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Forum
 Foren zum Thema Mediensucht / Forum für Alleinerziehende
        10jähriger kann sich nur mit Medien allein beschäftigen

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Dienstag, 5.Jan 2016, 12:51

Julchen45 Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 2
Mitglied seit: 05.01.2016
Hallo liebe Leute,

ein frohes neues Jahr wünsche ich Euch!

Bin gerade in meiner Verzweiflung auf dieses Forum gestoßen:
Ich bin 45, Alleinerziehend, habe einen 10jährigen Sohn. Dieser hat ADHS, bekommt Medikinet Retard, wenn er zur Schule muss. D. h. an den WE und in den Ferien nicht. Er kann sich nicht eine Minute allein beschäftigen, hängt jede freie Minute vor TV, PC oder Smartphone. Sobald ich den Gebrauch unterbinde, hängt er mir an der Pelle!

Ich brauche aber logischerweise auch Zeit für den Haushalt, Zeit, dieses hier zu schreiben, Zeit, Sport zu treiben, mal selber im Internet zu surfen (bin politisch interessiert und "zocke" nicht, sondern informiere mich und tausche mich aus).

Er geht auch nicht freiwillig raus, obwohl er als ADHS-Junge doch froh sein müsste, sich austoben zu können. Er geht zwar mit mir spazieren oder einkaufen, doch nie mal einfach so allein raus. Ich kann doch nicht jeden Tag das tolle Programm organisieren und mit ihm irgendwelche Ausflüge machen (habe auch kein Auto) o. ä. damit er ja nicht zuviel vor den Medien hockt! Natürlich überlege ich auch, ihn in einem Sportverein anzumelden, doch wenn er da dann zwei bis dreimal die Woche hin muss (mal abgesehen davon, dass er sich ja auch mal dauerhaft dafür begeistern muss, sonst geht da dann wieder der Krampf los), dann wird es wieder knapp mit der Zeit, die fürs Lernen für die Schule noch bleibt.

Ich kann nicht immer neben ihm herlaufen, um seinen Medienkonsum zu kontrollieren. Wenn ich z. B. in Ruhe zu ende essen will hat er natürlich keine Ruhe und steht auf und sitzt sofort vor dem TV. Passwort kann ich dort leider nicht eingeben, die normale Sperre hat er sofort geknackt (ist nämlich nicht doof ;-)).

Ich erlebe die freie Zeit mit ihm mittlerweile als Alptraum! Er hat zwar Freunde, doch nur einer von denen ruft ihn auch mal an, um etwas mit ihm zu unternehmen. Mein Sohn geht nicht auf die anderen zu um sich zu verabreden.

Ich weiß, ich muss (muss, muss, muss) konsequenter sein, doch ich habe auch durch diverse andere Lebenskrisen einfach keine Kraft mehr. Ich bin seit 8,5 Jahren Alleinerziehende, arbeite 35 Stunden und habe auch keinerlei Verwandtschaft mehr oder sonstige Unterstützung. Mein Berufsleben ist auch sehr nervenaufreibend, da ich zwar seit 25 Jahren im ö. D. arbeite, aber durch permanente Versetzungen (alle 2 bis 3 Jahre) beständig in der Rolle der Einzuarbeitenden bin und mich immer wieder aufs neue bewähren muss!

Vielen Dank fürs Durchlesen und für Eure Antworten!

Gruß Julchen
Dienstag, 5.Jan 2016, 14:34

der_dau Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Anzahl Beiträge: 87
Mitglied seit: 10.11.2015
Hallo Julchen,

schön das du hier bist.
Du erhoffst dir Antworten auf Fragen die man nicht beantworten kann. Oder zumindest nur mit Vorbehalt.

Ich habe mich mal eben ein bisschen eingelesen und Informationen über ADHS gesammelt.
Alamierend war vor allem der Zusammenhang das Jugendliche/Erwachsene mit ADHS eine höhere Suchtgefährdung haben.

Da es bisher noch keine (mir bekannten) wissenschaftliche Studien über ADHS Kranke und Mediensucht gibt kann ich dir auch nichts endgültiges Sagen.

Für mich steht aber fest, da gerade ADHS Kranke sowieso schon Suchtgefährdet sind man Präventiv auch bei Mediensucht handeln sollte.
Soll heißen es ist sehr wichtig das du seinen Konsum im Blick hast und die nötigen Konsequenzen ziehst.

Wie ich leider immer wieder höre und festelle haben viele Psychiater,Psychologe und Therapeuten sich noch nicht richtig mit dieser Problematik auseinander gesetzt und geben oftmals(zumindest aus meiner Sicht) falsche Tipps oder nehmen die Probleme nicht Ernst.

Ich lege dir deshalb ans Herz dir mehrere fachliche Meinungen anzuhören.
Dein Sohn ist erst 10, ich weiß nicht ob man da schon richtig Suchtkrank werden kann.

Fest steht, für mich jedenfalls, dass der hohe Konsun von Pc und Fernseher seiner Entwicklung schadet, dass er jetzt schon keine Einsicht hat und andere Dinge vernachlässigt.

Das war bei mir nicht anderst. Ich wurde richtig süchtig und hab mir damit fast mein Leben versaut.
Wichtig ist aus meiner Sicht vor allem das du deinen Sohn nicht mit Medien belohnst. Quasi:"räum dein Zimmer auf dann darfst du Spielen".
Es ist sicherlich nicht falsch sein Kind in gewisser Weiße auf Leistung und Gegenleistungsprinzipien zu erziehen.
Aber nicht wenn es schon einen besorgniserregenden Umgang mit Medien hat!


Du solltest deinen Sohn versuchen zu überzeugen, dass die Welt draußen aufregend ist und ihm eine alternative bieten. Nicht mit Fernsehern und Computern. Z.B ein Haustier oder wie du schon sagtest ein Sportverein. Motivier ihn ein Instrument zu lernen und lass dich nicht einlullen wenn er nur Pc spielen möchte. Das verschafft dir vielleicht kurzfristig Ruhe aber langfristig wird es wahrscheinlich in die Hose gehen.

mfg dein Dau(der dümmste anzunehmende User)
Mittwoch, 13.Jan 2016, 11:33

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 800
Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo Julchen,

da hast du wahrlich ein Päckchen zu tragen.

Das, was der_dau recherchiert hat, stimmt leider: Menschen mit ADHS sind stärker suchtgefährdet und neigen überproportional zu ausuferndem Medienkonsum. Ich kann deine Sehnsucht nach Ruhe und Rückzug zwar bis ins Kleinste nachvollziehen, aber dein Sohn wird einen unguten Weg gehen, wenn du ihn vor dem Fernseher oder dem PC "ruhig stellst". Viele Kinder werden aus eben dem Grund vor den Kisten "geparkt". Hier im Forum ist dann schonungslos nachzulesen, wohin dies nach einigen Jahren geführt hat....

Vielleicht lässt sich für dein Kind etwas finden, was ihn auslastet und zufrieden stellt. Ein Haustier halte ich für eine sehr gute Idee. So kann dein Junge lernen, Verantwortung zu übernehmen, hat Gesellschaft, kann sich binden und dadurch mehr von dir lösen. Ein kleiner Hund z.B., oder auch ein Kätzchen, können da wahre Wunder bewirken. Vielleicht wäre dies dann auch ein Anreiz für seine Freunde, euch zu besuchen. Du kannst ja versuchen, ab und zu ein Treffen zu organisieren, da er sich davor scheut, selbst etwas auszumachen. Er ist erst zehn Jahre alt und so ist es noch kein Tabu, dass du als Mutter eine mit ihm abgesprochene Verabredung vereinbarst. Hilf ihm da ein bisschen, Kontakte knüpfen zu lernen.

Wie sieht es mit den Pfadfindern aus? Gibt es da in eurer Umgebung eine Gruppe, der er sich anschließen kann? Dort könnte er sich auspowern, lernt, sich einzuordnen und macht gute Erfahrung mit Kameradschaft und Zusammenhalt. Gib ihm die Chance, die reale Welt mit allen Sinnen zu entdecken. Ich fände es auch hilfreich, wenn er ein paar Mal pro Woche zum Sport ginge. Dies schafft erst recht ein freies und klares Hirn für die schulischen Aufgaben, da brauchst du keine Angst zu haben, dass dafür kein Raum mehr bleibt.

Gib deinem Jungen das Gefühl, dass du gerne mit ihm zusammen bist, auch wenn eure gemeinsame Zeit anstrengend und aufreibend ist. Vielleicht kann er sich etwas entspannen, wenn er merkt. dass er dir nicht im Weg ist und dass du ihn nicht "loswerden" willst, weil er dich zu viel Kraft kostet. Diese Gewissheit kann ihm sicherlich helfen, ein wenig los zu lassen.

LG Merle



Dienstag, 26.Jan 2016, 20:15

Julchen45 Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 2
Mitglied seit: 05.01.2016
Hallo merle und der_dau,

vielen Dank für Eure Antworten!

Das schlimmste ist wirklich, dass er so an mir klebt, und mich dadurch immer nur ablehnend erlebt.
Nun war er vier Tage zuhause (WE, Montag krank und heute war frei wegen Zeugniskonferenz). Als ich dann von der Arbeit nachhause kam, stürzte er sich natürlich sofort auf mich und erwartete permanente Aufmerksamkeit. Ich hatte gar keine Chance, mal "anzukommen", mal ein paar Minuten abzuschalten. Schließlich langweile ich mich auf Arbeit auch nicht, sondern da geht meistens auch ständig das Telefon und immer will einer was von mir.

Ich habe ihn dann ausnahmsweise schon um 19:30 Uhr in sein Zimmer geschickt, doch da er sich nicht allein beschäftigen kann (nein, auch keine Hörbücher), ist das auch JEDEN ABEND ein totaler Kampf!!! Dann heißt es schon "du magst mich nicht", "warum willst du nichts mit mir zu tun haben?" etc.
Das macht mich natürlich auch traurig, weil er mich ja auch ständig so erlebt, dass ich ihn weg schicke bzw. auf Abstand halte.

Ich hab ihm das schon unzählige Male erzählt, dass er mich auch mal in Ruhe was machen lassen muss, damit ich mich dann wirklich intensiv mal nur mit ihm beschäftigen kann. Doch wenn er ununterbrochen fordert, dann habe ich letztlich gar keine Zeit für ihn.
Ich weiß auch nicht, ob er das wirklich nicht versteht, oder ob er einfach nur versucht, mich zu "erpressen". So wie "wenn du mir das oder das nicht kaufst, werde ich zum Außenseiter!" Wenn Ihr versteht was ich meine...

Natürlich habe ich auch schon versucht, mal wirklich einen Tag ausschließlich für ihn Zeit zu haben, doch das halte ich auch nicht durch, da seine Gegenwart halt sehr anstrengend ist. Und er letztlich immer mehr will - er ist nie zufrieden! Ich kann es ihm wirklich nie recht machen. Ich will doch als Mutter auch ein zufriedenes und glückliches Kind! Natürlich muss ich ihn auch mal enttäuschen, schon klar, doch wie gesagt, er ist wirklich nie zufrieden. Ständig hat er was zu nörgeln.

Die Urlaube mit ihm allein sind letztlich auch alles andere als erholsam... (nein, ich will nicht mit einer Gruppe von fremden Menschen weg fahren und eine Freundin habe ich ja auch nicht (mehr).

Wir haben eine kleine Wohnung, drei Zimmer (also Wohnküche, Wohn- und Kinderzimmer) und mein Sohn ist auch nicht besonders tierlieb. Deswegen wäre das auch keine so gute Idee - außerdem ist er auch ein Grobmotoriker

Das soll's erstmal gewesen sein.

Vielen Dank für Eure Zeit und viele Grüße

von Julchen

Donnerstag, 28.Jan 2016, 11:55

karla Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Anzahl Beiträge: 58
Mitglied seit: 25.02.2011
Hallo Julchen,

ich lese das hier alles und bin sehr ergriffen.
Du hast es wahrlich nicht einfach, deinen Job, mit ständig wechselnden Arbeitsorten, den Haushalt, Deine Freizeit mit Sport und das Zusammenleben mit Deinem Sohn, der obendrein noch an ADHS leidet, zu organisieren. Immerhin machst Du das ja allein und ohne Partner. Außerdem hast Du, so lese ich das, Kummer erlebt, der lange an Dir nagt.
Ich glaube als Frau und Mutter kann ich mich da etwas hinein versetzen.
Aber ich möchte auf Deinen kleinen Sohn zu sprechen kommen. Er ist 10 Jahre alt und kann sich in diesem jungen Alter garantiert noch nicht in Dich und Deinen Alltag einfühlen.
Im Gegenteil- ein Kind sieht die gestresste und oft traurige Mutter und will in dem Moment nur eins: €Mama soll wieder froh sein!€
Doch was können so kleine Geister tun? Dein Sohn will Dich lieb haben!
Und hier, denke ich, liegt des Pudels Kern: Je mehr er Deine Aufmerksamkeit mit Zuneigung einfordert, umso mehr willst Du weg und schottest Dich ab.
Diese Ablehnung spürt er natürlich und er gibt sich auch die Schuld dafür, doch was soll er tun? Er weiß es nicht und ist außer sich.
Appelliere nicht an sein Verständnis, er kann gar nichts tun. Er ist noch viel zu kein.
Den Teufelskreis zu unterbrechen liegt ganz allein bei Dir. Das klingt hart, ich weiß. Ich will Dir auch überhaupt keine Vorwürfe machen.
Ich möchte aber auf die Reihenfolge Deiner oben genannten Aufgaben zurückkommen, die ich ganz bewusst so angeordnet habe.
Noch einmal: Respekt vor allem, was Du leistest!
Doch, entwerten wir nicht oft das Wichtigste durch etwas weniger Wichtiges?
Etwas wirklich zusammen erleben, ohne Job und andere Aktivitäten im Hinterkopf zu haben, sondern die Zeit ausschließlich dem Kind zu widmen, klingt für Dich momentan vielleicht utopisch, und ich bin auch froh, dass Du das Haustier erst mal ausschließt, doch Ihr beide müsst wieder zueinander finden, Euch kennenlernen.

Ach und noch etwas. Du schreibst:
"Ich habe ihn dann ausnahmsweise schon um 19:30 Uhr in sein Zimmer geschickt, doch da er sich nicht allein beschäftigen kann (nein, auch keine Hörbücher), ist das auch JEDEN ABEND ein totaler Kampf!!! Dann heißt es schon "du magst mich nicht", "warum willst du nichts mit mir zu tun haben?" etc"

Ich mag mit meinen 52 Jahren schon etwas altmodisch sein, aber ihn mit 10 Jahren €schon€ um halb 8 ins Bett zu schicken und das ausnahmsweise, halte ich einfach für zu spät. Ich habe gestern mit meinem Mann darüber gesprochen, er hat 2 Söhne, ich einen, alle sind jetzt erwachsen.
In dem Alter Deines Sohnes waren alle um 19 Uhr im Bett. Das war ein Ritual, das es in vielen Familien gab und sicher auch noch gibt: der Sandmann wurde im Schlafanzug geguckt und dann war Schlafenszeit. Und danach war für uns Eltern dann Zeit, noch dies und das zu erledigen.
An Dich: Nachrichten im Internet sind abends auch noch verfügbar und nachzulesen.
Rituale sind wichtig für uns!
Nimm das alles gern als Klugsch€ei. Es sind meine Gedanken und ich will Dich nicht mit Ratschlägen erschlagen.
Herzliche Grüße, Karla


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