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Donnerstag, 14.Jan 2016, 17:56

karla Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Anzahl Beiträge: 50
Mitglied seit: 25.02.2011
Danke für dein einfühlsames Engagement hier im Forum und auch für die freundliche Anfrage an mich.
Ja, wie geht es mir?
Manchmal befürchte ich zu platzen, bei allem, was ich jetzt erfahre und erlebe und was ausschließlich mit meiner Familie zu tun hat.

Aber was ist passiert? Eine längere Geschichte, vielleicht zu ausführlich für so ein Forum:
Vor einiger Zeit hatte sich meine Mutter für einen Kurzbesuch in meiner Stadt angemeldet. Sie meinte mit ein paar Frauen aus ihrer Sportgruppe zusammen mit dem jetzt so günstigen Bus herzukommen. Als ich sie vom Bus abholte, war da niemand, den meine Mutter kannte.
Ich war erstaunt, wie froh meine Mutter lächelte, als sie mich sah, immerhin waren wir einige Zeit zuvor mächtig aneinander geraten, weil sie hinter meinem Rücken, mit dem Zusatz €Sag´s nicht Mutti!€ meinem Sohn einen hohen Geldbetrag geliehen hat.
Nun wie auch immer, wir sind erst mal was essen gegangen, dann etwas herumspaziert, zu mir nach Hause wollte sie nicht, und waren dann in einem Cafe´. Natürlich war mein Sohn spätestens nach der Vorspeise das Thema. Irgendwann habe ich ihr dann unter Tränen sagen müssen, dass ich sehr wütend bin, sowohl auf sie, als auch auf meinen Vater den sie immer wieder auffordert, meinen Sohn finziell zu unterstützen!!!. (die beiden sind seit 6 Jahren getrennt)
Nach langem hin und her ist sie wieder abgefahren, wieder waren keine Bekannten am Bus,und ich habe bis Weihnachten nichts mehr von ihr gehört.
Meine Anrufe hat sie nicht angenommen, es gab keine Rückrufe. Nichts.
Ich habe mir Gedanken gemacht, was mit dem großen Familienfest Weihnachten passiert,habe 3 Theaterkarten besorgt, ein Zimmer in der Nähe bestellt, Essen usw. organisiert. Bis mir irgendwann kurz vorm Fest der Gedanke kam: €Dann eben nicht!€ Ich habe alles wieder rückgängig gemacht und alles für 2 Personen, meinen Mann und mich, vorbereitet.
Ein paar Tage vorm Fest rief mich ein Freund an, der mir mitteilte, dass meine Mutter ihn gerade angerufen hätte. Er musste ihr versprechen, mir nichts davon zu erzählen. Sie hätte ihn gefragt, ob ich wohl schon früher ihm gegenüber mal geäußert hätte, wie sehr ich sie verachten würde? (!!!!!). Dann hatte sie weiterhin keine Hemmungen, und erzählte ihm, wie gut sie mit meinem Sohn klar käme, denn €man müsse nur lieb mit ihm sprechen!€
Man kann sich vielleicht vorstellen, mit welchen Gefühlen ich damals aber auch jetzt, im Moment des Schreibens, zu kämpfen hatte und habe.
Aber das war ja noch nicht alles.
Zwischen den Feiertagen hat meine Mutter Geburtstag, diesmal war es ein runder (80).
Natürlich sind wir hingefahren. Ich habe uns mit der Weihnachtspost angekündigt.
Folgendes erfuhr ich immer mal so nebenbei von ihr und meiner Tante:
- Sie war Weihnachten bei ihrem Bruder und seiner Familie.
- Mein Sohn hat sich per sms zum Fest bei ihr gemeldet.
- Sein Großvater väterlicherseits, mein früherer Schwiegervater, verstarb kurz vorm Fest.
- Und : Ich war Weihnachten verreist. (war ich nicht, ich weiß das besser!)
(Bemerkung: Bei der Geburtstagsfeier durften mein Mann und ich nicht am Familientisch, wie sonst bei uns so Sitte, sitzen! - aber das nur so als bestimmt nicht unwichtige Nebensächlichkeit)
Ich kam auch mit niemandem so recht ins Gespräch.
Von oder über meinen Sohn habe ich nichts erfahren. Er wurde nicht einmal erwähnt! Ausser von mir mal, aber da kam dann Musik!
Am nächsten Tag sind wir frustriert wieder nach Hause gefahren, wo mich ein Anruf meines Vaters erwartete, der fragte, wie denn mein Urlaub gewesen sei€€
Das sind so familiäre Erquickligkeiten, die fast banal und albern klingen, wäre da nicht€.

Ich sehe meine Felle wegschwimmen! Meine ganze gute Vorbereitung auf das nächste Auge-in- Auge- Gespräch mit meinem Sohn, wo ich ihm konkrete Therapiemöglichkeiten usw. offerieren könnte, ist für die Katz, weil ich war ja Weihnachten verreist und habe meine arme alte Mutter allein gelassen!

Das ist das Fazit dieser Geschichte: solange die €Strippen so gezogen werden€, hat mein Sohn nur wenig Chancen, objektiv zu handeln und sich aus diesem Hamsterrad zu befreien.
Ich bleibe aber dabei und ziehe mich aus dem Ganzen raus. Ich habe auch keine Lust, meine Mutter zur Rede zu stellen. Sie ist wahrhaft alt genug, um zu wissen was sie tut. Immerhin weiß ich, dass sie ganz gut für sich sorgen kann, ob ehrlich oder nicht, einsam ist sie auf gar keinen Fall!

Und dennoch weiß ich, dass ich heute wieder stärker bin als ich gestern war!
(aber es schlaucht und lenkt so vom wahrhaft Wichtigen ab!)









Mittwoch, 20.Jan 2016, 10:47

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 782
Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo Karla,

das sind ja familiäre Verstrickungen erster Güte und ich kann hautnah nachvollziehen, wie sehr dir dies immer wieder die Kraft nimmt. Umso wichtiger ist es, dass du dich weiterhin ganz bewusst abgrenzt in dir drin, deinen Blick auf deine Jetzt-Familie richtest und dich deinem eigenen Leben konzentriert und freudig zuwendest. Denke immer daran, dass deine Eltern ihre eigene Geschichte haben, ihre eigenen Päckchen, die sie abtragen müssen, und ihre ureigenen Zusammenhänge, die du für sie nicht lösen kannst.

Dein Vorhaben, deinem Sohn konkrete Therapiemöglichkeiten zu offerieren, kannst du getrost wieder wegstecken. Du hast nicht mehr die Aufgabe, ihn zu retten, und du kannst sicher sein, dass er, sobald er selbst zu diesem Schritt bereit ist, selber die Stellen ausfindig machen wird, die ihm helfen können. Du wolltest dich aus dem Ganzen heraus nehmen! Dazu gehört auch, dass du ihm keinerlei Vorschläge mehr machst, sondern die Verantwortung für die Gestaltung seines Lebens ganz ihm selbst überlässt. Versuche immer wieder, dich an diesen wichtigen Punkt zu erinnern und dich selbst zurück zu pfeifen, wenn du wieder dazu neigst, eingreifen zu wollen.

Wichtig ist, dass du trotz allem in dir drin mit Liebe auf deine Eltern blickst. Der Gedanke, dass deine Mutter nicht einsam ist, ist doch hilfreich und gut für dich, und vielleicht kannst du ihr ja einen kleinen Herzensgruß zukommen lassen, welcher Art auch immer, um ihr damit zu zeigen, dass du sie nicht verachtest. Du brauchst dafür nur wenige Worte, und du wirst am Besten wissen, was dafür am Geeignetsten ist: ein Gegenstand, ein Gedicht, ein schöner Spruch... Lass dich auf keine Diskussionen mehr ein und rechtfertige dich nicht. Deine Mutter hat ihre Ursachen und Wirkungen und du hast die deinen. So hat jeder seine Bahnen zu ziehen und kann dennoch mit dem anderen im weitesten Sinne verbunden bleiben.

Sei herzlich gegrüßt von Merle
Samstag, 23.Jan 2016, 17:21

karla Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 50
Mitglied seit: 25.02.2011
Liebe Merle!

Ich brauchte etwas Zeit, um deinen letzten Beitrag zum €meinem Thema€ zu verdauen.
Was den Umgang bzw. Nicht-Umgang mit meinem Sohn angeht, stimme ich Dir zu, auch wenn ich merke, wie schwer es ist. Aber mein Sohn erleichtert mir das Nichteingreifen ja, indem er sich gar nicht mehr bei mir meldet.

Was aber meine Eltern angeht, habe ich große Schwierigkeiten jetzt in meiner, ja ich nenne es mal verzweifelte Wut , mit Herzenswünschen, schönen Sprüchen u.a. ins liebevolle Denken zu kommen.
Das sind jetzt auch bei mir neu entdeckte Gefühle, die ich erst mal wahrnehmen und verarbeiten muss. Ich bin froh, dass ich diese Entdeckungen machen kann, auch wenn sie sehr unangenehm sind, Schmerzen und auch Scham hervorrufen. Grund ist natürlich meine Erziehung, bei der Gefühle wie Wut, „rger, Trauer keine große Rolle spielten, sondern schnell umgedreht bzw. verdrängt wurden. Und ich habe diese Erziehung so auch weitergegeben.
Ich komme noch mal auf meine Eltern, die sich vor 6 Jahren getrennt haben und nun von mir sehr viel Toleranz, Parteilichkeit und immer ein offenes Ohr für ihre Probleme erwarten, nach dem Motto: €Du schaffst das, Du bist stark.€ zu sprechen.
Irgendwann habe ich das alles abgelehnt, mich sozusagen aufgelehnt, was für Beide, meine Mutter und meinen Vater, aber kein Stop bedeutete. Sie wandten sich an meinen Sohn, der das alles vermeintlich klaglos hinnahm.
Es gibt einen Wettkampf um die Gunst meines einzigen Sohnes, den sie untereinander aber auch gegen mich austragen.
Und darüber bin ich eben sauer und wahnsinnig enttäuscht. Und das darf ich auch. Und ich bin (vielleicht im Moment) nicht bereit und/oder in der Lage nette Gedanken in diese Richtung zu senden.
Ich bin nicht (mehr) lieb!

Ich weiß nicht, wie andere Angehörige das machen, wenn es zu so einem Zerwürfnis kommt. Ich bin bestimmt nicht unversöhnlich, auch nicht undankbar, wie es meine Mutter formuliert, aber ich verbiete mir (mit Sicherheit viel zu spät), das was sie tut, nämlich ihre Einmischungen, Unwahrheiten, Intrigen, ihr ständige Präsenz, immer im Schutze ihres Alters, ihres Gesundheitszustandes und ihrer Rolle als Oma, die alles tun und sagen darf und grundsätzlich keine Fehler macht.
Das alles überschattet tatsächlich das Liebevolle, das Nette, die Liebe und die Sehnsucht zur Mutter und auch zu meinem Vater, der sich immer aus allem raushält.

Ich brauche eben auch Zeit!
Herzliche Grüße, Karla
Montag, 25.Jan 2016, 17:17

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 782
Mitglied seit: 12.06.2009
Liebe Karla,

natürlich hast du ein Recht auf deine Wut. Wir alle haben in unserer Kindheit gelernt, dass Wut kein angemessenes Gefühl ist und dass wir sie deshalb unterdrücken müssen oder sie im besten Falle gar nicht erst haben dürfen. Keiner hat uns erzählt, welch eine große Kraft in uns freigesetzt wird, wenn wir die Wut zulassen. Ich habe im Laufe meines Lebens erst schmerzlich lernen müssen, dass alle meine Gefühle, die "guten" und die "schlechten", ihre Berechtigung haben und auch zum richtigen Zeitpunkt zum Vorschein kommen. Wichtig ist nur, dass wir nicht in einem der Gefühle stecken bleiben und aus diesem Loch nicht mehr heraus kommen. Damals, als unser Sohn onlinerollenspielsüchtig geworden war, war ich auch durch einen Sumpf von Empfindungen gestolpert - Schuldgefühle, Selbstmitleid, Hadern mit dem Leben, Hoffnungslosigkeit, Kampfgeist, Gelassenheit, Vertrauen, Depression, Erschöpfung, Wut, Kraft usw. usw. Am Ende hatten all diese Empfindungen, die ich jeweils zu 100 % durchlebt und durchlitten hatte, meine Wahrnehmung gefiltert und geklärt.

Das, was ich mit der Liebe meinte, die letztendlich übrig bleiben sollte als die einzig wahre Kraft, ist sicherlich erst zu leisten, wenn du durch das gesamte Tal hindurch geschritten bist. Lass dir Zeit dafür und arbeite all das durch, was in dir tobt. Deine Gefühle werden dich leiten. Ich sehe das ein bisschen wie ein Orchester. Jedes Instrument hat mal seinen Solopart und hat das Sagen: heute das melancholische Cello in dir, morgen vielleicht die leichtfüßige Piccoloflöte. Gib allen Instrumenten ihren Raum, höre ihnen zu und nehme sie ernst. Am Ende tragen sie alle ihren Teil dazu bei, dass ein harmonisches Ganzes daraus wird. Darauf darfst du vertrauen.

Ich begleite dich mit meinen besten Gedanken.
Merle
Samstag, 6.Mai 2017, 12:40

karla Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 50
Mitglied seit: 25.02.2011
Ich weiß nicht, was ich tun soll!
Vor gut 2 Jahren habe ich meinen Sohn das letzte Mal gesehen und gesprochen.
Inzwischen ist auch telefonischer Kontakt unerwünscht. Ich weiß eigentlich nichts von ihm. Es gelangen lediglich ein paar Informationen zu mir, die meine Mutter oder mein Vater im Nebensatz Preis geben.
Er will keinen Kontakt zu mir.
In der nächsten Woche hat mein Sohn Geburtstag und ich hadere mit mir, zu ihm zu fahren. Mir ist bekannt, dass er auf Arbeitsuche ist bzw. auf einen Einsatz wartet und deshalb auf jeden Fall zuhause sein wird.
Zu vorigen Festen (Weihnachten, Ostern u.a.) habe ich ihm Geschenke mit der Post geschickt oder sie bei meiner Mutter hinterlegt.
Jetzt, während ich das schreibe, bezweifle ich, dass das richtig war.
Ich bin hin und her gerissen, weil ich völlig ratlos und verzweifelt bin.
Oft kommt mir der Gedanke, ob ich innerhalb der Familie zu viel über die Internetsucht gesprochen habe, zu oft um Gehör gebeten und auf die Folgen jeder finanziellen Hilfe aufmerksam gemacht habe.
Mir hört keiner zu.
Es ist kaum auszuhalten. Deshalb bitte ich Euch um Hilfe.
karla

Samstag, 6.Mai 2017, 19:44

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 782
Mitglied seit: 12.06.2009
Liebe karla,

deine Verzweiflung springt mich förmlich an, und ich fühle mich in die Zeit zurück versetzt, als auch ich unseren Sohn so viele Jahre nicht hatte sehen können, weil er sich komplett in WOW zurück gezogen hatte.....

Ich denke, du solltest deinem Gefühl vertrauen. Wenn du mittlerweile die Ahnung in dir spürst, dass es diesmal nicht richtig wäre, ihm seine Geschenke über die Familie zukommen zu lassen, dann solltest du es dieses Mal anders machen. Was kann dir schon passieren? Solltest du ein weiteres Mal abgewiesen werden, dann bleibt die Situation halt vorerst weiterhin unverändert. Doch wer weiß, vielleicht löst eine persönliche Begegnung seine Blockade, zumindest für eine kurze Weile, die ihr Beide genießen könnt. Ich würde an deiner Stelle dann gar nicht über all das sprechen, auch nicht über die Familie, ihm nur sagen und zeigen, wie glücklich du bist, ihn zu sehen. Lass seine Probleme bei ihm und spüre nur euer Begegnen und euer Mutter -und -Sohn -Sein. Du kommst nicht als Klagende und nicht als Ratende, du kommst nicht als Verzweifelte und nicht als diejenige, die weiß, wie es besser wäre. Du kommst einfach nur als Mutter, die ihren Sohn liebt, die ihm zum Geburtstag alles nur erdenklich Gute wünscht und ihn sehen und auch umarmen will.

Da sicherlich zu erwarten ist, dass deine Familie an seinem Geburtstag zu ihm kommt, fände ich es besser, wenn du am Tag davor zu ihm fährst, denn es wäre nicht gut, wenn du mit deinen Verwandten konfrontiert wirst. Diese Begegnung gehört nur euch und darf von niemandem gestört und zerstört werden.

Versuche, dich vor dem Besuch ganz "leer zu räumen" innerlich. Nimm dir nichts vor, formuliere keine Sätze im Voraus, feile nicht gedanklich an eurer Begegnung herum. So hatte ich es damals gemacht und schon lief alles richtig, wie von selbst. Wir hielten uns weinend in den Armen, viele viele Minuten lang, und eigentlich war damit alles gesagt. Vertrau auf dich und dein gutes Gespür tief in deinem Herzen.

Ich werde so fest an dich denken nächste Woche und ich würde natürlich gerne erfahren, wie es gelaufen ist.

Alles alles Gute und viel Mutterkraft wünscht dir
Merle
Montag, 8.Mai 2017, 13:26

karla Benutzer ist offline

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Anzahl Beiträge: 50
Mitglied seit: 25.02.2011
Danke, liebe Merle!
Die Fahrkarte ist gekauft, auch ein Geburtstagsgeschenk.
Ich lasse ab jetzt alles auf mich zukommen und versuche ohne oder mit nur wenigen Erwartungen zu ihm zu fahren.
Die Idee, einen Tag vor dem Geburtstag an seiner Tür zu klingeln, finde ich fabelhaft.
Dennoch bin ich mir völlig darüber im Klaren, dass mein Besuch ein Wagnis ist, ich habe auch Angst, vor dem was da kommen kann, trotzdem freue ich mich über meinen Entschluß, es einzugehen.
Ich brauchte tatsächlich etwas Zuspruch.
Danke nochmal.
Auf jeden Fall werde ich über alles Folgende berichten!
karla
Dienstag, 16.Mai 2017, 10:47

karla Benutzer ist offline

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Themenstarter
Anzahl Beiträge: 50
Mitglied seit: 25.02.2011
Klarheit
Liebe Merle, lieber Leser,

nun bin ich also einen Tag vor seinem Geburtstag zu meinem Sohn gefahren.
Dank Deiner Worte habe ich mich auf der Fahrt mit Buch und Rätseln beschäftigt, um ihm einigermaßen frei und unbeschwert zu begegnen.

Nachdem er mich im Türspion gesehen hat, rief er:€ Keiner da.€ Aber das hat mich nicht gestört. Ich habe nochmal geklingelt und er öffnete die Tür.
Allerdings nur um mir zu sagen, dass mein Besuch unerwünscht sei. Tür zu.
Ich habe wieder geklingelt. Wieder öffnete sich die Tür. Wieder bekam ich eine Abfuhr.
Das wiederholte sich einige Male. Doch von Mal zu Mal haben wir immer mehr miteinander gesprochen.
Er hat eine ungeheure Wut in sich, sieht verdammt schlecht aus, tiefe Augenringe, matte Haut.
Er hat mich zwar im Treppenhaus abgefertigt, seine Worte waren nicht nett aber höflich, ruhig und bestimmt.
Jede Einladung, irgendwo in Ruhe etwas zu essen o.a. hat er abgelehnt.
Ein paar Vorwürfe hat er mir gemacht, z.B. hinsichtlich seiner Oma, die wohl nach wie vor zu ihm kommt,
wenn wir (meine Mutter und ich) eine kleinere oder größere Auseinandersetzung haben* das soll jetzt aber nicht das Thema sein).

Bis er dann sagte, dass er momentan nicht mit mir reden oder irgendwelchen Kontakt zu mir haben möchte
und er sich bei mir melden würde, wenn sich dies ändere.
Diese Aussage war knallhart, doch sehr klar. Darauf habe ich mich einlassen können.

Ich habe ihm sein Geburtstagsgeschenk übergeben, Blumen für seinen Geburtstag hatte ich bestellt und sie sind pünktlich am Tag darauf bei ihm angekommen.

Natürlich habe ich auf dem Rückweg geheult. Ich konnte aber viele meiner Gedanken aufschreiben, was mir sehr geholfen hat.
Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass klare Worte, auch wenn sie nicht angenehm sind, doch viel mehr Bedeutung haben als irgendeine SMS oder e-Mail oder Nachrichten über Dritte.
Zwar weiß ich nicht, ob und wieviel er spielt, das muss ich ihm als erwachsenen Mann nun selbst überlassen,
aber die Klarheit seiner Worte hilft mir sehr.

An seinem Geburtstag habe ich ihn nicht angerufen- wir haben ja eine Abmachung.
Und ich muss sagen, dass diese Abmachung für mich bis jetzt etwas Beruhigendes hat.

Mein Mann hat ihm telefonisch zum Geburtstag gratuliert und dabei haben beide auch sehr unbefangen und ernsthaft
über diese Situation gesprochen. Mit dem Ergebnis, dass er nicht böse auf mich sei, aber Zeit brauche.

Also, ich weiß eigentlich nicht, was los ist, nicht, was noch kommt und dennoch geht es mir in den letzten Tagen besser.

karla



Mittwoch, 17.Mai 2017, 17:41

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 782
Mitglied seit: 12.06.2009
Natürlich geht es dir besser, liebe karla, denn was kann es Erlösenderes geben, als ein klares Wort.

Ich finde, du hast deine Sache gut gemacht, und irgendwie fühle ich, dass diese Begegnung für euch Beide ganz wichtig war. Wir dürfen nie vergessen, dass Söhne immer eine ganz besondere Beziehung zur Mutter haben, so kompliziert sie auch in manchen Fällen sein mag. So lässt sich erahnen, wie tief die Scham in ihren Herzen sein muss, wenn sie die Mutter enttäuschen und ihr aufgrund ihres "Versagens" so viel Schmerz zufügen. Jeder Sohn will letztendlich, dass seine Mutter stolz auf ihn ist. Dein Sohn weiß, dass er dir keinen Grund dazu gibt, und so ist sein Wunsch, den Kontakt abzubrechen, nachvollziehbar. Wie könnte er es aushalten, immer wieder mit deinem Schmerz konfrontiert zu werden.....

Vielleicht gelingt es dir nun, mit großer Ruhe und Gewissheit darauf zu vertrauen, dass dein Sohn sich dir wieder nähern wird, sobald er sein Leben wieder ins Lot gebracht hat. Und er hat deinem Mann ja eine klare Botschaft vermittelt: Er ist dir nicht böse. Er hat dir nicht wirklich etwas vorzuwerfen, was über das normale Maß zwischen Eltern und Kindern hinaus geht, sondern er will sich deinen Kummer um ihn ersparen, weil er ihn nicht erträgt. Du kannst ihm sehr viel helfen, wenn du versuchst, an ihn zu glauben, denn jeder liebende Gedanke an ihn wird ihn erreichen und in ihm wirken.

Herzlichst, Merle

Donnerstag, 1.Jun 2017, 14:09

Cavia Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Anzahl Beiträge: 10
Mitglied seit: 27.04.2017
Merle,

Chapeau bas, wie du das ganze beschreibst. Ich denke, das ist für Karla sehr erleichternd. Für mich wäre es so.
Donnerstag, 1.Jun 2017, 17:03

karla Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 50
Mitglied seit: 25.02.2011
Ja, liebe Merle, liebe Cavia,
es ist erleichternd, was Merle schreibt und ich fühle das es genauso ist!
Und doch bin ich noch lange nicht beruhigt. Wie auch!
Immer öfter geht die Phantasie mit mir durch und spielt Szenarien, wie was wann wohl wäre, in meinem Kopf ab.
Aber danke, für das Interesse und die wirklich guten und wichtigen Worte!
karla
Sonntag, 4.Jun 2017, 10:15

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 782
Mitglied seit: 12.06.2009
Liebe karla,

das ist doch klar, dass du immer wieder die verschiedensten Szenarien in deinem Kopf durchspielst. Ich habe in meinem Leben die Erfahrung gemacht, dass es wichtig und richtig ist, diese Gedankenbilder alle zuzulassen und durch sie hindurch zu gehen. Auf diese Weise kannst du alles Erlebte immer wieder von allen Seiten betrachten und dadurch verarbeiten. Das, was dir Angst macht, sollte besonders gut von dir angeschaut werden. Weiche diesen Gedanken nicht aus, sondern stelle dich ihnen. Entscheidend ist, dass du am Ende immer ein positives Bild in dein Herz setzt, begleitet von einem positiven und kraftvollen Satz. So kann dieses heilende Bild wirken und seine Kraft entfalten, für dich und für deinen Sohn.

Herzlichst, Merle



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