für ein paar Stunden einem Kumpel bei "Mulen" half oder seinen Low-Levl-Char durch die Schwierigkeitsgrade in D2 zog, wenn er nur nett Bitte sagte.

Die ganze Sache wiederholte sich: ich spielte exzessiv, bis mir mein Leben zu entgleiten drohte, dann verschenkte oder zerstörte ich die Games/Datenträger, hatte ein paar Monate, Wochen, irgendwann nur noch Tage Ruhe, bis ich wieder in einem schwachen Moment zu zocken begann.

Seit drei, vier Jahren, seit ich meine Festanstellung als Illustrator bei einem P&P-Rollenspielverlag verlor, zockte ich nun also Path of Exile - da kann man die Datenträger nicht mehr löschen, nur seinen Account. Habe nun schon den dritten Account gelöscht, bzw. verschenkt an andere Süchtlinge - alle waren im Schnitt rund 250 Euro wert, weil ich soviel Geld für die Microtransactions ausgab - für Inventar-Platz, um all meine wertvollen Items horten zu können.


Mittwoch, 5.Aug 2015, 14:40

Barbierossa Benutzer ist offline

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Anzahl Beiträge: 17
Mitglied seit: 05.08.2015
Vor meiner Festanstellung als Illustrator kam ich als "freier Künstler" und Nebenbei-Illustrator so lala über die Runden. Ich hätte da sogar gut verdienen können, aber ich arbeitete nur immer gerade soviel, dass es zum gemütlichen Single-Leben reichte und zockte lieber in der reichlichen Freizeit. Während der Festanstellung (1,5 Jahre) verdiente ich ziemlich gut, arbeitete aber auch ~65 Stunden pro Woche, kaum kaum zum Zocken und war glücklich bis auf den Umstand, dass ich beim Arbeiten am Computer mehr fraß als beim Zocken und also wieder zunahm (bin seit Kindheit an übergewichtig, schaffte es aber phasenweise immer mal, mit extrem viel Sport und eiserner Diät auf eine halbwegs erträgliche Figur zu kommen).
Nachdem man mich von der Firma aus "freigesetzt" hatte (gegen chinesische Preise kann man, oder zumindest ich nicht anillustrieren im global market und ich arbeitete meinem Arbeitgeber nicht schnell genug), saß ich zuhause, hatte tüchtig was angespart, bekam noch vom Jobcenter für ein knappes Jahr sowas wie Arbeitslosengeld für Freiberufler, war also finanziell erstmal versorgt, aber wegen der Kündigung echt gefrustet und deprimiert. Ausserdem hatte ich während meiner Festanstellung sämtliche Verbindungen zu meinen Kontakten in der Kunst-Szene gekappt: Mein Galerist hatte sich kurzfristig jemand anders für eine eigentlich mit meinen Arbeiten geplante Ausstellung suchen müssen und war entsprechend angepißt. Privaten Kunden hatte ich nicht die bestellten Auftragsarbeiten geliefert und inzwischen hatten sie auch keinen Bock mehr, zu warten (ich hatte vorgehabt, in meiner Urlaubszeit solche Auftragsarbeiten zu erledigen, aber: hahaha!). Ich hatte keinen Kontakt mehr zu meinen Künstlerkollegen, mich seit Ewigkeiten auf keiner Vernissage mehr blicken lassen. Und so weiter und so weiter. Kurz: es gab nichts zu tun für mich, ausser Bewerbungen für andere Jobs schreiben, auf die ich keinen Bock hatte wegen Umzug und niedriger Bezahlung und langweiliger Arbeit.
Also begann ich erneut heftig zu zocken, meine Ex-Mitarbeiter hatten mir zum Abschied ausgerechnet Skyrim geschenkt, das gerade neu rausgekommen war.
Das letzte mal, als ich da bei meinem Steamaccount guckte, stand der Stundenzähler über 800, aber ich hab schon länger nicht mehr nachgeguckt, weil ich die Wahrheit gar nicht so genau sehen wollte. So, wie ich in den letzten Monaten auch immer seltener in die Briefumschläge guckte, die mir das Finanzamt, die Krankenkasse oder andere bürokratische Mächte schickten.
Genauer: seit rund zwei Jahren hab ich die Briefe meiner Krankenkasse nicht mehr geöffnet. Die letzte Einkommensteuererklärung machte ich nicht. Da ich schon in den vorhergegangenen Jahren praktisch nichts mehr verdient hatte, hat mich das Finanzamt wohl geschätzt, aber so niedrig, dass die Zwangsabbuchung nicht sonderlich in's Gewicht fiel. Nur meine Krankenkasse hat die Beiträge inzwischen auf über 720 Euro pro Monat hochgesetzt, weil ich ja keine Angaben zu meinem korrekten Einkommen machte - und das hat mich also über die letzten 2 Jahre schätzungsweise 10.000 Tacken gekostet, sodaß mein Konto irgendwann in den Miesen war. Was ich aber nicht mitkriegte, weil ich es vermied, auf mein Konto zu schauen, so, wie ich es vermied, mich meinem Briefkasten zu nähern... Irgendwann kamen dann Pfändungsschreiben hereingeflattert, die mein Nachbar, mit dem ich mir den Briefkasten teile, mir unter der Tür durchschob.

Das war der Tag, auf den ich sozusagen hingearbeitet hatte. Die Frage, die sich stellte, war: nehme ich die Insulinspritzen, die ich heimlich bei meinem (inzwischen verstorbenen) Vater nach dessen Ableben mitnahm und seither als Exit-Möglichkeit im Kühlschrank lagere, oder werf ich mich vor den Zug, am besten von einer Brücke runter, damit's garantiert klappt? Nur den Abschiedsbrief an meine Mutter kriegte ich nicht gebacken, der armen alten Frau, die erst vor Kurzem ihren Mann verloren hat, kann ich es einfach nicht zumuten, auch noch einen Sohn zu verlieren. Vielleicht rede ich mir dieses Rücksichtsnahme-Motiv aber auch nur ein und bin/war einfach nur zu feige, endgültig abzutreten. Ich kann das schlecht beurteilen, denn so regel- und gewohnheitsmäßig wie ich andere Leute anlog (wegen verpaßter Deadlines, Einladungen, die ich aus erfundenen Gründen ausschlage usw.), lüge ich mir wohl auch bei allen möglichen Gelegenheiten selbst eins in die Tasche.

Naja, jedenfalls brachte ich mich (offensichtlich!) nicht um, sondern erbat beim Sozialpsychiatrischen Dienst einen Termin. Dort war ich vor ~ 3 Wochen, der Sozialarbeiter ist auch ein sehr netter und hilfsbereiter Typ, er schickte mich erstmal zum Arzt (mein letzter Nicht-Zahnarzt-Arztbesuch lag 10 Jahre zurück), der war auch sehr nett, nahm mir tüchtig Blut ab und schickte mich für's erste heim. Er werde sich melden, falls da alarmierende Werte gefunden würden.

Mittwoch, 5.Aug 2015, 14:43

Barbierossa Benutzer ist offline

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Mitglied seit: 05.08.2015

(...)
Er meldete sich nicht, organisch scheint also nichts zu fehlen, meine selbstdiagnostizierten Depressionen liegen also schon mal nicht an der Schilddrüse - was für eine Erleichterung. ;-) Ich habe aber auch noch nicht dort in der Praxis angerufen. Wie ich auch mich noch nicht, wie vom Sozialarbeiter dringend empfohlen, mit dem Mitarbeiter meiner Krankenkasse getroffen habe. Für fünf Tage hatte ich eine gute (und echte) berufliche Ausrede, dann guckte ich 2 Tage nicht auf meinen AB, nun ist der entsprechend informierte Mitarbeiter im Urlaub, wie günstig... Eigentlich wollte ich heute morgens persönlich bei der Zweigstelle vorbeischauen. Aber ich mußte ja bis 4 Uhr morgens zocken, konnte dann bis sieben Uhr nicht einschlafen und also unmöglich mich um 9 Uhr auf den Weg machen. Ausserdem müssen ja noch die Kontoauszüge her, die ich mir in Düsseldorf ausdrucken lassen muß, weil die Volksbanken ja alle eigenständig sind und meine Volksbank eben in Düsseldorf statt Wuppertal firmiert.

Ihr merkt schon: Ich finde für alles, was ich falsch mache, Ausreden und Beschönigungen und halbseidene Erklärungen - die ein Kleinkind durchschauen würde und die ich auch durchschauen würde, falls ich den Mut fände, sie überhaupt mal anzusehen. Aber inzwischen "denke ich weg", wenn mir die Realität unschön daher kommt, ich denke um die realen Probleme herum, wie ich um den Briefkasten einen Bogen mache. So, wie ich nicht an das Essen denke, während ich mal wieder viel zu viel fresse, vorzugsweise vor'm Monitor, während meine Feuer-Zauberin Map-Runs absolviert.

Eigentlich bräuchte ich einen Aufpasser, der mich zu meinen Terminen hinträgt, der mich abends mit Gewalt in's Bett zwingt, damit ich morgens raus komme, der mir auf die Finger haut, wenn ich irgendwelche Game-relevanten Adressen in die Browserbefehlszeile Tippe, der mich zu einer Gemüse-Diät und regelmäßigem Sport zwingt und überhaupt alle wichtigen Entscheidungen für mich trifft, die ich - wissend, dass ich's falsch mache! - entweder gar nicht oder aber falsch treffe.
Ich tue das Falsche, ich weiß in dem Moment, wo ich es tue, dass es falsch ist, und ich tue es trotzdem.

Der einzige Ort, in dem mir keiner deswegen Vorwürfe oder Vorhaltungen macht - ist das Computergame. Und deswegen zockte ich immer weiter und weiter; besinnungslos, meist so lange, bis mir vor Erschöpfung die Augen zufallen und ich zu müde bin, um mich noch mit selbstmitleidigen und selbsthassenden Grübeleien vom Schlafen abzuhalten.

Was soll ich tun? Wie gehe ich vor? Meine erste Idee: ich brauche eine Selbsthilfegruppe in der Nähe. Sowas wie die Anonymen Alkoholiker, nur halt für Spielsüchtige. Ich vermute, dass ich meine Affinität zum Zocken ebensowenig los werden kann, wie ein Alkoholiker seine Sucht. Es geht wohl vor allem um das Trocken-Bleiben. Das schaffe ich aber allein nicht, dazu brauche ich soziale Kontrolle. Die ich bei meinen verbliebenen real life Freunden nicht finden kann. Ich WEISS, dass sie meine Sucht nicht verstehen können, und ausserdem schäme ich mich, ihnen davon zu erzählen. Einem besonders guten Freund habe ich so ungefähr die Hälfte der Wahrheit (von meinen Depressionen und von den Bürokratie-Problemen, nicht von meiner Zock-Sucht) erzählt, aber obwohl er helfen möchte, möchte er so helfen, wie erwachsene Männer einander üblicherweise helfen: praktisch und pragmatisch und vernünftig. Er hat sich anerboten, mit zum Krankenkassentermin zu kommen (er ist selbst Versicherungsmakler) und hat mir gesagt, was ich alles zu tun hätte, welche Unterlagen ich vorbereiten soll und so weiter. Aber er benimmt sich seither mir gegenüber nicht mehr "normal", wie auch? Er wird mich nie mehr für voll nehmen können, und wenn ich ihn noch weiter in die Probleme einweihen würde, müßte ich ihm offenbaren, in wie vielen Fällen ich ihn schon belogen habe (nicht zu seinem Schaden, aber um mein Gesicht zu wahren und schöne heile Welt vorzuspielen), und danach würde er mir praktisch nie mehr irgendwas glauben können, denn wer einmal lügt, dem glaubt man nicht...

(...)
Mittwoch, 5.Aug 2015, 14:47

Barbierossa Benutzer ist offline

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Also: Wißt Ihr eine Selbsthilfegruppe für Zocker in Wuppertal oder naher Umgebung (habe weder Auto noch Führerschein)? Oder zumindest für Leute, die ähnliche Probleme haben und wissen, wie es ist?

Habt Ihr irgendwo so eine Art Step-by-Step-Liste, wie Leute wie ich systematisch loskommen können von ihrer Sucht? Ein großes Problem, das bei mir auftreten dürfte, ist, dass ich aus beruflichen Gründen unmöglich auf meinen Computer verzichten kann. Das wenige Geld, das ich verdiene, verdiene ich mit digitalen Illustrationen, meine Kunden sind über Deutschland verteilt und in dieser Branche wird praktisch alles, also Auftragsvergabe, Kommunikation über den jeweiligen Auftrag, Lieferung der "Ware" usw. elektronisch gehandlet. Kein Internetzugang, kein Job. Und da ich digital mit einem Grafiktablett illustriere, brauche ich meinen PC so dringend für meine Arbeit wie ein Jockey sein Pferd. Ich hatte hier schon ein ganz kleines bißchen rumgelesen und da berichtete jemand stolz, er komme schon mehrere Tage ohne PC aus.
Das werde ich nicht können. Gibt es andere Startmöglichkeiten raus aus der Computerspielsucht als die PC-Abstinenz?





Danke, falls Ihr bis hierher gelesenhabt. Ich weiß, man soll sich eigentlich kurz fassen und dafür ist die 5000-Zeichen-Grenze gedacht und walls of text sind sooo ermüdend und langweilig-öde. Aber ich mußte das alles in einem Schwung loswerden - um Euch eventuell auch die erforderlichen Informationen zu geben, auf deren Grundlage Ihr mir wirklich hilfreiche Tipps geben könnt.
Mittwoch, 5.Aug 2015, 22:09

merle Benutzer ist offline

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Hallo Barbierossa,
schau doch mal in unserem Netzwerk für Ratsuchende unter der PLZ 4xxxx nach. Dort habe ich zwei Selbsthilfegruppenadressen für dich gefunden. Auch in der Rubrik "Sucht- und andere Beratungsstellen" sind etliche Adressen in deiner Umgebung aufgelistet, die du dir mal ausführlich anschauen solltest. Ich würde dir wirklich raten, dir professionelle Unterstützung zu holen, denn deine Problematik zieht sich ja doch mittlerweile über einen langen Zeitraum. Ich bin mir sicher, dass du nicht aus eigenen Stücken aus diesem Chaos heraus finden kannst. Deine selbstdiagnostizierten Depressionen sind mit Sicherheit auch ein Symptom deiner Mediensucht und brauchen von der Pike auf fachmännische Hilfe. Ich rate dir dringend, dir bei einer der genannten Adressen einen Termin geben zu lassen. Bei diesem Schritt kann dich niemand bei der Hand nehmen. Du selbst musst es so sehr wollen, dass du deinen Schweihehund überwindest und den Termin auch wirklich wahr nimmst. Wenn dies nicht klappt. ist deine Bereitschaft, dein Leben von Grund auf zu ändern, noch nicht so weit, dass du alle inneren Hürden nieder reißt. Wenn du dich weiterhin mit allen möglichen Ausreden - vor allem dir selbst gegenüber - aus unangenehmen Dingen heraus windest, wird dieser ungute Kreislauf auch für die nächsten Jahre weiter gehen. Du musst dir einfach ganz klar die Frage stellen, ob du das willst.
Hab den Mut, dir Hilfe zu holen!!
LG Merle
Freitag, 7.Aug 2015, 12:49

Barbierossa Benutzer ist offline

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@ merle: Danke! Ich habe mich inzwischen umgeschaut und hier in der Gegend zwei, drei Adressen von Selbsthilfegruppen gefunden, die ich heute mal antelefonieren werde. Vorgestern hab ich mein Haupt-Sucht-Spiel gelöscht und den Account aufgelöst. Gestern dann sämtliche anderen Spiele vom Rechner getilgt. Gleich gehe ich daran, alle Games, die drohend im Schrank lagern, zusammen in eine Kiste zu packen und dann zum Müll zu bringen.

Ich zähle jetzt die spiel-abstinenten Tage wie ein Alkoholiker seine trockenen Tage. Zwei sind's inzwischen... ;-)

Gestern ging ich, da irgendwie nix mehr zu tun war, in's Bett, sobald ich Müdigkeit spürte. Also vier oder fünf Stunden früher, als üblicherweise, wenn ich mich nachts zum Zocken setzte und mindestens so lange daddelte, bis ich die "Daily Quests" in PoE absolviert hatte. Der Counter, der für den reset dieser Quests fungiert, ist wohl auf us-amerikanische Verhältnisse eingestellt, sodaß man hier in Deutschland immer erst nachts um 2 diese Quests bekam. Was für mich i.d.R. bedeutete, nochmal mindestens 1 bis mehrere Stunden nach 2.00 Uhr nachts zu spielen.

So kam ich tatsächlich mal vor zwölf in's Bett und wachte ausgeruht um 9 Uhr morgens auf und konnte schon zwei Stündchen arbeiten bis jetzt. :-)

to be continued...
Freitag, 7.Aug 2015, 20:18

merle Benutzer ist offline

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Hallo Barbierossa,
Hut ab! Du bist ein Mann der Tat! Offenbar hast du endlich die entscheidende Taste bei dir gedrückt, die dich aus dem Stadium des "Eigentlich müsste ich ... und wenn doch nur..." herauskatapultiert hat. Ab jetzt zählen nur noch klare Handlungen, die eine stetige "Genesung" zur Folge haben. Alles andere ist ein um den Brei herum Reden, das sich in einer Endllosschleife dahin zieht. Toll, wie klar du das angehst jetzt. Und ich bin auch froh, dass du deine Spiele direkt auf den Müll kippst, statt sie irgendwelchen jungen Menschen in die Hände zu drücken, die u.U. dadurch einen unguten Weg einschlagen....
Ja, heute ist Tag Zwei und morgen schon Tag Drei. An jedem einzelnen Morgen, an dem du ab jetzt hoffentlich immer ausgeruht erwachst, wirst du dich nur auf die nächsten 24 Stunden konzentrieren, auf das große "Nein, das will ich nicht mehr." Tag für Tag wird so vergehen und im Nu bist du bei Tag Zehn, Tag Elf, Tag Zwölf.
Ich fieber mit dir und freue mich, wenn du uns von deinem ganz tollen Count-Down berichtest.
Herzlichst, Merle
Samstag, 8.Aug 2015, 12:22

Barbierossa Benutzer ist offline

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abstinent seit vollen 3 Tagen

Hallo Merle,
danke für Dein Feedback. Das mit dem Countdown hört sich irgendwie cool an, aber wo ist da dann die Null? Also probiere ich es lieber mit einem Count-up, oder wie man das nennen mag.

Heute sind's also 3 Tage. Alle Spiele sind aus dem Haus. Aber Dein Lob war verfrüht. Ich habe sie doch nicht auf den Müll geschmissen, sondern dem netten Typen geschenkt, der um die Ecke einen Kiosk betreibt. Zuerst wollte ich sie wegschmeissen, dann dachte ich, die Kids (zwischen 8 unf 15), die immer vor meinem Fenster soviel Lärm machen (gegenüber wohnt ein großer Roma-Clan... :-D ) und die offensichtlich nicht sehr viel anderes als die Straße haben, würden sich darüber freuen. Andererseits waren zwei drei Spiele "ab 18" dabei ("GTA 4" oder "The Witcher" beispielsweise), also fiel diese Option weg.
Dennoch schien es mir irgendwie pervers und dekadent, gewissermaßen Bargeld einfach so in die Tonne zu kloppen (ein praktisch unbenutzter Gamecontroller war auch dabei), also die Lösung mit dem Kioskbesitzer. Vor seinem Kiosk steht er oft und unterhält sich mit einem Haufen von Leuten in seinem Alter (~25 - 30) und ich dachte, vielleicht würde sich einer von denen über das Zeugs freuen. Er selbst meinte gleich, dass er nicht zocken würde, aber vielleicht den einen oder anderen kennte, der sich was aus der großen Tüte (die war einfacher zu tragen als ein Karton) raussuchen wollen würde...

Da ich mir vorgenommen habe, in der nächsten Zeit über meine Spielsucht genauer nachzudenken, und da mir das Denken immer etwas leichter fällt, wenn ich's schwarz auf weiß niederschreibe, ist das hier vielleicht der richtige Anlaß, zu erläutern, warum ich die Dinger nicht wegwarf und damit dem Gedanken zuwider handelte, den Du formuliertest mit "...statt sie irgendwelchen jungen Menschen in die Hände zu drücken, die u.U. dadurch einen unguten Weg einschlagen..."

Die Begründung ist etwas komplexer, aber zuerst einmal: Nicht die Spiele sind böse und prinzipiell gefährlich und ungut, sondern mein Umgang mit ihnen ist falsch. Ich bin spielsüchtig (das sage ich mir seit der Erkenntnis immer wieder vor, um es nicht zu vergessen), aber die Gründe dafür liegen bei mir, in den Strukturen meiner Persönlichkeit. Es gibt Tausende und Millionen von Zockern, die nicht süchtig sind. Ich habe im Bekannten-/Freundeskreis jemanden, der seit rund neun Jahren trockener Alkoholiker ist. Ich bewundere den sehr, denn er hat sich inzwischen so stark im Griff, dass er selbst auf Einladungen mitkommt, bei denen absehbar die meisten anderen ziemlich viel trinken (ich weniger, aber ich hab zum Glück nie wirklich Bock auf's Saufen gehabt, warum, das zu erklären würde hier gerade zu weit führen). Er hält sich eisern an seine Colas und verdrückt sich ab und an vor die Tür, um eine zu rauchen. Aber er trinkt keinen Tropfen Alkohol. Was ihn dabei auszeichnet: er macht niemand anderem Vorhaltungen. Keine sarkastischen Bemerkungen zu Leuten, die gerade "einen über den Durst" trinken. Er ist eben keiner von diesen "schärfsten Kritikern der Elche", die früher sprichwörtlich "selber welche" waren. Er kümmert sich um sein Trinkverhalten, nicht um das der anderen. Und er gönnt den anderen sogar ihren Spaß, wenn sie beschwipst zu singen beginnen. Dann singt und tanzt er mit, auch wenn ich (als meist der einzige andere noch Nüchterne) ihm anzusehen meine, dass seine Ausgelassenheit in solchen Momenten etwas gespielt ist.
Er geht nicht davon aus, das der Rest der Welt an seinem Wesen zu genesen habe. Er war der Säufer, der mit seinem Alkoholmißbrauch seinen Job gefährdete, seine Frau zur Scheidung trieb (seit drei Jahren sind sie erneut verheiratet) und einen Haufen Kohle auf den Kopf haute (pro Tag ein Kasten Bier plus eine Flasche Schnaps hier und da - das summiert sich). Nicht die anderen.
Er ist momentan mein Vorbild. Auch darin, eben nicht den Rest der Welt verbessern zu wollen und plötzlich sich auf eine heilige Mission des Verzicht-Predigens zu begeben. Alkoholgenuß ist nicht per se falsch.
Und das Computergame-Zocken auch nicht. Es ist nur für mich (und Leute mit derselben Sucht) falsch. Um es bildhaft zu formulieren: ich reagiere auf Videospiele allergisch, wie andere Leute auf Birkenpollen oder Nussschokolade. Nur dass die Symptome freilich anders aussehen. Wer nicht allergisch auf Nüsse reagiert, kann problemlos von den Schokoriegeln naschen. Ich nicht, ich kriege dann Probleme und zwar welche, die ich mit Antihistamin-Tabletten nicht aus der Welt schaffen kann.
Mein Bekannter geht regelmäßig zu den AA. Heute werde ich die Leiter von zwei Spielsüchtigen-Selbsthilfegruppen hier in der Nähe anrufen.

to be continued...
Sonntag, 9.Aug 2015, 19:44

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
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Hallo Barbierossa,
ja, Countup klingt gut und du bist jetzt bei Tag Vier!!!!
Deine Überlegungen zu deiner Spielsucht sind interessant, dennoch muss ich dabei bleiben, dass es besser ist, die Spiele und das Zubehör nicht unter die Leute zu bringen. Stellen wir mal folgende These auf: Was ist mit denen, die eine "Nussallergie" haben, es aber noch nicht wissen? Sie werden erst, wenn sie den "Schokoriegel" verspeist haben - sprich vom Gamen nicht mehr loskommen - allmählich zu der Erkenntnis kommen, dass sie zu denen gehören, die "allergisch" sind. Doch dann ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen....Verstehst du, was ich meine? Klar ist es flüchtig betrachtet ein Wahnsinn, so viel "Geld" in die Tonne zu schmeißen, aber wenn du bedenkst, was das Ganze mit dir und deinem Leben gemacht hat, gehört es genau dort hin, oder?
Nur noch wenige Stunden, dann bist du bei Tag Fünf. Bald hast du eine ganze Woche geschafft. Ich finde es toll und freu mich für dich.
Merle
Montag, 10.Aug 2015, 21:39

Barbierossa Benutzer ist offline

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Hallo Merle!
Vorweg mal: Danke, dass Du hier so regelmäßig reinschaust und reinliest. Das ist nicht selbstverständlich und angesichts dessen, dass die meisten Threads hier schon verdammt alt sind, könnte man ohne Dein Engagement vermuten, dass hier überhaupt nix los ist und man sich die Beteiligung da dann auch gleich ganz schenken könnte. Also nochmal: Danke! :-)

Fünfter Tag abstinent.

Deinen Einwand wegen der verschenkten Spiele kann ich nachvollziehen und vielleicht liegst Du auch richtig. Andererseits möchte ich mir momentan nicht einreden, dass die Spiele böse/schlecht/gefährlich sind, sondern ich möchte mich auf meine eigene Verantwortung konzentrieren. Die Spiele, die ich da verschenkte, waren zum großen Teil Spiele, die ich immer noch als wertvoll, gut, künstlerisch gehaltvoll bezeichnen würde. Nochmal der Vergleich mit dem Alkoholismus: Nur weil man als Trinker seinen Alkoholkonsum nicht zu kontrollieren vermag, heißt das nicht, dass andere Menschen ebenfalls dazu nicht in der Lage wären. Und einen teuren, alten Whisky wegschmeissen, nur weil man ihn selbst nicht mehr trinken darf? Er muß raus aus dem Haus, richtig. Aber er muß nicht vernichtet werden, sondern es gibt andere Menschen, die sich über ihn freuen würden.

Hhmm... Nochmal: ich vestehe Dein Argument, aber im Moment fühle ich mich nicht verantwortlich für die Handlungen anderer. Und die Spiele-Industrie ist so gewaltig groß, dass die paar Games, die durch mein Verschenken mehr auf dem Markt sind, bzw. potentiellen Spielern zur Verfügung stehen, den Käse jetzt auch nicht fetter machen.
Vielleicht irre ich mich und werde zukünftig doch eher auf Deine Sicht umschwenken. Aber momentan muß ich auch so einen Überblick darüber bekommen, was ich überhaupt noch "richtig" beurteile und ich möchte nicht zu allem, was andere denken und vertreten, Ja und Amen sagen, nur weil ich mich so medioker fühle.

Gestern und heute waren gemischt. Gestern nachmittags/abends trieb ich viel Sport (über 3 STunden strammes Radfahren durch das bergische Land). Allerdings war ich dann abends so zufrieden mit mir, dass ich meinte, mir hernach noch zwei gestreamte Spielfilme gönnen zu dürfen. Mit dem Resultat, dass ich erst gegen vier ins Bett kam und morgens, wo ich doch eigentlich zur Krankenkasse fahren wollte, vor dem inneren Schweinehund kapitulierte und lieber weiter schlief bis mittags. Meine typische Vermeidungsstrategie funktioniert also auch ohne Zocken. *ärger*

Dafür hab ich mich dann aber überwunden, heute abends zu meinem ersten Treffen der Anonymen Spieler zu gehen. Das war eine für mich sehr mutmachende Erfahrung und ich weiß schon, so ich nächste Woche abends wieder sein werde. Man drückte mir dort zwei Broschüren in die Hand, eine davon ist eigentlich für Spielsüchtigen-Angehörige gedacht. Die machte mir mehr Angst als die für Betroffene, weil mir erst so richtig klar wurde, wie gefährlich und/oder belastend man als Spielsüchtiger für sein familiäres und befreundetes Umfeld sein kann. Irgendwie bin ich gerade etwas dankbar, noch keinen unschuldigen Dritten mit meiner Sucht geschadet zu haben.

Drückt mir die Daumen, dass ich mich morgen früh zu dem "Bürokratie-Gang" überwinden kann!
Dienstag, 11.Aug 2015, 13:16

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 788
Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo Barbierossa,
es ist gut, dass du dich vorerst "nur" auf deine eigene Verantwortung konzentrierst. Damit hast du wahrlich genug zu tun und wirst dich durch einen Berg von Fragen und Antworten hindurch baggern müssen. Die Dinge, die wir in den letzten zwei Beiträgen diskutiert haben, sind dagegen vorerst zweitrangig. Du musst deine eigene Sicht auf die Dinge heraus finden und die wird sich im Laufe deines Entzugs ständig verändern. Du hast dich jahrelang mit Spielen beschäftigt und es ist nachvollziehbar, dass du daran hängst und dir im Traum nicht vorstellen kannst, dieses "Nest zu beschmutzen." Richte deinen Blick auf das, was jetzt vor dir liegt, ein Sieg über den Schweinehund, jeden Tag aufs Neue. Das ist ein Riesenstück Arbeit.
Das mit dem Belohnen ist so eine Sache, und ich denke es ist die größte Falle, die dein Suchtgedächtnis dir ständig aufs Neue stellen wird. Du bist an das Belohnungsprinzip gewöhnt und holst dir diese Befriedigung nun sozusagen durch die Hintertür. Wenn schon nicht Zocken, dann wenigstens Glotzen. Im Endeffekt kommst du wieder nicht aus den Federn und zerrinnt dir der nächste Tag wieder zwischen den Händen. Aber dennoch hast du ganz viel geleistet mit deinem strammen Sportprogramm und darfst dir dafür auf die Schulter klopfen. Es ist ein schwerer Weg, den du da in Angriff nimmst und du darfst zu Beginn nicht allzu viel bzw. alles von dir erwarten. Gönne dir das Gefühl, auf Geleistetes stolz zu blicken, auch wenn das Eine oder Andere noch daneben geht. Tag Sechs liegt vor dir!
Ich bin gespannt, ob du deinen Termin bei der Krankenkasse heute früh hast erledigen können???
Herzlichst, Merle
Donnerstag, 13.Aug 2015, 20:21

brianflanagan Benutzer ist offline

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Selbsthilfegruppe
Hallo Barbierossa,

in vielen der Punkte die du angesprochen hast, sehe ich mich wieder. Mein konkreter Rat ist, deinen Tag nicht nur medienfrei zu halten, sondern auch zu versuchen sinnvolle Beschäftigungen (wie das von dir angesprochene Radfahren) zu machen.
Zu den gestreamten Filmen die du angesprochen hast: Lass es ganz! Mediensucht umfasst nicht nur PC-Spiele, sondern Filme, Apps und Nachrichten. Versuche ganz von diesen Medien loszukommen, da du entweder die Spiele mit Filmen ersetzt oder dir einen einfacheren Weg zurück in die Sucht bahnst.
Meine Empfehlung an dich ist die Selbshilfegruppe Webcare: Auf http://www.hls-webcare.org kannst du dir das anschauen. Schreib einfach mal Patrick Durner an, der kann dir dann weiter helfen was Termine angeht. Alle ein bis zwei Wochen wird die Selbsthilfegruppe über Skype stattfinden. Es geht gezielt an Leute, die das Internet im Beruf brauchen (daher auch Skype als Medium). Ich würde mich freuen, wenn du es schaffen könntest bis zum Termin morgen abends dich zu melden und sofort teilzunehmen.

Ich hoffe dein Countup läuft noch.

Brian
Samstag, 15.Aug 2015, 22:53

Barbierossa Benutzer ist offline

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Anzahl Beiträge: 17
Mitglied seit: 05.08.2015
10. Tag abstinent! Ich will hier jetzt gar nich viel berichten, denn ich hab heute schon zuviel Zeit vor'm Computer verbracht. Also antworte ich Euch demnächst. Nur soviel: es gab kleine Rückschläge (aber keinen Rückfall), aber mehr Erfreuliches. Ich sag nur: Freunde muß man haben... :-)
Montag, 17.Aug 2015, 14:00

alpenhorn68blazer Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 9
Mitglied seit: 13.08.2015
Hallo Barbierrossa,

einerseits finde ich es "bewundernswert" wie klar du deine Problematik siehst und wie entschlossen du gegen deine Problematik angehst, andererseits muss ich -als jemand der ähnliches wie durch durchmacht/durchgemacht hat- dich warnen dir Hilfe zu holen und nicht weiter "allein" gegen deine Sucht an zu kämpfen.
Die Selbsthilfegruppen sind schon mal ein erster guter Schritt, auch dieses Forum kann dir eine gewisse Stütze sein, wenn ich aber von der major depression lese die dir regelmässig suizidale Gedanken beschert, dann zieh bitte in Betracht dass die Computerspielsucht zwar eine Schlüsselstellung in deiner Krankheits/Suchtbiographie einnimmt, dass der Auslöser dafür aber woanders zu suchen ist. Erwöge auch einmal den Schritt zu einem Neurologen oder Psychotherapeuten, denn glaube mir selbst wenn du deine Schlüsselsucht irgendwannn im Griff haben solltest, die Depression geht nicht automatisch mit der Sucht.

Ich habe unlängst einen thread gestartet, der dich ineressieren könnte:
http://www.aktiv-gegen-mediensucht.de/thema/1141/7/alter-schuetzt-vor-torheit-nicht-mein-rueckfall-nach-30-jahren/
Darin vertrete ich eine ähnliche meinung wie du (Computerspiele sind nicht per se "schlecht", mit dem kleinen unterschied dass ich als spieleprogrammierer sehr gut weiss, dass die Marktdominanz von spielen die bewusst so designt werden dass sie im Spieler ein Abhängigkeitsverhalten erzeugen zusehends wächst,
Dies hilft uns Betroffenen erst einmal zu verstehen dass die Schuld "spielsüchtig zu werden" nicht allein an unserer Persönlichkeitsstruktur liegt, sondern auch daran dass die Spiele die du genannt hast und sehr viele Free-to-Play spiele mit genau der Intention dich abhängig zu machen entwickelt und getunt werden.

Mittwoch, 19.Aug 2015, 11:43

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 788
Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo Barbierossa,

heute ist der vierzehnte Tag - die zweite Woche wird vollendet, ein halber Monat ist geschafft. TOLL!!!!!

Merle



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