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        Ich hoffe ich ueberwinde das tal der tränen

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Montag, 7.Dez 2015, 13:54

Alex Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 2
Mitglied seit: 07.12.2015
Ich hoffe ich ueberwinde das tal der tränen
Ich bin noch ein Neuling was das Aussteigen betrifft, hoffe dass ich es schaffe.

Ich hab viele Beiträge gelesen. Am meisten hat mir dieser aus der Seele gesprochen: http://www.aktiv-gegen-mediensucht.de/thema/895/7/1/wieder-da/

So, nun kurz zu mir. Ich bin 35 Jahre jung, habe zwei zuckersüße Mädchen 4 und 6 Jahre alt. Gespielt habe ich schon seit meiner Kindheit. Angefangen beim C64 über den 386 und die Xbox hin zu Onlinespielen wie Flyff und zuletzt COC und Boombeach etc.

Seit letzten Mittwoch habe ich mich auf €kalten Entzug€ gesetzt. Wie ist es gekommen?



Nun ja es bedurfte eines großen Holzhammers damit es mir wie Schuppen von den Augen viel. in der Freitag Nacht vorher hat sich meine Lebensgefährtin nach 11 Jahren von mir getrennt. Ich bin am Samstag darauf ausgezogen und bin bei meinen Eltern wieder untergekommen und hab mich erstmal weiter in meine Onlinespiele (COC, BoomBeach.. ;insgesamt 6 gleichzeitig) vergraben und glaubte mental stark zu sein. Wenn ich alles zusammenrechne und schätzen müsste, was ich jeden Tag an Zeit verschwendet habe, komme ich sicher auf ca. 2-4 Stunden.

Die folgenden Nächte waren nicht wirklich prickelnd, bin oft frühmorgens aufgewacht und hab zum Iphone gegriffen um nachzusehen und zu spielen. Bis eben zu jenem Mittwoch. Ich fuhr in die Arbeit und stellte mir selbst die Frage €Was mache ich da€, bezogen auf meine Onlinespiele. Für mich war erschreckend dass ich diese Frage nicht sinnvoll beantworten konnte. In der Arbeit angekommen entschied ich mich all diese Spiele zu löschen und Abends wurde das IPad bereinigt. Bis jetzt komme ich ganz gut klar, natürlich denke ich noch tagsüber daran aber ich überlagere diese dann mit meinem Trennungsschmerz.



Komischerweise sehe ich bereits nach diesen wenigen Tagen das ganze aus einer anderen Blickrichtung. Die Sucht nach digitaler Anerkennung, das immer weiter aufgebaute Inventar, die bereits investierte Zeit hat mich immer abhängiger von diesen Titeln gemacht und mich immer mehr eingebunden und mir weitere Zeit geraubt. Ob man es glauben mag oder nicht, obwohl ich zu den besten / besseren Spieler gehörte habe ich keinen Euro investiert. Es lässt sich aber daraus auch ableiten, wie viel Zeit ich investiert hatte. Im Prinzip war ich eine Geisel meiner selbst.

Ich merkte gar nicht, wie ich meine Familie dabei vernachlässigte. Ich reflektiere meine Spielsucht auch auf das scheitern unserer Beziehung. Es war zwar nicht so schlimm, dass ich mich irgendwo alleine einschlossen habe um zu spielen aber ich richtete meine Arbeitsalltag danach aus. z.B. Das ging bereits morgens damit los, dass ich erst 15 min später aus dem Bett gekommen bin, da ich noch alle Spiele checken musste und die täglichen Belohnungen einsammelte. Wenn ich die Kinder abends versorgt waren und den Sandmann im KIKA angesehen haben, habe ich das Ipad genommen und gespielt. Als die Kinder im Bett waren, habe ich weitergespielt bis meine Lebensgefährtin heim gekommen ist. Damals (vor 2 Wochen) konnte ich es nicht verstehen, aber heute sehe ich doch ein, dass dies nicht der perfekte Nährboden für eine Beziehung gewesen ist. Jeder hat sich in seine eigene Welt immer mehr zurückgezogen. Blöder Teufelskreis.



Ich wollte bzw. konnte mir die Sucht selbst nicht eingestehen. Rückwirkend betrachtet sind es klare Anzeichen die ich geliefert habe. Ich hab z.B. immer wenn meine Lebensgefährtin heimgekommen ist, das Ipad auf die Seite gelegt mit dem Bildschirm nach unten, nach dem Motto, schau es ist doch nix.



Wie geht€™s mit mir weiter? Ich werde psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Mein erster Termin ist am Donnerstag. Ich hoffe damit mental stärker und nicht rückfällig zu werden. Letztendlich will ich auch noch um unserer Beziehung kämpfen. Auch wenn es erstmal ein Kampf gegen Windmühlen ist.

Dienstag, 8.Dez 2015, 19:14

der_dau Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Anzahl Beiträge: 87
Mitglied seit: 10.11.2015
Ich und jeder der deinen Text gelesen hat wünscht dir dabei viel glück und Durchhaltevermögen.

Höre nicht auf die Stimmen die dir einflößen möchten dass du keine Therapie brauchst.
Sieh das ganze jetzt als deine Chance, wer weiß wann und ob die nächste kommt.

Und: mach es verdammt nochmal richtig!!!!

Glaub mir ich hab dasselbe durchlebt und ich kann alles was du fühlst nachvollziehen.
Mach keinen Rückenzieher auch wenn es schwer ist zum Therapeuten zu gehen.
Keiner wird dich doof anschauen und keiner draußen wird etwas mitbekommen.

Ich rate dir zur Suchtberatungsstelle zu gehen.
Eine ambulante Therapie halte ich zu riskant!
Ich hab diese Spielsucht so dermaßen unterschätzt, im übrigen genauso wie 3 ambulante Therapeuten.
Ich möchte dir helfen, zögern nicht und überwinde dich. Zweifle nicht an deinem Entschluss eine Therapie zu machen.

Mach eine langfristige stationäre Therapie.
Die können im übrigen auch richtig Spaß machen und man hat die besten Erfolgschancen.
Eine ambulante Therapie bei Sucht ist nur zur Nachsorge und nicht zur Entwöhnungstherapie geeignet.
Aber es gibt zu viele Fachidioten die zu dumm sind um Spielsüchtig zu googlen.

Geh zum Therapeuten und wenn der gut ist wird er dich zur stationären Begleiten.
Die meiste die in eine stationäre Klinik gehen haben die Hosen voll.

Ich hoffe du liest das. Bitte hör auf mich.
Mittwoch, 9.Dez 2015, 10:39

Alex Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 2
Mitglied seit: 07.12.2015
Danke für deine Meinung! Morgen ist mein erster Termin. Werde mir anhoeren und euch hier berichten. Ich schoeppfe allerdings etwas Hoffnung für mich, da ich extrem sein kann. Auch zu mir! Das ist auch so eine Eigenschaft die mich das ganze Leben durch begleitet hat. Frueher in der Schule musste ich mich nicht anstrengen, Hausaufgaben waren ein Fremdwort. Trotzdem hab ich mich im Abschlussjahr hinsetzen koennen und hab einen Abschluss in ser Realschule mit 1,8 hingelegt. Jahre spaeter bildete ich mir ein das Fachabi nachzumachen. Auf einmal stand ich vor der Aufgabe, Job, Familie, Spiele und Schule unter einen Hut zu bringen. Abschluss nach 1,75 jahren mit 1,6. Weil ich es mir einbildete und selbst wollte. Es gibt weitere Beispiele hierfuer. Auch im Job. Ich meine, dass ich hier sattelfest sitze und mir auch ueber das finanzielle keine sorgen machen muss. Ich bin nicht ueberschuldet, im Gegenteil.

Diese eigene Durchsetzungskraft hab ich aber leider auch negativ für die Spiele verwendet und mich da immer weiter rein gesteigert!

nun will ich allerdings auf jeden fall davon wegkommen. Und bin auch hart zu mir.
Mittwoch, 9.Dez 2015, 13:17

der_dau Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Anzahl Beiträge: 87
Mitglied seit: 10.11.2015
das hört sich schon mal gut an Alex.

Ich selbst bin auch nichtdumm, ich studiere und hab ohne lernen und ohne Hausaufgaben zu machen Realschule und Abi mit 2,0 jeweils gemeistert.
Intelligenz schützt nicht vor Sucht, auch wenn man es nicht glauben kann.

Im Nachhinein muss ich mir selbst eingestehen das ich es ohne stationäre Therapie nienals geschafft hätte.
Eine ambulante Therapie ist vor meiner stationären gescheitert und ich hab nochmal fast 1 Jahr flöten lassen.
Ich kann auch jetzt den Umfang viel besser einschätzen und deshalb auch behaupten das eine ambulabte Therapie bei deiner Historie wohl nicht ausreichen wird.
Da steckt soviel Leid und Frust in dir. Mach keine halben Sachen und gönn dir eine Auszeit weit weg von allem.

Ich finde es toll das du dich meldest, halt uns auf dem Laufendem.
viel Glück
Dienstag, 15.Dez 2015, 14:55

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 788
Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo Alex,

da hast du wohl im Siebenmeilentempo begriffen, was mit dir los ist, allein durch die Tatsache, dass deine Frau dich verlassen hat. Dieser Schock hat dich wach gerüttelt. Ein Betroffener hatte uns mal geschrieben: "Ich wachte auf und stand vor den Trümmern meines Lebens". Auch bei ihm war die Einsicht sozusagen über Nacht gekommen.

Dass sich schon jetzt, nach "nur" fünf Tagen ohne Spiele, deine Sicht auf die Situation verändert hat, wird uns häufig berichtet. Es ist, als würde ein Vorhang aufgezogen, der dir ermöglicht, hinter das Geschehen zu blicken. Es fühlt sich klug und klar an, was du über das, was du nun entdeckst, schreibst. Und deshalb bin ich guten Mutes, dass du umfassend zu begreifen beginnst, wie negativ sich die Zockerei auf dich, dein Leben und vor allem deine Familie ausgewirkt hat.

Hier im Forum werden uns die verschiedenartigsten Wege, den Ausstieg zu schaffen, geschildert. Ich glaube nicht, dass es hier ein Patentrezept gibt, das man allgemein auf jeden Betroffenen übertragen kann. Entscheidend sind immer auch die individuelle Charakterstärke des Aussteigers, seine Fähigkeit, die Stimme der Sucht in sich wahrzunehmen und ab sofort zum Schweigen zu bringen, seine Kreativität, sich bewusst Situationen zu schaffen, die sein altes Muster durchbrechen und auch der Leidensdruck, der den unbedingten Willen zum Ausstieg zur Folge hatte. Gültig für alle ist aber in jedem Fall, dass sie selbst die Arbeit zu leisten haben. Weder in einer Therapie, noch in der Klinik, ambulant oder stationär, nimmt einem jemand die eigentliche Arbeit ab. Das kann nur der Betroffene selbst mit Haut und Haaren leisten. Die fachlichen "Wegbegleiter" sind nur helfende Hände, die dir den Weg aufzeigen, der gegangen werden müsste und dir am Wegesrand kompetent mit Rat und Tat zur Seite stehen. Den Weg gehen musst aber du selbst und da gibt es keine Schonung, keinen Weichspülgang und keine Light-Version.

Über all dem steht immer der Leitsatz, dass du die Sucht niemals unterschätzen darfst. Sie bleibt dir, lebenslang, und das große NEIN in dir wird sicherlich immer wieder gesprochen werden müssen. Das heißt aber nicht, dass du dir jetzt lebenslange Qualen vorstellen musst. Du siehst ja, dass du schon jetzt, nach so kurzer Zeit, einen anderen Blickwinkel bekommen hast, und der macht dich stark und stärker, bis der Drang, spielen zu müssen, mehr und mehr überlagert wird von der Gewissheit, dass du das gar nicht mehr brauchst. Das ist der Anfang deines neuen Lebens. Wenn es dir gelingt, trotz der immer leichter einzuhaltenden Abstinenz wachsam zu bleiben und damit zu rechnen, dass die Stimmer der Sucht sich von hinten links oder ausgelöst durch einen Trigger welcher Art auch immer, jederzeit wieder melden kann, dann wirst du ihr auch widerstehen können.

Versuche, für dich den Ausstiegsweg zu finden, der zu dir passt. Deine Motivation dafür ist die Beste, die du haben kannst: Du willst deine Familie zurück.

LG Merle


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