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Sonntag, 22.Nov 2015, 18:55

Schneewittchen Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 4
Mitglied seit: 22.11.2015
Soll ich den Angehörigen alles sagen?
Kennengelernt habe ich vor drei Jahren einen Mann der humorvoll, intelligent und liebevoll war. Er hatte soziale Kontakte, traf sich mit Freunden, erzählte von seinem anspruchsvollen Beruf als Programmierer.
Er erzählte auch von seinem Hobby, von Online-Spielen bei denen er oft als Beta-Tester im Einsatz sei. Von Administratoren-Aufgaben in Online-Foren. Ich war beeindruckt, aber klar als Programmierer hat man ja auch Ahnung...

Wir sahen uns nur am Wochenende. Von Anfang an war bei ihm nie der Wunsch vorhanden mal in der Woche miteinander Zeit - in welcher Form auch immer - zu verbringen. Er erklärte das mit seinem stressigen Job. Nach kurzer Zeit brachte er am Wochenende einen dafür neu angeschafften Laptop mit. OK, klar ich gucke ja auch ins Internet am Wochenende und dachte mir noch so: "Dann komm ich wenigstens auch wieder mal an meinen Rechner."

Die Wochenenden verbrachten wir immer nur bei mir. Es wunderte mich, störte mich noch nicht weiter. Freunde von ihm lernte ich nicht kennen. Nach einem halben Jahr wurde ich nachdenklich. Stellte mir Fragen wie "Warum sind wir nie bei ihm? Warum lerne ich niemanden kennen? Warum sehen wir uns immer nur am Wochenende?"

Nach ewig langer Zeit war ich dann mal in der Wohnung und bin fast rückwärts wieder rausgegangen. Vor dem Bett lag ein Müllhaufen aus leeren Eistee-Flaschen und leeren Zigarettenschachteln in der Größe und Höhe eines Wohnzimmertisches. Es war Leergut im Wert von 29 Euro. In der Dusche stapelte sich das Geschirr, es gab nichts sauberes. Bett, Schreibtisch, Küche... alles total verdreckt. Er ging nur mit Badeschuhen duschen, die standen davor. Im Wohnzimmer dreckiges Geschirr im Wäschekorb.

Erklärt wurde mir das mit dem stressigen Job. Ich bin abends immer so müde wurde mir erklärt. Ich hatte mir geschworen, du hilfst hier nur ein einziges Mal. Zwei Tage habe ich mit ihm sauber gemacht... es war noch nicht mal im Ansatz eine Besserung zu sehen.

Nach zwei Jahren hatte ich immer noch keinen Menschen aus seinem Leben kennengelernt. Bei mir war er fast jedes Wochenende. Wenn er mal weg ging, dann nur alleine. Wenn er am Wochenende kam merkte man, dass er nach zwei bis drei Stunden unruhig wurde und der Laptop ausgepackt werden musste. Internet an, surfen und spielen bis tief in die Nacht, dann einschlafen auf der Couch.

Da ich mittlerweile mehr als misstrauisch war habe ich angefangen meinen Partner zu googlen. Ich fand die Plattform auf der er zockte und habe über mehrere Monate täglich gesehen, dass er nach acht Stunden Arbeit noch vier, fünf Stunden Counterstrike spielte. Rechner an - online - im Spiel.
Poker - WoW - Counter Strike - League of Legends - Zylom. Das was er dann spielt immer über viele viele Stunden. Er speichert tonnenweise Daten, Bücher, Hörbücher, Musik, Filme - nur er liest es nicht, er hört es nicht. Am meisten erschreckt hat mich, dass er offenbar auch auf der Arbeit zwischendurch mal zockt.

Ich kam mir mehr und mehr vor wie ein Wochenend-Wellness-Hotel. Bei mir ist es sauber und aufgeräumt, dreimal Essen und Kaffee.

Im Juli kam es dann zum einschneidenden Erlebnis. Er wollte am Wochenende unbedingt zuhause bleiben. Am Sonntag hatte ich ein traumatisches Erlebnis worüber ich ihn am Montag mittag informierte. Er sagte er würde abends nach der Arbeit kommen. Abends um 18 Uhr war er zuhause, hat zwei Stunden Counter Strike gespielt und mir dann eine Mail geschrieben er hätte so viel Stress auf der Arbeit gehabt und wäre deshalb nach Hause gefahren.

Das war der Moment in dem ich mir geschworen habe, das war das letzte Mal, dass du mich angelogen hast. Ich wartete bis nach unserem Urlaub den ich aufgrund dieses schrecklichen Erlebnisses unbedingt brauchte. Nach dem Urlaub habe ich ihn mit seinem Verhalten konfrontiert. Das Ergebnis: Er gab mir einen Kuss, sagte er würde sich am nächsten Tag melden und fuhr nach Hause.

Ich habe ihn seitdem nicht mehr gesehen, es kamen noch zwei müde Mails. Er hat weder meinen Schlüssel gebracht, noch seine Sachen geholt. Er zockt WoW, kommentiert lustige Bildchen, guckt youtube. Nur Counter Strike will er wohl nicht mehr spielen.

Das alles steht in einem völlig krassen Gegensatz zu dem Mann den ich kennengelernt habe. Freundeskreis, Verabredungen ... alles normal. Wie kann ein Mensch innerhalb von drei Jahren so abrutschen.

Ich habe ihm eine Mail geschrieben, dass er süchtig ist und er Hilfe braucht. Die Frage die ich mir stelle soll ich der Mutter wirklich das komplette Bild ihres Sohnes darlegen? Was ist richtig? Er hat körperliche Auswirkungen, rote Augen, Kopfschmerzen, ihm tut die Hand weh. Hygiene wurde auf das notwendige beschränkt. Die Frau ist tough, sehr resolut. Aufgrund ihres Asthmas kann sie aber die vier Etagen zu ihrem Sohn nicht hoch. Ich weiß nicht was richtig ist.

Dienstag, 24.Nov 2015, 18:33

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 800
Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo Schneewittchen,

ich kann dir gar nicht sagen, wie froh und erleichtert ich bin, dass du diese Beziehung beendet hast!! Du machst auf mich einen klaren, besonnenen und klugen Eindruck. Nicht auszudenken, wenn du in die Spirale der Co-Abhängigkeit geraten wärest und es dir zur Aufgabe gemacht hättest, deinen Freund zu retten. Hier in unseren Foren kannst du nachlesen, was aus Beziehungen wird, die wegen der Abhängigkeit eines Partners zum Scheitern verurteilt sind. Verzweifelte Frauen, die sich durch die Missachtung und Gleichgültigkeit ihrer suchtkranken Partner gedümütigt durch viele Jahre ihres Lebens quälen, immer wieder neu von der Hoffnung beseelt, es würde sich irgenwas verändern.

Lass dieses Kapitel deines Lebens weit hinter dir und mache es dir nicht zur Pflicht, die Familie deines Ex-Freundes über den Stand der Dinge zu informieren. Auf diese Weise bleibst du verstrickt in diese ganze unselige Geschichte und bleibst indirekt mit im Spiel. Seiner asthmakranken alten Mutter reinen Wein einzuschenken, ist nicht deine Aufgabe. Wende dich nun wieder deinem Leben zu - um eine wichtige Erfahrung reicher. Löse dich aus all dem Erlebten und schau nach vorn. Auf dich wartet ein neuer Partner, mit dem du all das erleben darfst, was eine gesunde Beziehung zu geben vermag. Ich wünsche es dir.

Herzlichst, Merle
Dienstag, 24.Nov 2015, 21:34

der_dau Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Anzahl Beiträge: 87
Mitglied seit: 10.11.2015
Hallo Schneewittchen,

toll das du den Mut gefasst und jetzt einen Schlussstrich ziehst.
Bleib dabei und lass dich nicht einlullen.
Auch wenn du noch Gefühle für ihn hast, gerade dann musst du ihn fallen lassen.

Irgendwo steckt noch in ihm der Mann den du kennengelernt hast, aber der wird sich erst zeigen
wenn er eine Therapie macht. Sich einzugestehen ein Problem zu haben und Hilfe anzunehmen
ist unglaublich schwer( für mich war es der schwerste Schritt in meinem Leben).
Er wird sich nur ändern wenn der Leidensdruck groß genug ist.

Und genau da kannst du ihm helfen und hast ihm vielleicht auch schon geholfen.
Auch wenn er das natürlich nicht so sieht, er ist ja auch süchtig und kann sich das noch nicht eingestehen.

Um deine Frage zu beantworten ob du seinen Angehörigen davon erzählen sollst :

Ja und nein. Wenn du kein Hintertürchen in deinem Herzen hast dann schon, falls er dir was bedeutet lass es.


Hoffe ich konnte dir helfen.
Halt uns bitte auf dem laufendem.
Mittwoch, 24.Feb 2016, 15:48

Gerbera280 Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Anzahl Beiträge: 11
Mitglied seit: 23.02.2016
Schneewittchen -da ist ja deine Geschichte.Ja, Wellness Hotel-da musste ich lachen-genau das denke ich hier auch! Ich kann den Impuls die Mutter zu informieren gut nachvollziehen.Aber ich vermute ,dies ist derzeit gar kein Thema mehr für dich,oder?Ich bin absolut gespannt,wie es bei dir weiter gegangen ist.Liebe Grüße Gerbera
Mittwoch, 10.Aug 2016, 21:18

Kenn Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Anzahl Beiträge: 13
Mitglied seit: 29.07.2016
Hallo! Diese Geschichte in Forum sind ziemlich gleich, aber in vielen gibt es etwas verschiedenes. Alles hängt von Situation ab. Ich denke, dass jede Frau weiß selbst, was kann sie machen, wieviel Zeit kann sie es verstehen. Und dann... nur sie selbst macht die Entscheidung. Nicht die Leute in diesem Forum. Ich hoffe, dass sie in Zukunft richtige Variante finden kann.


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