"Wir begrüßen Sie herzlich als Gast beim Netzwerk für Ratsuchende von AKTIV GEGEN MEDIENSUCHT e.V.
Sie müssen sich registrieren, um in den Foren Beiträge verfassen zu können.
Anonyme und kostenlos. Wichtiger Hinweis: Die Nutzung ist völlig unabhängig von den Interessen
oder den Zielen des Vereins.  (mit-AKTIV werden: Info hier)

Netzwerk für Ratsuchende:  (Aufruf alle Rubriken: www.netzwerk-fuer-ratsuchende.de)
-- 
Sucht- und andere Beratungsstellen     -- Forum Fachberatung
-- Kliniken                                                         -- Ambulanzen, Ärzte, Psychologen, Therapeuten
-- Präventionsangebote                                 -- Präventive Interventionen  (neu)
-- bestehende Selbsthilfegruppen              -- Gründungsgesuche für Selbsthilfegruppen
-- Offline-Alternativen (auch therapeutisch)
-- Netzwerke + Initiativen + Vereine + Forschung + andere Institutionen 

Austausch- und Infoforen:                                                             Pressegesuche
Angehörige / Aussteiger / Alleinerziehende / Betroffene / Partner / Umfrage / News / (Ihre)Termine
allgemeiner Austausch / Fragen zur Mediensucht / Suchtpotenzial anderer Spiele / Prominente



Forum
 Foren zum Thema Mediensucht / Aussteiger-Forum
        Tschüss Mediensucht, es war scheiße mit dir :P

Seite drucken

Sonntag, 23.Aug 2015, 23:10

Frederik Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 7
Mitglied seit: 23.08.2015
Zuerst Spielsüchtig, durch meine persönliche Hölle gegangen, aber wieder rausgekommen und nun nach 3 Jahren bin ich Serien&Youtubesüchtig geworden. Geil.
Ich dachte, es wäre alles vorbei und die Vergangenheit wäre vergessen und vergangen, aber nichts da. Letzten Mittwoch habe ich mir eingestanden, dass es wieder passiert war, wie damals in meiner Teenagerzeit.

Als ich ca. 13 war und meine 1-2 Jahre älteren Schulfreunde (habe eine Klasse übersprungen und bin ziemlich am Ende des Schuljahres geboren) mitten in der Pubertät waren und angefangen haben Egoshooter zu spielen, habe ich innerlich gemerkt wie sich alles verändert hat. Notenmäßig stand ich zwar echt gut da, aber meine Freunde waren alle 1-2 Kopfe größer, kraftmäßig stärker, körperlich viel entwickelter und reifer als ich. Unter den Jungs wurde sich oft geärgert und gepiesackt, so aus Spaß halt. Ich war regelmäßig Opfer dieses Spaßes und konnte mich nicht wehren, weder körperlich, noch verbal (wenn ich aufgeregt war, hab immer noch mehr als sonst gestottert).

So war ich dank dem neuen Spiel Call of Duty Modern Warfare und später League Of Legends, was wir Jungs von nun an gemeinsam (über Skype verbunden) zuhause zockten endlich in der Lage zu zeigen, wie stark ich wirklich war. ENDLICH. Ich war nicht mehr der kleine schüchterne Junge, sondern konnte mit den anderen mithalten! Ach was mithalten, ich war viel besser als sie in dem Spiel und war nun gefragt wenn in Teams gegen andere gespielt haben. Ich habe mich gebraucht und wertgeschätzt gefühlt, auch wenn ich jetzt immer "süchtig" genannt wurde, was mir iwie wehgetan hat. Ich hab einfach nur immer ein bisschen mehr als die anderen gespielt, um besser zu werden. Aus "ein bisschen" wurden ganze Tage und Nächte die ich durchgespielt habe, auch abseits von unseren LAN-Parties.
Im Spiel war ich ein kleiner Gott, aber in der Schule und sozial bin ich immer mehr abgesackt. Hausaufgaben waren schon lange keine Thema mehr und Klausuren und dann später auch normale Unterrichtstage hab ich dann irgendwann auch angefangen zu schwänzen . Mich mit Freunden treffen oder zusammen lernen? Nee, zocken ist viel besser.

Nach 53 Fehltagen und einer Sechs in Kunst in der 10. Klasse kam dann alles raus und ich habe mein Leben im Jahr danach Schritt für Schritt grundlegend geändert. Das Zocken hat mir viel genommen und das wollte ich NIE mehr zulassen. Bis Jetzt?

Spiele hab ich danach nie mehr gespielt. Aber jetzt kam in den letzten Monaten eine Zeit mit vielen Veränderungen, sowohl sozial, familiär, beruflich als auch psychich bei mir selbst. Und anscheinend hab ich wieder den Weg des geringsten Wiederstandes gewählt. Nämlich die Verdrängung von all den Problemen. Dieses Mal haben mir unnütze Lets Plays und Serien dieses Dienst erwiesen. (Ich hab diese Spiele mind. 3 Jahre nicht mehr gespielt, aber hab mir trotzdem Leute angeguckt, die sie spielen und erklären wie man besser in den Spielen werden kann. Verrückt oder?). Zum Glück kann man mit dem Laptop-Touchpad nur miserabel zocken, denn ohne diesen simplen Fakt und mein immer noch vorhandenen Wille diese Spiele nie mehr anzurühren, hätte ich mir vielleicht wieder eins runtergeladen.

Es kamen ähnliche Symptome, wie damals: chronische Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Appetitverlust, Hygienevernächlassigung und Verdrängung von Durst um weniger oft auf Toilette gehen zu müssen, damit man mehr Serien/Videos gucken kann (Ich hab manchmal sogar in eine Flasche gepinkelt um das Video nicht auf Pause drücken zu müssen/ hab meinen Laptop mit auf Klo genommen - hab ich selbst damals nicht gemacht). Außerdem hab ich wichtige, persönliche Termine nicht wahrgenommen, dringendende Briefe missachtet und Aufgaben unendlich vor mir hergeschoben, weil ich ja keine Zeit habe, sie zu machen (wers glaubt, wird selig, amen)

Allerdings ist meine gesamte Situation mittlerweise ganz anders als damals. Ich hab nun ein Umfeld von Leuten, die mich lieben und unterstützen und ich sehe Sinn in meinem Leben außerhalb der PC-Zeit.
Ich darf meine Internetsucht nicht kleinmachen, denn wenn ich es zulasse könnte, sie noch viel (mehr) zerstören, aber dieses mal will ich gleich handeln und es nicht schlimmer werden lassen als es ist.

Ich habe nächste Woche einen Termin mit einem Suchtberater und tue vorerst erstmal nur, dass was mich wirklich im Leben weiterbringt. Nämlich mich meinen Problemen zustellen, mit Leuten darüber zu reden und es nicht zu verheimlichen und keine Zeit mehr sinnlos zu vertrödeln.

Seit Mittwoch bin ich echt gut dabei und habe die letzten Tage meine Sucht nicht zugelassen mein Leben zu bestimmen. Es gab einfach so viel im echten Leben zu tun! Aufräumen, Fenster putzen, Vorbereitungen meiner Abschiedsparty meines FÖJs und das Feiern der Party und einfach mal wieder mehr mit Leuten reden, tut das gut!!

Ich schreibe hier diesen Beitrag, um anderen Mut zu machen auf ein Leben ohne Sucht und damit ich meinen eigenen Weg dokumentieren und mit anderen teilen kann. Ich bin voller Zuversicht, dass ich ein schönes Leben haben kann und bin gespannt, ob mir Leute noch Tipps geben können. (z.B. zu Sinnvoller Medien
Sonntag, 23.Aug 2015, 23:15

Frederik Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 7
Mitglied seit: 23.08.2015
z.B. zu sinnvoller Mediennutzung und wie man dahin kommt oder an welche vertrauenswürdigen Stellen man sich wenden kann um Hilfe zu bekommen.)

Liebe Grüße, Frederik
Montag, 24.Aug 2015, 15:32

alpenhorn68blazer Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 9
Mitglied seit: 13.08.2015
Hallo Frederik,

es ist toll dass du jetzt nach deinem "Rückfall" die Dinge zielstrebig angehst und Verantwortung übernimmst. Die Suchtberatung ist eine super Idee, denn wenn man mehrmals wie du (ich habe das auch erlebt) die eine Sucht überwindet und sich dafür eine andere (vermeintlich schwächere Sucht) einhandelt, dann stimmern ein paar grundlegende Konzepte nicht die man evtl. in der Kindheit als Schutzfunktion oder nach einem Trauma sich angeeignet hat.

Es kostet aber unheimlioch Kraft den Psychischen Entzug allein durch zu stehen, deshlab ist es enorm wichtig dass du dir Unterstützung holst, sonst kann es passieren dass du unter dem Stress zusammen brichst. Ich habe den Fehler gemacht auf Biegen und Brechen den Ausstieg aus meinem persönnlichen Suchtkreislauf allein durch zu stehen und habe mir daraufhin ein waschechtes Burnout eingehandelt. Die Sucht bin ich los, dafür muss ich heute Psychopharmaka nehmen und in Psychotherapie gehen um mein Leben auf wieder auf die Reihe zu kriegen.

Viel Erfolg und Durchhaltevermögen!
Montag, 24.Aug 2015, 15:41

alpenhorn68blazer Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 9
Mitglied seit: 13.08.2015
Tipps zu sinnvoller Mediennutzung findest du unter anderem hier:

http://www.qucosa.de/fileadmin/data/qucosa/documents/8917/Dissertation_Karina_Boehm.pdf

Diese Dissertation enthält am Ende ein Tätigkeitstagebuch dass ich jedem dringend empfehlen kann der Schwierigkeiten hat seine Mediennutzung im Griff zu behalten. Ich habe das selbst mehrere Wochen gemacht und gelernt, dass es in fast allen Fällen eine Illusion ist zu glauben dass es einem nach dem Konsum von FErnsehen, youtube oder Videospielen "besser" geht. Sie verschieben die Lösung von eigentlich dringenden Problemen und sind in erster Linie Stressoren die uns einen kurzen Eskapismus erlauben. Entspannend wirken sie immer nur kurzzeitig, deswegen habe ich mir angewöhnt solche dummheiten wie "bionge" watching gar nicht mehr zu machen denn das geht immer nach hinten los.

Vielelicht hast du ja mal Lust es selbst aus zu probieren und so ein Tätigkeitstagebuch zu führen?
Montag, 24.Aug 2015, 23:38

Frederik Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 7
Mitglied seit: 23.08.2015
Hi Alpenhorn,

Erstmal vielen Dank für deine schnelle Antwort!

Ja, der Meinung bin ich auch. Ich könnte zwar auch so stur sein und mir einreden, dass ich das alles alleine schaffen kann, aber ich muss auch irgendwann lernen Hilfe anzunehmen und so gehts ja auch leichter und zielführender. Damals hab ich es zwar irgendwie geschafft, den Entzug allein zu machen, aber zu welchem Preis würde ich das heute wieder schaffen? Nee, ich hol mir Hilfe. Ich muss da nicht alleine durch.

Aber ist ja krass, dass du da so mega schwere Folgen durch hattest, dass du das allein gemacht hast... Das kann schon echt hart sein.

Hey, ist ja mega! Danke für den Link, das schau ich mir mal an! Gerade mache ich grad auf der Seite http://www.ins-netz-gehen.de/ ein Tätigkeitsbuch und das hilft mir auch schon sehr zu reflektieren! Seit meiner Entscheidung vor ein paar Tagen, dass jetzt Schluss ist mit meinem krassen Medienkonsum, habe ich sogar gar keine Medien mehr missbraucht, um meine Probleme vermeintlich zu "lösen". Halt so nur das Wichtigste: Mal Google Maps, mal Chefkoch.de für Rezepte, Dieses Forum und um n bissel Musik zu hören. Läuft echt gut grad, ich bin selbst überrascht, wie viel Energie und Tatendrang noch in mir steckt!

Und es hat bei mir schon son bisschen Klick gemacht, sodass ich jetzt mir immer genau überlege, wenn ich Medien konsumieren: "Gibt es dafür einen guten Grund?" "Können mir Medien bei diesem Problem, worum es eigentlich geht wirklich weiter helfen?" und so klappts grad ganz gut. Bin aber echt mal gespannt auf mein Gespräch mit dem Suchtberater. Mal gucken, was der noch so für Tipps hat. (Mittwoch ist das Gespräch)

So jetzt aber auch ins Bett! Zum Glück muss ich morgen erst um 8Uhr aufstehen :P
Mittwoch, 26.Aug 2015, 12:40

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 747
Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo Frederick,

schau doch mal, ob es in deiner Umgebung eine Selbsthilfegruppe gibt. Es ist immer wieder gut, mit anderen ebenfalls Betroffenen über dieses Thema sprechen zu können. Vielleicht gibt es in unserem Netzwek für Ratsuchende bereis eine eingetragene Gruppe in deinem Postleitzahlenbereich.

Viel Erfolg weiterhin - und berichte uns doch bitte, wie dein Termin bei der Beratungsstelle war.

LG Merle
Donnerstag, 27.Aug 2015, 09:30

webCARE Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Anzahl Beiträge: 18
Mitglied seit: 11.05.2015
Hallo Frederik,

an dieser Stelle auch ein Verweis auf unsere virtuelle Selbsthilfegruppe im Projekt webC@RE. Ich habe hier im Forum schon alle wichtigen Infos dazu gepostet.
Solltest du Fragen dazu haben, meld dich gerne bei mir.

Wir wollten uns am 01.09. wieder zusammenschreiben um mit den aktuellen Mitgliedern den Termin für das nächste Treffen auszumachen.

Viele Grüße

Patrick Durner
Dienstag, 1.Sep 2015, 10:03

Frederik Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 7
Mitglied seit: 23.08.2015
Danke für eure Rückmeldungen, Merle & WebCare!
Bei dem Projekt WebCare schau ich mal vorbei! und nach Selbsthilfegruppen auch - wohne allerdings in einer Kleinstadt zurzeit, deswegen gibts da wahrscheinlich nicht so viel...

Mein letzte Woche ohne Mediensucht:

Meine ersten Gedanken in meinem neuen Leben "SO VIEL ZEIT!". Und dann hab ich gemerkt, dass es ja aber auch so viele Aktivitäten gibt, die man machen kann und dass es nichts bringt sich mit dem PC abzulenken, denn das verstärkt das Problem ja nur. Ich hab einige Ausschnitte aus der verlinkten Dissertation zu Mediensucht und Depression von Alpenhornblazer ( http://www.qucosa.de/fileadmin/data/qucosa/documents/8917/Dissertation_Karina_Boehm.pdf ) gelesen, die fand ich sehr aufschlussreich (vor allem die Fallberichte).

Und ich nutze das Online-Tätigkeitstagebuch von www.ins-netz-gehen.de, um meinen Medienkonsum & Real-Life-Tätigkeiten zu überwachen und nachzuvollziehen. Ich habe gemerkt, dass ich gar nicht mehr Serien schaue oder Lets Plays wie früher, da ich das bewusst vermeide.
Ich höre jetzt öfter mal Musik, während ich andere Tätigkeiten machen (z.B. Putzen, Kochen, Wäsche aufhängen) oder auch einfach als Haupttätigkeit, wo ich ein bisschen auf youtube rum surfe (meist so 10 - 15 Minuten, da mir das dann meist schon reicht und dann mache ich was anderes).

Was allerdings auch passiert ist, ist, dass ich wenn ich auf Youtube am Musik hören bin sehe ich manchmal im "Vorgeschlagene Videos- Bereich" so Kurz-Dokus (Taff, Welt der Wunder,..) über teils auch interessante Themen, wie Handysucht, Umgang mit Computersüchtigen in China oder Meditation, aber eben auch so Ablenkdokus alá "Millionärin für einen Tag", "Das krasseste Festival Deutschlands" oder "Das beschäftigt Deutschlands Teenies".
Eben durch die Kürze dieser Dokus ist es nicht so schlimm, wie eine Serie, wie Breaking Bad, da sie eben nach 5 oder 10 min einfach vorbei ist und dann schau ich vielleicht noch 1 oder 2 vorgeschlagene Dokus mehr, aber das wars dann und ich brauche nicht mehr. Allerdings helfen sie mir ja trotzdem nicht auch wenn ich mich nicht wie bei Serien in ihnen verliere.

Ich muss das auf jeden Fall weiter beobachten und auf jeden Fall in der Beratung versuchen Lösungen zu finden.

Apropos Beratung: Leider hab ich den Beratungs-Chattermin verpasst... An dem Tag musste ich länger arbeiten (arbeite in einer Gemüsegärtnerei, wo man das nicht so verschieben kann) Morgen habe ich einen Neuen. Also das ist ein Beratungstermin von www.ins-netz-gehen.de, wo man iwie nur die Zeit 16:00 auswählen kann - das ist halt relativ knapp, weil ich da normalerweise grade Feierabend habe und es für mich auch schwierig ist das vor meinen Kollegen zu erzählen.

Naja, ich schau mal wie es so weitergeht und werde hier von meinen Fortschritten berichten.

Mittwoch, 2.Sep 2015, 14:27

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 747
Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo Frederik,

du gehst das Ganze ja mittlerweile sehr bewusst an und deshalb denke ich, dass du ausreichend sensibilisiert bist und dir auch ein Stück weit vertrauen kannst. Da du begonnen hast, dein Medienverhalten zu überprüfen und zu hinterfragen, wirst du Stück für Stück mehr dahinter kommen, was für dich sinnvoll ist und was nicht. So wirst du die Spreu vom Weizen trennen lernen.

Ich bin gespannt auf weitere Beobachtungen von dir.

LG Merle
Donnerstag, 17.Sep 2015, 21:18

Frederik Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 7
Mitglied seit: 23.08.2015
So, Zeit für ein kleines Update von mir, da ich jetzt fast einen Monat auf meinem Weg aus der Mediensucht bin.

Mein aktuelles Befinden: Sehr gut! Ich habe es geschafft mich zu organisieren und meine Aufgaben zu erledigen. So verspüre ich auch gar kein Verlangen mehr mich durch Medien unkontrolliert berieseln zu lassen, da ich so viel Spaß daran habe mein eigenes Leben in den Griff zu kriegen. Und dabei brauche ich mir dann nicht noch die Probleme von irgendwelchen Serienhelden oder Filmhelden anzuhören

Ich hab jetzt ein Praktikum als Koch angefangen und werde dann sehen, ob das vielleicht was für mich als Beruf sein könnte und mache in dem Bereich dann, wenn alles passt eine Ausbildung. Der erste Tag gestern hat mir schon mal sehr gut gefallen! Mal gucken, wie es dort weitergeht.

Was mir geholfen hat: Ein kleines Notizbuch, in das ich jeden Tag seit dem 25.8. meine To-Do-Liste reingeschrieben habe und so meinen Tag sehr genau durchgeplant habe. Und dann abends vorm Einschlafen der Medienchecker von www.ins-netz-gehen.de, um mein Medien & Reallife verhalten zu dokumentieren und auszuwerten und dann noch einen kurzen Tagebucheintrag, wie mein Tag so gelaufen ist.
Außerdem hat es mir auch noch sehr geholfen mit anderen Leuten darüber zu sprechen. Z.B. Meiner Patentante, einer guten Freundin von mir, meiner festen Freundin und dem www.ins-netz-gehen.de-Berater hab ich mich geöffnet und konnte über meine Probleme reden. Das tat sehr gut und ich konnte diese Erfahrung des Aufhören mit unkontrolliertem Medienkonsum mit anderen Menschen teilen. Ich glaube mit meiner Mutter oder meinen Kumpels hätte ich da nicht so gut drüber sprechen können, es war gut, dass noch andere Menschen da waren.

Schlusswort:
Danke, dass ich soviel Unterstützung hier bekommen habe, aber auch von anderen Menschen & Seiten. Ich hab dieses Weg zwar alleine bestritten, aber es war leichter mit Support und ich denke man muss sich nicht immer alleine durchkämpfen!
Leute, öffnet euch anderen Menschen, führt To-Do-Liste und reflektiert euer Medienverhalten/führt Tagebuch. Mir zum mindest hat das unglaublich viel geholfen, vielleicht hilft es jetzt ja auch hier dem ein anderen. Ich würde mir es sehr für ihn wünschen, denn das Leben außerhalb der Medienparallelwelt ist zu schön, um es zu verpassen!

Liebe Grüße,

euer Frederik

PS: Ich werde in ca. 3 Monaten oder wenns grade passt nochmal ein Update hier geben, wie es grade so aussieht. Ansonsten noch eine schöne Zeit euch allen!
Montag, 21.Sep 2015, 12:38

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 747
Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo Frederik,

ich hoffe, dass ganz viele noch unsichere Aussteiger deinen letzten Bericht lesen. Er liest sich nämlich wie eine "Gebrauchsanweisung für einen erfolgreichen Ausstieg" und kann sicherlich Einigen hervorragend weiter helfen. Danke dafür.

Ich wünsche dir, dass du auch weiterhin so zufrieden mit dir sein kannst und deinen Weg mehr und mehr findest. Wie schön, dass du dein Leben außerhalb der Medienparallelwelt so lebenswert findest. Du kannst stolz auf das sein, was du ganz im Alleingang und mit Hilfe von guten Gesprächen geleistet hast.

Alles Gute und ganz viel Freude an dir
wünscht dir Merle

PS Lass von dir hören, wie es dir weiter ergeht. Ich freue mich darauf.
Mittwoch, 11.Nov 2015, 22:37

der_dau Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Anzahl Beiträge: 87
Mitglied seit: 10.11.2015
Danke für deine Beiträge, sie ergänzen mein Präventionsplan.

Wie ergeht es dir den jetzt ?
Ich bin seit dem 12.8 Abstinent und seit 21 Tagen wieder zuhause.
Meine Nachsorge fängt bald an.
So wie ich das verstanden habe hast du noch einen PC ?
Ich hab nur noch tablet und handy, mein Problem waren bisher ausschließlich die Spiele aber ich hab in der letzten Woche bemerkt das es mir schwer fällt nach 3h Filme schauen wieder aufzuhören ><
Der Moment war furchtbar diesen Zwang auf einmal zu spüren.
Wie hat sich das speziell bei dir entwickelt?
Gab es frühwarnzeichen als du deine Sucht Verlagerung hattest?
Freitag, 18.Nov 2016, 14:03

Frederik Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 7
Mitglied seit: 23.08.2015
Update - 1 Jahr nach dem Ausstieg
Hey Leute!

Ich bin jetzt schon vor über einem Jahr ausgestiegen und es läuft echt immer besser.
Im nachhinein bin ich einfach nur super glücklich, dass ich mir damals den Ruck gegeben habe und mir letztendlich Hilfe und Unterstützung geholt habe.

In der Zeit habe ich in insgesamt 5 verschiedenen Städten (das längste war drei Monate) gelebt und gearbeitet, weil ich einfach herausfinden wollte, was ich berufsmäßig mit meinem Leben machen möchte. Jetzt habe ich kürzlich ein spannendes Studium in Berlin angefangen und freue mich einfach, dass ich somit auch endlich eine längerfristige, wertvolle Aufgabe gefunden habe der ich nachgehen kann.

Denn ich habe nämlich gemerkt, dass ich eher dazu geneigt bin meine Zeit mit sinnlosem Filme gucken / Serien gucken zu verschwenden, wenn ich so eine Aufgabe nicht habe. Wenn ich ohne Aufgabe da stehe, dann lebe ich einfach irgendwie in den Tag hinein und bin wenig motiviert meinen Tag zu organisieren und mein Leben mit sinnvollen Aufgaben zu füllen. Dann geht es mir auch generell nicht gut. Und wenn es mir nicht gut geht mit meiner Arbeit/Job/Ausbildung/Studium, dann bin ich eher geneigt es zu verdrängen zu versuchen, indem ich z.B. mehr Serien/Filme/etc. angucken.

Auch war ich eher unglücklicher und eher geneigt zu verdrängen, wenn ich generell mit meiner Mitbewohnersituation, Stadt, Bekannten, Freunden, Arbeitskollegen, Menschen nicht klar kam. Was ja auch irgendwie logisch ist.

Mein Fazit ist, dass ich jetzt für den Rest meines Lebens versuche auf meine innere Stimme zu hören, damit ich 1. möglichst einen Tätigkeit finde, die mir gut tut, 2. ich mich mit Leuten umgebe, die mir gut tuen, und ich mich in meiner freien Zeit mit Dingen beschäftige, die entweder 1. und 2. helfen oder mich einfach wirklich glücklich machen und erfüllen.

Ich schaue mir allerdings durchaus auch alle 1-2 Wochen mal eine Episode aus einer Serie an oder einen guten Film, aber dann kann ich damit auch aufhören, wann ich will. Denn ich bin ja dabei mir ein lebenswertes Leben aufzubauen bzw. habe ja schon eins mittlerweile, wozu es sich lohnt Zeit für zu haben.

Denn: Zeit ist kostbar. Ein Tag, Woche, Monat, Jahr den/die/das man einmal gelebt hat (oder vor dem Bildschirm sitzend verschwendet hat) kommt NIE wieder.
Diese Zeit ist für IMMER verloren.

Ich hoffe, dass sich andere Menschen auch einen Ruck geben können, die jetzt vielleicht grade diesen Text lesen und sich fragen, ob sie vielleicht Hilfe brauchen oder ob sie es nicht auch ganz alleine schaffen können. Wenn ihr denkt, dass ihr das schon in einem Jahr so irgendwie alleine hinkriegt, dann macht euch klar, dass ihr dann trotzdem EIN JAHR EURES LEBENS weniger habt. Macht es jetzt und verschiebt es nicht auf morgen.

Ich wünsche euch viel Kraft dazu diesen Schritt zu machen.

Frederik
Freitag, 18.Nov 2016, 14:37

Frederik Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 7
Mitglied seit: 23.08.2015
Hey der_dau,

wie ist dieses Jahr bisher für dich gewesen? Hast du es geschafft langfristig von Spiel und Mediensucht loszukommen?

Hab leider damals verpasst dir hier zu antworten. Deswegen hier jetzt meine Rückmeldung auf deine Fragen. Besser spät als nie.

Ja, ich hab einen Laptop und Smartphone. Bei mir persönlich ging es nicht darum mich komplett den Medien zu entsagen, sodass ich gar keine Möglichkeit mehr hätte in irgendeiner Weise rückfällig zu werden.

Ich wollte einen Weg finden, wie ich weiterhin Medien sinnvoll nutzen kann, ohne sie zu missbrauchen. Sprich ich hatte als Ziel, dass ich ein ganz normales Leben führen kann, mit dem Unterschied, dass ich mich jeden Tag neu dazu entscheide meinen Laptop dazu zu benutzen, um z.B. auf Youtube ein Mathematik-Erklär-Video fürs Studium anzuschauen (und nicht zig sinnlose Unterhaltungsvideos) oder mich über ein Thema informieren zu können (und nicht sofort dann den Browser-Tab zu wechseln, um mir irgendeinen Serienstream anzugucken).

Ich glaube dir, dass es ein scheiß Gefühl ist, wenn du diesen Zwang das erste Mal bei etwas anderem spürst, als bei deiner Anfangssucht. Ich fand es super schwer mir einzugestehen, dass sich eine neue Sucht entwickelt hat solange nach dem die alte Sucht besiegt zu sein schien.

Der entscheidende Faktor bei mir, warum sich diese neue Sucht zu Filmen/Serien/etc. entwickelt hat waren die Lebensumstände.
Mir ging es damals persönlich nicht gut. Ich hatte keinen tollen Freundeskreis, keine Leute mit denen ich über meine Probleme reden konnte, ich wusste nicht, was ich in der Zukunft beruflich/ausbildungstechnisch machen wollte und kam bei vielen Dingen alleine nicht weiter. Das hat dazugeführt, dass ich versucht habe diese Probleme mit dem Missbrauch von Medien zu verdrängen. Klar, dass das in die Hose ging.

Deswegen ist das einzige, um dauerhaft die Sucht (bzw. ich definiere es für mich als eine "Neigung dazu Probleme durch überhöhten Medienkonsum zu verdrängen" im Zaum zu halten das ständige bemühen sein Leben mit realen, schönen und sinnvollen Tätigkeiten und Menschen zu füllen.
Und eben seine Probleme nicht für sich zu behalten, sondern mit anderen Menschen darüber reden und sie zeitnah zu lösen.

Das alles sind natürlich nur meine persönlichen Erfahrungen, mit der speziellen Ausprägung und Art der Mediensucht bei mir.
Ich hoffe trotzdem, dass es Leute gibt, denen diese Überlegungen und Lösungsideen weiterhelfen werden.

Frederik
Samstag, 26.Nov 2016, 17:28

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 747
Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo Frederik,
es ist eine wahre Freude, zu hören, dass du ganz aus eigener Kraft so unglaublich weit mit dir gekommen bist. Letztendlich ist das das Allerbeste: die Beweggründe zu verstehen, warum du ein Suchtverhalten entwickelt hast und ab dann ganz bewusst und diszipliniert zu vermeiden, wieder in Situationen zu geraten, die für dich prekär sind. So hast du die beste Garantie, nicht wieder in alte Verhaltensmuster zurück zu fallen. Es ist beeindruckend, dass du dies alles ganz aus freien Stücken und ohne Hilfe von außen erkannt und umgesetzt hast.
Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass es dir auch weiterhin gelingt, genau die Dinge zu tun, die dir gut tun, dich mit genau den Menschen zu umgeben, die dich stärken, und beruflich genau den Weg zu finden, den du dir für dich vorgestellt hast und an dem du dich am rechten Fleck fühlen darfst.
Hoffentlich lesen viele noch unentschlossene und zögerliche Ausstiegswillige deine wichtigen Zeilen, auf dass sie den Mut finden, es dir gleich zu tun.
Sei herzlichst gegrüßt
von Merle


Seite drucken  |  Nächstes Thema  |  Vorheriges Thema
 
Gehe zu
 


 Wer ist online?


Benutzer online: 0, Gäste online: 39

 Forum Statistiken


Themen: 1101, Beiträge: 3999, Mitglieder: 1883
Wir begrüssen unser neuestes Mitglied: Masca

 Heutige Geburtstage


Mucky007 (64)