"Wir begrüßen Sie herzlich als Gast beim Netzwerk für Ratsuchende von AKTIV GEGEN MEDIENSUCHT e.V.
Sie müssen sich registrieren, um in den Foren Beiträge verfassen zu können.
Anonyme und kostenlos. Wichtiger Hinweis: Die Nutzung ist völlig unabhängig von den Interessen
oder den Zielen des Vereins.  (mit-AKTIV werden: Info hier)

Netzwerk für Ratsuchende:  (Aufruf alle Rubriken: www.netzwerk-fuer-ratsuchende.de)
-- 
Sucht- und andere Beratungsstellen     -- Forum Fachberatung
-- Kliniken                                                         -- Ambulanzen, Ärzte, Psychologen, Therapeuten
-- Präventionsangebote                                 -- Präventive Interventionen  (neu)
-- bestehende Selbsthilfegruppen              -- Gründungsgesuche für Selbsthilfegruppen
-- Offline-Alternativen (auch therapeutisch)
-- Netzwerke + Initiativen + Vereine + Forschung + andere Institutionen 

Austausch- und Infoforen:                                                             Pressegesuche
Angehörige / Aussteiger / Alleinerziehende / Betroffene / Partner / Umfrage / News / (Ihre)Termine
allgemeiner Austausch / Fragen zur Mediensucht / Suchtpotenzial anderer Spiele / Prominente



Forum
 Foren zum Thema Mediensucht / Angehörigen-Forum
        Depression und Mediensucht bei volljährigem Sohn :-(

Seite drucken

Dienstag, 2.Feb 2016, 15:28

Bellis Bella Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 7
Mitglied seit: 02.02.2016
Ich bemerke, dass mein Bericht sehr lang geworden ist. Ich bitte dies zu entschuldigen, es war befreiend einmal alles aufzuschreiben. Ich teile ihn hier in drei Teile:

Mein Sohn ist 18 Jahre alt und lebt seit 4 Monaten in einer Zweier-WG ein paar Straßen von uns entfernt. Im August hat er mit viel Unterstützung von uns (in dem Fall von mir und seinem Stiefvater) einen Ausbildungsplatz im Einzelhandel begonnen. Diese Ausbildung schien ihm in den ersten drei Monaten auch Spaß zu machen.

Er ist schon immer ein eher introvertierter, verschlossener, allerdings gut aussehender, eloquenter und humorvoller Mensch gewesen, der in der Pubertät zunehmend hinter seinem PC oder der Playstation saß und spielte.
Wir haben versucht, die Computerzeiten zu begrenzen, indem wir Family Security installiert haben, aber das hatte er schnell umgangen. Mit 14 Jahren wendete er sich den FSK18 Spielen zu, wie zum Beispiel Call of Duty, GTA usw. Jegliche Spiele, die nicht seinem Alter entsprachen, haben wir weggeschlossen und ihm zugesichert, dass er sie mit Volljährigkeit zurück erhält, aber auch das konnte er mit einem Steam-Account umgehen (bis ich das herausgefunden habe, dass man online Spiele kaufen kann, hatte er schon nächtelang heimlich gezockt). In der Schule wurde er immer schlechter, den Hauptschulabschluss hatte er mittelmäßig abgeschlossen, auf der Berufsschule hat er den Realschulabschluss auch erreicht, allerdings mit einem noch schlechteren Notendurchschnitt und diversen Fehltagen, da er heimlich die Schule schwänzte, wenn wir arbeiten waren. Wir bekamen irgendwann Briefe von der Schule, dass er den Abschluss nicht machen kann, wenn er nicht in Zukunft Atteste vom Arzt mitbringt.
Wir hatten zwischenzeitlich eine Fritzbox gekauft und die Internetzeiten reglementiert, allerdings drehte sich unsere familiäre Kommunikation fast ausschließlich um das Gamen, denn die Playstation konnten wir nicht begrenzen, zumindest nicht für die Offline-Nutzung.

Wir waren zwischen seinem 15. und 16. Lebensjahr mit ihm bei der Suchtberatung der Stadtmission, eine Einsicht seinerseits war nicht vorhanden. Er ist zwar zu mehreren Gesprächen mitgekommen, allerdings waren wir immer die €doofen€ (Stief)-Eltern, die das überbewerten und er hätte ja Hobbies und Freunde und überhaupt dürften alle viel mehr zocken als er und wir wären voll die Ökospinner (seine Halbschwester geht auf die Waldorfschule und ist sehr medienarm aufgewachsen, weil ich ihr keine Konsole o.ä. gegönnt habe . Sein leiblicher Vater, der 100 km entfernt wohnt, war in diesem Prozess auch keine große Hilfe, denn er arbeitete gegen uns, stellte mich immer als zu streng dar, meinte dass unsere Kommunikation zuhause so schlecht sei, schenkte meinem Sohn technische Erweiterungen und sicherte sich durch materielle Geschenke seine Zuneigung (neue PC-Teile, eine Playstation 4, ein Smartphone) und setzte sich auch an seinen Vaterwochenenden nicht wirklich mit ihm auseinander. Gab es an diesen Wochenenden Konflikte, wurde der Junge nach Hause geschickt. Mit zunehmenden Alter fuhr er immer weniger zu seinem Vater, aber auch von uns isolierte er sich fast gänzlich. Mit 17 war er fast jedes Wochenende unterwegs um bei Kumpels zu zocken, hinzu kam Marihuana.

Am Haushalt beteiligte er sich kaum, in seinem Zimmer machte er nur das Nötigste, jede Aufforderung zu helfen, endete in Streit. Wir hatten wenig Vertrauen in seine Zuverlässigkeit, so dass wir ihm in unserem Urlaub nicht mal mehr unsere Haustiere anvertrauen mochten.

Mit 18 ist er dann ausgezogen, das war eine Vereinbarung die gemeinsam mit dem ASD geschlossen wurde, an den wir uns ein Jahr zuvor gewandt hatten. Wir haben ihn sehr unterstützt bei der WG-Suche und dank seines Ausbildungsgehaltes, war es ihm möglich, sein eigenes Leben zu finanzieren. Sein leiblicher Vater hatte ihm dann im November noch einen fast 2000 Euro teuren Gamer-PC geschenkt (als Belohnung für die erfolgreich begonnene Ausbildung) und zahlte im freiwillig weiterhin 270 Euro Unterhalt. Miete und NK waren durch das Kindergeld gedeckt, so dass er fast 800 Euro im Monat zur Verfügung hatte zum Ausgeben.
Er organisierte seinen Umzug selbst, renovierte sein Zimmer und wurde eine kurze Zeit lang zugänglicher und fröhlicher.
Dienstag, 2.Feb 2016, 15:29

Bellis Bella Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 7
Mitglied seit: 02.02.2016
Ende gut, alles gut?

Leider nein.
Ein paar Wochen nach dem Auszug isolierte sich mein Sohn immer mehr von uns, manchmal haben wir zwei Wochen hintereinander nichts von ihm gehört. Essenseinladungen nahm er nur selten an. Mit Ende der Probezeit war er auf einmal häufig krankgeschrieben. Auf Facebook erfuhren wir, dass Fallout 4 im November released wurde. Als er sich im Dezember gar nicht mehr meldete und ich etwas aufdringlicher nachfragte, antwortete er, dass sich ein Freund von ihm umgebracht hätte und er seitdem vollkommen aus der Spur sei. An Weihnachten war er mit uns bei Freunden und wirkte dort schon sehr mangelernährt, abgeschlagen und ungepflegt. Wir haben ihn angesprochen und er meinte, dass er nichts auf die Reihe bekommen würde, dass er nicht glücklich sein könne und immer mit einem schlechten Gefühl zur Arbeit gehen würde und dass er sein Zimmer nicht auf die Reihe bekommt und dass wohl irgendwas mit ihm nicht richtig sei. Wir hatten ihm vorgeschlagen, mal über eine stationäre Behandlung nachzudenken, aber das wollte er partout nicht, mit dem Argument, dass er weiterhin arbeiten möchte und das wichtig sei. Dann haben wir ihm eine Trauerberaterin empfohlen, zu der er seit Anfang Januar wöchentlich hingeht und welche ich finanziere.

Mitte Januar erreichte mich eine Nachricht seines Mitbewohners, dass er es nicht mehr gut mit meinem Sohn aushalten würde, da dieser sich auch innerhalb der WG komplett isolierte, dreckiges Geschirr tagelang in seinem Zimmer behielt, sich nicht duschen würde, nicht lüften würde, sich nicht am Haushalt beteiligen würde usw. Ob ich nicht mal mit ihm reden könne? Das versuchte ich dann auch, erntete aber als Antwort, er sei volljährig und könne das alleine klären. Er erklärte seinem Mitbewohner dann, dass der Suizid seines Freundes ihn sehr beschäftigen würde. Da hatte dieser etwas mehr Verständnis.

Zur Arbeit war mein Sohn auch nicht mehr erschienen, wir waren in dem Laden, in dem er arbeitete, zu Besuch. Da wurde uns nur mitgeteilt, er sei krank. Mein Sohn sagte uns auf Nachfrage dann auch, dass er seit Anfang Januar wieder krankgeschrieben war. Nun fehlte er fast den ganzen Dezember und nun auch den Januar über.

Ich machte mir mittlerweile große Sorgen und bat eine Freundin von mir, zu der er einen guten Draht hat, mal bei ihm vorbeizuschauen. Diese rief mich letzte Woche abends an und sagte, dass es fast unbeschreiblich wäre, was sie wahrgenommen hätte. Er würde schlimmer stinken als ein Obdachloser, das Zimmer sei komplett vermüllt, voller Geschirr, dreckiger Wäsche, ungelüftet und würde €wie tot€ riechen, er selbst hing hinter dem PC und meinte, alles sei in Ordnung, er hätte jetzt eine Therapeutin (er meine damit die Trauerberatung) und würde das alles hinkriegen. Mit dem Mitbewohner hätte sie gesprochen, der meinte, dass mein Sohn die Küche kaum bis gar nicht benutzt, die beiden so gut wie nie miteinander sprechen und mein Sohn fast aggressiv und genervt reagiere, wenn er bei ihm klopfen würde. Mein Sohn hätte nie Besuch (auch schon vor dem Suizid des Freundes nicht) und würde jede freie Minute hinter dem PC verbringen.

An diesem Punkt entschied ich mich mit einem guten Freund, der auch ihn gut kannte, bei ihm aufzutauchen und ihm klar zu machen, dass eine wöchentliche Trauerberatung nicht ausreicht. Es war unbeschreiblich, wie unglaublich es in der Wohnung direkt vor seiner Zimmertür gerochen hat. Er hat uns auch nicht in sein Zimmer gelassen, sondern nur in die Küche.
Auch uns erklärte er, er sei auf einem guten Weg mit der Trauerberatung. Er würde €kleine Schritte€ machen und langsam wieder auf die Beine kommen. In einigen Aussagen widersprach er sich, besonders was Dauer und Art der Krankschreibung anbelangte. Er verkündete zudem, er würde mit Einverständnis seines Chefs die Ausbildung bis August aussetzen. Als ich ihm klarmachen wollte, dass er dann kein Geld mehr hätte, meinte er nur, er habe Rücklagen väterlicherseits, die würden reichen (ich hielt kurz Rücksprache via SMS mit seinem Vater, der von diesen Rücklagen in der Form nichts wusste. Es gäbe zwar Geld, welches für ihn angespart sei über die Großeltern, dieses stünde ihm aber nicht frei zur Verfügung).
Dienstag, 2.Feb 2016, 15:30

Bellis Bella Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 7
Mitglied seit: 02.02.2016
All diese Widersprüchlichkeiten, der desolate Zustand seines Zimmers (den wir durch die geschlossene Tür RIECHEN konnten), sein ungepflegtes, mageres „ußeres...all das konnte ihn nicht dazu bewegen, mit uns in die psychiatrische Ambulanz zu fahren. Ich wiederum weigerte mich, die Wohnung zu verlassen und bestand darauf, dass ein Arzt mir bestätigen müsse, dass wirklich alles in Ordnung sei, im Zweifelsfalle ein Amtsarzt, den ich über den Notruf bestellen würde. Da meinte er, dass ich ja mit seiner Trauerberaterin telefonieren könne, die würde bestätigen, dass er das alleine schaffe. Nach viel Hin und Her und einem abwechselnden Telefonat mit ihr, indem ich meiner großen Sorge Ausdruck verlieh, zog er sich mit ihr in sein Zimmer zurück und es wurde eine Stunde lang ziemlich still. Danach kam er raus und erklärte, dass er in ihrer Begleitung mit in die Ambulanz kommen würde. Er hatte ihr letztendlich am Telefon gestanden, dass er seit drei Wochen nicht mehr zur Arbeit geht und gar nicht krankgeschrieben war, er ist einfach nicht hingegangen und der Chef erwartete nun von ihm, dass er kündigte.

In der psychiatrischen Ambulanz sprach er gemeinsam mit ihr mit einem Psychologen. Dieser empfahl einen stationären Aufenthalt aufgrund einer schweren Depression. Das lehnte mein Sohn weiterhin ab. Er bekam eine Überweisung in das Medizinische Versorgungszentrum. Mir erklärte der Arzt, ich hätte keine rechtliche Handhabe, da mein Sohn volljährig ist und auch ein vollkommen verwahrlostes Zimmer wäre seine Entscheidung.

Das Zimmer hat er in einem Kraftakt am nächsten Tag entmüllt, vier Maschinen Wäsche gewaschen, um mir zu zeigen, dass er es €hinkriegt€.
Gestern war er im Medizinischen Versorgungszentrum, hat dort mit einer Psychologin gesprochen, die ihn bis Ende Februar krankgeschrieben hat.
Dort soll er nächste Woche wieder hin und es wird wohl über Medikamente nachgedacht.
Weiterhin ungeklärt ist die Arbeitssituation, ich weiß nicht, ob er schon Abmahnungen erhalten hat oder nicht oder wie es da überhaupt weitergehen wird.
Ich weiß nur, dass er jetzt auch den ganzen Februar Zeit hat, seinen PC anzuschmeißen, ob das seiner Struktur dienlich ist? Und was war nun zuerst da? Die Spielsucht? Die Depression? Verstärkt das eine das andere? Wird ihn jemand unterstützen, Krankengeld zu beantragen? Ggf. zur ArGe begleiten? Selbst wenn er Medikamente bekommt, wird er sie regelmäßig nehmen, wenn er an manchen Tagen noch nicht mal in der Lage ist, was zu essen? Soll ich seinem Vater empfehlen die monatlichen Zusatzzahlungen einzustellen, da diese vermutlich eher im Steam-Account als im Kühlschrank landen? Was ist, wenn der Mitbewohner ihn doch kündigt? Muss er erst auf der Straße landen, um zu merken, wie dreckig es ihm geht?

Ich weiß nur, dass ich wütend bin und traurig und durcheinander und überfordert und ratlos.
Er ist volljährig und es tut weh, dabei zuzusehen, wie er kaputt geht. Es bricht mir das Herz, ihn so verwahrlost und orientierungslos zu sehen. Es macht mich wütend, dass er lügt, Vermeidungsstrategien fährt, bagatellisiert und versucht, eine Fassade aufrecht zu erhalten, wo jeder sieht, dass sie bröckelt, nur er selbst nicht.
Ich bin überfordert, weil ich eh schon Vollzeit arbeite, um uns zu finanzieren. Seine 14jährige Halbschwester bekommt keinen Unterhalt von ihrem leiblichen Vater, das macht einiges sehr kompliziert. Ich kann ihn nicht engmaschig kontrollieren, selbst wenn ich wollte und will ich das eigentlich?
Ich bin traurig, weil ich mir wünschte, er wäre glücklich und frei von diesen Zwängen und würde ein selbstbestimmtes Leben führen.
Dienstag, 2.Feb 2016, 21:30

der_dau Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Anzahl Beiträge: 87
Mitglied seit: 10.11.2015
willkommen im Forum und danke für deinen ausführlichen Bericht.

Deine Situation ist schwierig... du hast nämlich einen depressiven Spielsüchtigen Sohn der sich wegen Depressionen behandeln lassen würde, aber zumindest meiner Meinung nach keinerlei längeren Nutzen davon haben kann. Ohne die Einsicht das er sich durch die ganze Zockerei die ganze Brühe eingelöffelt hat wird sich gar nichts vermutlich gar nichts ändern.

Eher im Gegenteil, es wird alles schlimmer(meine Meinung), je länger man so ein trostloses Leben führt, sich isoliert und auch seine physische Gesundheit so hängen lässt umso mehr schrumpfen die Chancen sich aus diesem Loch herauszukämpfen.

Ich bin jetzt seit 6 Monaten abstinent und auch nicht mehr depressiv, deine Beschreibung von seinem Verhalten, dem nix auf die Reihe griegen, Hygiene, Job kündigen usw. das hatte ich auch durch.

Das Problem ist, dass habe ich an mir selbst bemerkt:
Sofern ich Zocke werde ich mich niemals und zwar wirklich niemals und ohne wenn und aber ändern können.
Für mich gab es nur die Möglichkeit einzusehen dass ich Süchtig bin.

Deine Frage war, ob sich das gegenseitig hochschaukelt mit den Depressionen und dem Zocken:
Ja, wenn ich gezockt habe konnte ich meinen Kopf komplett frei von allen depressiven Gedanken oder Gefühle frei machen.
Ich war dann komplett auf das Spiel konzentriert, es hat meinen Ergeiz geweckt und mir Spaß bereitet.
Man flieht also nur, stellt sich den Gedanken und Gefühlen nicht. Mab redet nicht darüber und alles staut sich auf.
Bis man das realisiert steht man schon vor so einem Haufen an Problemen und man hat nie gelernt damit umzugehen oder aber man hat es verlernt.
Ob diese ewige Zockerei nun Auslöser oder Ursache für die Depressionen sind, ist komplett egal. Fakt ist das beides da ist, und beides behandelt werden muss.

Ich halte die „ußerungen von deinem Sohn über den Verstorbenen Kumpel für eine eiskalte Lüge mit der er sich rechtfertigt.
Manch einer würde meinen das ich mich damit zu weit aus dem Fenster lehne, aber ich weiß wie weit man gehen kann um sich nix eingestehen zu müssen.

Was kann ich dir für Tipps geben?

Er braucht einen längeren Aufenthalt in einer stationären Einrichtung.
Solange er spielt hat er keine chance das sich irgendetwas verbessert. Depressionen und Antidepressiva hin und her.
Es ist wichtig das auch die behandelden „rzte das so sehen. Es wird vermutlich schwierig sein diese davon zu überzeugen.

Ansonsten hast du jetzt schon sehr viel richtig gemacht. Wichtig ist das ihr nicht alles so laufen lasst und auf das beste Hofft. Dreh ihm den Geldhahn zu und schau das sein Vater ihn ebenfalls aufhört zu ubterstützen.
Lasst euch nicht von euren Weg abbringen, und falls es zu auseinandersetzungen kommen sollte, dann gebt seinen Anschuldigungen keine Aufmerksamkeit.
Das zeigt nur das ihr ihn in die Enge getrieben habt und er nun eben mit härteren Geschützen schießt um sich selbst nicht einzugestehen wie erbärmlich er ist.

mfg
Mittwoch, 3.Feb 2016, 18:45

karla Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Anzahl Beiträge: 50
Mitglied seit: 25.02.2011
Hallo und ebenfalls Willkommen!

Dem, was der_dau schreibt, ist eigentlich nichts hinzuzufügen.
Ich kann aber nicht oft genug wiederholen: setzt Euch zusammen und einigt Euch, Du und sein Vater, oder wer auch immer noch eine unterstützende (Geld u.ä.) Rolle spielt.
Nur wenn Ihr gemeinsam nichts mehr für ihn tut, kann er aufwachen und sich um Hilfe kümmern, glaub mir, er wird noch einige "Schlupflöcher" finden und Personen, die er um den Finger wickeln kann.
Es zerreißt einem das Herz, ich weiß, aber nur das kann nützen!
Du bist auf dem Weg!

Herzliche Grüße, k.

Montag, 15.Feb 2016, 12:59

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 788
Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo Bellis Bella,

ich war für eine Weile in Urlaub "abgetaucht" und habe nicht ins Forum geschaut, um den Kopf mal ein wenig frei zu kriegen. Aber jetzt bin ich wieder da.

Ich habe die gleiche Vermutung wie der_dau: das mit dem Suizid des Freundes erscheint mir wie ein Alibi, das euer Sohn braucht, um euch eine Erklärung zu liefern, warum es ihm so schlecht geht. So kann er elegant der Tatsache ausweichen, dass er allein mit seiner Dauerzockerei für all dies verantwortlich ist. Solange euer Sohn weiterhin seine Lebenszeit ausschließlich vor dem PC verbringt, wird nichts, aber auch gar nichts in Ordnung kommen. Er wird euch und sein Umfeld weiterhin massiv anlügen und mit allen Mitteln versuchen, seine Abhängigkeit zu verschleiern. Die Depressionen sind nach unserer Beobachtung eine der gravierendsten Nebenwirkungen bei exzessivem Medienkonsum, und da werden auch Medikamente nichts helfen - im Gegenteil. Bei einer Therapie kann nur beides gemeinsam in Angriff genommen werden und dazu braucht es seine aktive, mutige und schonungslose Mitarbeit. Dies wird er aber erst leisten können, wenn er den Tatsachen ins Auge blickt und für sich selbst die Wahrheit aussprechen kann: "Ja, ich bin süchtig".

Leider führt der Weg zur Krankheitseinsicht nur über die bedingungslose Kapitulation. Solange dein Sohn sich noch vorgaukeln kann, dass er es hinkriegt, solange er noch auf finanzielle Reserven zurück greifen kann und ein Dach über dem Kopf hat, wird er sich weiterhin an die Illusion klammern, ja nur vorübergehend krank geschrieben zu sein und danach wieder arbeiten gehen zu können und wieder voll im Sattel zu sitzen.

Gebt ihm die Chance, sein Elend im gesamten Ausmaß zu erfassen. Sein Vater sollte unbedingt die monatlichen Zahlungen einstellen, und eine WG-Kündigung wäre auch ein Punkt, der ihm schneller klar macht, wo er sich befindet, auch wenn es den Eltern das Herz zerreißt. Jegliche Unterstützung wirkt suchtverlängernd und sorgt dafür, dass diese Situation sich über qualvolle Jahre hinziehen kann. Ihr könnt ihn nicht retten, denn das kann nur er selbst.

Ich wünsche dir ganz ganz viel Kraft. Bitte schreibe uns, wie es dir geht damit.
Herzlichst, Merle



Montag, 25.Apr 2016, 11:24

Nicky Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Anzahl Beiträge: 11
Mitglied seit: 25.04.2016
Hallo Bellis, was deinem Sohn passiert ist absolut identisch mit den Dingen, die wir hier erleben. Unser Sohn ist 19 Jahre alt, auch wir haben früher vieles gegen das Spielen probiert. Einschränken, wegnehmen, Geldhahn abdrehen..nichts hat geholfen. Zuletzt kaufte er sich, nachdem seine Feststation weggeschlossen war, mit dem ersparten Geld einen gamer laptop. Fehlte zunehmend in der Schule, machte keine Hausaufgaben, kein einziges Attest erreichte die Schule, die Leistungen stürzten ab und unser Sohn in eine Depression. Die „rzte haben ihm Antidepressivum verschrieben, er lügt und mogelt sich, genau wie dein Sohn, um alles herum. Für uns ist die Situation nicht mehr haltbar. Jegliche Form von Therapie, die in seinen Spielealltag eingreifen würde lehnt er ab.
Wir selbst sind so ausgelaugt, dass unser Tag schon seit Langem nicht mehr uns gehört. Unser Sohn zieht jetzt in eine WG, möchte die 12. Klasse wiederholen und mit der FH-Reife abgehen. Ich befürchte allerdings, dass der Plan nicht aufgeht und sich der eingeschlagene Weg noch weiter hinzieht. Was für Erfahrungen habt ihr mit Geldentzug gemacht? Wenn er verwahrlost und den gezahlten Unterhalt nicht für den Lebensunterhalt nutzt sondern für Spiele o.ä. habe ich vor, den Unterhalt zu entziehen-auch, wenn unser Sohn dann den Klageweg beschreiten würde.. LG
Dienstag, 26.Apr 2016, 03:21

Vedrfölnir Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Anzahl Beiträge: 194
Mitglied seit: 03.06.2013
SO wie es aussieht muß er auf die "Schnauze" fallem um endlich zu realisieren dass er so nicht weiter machen kann da er bald ja erwachsen ist.
Und alles muß man sich ja selber im Leben finanzieren.
Und wie will er das bewerkstelligen ohne Arbeit ohne Ausbildung?


“The only way to deal with an unfree world is to become so absolutely free that your very existence is an act of rebellion.”
-Albert Camus
--

Freitag, 29.Apr 2016, 17:33

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 788
Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo Nicky,

das hört sich wahrlich nicht gut an. Dass euer Sohn unter den gegebenen Umständen die 12. Klasse schafft und dann mit seiner Fachhochschulreife etwas Sinnvolles in Angriff nimmt, um seine Zukunft zu gestalten, wage ich stark zu bezweifeln. Solange er an den PC gefesselt bleibt, wird er sich weiterhin in der Abwärtsschleife befinden und im Sinkflug sein Leben in den Sand setzen. Du findest in diesem Forum zahllose Beispiele, die diese Erfahrung bestätigen.

Für euch ist auf jeden Fall jetzt erst einmal ein wichtiger Schritt geschafft: Ihr habt die gesamte Problematik nicht mehr frei Haus, seid nicht mehr stündlich mit dem ganzen Drama konfrontiert und könnt ein wenig aufatmen und euch endlich wieder einmal eurem eigenen Leben zuwenden. Dass gerade du als Mutter natürlich den Ballast des Kummers, des Sorgens, der Enttäuschung und der Angst um seine Zukunft tragen musst, steht außer Frage. Aber glaube mir: Es ist eine Erleichterung, dass zumindest einmal die räumliche Trennung vollzogen ist und das Kapitel Sucht nicht mehr jeden geschlagenen Tag präsent ist.

Gebt eurem Sohn auf jeden Fall jetzt erst einmal die Chance, sich zu beweisen und seine hehren Pläne in die Tat umzusetzen. Sobald klar wird, dass dies alles nur hohles Geschwätz war und er, wie es zu erwarten ist, doch seine Tage verzockt, statt in die Schule zu gehen, habt ihr allen Grund, eure finanzielle Unterstützung einzustellen. Ihr könnt das, was ihr ihm hättet zukommen lassen, auf ein extra Konto überweisen, um eurer "Zahlungspflicht" nachzukommen. So schützt ihr ihn davor, seinen Unterhalt zu verspielen und könnt ihm das ihm zustehende Geld für die Zeit DANACH in Aussicht stellen, wenn er sein Leben wieder im Griff hat. Erkundigt euch bei einem Anwalt, in wieweit ihr, wenn eine Suchtproblematik vorliegt, in der Pflicht seid, damit ihr nicht in ständiger Ungewissheit und Angst leben müsst, dass da etwas auf euch zukommt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihr gezwungen seid, eurem Sohn Geld zukommen zu lassen, das er aufgrund seiner Abhängigkeit ganz offensichtlich zweckentfremden wird - ein Tatbestand, der seine Sucht verlängert. Ihr müsst die Möglichkeit haben, ihn finanziell "trocken zu legen", damit der Leidensdruck entsteht, den es braucht, damit er seine Situation begreift und handlungsfähig wird.

Ich wünsche euch viel Kraft.

LG Merle
Sonntag, 1.Mai 2016, 19:08

Bellis Bella Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 7
Mitglied seit: 02.02.2016
Nun sind drei Monate vergangen und ich wollte einmal berichten, wie es weitergegangen bzw. wie es NICHT weitergegangen ist. Mein Sohn ist nun durchgehend seit Januar krankgeschrieben. Diagnose "Depression". Er geht alle zwei bis drei Wochen ins Medizinische Versorgungszentrum und holt sich dort seinen Schein ab. Eine ambulante Therapie hat er nicht begonnen, auch eine Tagesklinik oder einen stationären Aufenthalt lehnt er weiter ab. Wir haben seit Wochen keinen Kontakt mehr, Nachfragen auf Whatsapp hat er anfangs noch kurzangebunden beantwortet, seit einiger Zeit ignoriert er mich komplett.

Es existiert keine Einsicht, dass es zwischen seinem PC-Verhalten und der Depression einen kausalen Zusammenhang gibt und einem gemeinsamen Gespräch mit mir und der „rztin im MVZ hat er schon im Februar nicht zugestimmt.
Von mir bekommt er weiterhin das Kindergeld für die Miete seiner WG, ich habe aber zwischenzeitlich mit seinem Arbeitgeber telefoniert und ihn gebeten, mir Bescheid zu geben, wenn mein Sohn gekündigt wird. Eine Abmahnung hat er schon kassiert, weil eine Krankmeldung zu spät abgegeben wurde, es ist nur eine Frage der Zeit, bis es soweit ist. Sein Arbeitgeber hatte anfangs viel Mitleid und hat diverse Vorschläge gemacht, wie er in den Betrieb wieder einsteigen kann, hatte sich meinem Sohn sehr gesprächsbereit gegenüber gezeigt und mehrmals versucht, Kontakt aufzunehmen. Diese Versuche hat mein Sohn wochenlang ignoriert, er als die Abmahnung kam, erfolgte wohl ein Gespräch, in dem mein Sohn allerdings nicht viel gesagt haben soll (ein paar Tage später hat dann der Sozialpsychiatrische Dienst den Kontakt zum Arbeitgeber aufgenommen). Der AG möchte, dass mein Sohn einem Auflösungsvetrag zustimmt, das scheint mein Sohn nicht zu wollen. Ich vermute, dass mein Sohn schon weiss, was für Konsequenzen das für ihn hat.

Krankengeld hat er übrigens laut Arbeitgeber nicht beantragt. Ich glaube auch nicht, dass dazu für ihn subjektiv betrachtet eine Notwendigkeit besteht, denn Papi zahlt weiterhin einen freiwilligen Unterhalt und ist nicht gewillt, diesen einzustellen. Ich habe schon im Februar darum gebeten, die Zahlungen einzustellen, da hiess es noch, dass mein Sohn eine Frist seitens des Vaters gesetzt bekommen sollte, in der er sich um die wichtigsten Angelegenheiten kümmern sollte. Diese Frist ist verstrichen und trotzdem bekommt er weiterhin Geld. Alle meine Erklärungen haben nichts genutzt, es fühlte sich für mich auf einmal so an, als ob ich an zwei Fronten kämpfen müsse...einmal mit meinem Sohn und dann auch noch mit dem Vater. Der Vater argumentiert damit, dass unser Sohn "ein Anrecht auf Unterhalt habe". Mein Argument, dass unser Sohn doch erstmal von diesem Anrecht Gebrauch machen solle, sprich sich um seine Situation selbst kümmern soll, liess es nicht gelten.
Insofern ist mein Sohn sicherlich nicht supergut versorgt, aber er ist krankgeschrieben, hat ein Dach über dem Kopf, einen Internetanschluß, einen schnellen PC und ein wenig Geld für Lebensmittel, wenn er es mal aus dem Haus schafft, was selten ist, wie sein Mitbewohner mir mitteilte. Die meiste Zeit hockt er in seinem Zimmer. Man hätte den Prozess sicherlich durch Einstellung der väterlichen Zuwendungen beschleunigen können, für mich war das Warten und das Aushalten, dass es jetzt im Moment stagniert, eine echte emotionale Qual.

Vor Ostern war ich dann so erschöpft, nachdem ich schon selbst zwei Wochen krankgeschrieben war, wegen Schlafmangel und anderen Belastungserscheinungen, dass ich den Kontakt zu dem Vater gänzlich abgebrochen habe. Vorher hatten wir wöchentlich telefoniert und das hatte mich jedesmal nur runtergerissen und ausgelaugt. Meinem Sohn habe ich vor Ostern geschrieben, dass ich ihn liebe und für ihn da bin, wenn ER Hilfe annehmen möchte und dies einfordert. Ich schrieb ihm auch, dass ich glaube, dass er ohne stationäre Behandlung nicht auf die Beine kommt.

Paralell dazu hatte ich den Sozialpsychiatrischen Dienst informiert und gebeten, aufsuchend tätig zu werden. Der zuständige Mitarbeiter konnte wohl einen Kontakt aufbauen und unterstützt nun meinen Sohn in der Kommunikation mit dem Arbeitgeber.

Weiterhin liegt die Depression im Fokus, die Verhaltenssucht wird nicht thematisiert, was sicherlich auch daran liegt, dass mein Sohn jedem, mit dem er Kontakt hat, immer nur das erzählt, was derjenige hören möchte oder an Information braucht, damit mein Sohn Mitleid und Zuwendung bekommt.

Sonntag, 1.Mai 2016, 19:26

Bellis Bella Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 7
Mitglied seit: 02.02.2016
Ich bin abwechselnd wütend, verzweifelt und hilflos.

In meinem Freundes- und Bekanntenkreis existieren solche Probleme mit Verhaltenssüchten nicht. Insofern werde ich ganz oft gefragt, ob ich mich nicht mehr um meinen Sohn kümmern könne, mehr bei ihm vorbeischauen könne, mehr Zeit mit ihm verbringen könne, er habe ja schließlich eine Depression und das ist eine Krankheit und da müsse man sich auch kümmern...mal unabhängig davon, dass er das nicht WILL und in den letzten Monaten fast jede Verabredung platzen lassen hat, um dann doch vor seinem PC rumzuhängen in seiner WG und mal abgesehen davon, dass die letzten drei Jahre ein einziger Kampf gegen die Playstation 4, die Fritzbox, den Steamaccount und das damit verbundene belastende Familienleben waren...was verdammt nochmal ist mit mir????
Ich möchte mich von meinem erwachsenen Kind auch nicht wie ein Fußabtreter behandeln lassen...ich möchte nicht ständig belogen werden und dann erraten, was Wahrheit, was Lüge, was Ausrede und was irgendwas dazwischen ist.
Seinem Vater hat er im Dezember erzählt, er habe sich ein Bein gebrochen!!!! Deswegen könne er nicht am Wochenende zu ihm kommen und mit der Familie den Geburtstag seines Vaters feiern. Solche Lügen und Ausreden gab es immer wieder...es hat definitiv keinen Suizid im Freundeskreis gegeben....er hiess es, der Verstorbene habe einen älteren Bruder, mit dem mein Sohn befreundet sei...ein anderes Mal war mein Sohn ganz erstaunt, dass ich nach dem Bruder fragte, es habe nie einen Bruder gegeben....

Es tut weh, nichts tun zu können und nur abzuwarten, dass sein Vater endlich das Geld einstellt...dass der Arbeitgeber ihn doch kündigen kann aufgrund einer Lücke in der Krankschreibung und ich dann nach 4 Monaten das Kindergeld nicht mehr bekomme und er dann obdachlos wird....
ich könnte mir in so einem Fall, NICHT vorstellen, dass er wieder hier einzieht.

Ich versuche mir tagtäglich klar zu machen, dass ich das richtige tue, dass ich im Moment einfach nichts tun kann....dass Liebe manchmal eben auch bedeutet, loslassen zu können...
Montag, 2.Mai 2016, 10:50

Nicky Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Anzahl Beiträge: 11
Mitglied seit: 25.04.2016
Zu Bellis Bella
Hallo Bellis, wenn ich deine Mails lese ist das, als hätte ich sie selbst geschrieben. Auch in unserem Freundeskreis finden sich nicht nur Personen, die ein "Raussetzen" des Kindes aus dem elterlichen Haus, Unterhaltsentzug etc. verstehen können. Auch ich erkläre dann jedes Mal die Abwärtsspirale und frage nach einem anderen geeigneten Vorschlag. Natürlich fällt keinem etwas anderes ein und das ist u n s e r e Spirale...wir machen uns Gedanken, setzen uns auseinander , telefonieren mit Behörden, Sozialdiensten etc., die Gedanken kreisen nachts um den Ausweg und das "Warum" (..während sich unsere Kinder aggressiv und jeglicher Realität entrückt vor dem Rechner fertig machen..). Manchmal habe ich das Gefühl, so gelähmt zu sein, dass ich an vielen Dingen nicht mehr teilnehme, mein Haushalt ungepflegter bleibt, der Hund einen Gassigang zu wenig bekommt oder ich mit meinen Gedanken nicht bei der Sache bin. Wenn mir dann noch Bilder vom Abiball des eigentich stattgefundenen Abiturjahrgangs zugemailt werden, dann habe auch i c h das Gefühl, nicht mehr in dieser Welt anwesend zu sein. Das darf nicht sein!! Schon aus diesem Grund muß das Kind raus aus dem Haus. Es nutzt ihm und mir nichts, wenn ich am Boden liege. Nicht immer kann ich diese Einstellung halten, aber ich möchte auch mein Leben zurück haben. Eine schwierige Aufgabe, aber wenn wir das nicht schaffen geben wir auf. Bevor ich aufgebe und selbst in einer reaktiven Depression versinke würde ich mir psychologische Hilfe holen. Das für dich selbst zu organisieren ist ein Klacks gegenüber den Dingen, die du schon auf die Beine gestellt hast. Die Beziehung zu unseren Kindern muß irgendwann sowieso eine neue Basis finden. Es tut nur so unendlich weh, das Kind loszulassen und zu wissen, das man momentan nur noch einen kleinen Anteil seines Kindes in diesem Onlinespielsüchtigem findet und man nicht weiß ob es jemals eine neue Badis gibt und wie diese dann aussehen kann. Bis dahin ist es allerdings noch ein langer Weg, aber dieser Weg ist so wie er ist. Weder unsere Kinder noch wir können da erstmal raus. Ich versuche, mir neue erfüllende Aufgaben zu suchen. Vereinstätigkeit hilft mir z.B. sehr. Ich bin alleine in diesem Verein und nur ein bis zwei Personen kennen das Schicksal unserer Familie. Dort kann ich wertfrei auftreten. Arbeit mit Jugendlichen unterschiedlichen Alters macht mich manchmal traurig, aber meistens frei - dein Wertgefühl steigt wieder und macht den Kopf ein wenig freier. Es werden mit Sicherheit noch viele Dinge passieren, immer und immer wieder werden uns Dinge aussichtslos erscheinen, aber es gibt definierte Pfeiler in diesem Weg, an dem wir uns orientieren können. Dieses Forum hat mir sehr geholfen, schneller einen klaren Blick für die Dinge zu bekommen und die Beiträge der Betroffenen zeigen auch Erfolge. Wir dürfen also auch ein wenig hoffen und uns zwischendurch erlauben, die Sinne für andere Themen zu öffnen, o h n e, dass wir uns als "Rabeneltern" fühlen müssten. Keiner, der nicht betroffen ist kann dieses Gefühl aus Hilflosigkeit, Wertlosigkeit, Wut, Verzweiflung und Trauer nachvollziehen. Und schon beim ersten Durchlesen hatte ich hier das Gefühl endlich eine Grmeinschaft gefunden zu haben, die versteht, was mit Depression und Spielsucht gemeint ist. Wichtig ist nach meiner Erfahrung wirklich, den Weg zur klinischen Therapie möglichst kurz zu halten - wir befinden uns aber auch noch auf dem Weg...vielleicht kannst du deinem Mann das vermitteln?! Er weiß mit dem Suchtverhalten gar nicht umzugehen und hat es als nicht anwesend für sich deklariert. Er lehnt es ab und kompensiert es durch Zahlungen. Er kann sich dann sagen: Es geht doch, er hat was, aber sitzt ja da, ist harmlos..macht aber die Augen vor der zunehmenden geistigen und körperlichen Verwahrlosung zu. War dein Mann einmal in der WG? Hat er mit einem Mediensuchtspezialisten gesprochen, ein Fachbuch gelesen? Nur so werden ihm die Unterschiede zwischen "dreht gerade ein bißchen seltsam" und der Suchterkrankung klar. Durch eigenes Handeln. Du kannst nicht auch noch deinen Ex-Mann tragen, das ist zuviel! Auch er sitzt im Elternboot, aber es ist kein gemeinsames Boot sondern zwei einzelne Boote. Du bist schon sehr weit vorausgepaddelt und er muß sich nun, wenn er den Abstand aufholen möchte, an deine Erkenntnisse des Weges halten. So könnte er den "gefahrenen Weg" schneller nachvollziehen und vielleicht seid ihr an einem Punkt in der Lage, das Boot "Sohn" gemeinsam zu steuern. Viele Wege einzuschlagen ist ja nicht möglich!
Ich wünsche dir und uns allen weiterhin viel Kraft -liebe Grüße!!
Dienstag, 3.Mai 2016, 17:00

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 788
Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo,
ihr seid ganz offensichtlich Beide nun in dem Stadium angelangt, in dem es gilt, abzuwarten, auszuharren und vor allem auszuhalten. Eure Söhne sind noch meilenweit von einer Krankheitseinsicht entfernt. Dagegen habe ich das Gefühl, dass ihr als die betroffenen Mütter bereits schon ganz viel gelernt und verstanden habt. Wir sagen immer: "Der Schlüssel liegt bei den Angehörigen" und in sofern bin ich guten Mutes, dass ihr die Abhängigkeit eurer Kinder nicht weiter verlängernd co-unterstützt. Das hört sich gut an, wie klar ihr euch innerlich an ein Loslassen heran gearbeitet habt. Ich weiß, wie schwer das fällt und wie leicht man immer wieder in ein schwarzes Loch gerät, weil es an manchen Tagen fast nicht auszuhalten ist, NICHTS tun zu können. Aber dies zwingt euch auch dazu, endlich an euch und euer eigenes Leben zu denken, um euch von all den Strapazen der vergangenen Jahre mit dem allzeit präsenten Thema Sucht zu erholen. Seid unbesorgt: eure Söhne wissen genau, dass ihr sie liebt. Ihr könnt für sie momentan nichts Besseres tun, als ihnen die Verantwortung für ihr Leben in ihre eigenen Hände zu geben.
Herzlichst, Merle
Freitag, 18.Nov 2016, 10:44

Bellis Bella Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 7
Mitglied seit: 02.02.2016
Nach langer Zeit möchte ich einmal allen, die Anteil nehmen und in bezug auf unsere Geschichte ihre eigenen Geschichten hier eingestellt haben (und ich habe die Beiträge alle gelesen, habe dem leider nur nichts hinzuzufügen) erzählen, wie der aktuelle Stand der Dinge ist.

Seit August ist mein Sohn arbeitslos, denn der Sozialpsychiatrische Dienst hat gemeinsam mit dem MVZ (Medizinischen Versorgungszentrum, dort ist er seit Januar alle paar Wochen hingegangen, um seine Krankschreibung zu bekommen) und ihm beschlossen, dass der Arbeitsvertrag aufgelöst wird. Diagnose: Sozialphobie, Angststörungen und Depressionen....kein Wort von einer Verhaltenssucht.

Seit August ist er aber auch nicht mehr im MVZ, denn diese Einrichtung dient nur als Übergang, bis man sich einen ambulanten oder stationären Therapieplatz organisiert hat und genau das hat mein Sohn natürlich nicht getan. Außerdem war er eine Zeit lang natürlich nicht mehr krankenversichert, seit ein paar Wochen läuft er wieder über meine Familienversicherung, aber mir ist keine Information bekannt, dass er zu irgendeinem Arzt gegangen ist und wieder krankgeschrieben ist oder so.

Seit Mitte September ist er zudem wohnungslos. Sein Mitbewohner hatte ihm gekündigt und er selbst hat nichts Neues gesucht. Nun schläft er auf einer Isomatte mit Schlafsack bei einem Kumpel, der ebenfalls seine Ausbildung abgebrochen hat und noch bei seinen Eltern wohnt. Keine Ahnung, welche Geschichte mein Sohn diesen Eltern erzählt hat. Auf jeden Fall ist es dort warm, ein Dach über dem Kopf und eine Internetflatrate ist auch vorhanden.

Der Sozialpsychiatrische Dienst, der phasenweise meinen Sohn unterstützt hat, hatte gemeinsam mit ihm einen Antrag auf Wiedereingliederung gestellt, dort wurde er abgewiesen...zu jung...nun ist wieder das Jugendamt zuständig. Das Jugendamt sucht gemeinsam mit meinem Sohn nach einer geeigneten Wohngruppe, aber die Plätze sind knapp und ich bin ehrlich, mein Sohn wirkt auch nicht zutiefst davon überzeugt, dass das eine gute Lösung ist.

Ansonsten behauptet er, er wäre gar nicht mehr so viel am Computer, denn er hat ein neues Hobby, welches er intensiv betreibt und worin vermutlich das ganze Geld investiert wird, welches er weiterhin von seinem Vater überwiesen bekommt. Denn er spielt nun seit ein paar Monaten ein Trading Card Game - Magic the Gathering. Das halte ich für eine SUPER Alternative für einen verhaltenssüchtigen Menschen (Ironie), denn diese Spiele sind so konzipiert, dass man nur erfolgreich sein KANN, wenn man immer wieder aktuelle Kartenpacken sogenannte Booster) kauft, in denen aktuelle Karten per Zufall enthalten sind. Also zumindest gilt das dann, wenn man dieses Hobby so betreibt, wie es mein Sohn tut...denn er spielt Turniere. Nun könnte man sagen, super...er geht wieder raus, geht unter Menschen, kommuniziert mit ihnen und spielt ein analoges Kartenpiel...aber eines ist klar, es hat sich nichts daran geändert, dass er sich nicht seinen realen Problemen stellt, sich keine Perspektiven für die Zukunft erarbeitet, ausser die, dass er gerne auch auf größere Turniere fahren wollen würde.

Und in Wirklichkeit weiss ich doch gar nicht, was er den Rest des Tages anstellt. Man kann ja auch ein TCG spielen UND am PC rumhängen. In Wirklichkeit weiss ich seit Monaten NICHTS mehr von meinem Sohn. Alles, was ihn einmal ausgemacht hat, sein Humor, seine Eloquenz, seine Beweglichkeit...ist alles weg. Die wenigen Male, die ich ihm begegne, wirkt er immer gehetzt, ungepflegt, ausweichend, in sich eingeschlossen, nur auf das Kartnespiel focussiert im Gespräch, desinteressiert, abweisend....

Bei uns Zuhause läuft das Familienleben weiter. Mein Lebensgefährte ist mir Partner und bester Freund und in dunklen Stunden ein Halt und mein Zufluchtsort. Meine Tochter, die fast 16 Jahre alt ist, entwickelt sich ganz durchschnittlich...mal gute, mal schlechte Noten in der Schule, aber immer auf einem guten Level, weiterhin noch kein Handy und einen stark reglementierten Internetzugang (1,5 Stunden an Wochentagen, 4 Stunden samstags, 2 Stunden sonntags). Wir leben ansonsten wie Familien eben so leben, mit Arbeit, Alltag, Haushalt, Schule, gemeinsamen Unternehmungen, gemeinsamen Gesprächen, Freunden, die zu Besuch kommen, Festen, die gefeiert werden...aber es tut so weh, dass mein Sohn kein Teil davon ist...noch nicht mal ein kleiner Teil. Ich sehe ihn maximal einmal alle 2 Monate und der Kontakt über Whatsapp ist meistens sehr kurz angebunden und natürlich vollkommen ohne irgendwelche Infos. Ich(er) kenne mein eigenes Kind nicht mehr.

Das Schlimmste ist für mich das Warten. Das Aushalten. Die gutgemeinten Kommentare und Ratschläge aus dem Freundes-, Familien- und Bekanntenkreis.
Samstag, 26.Nov 2016, 17:13

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 788
Mitglied seit: 12.06.2009
Liebe Bellis Bella,
ja, der Weg ist steinigst, und als Mutter kommt man manches Mal an seine Grenzen. Wenn du mal wieder zutiefst verzagt bist, male dir einfach aus, was die Alternative wäre: Ihn zu euch nehmen, ihn durchfüttern, die gesamte Suchtproblematik Tag für Tag frei Haus haben, die gesamte Familie dadurch in diesen Sog mitnehmen, seinen Weg in Richtung Kapitulation abfedern und auspolstern, sodass er sich noch viele Jahre einigermaßen "wohl" fühlen kann mit dem latenten Bewusstsein, dass es vielleicht nicht so ganz richtig ist alles aber trotzdem nicht so schlimm, seine Sucht auf diese Weise verlängern.... Du siehst, es gibt keinen anderen Weg, als den, den ihr geht - tapfer, klar und mit liebendem Herzen.
Vermeide, mit anderen darüber zu sprechen. Wer dies alles nicht hautnah erlebt hat, kann nicht im Geringsten mitreden, weil kein Außenstehender eine Ahnung davon haben kann, was hier passiert mit denen, die damit konfrontiert werden. Sollte bei einer Unterhaltung die Sprache darauf kommen, gebe ich dir den Rat, sofort um einen Themawechsel zu bitten. Du hast das Recht, dich an dieser Stelle klar abzugrenzen und den anderen darauf hin zu weisen, dass du nicht bereit bist, darüber zu sprechen. Setze ihm in ein / zwei Sätzen auseinander, dass du dich lange und leidvoll an eine Strategie heran gearbeitet hast, die die Chance in sich birgt, dass dein Sohn eine Krankheitseinsicht und damit Kraft zum Handeln entwickeln kann. Auf diesem schwierigen und schmerzvollen Weg kannst du keinerlei Einmischung und Irritation gebrauchen. Diejenigen, denen du wichtig bist, werden diese klare Ansage respektieren.
Ihr seid auf einem "guten" Weg. Für euren Sohn wird es langsam eng - außer dass er leider, leider noch von seinem Vater finanziell unterstützt wird. (Ist denn da wirklich nichts zu machen?) Der vorübergehende Unterschlupf bei seinem Kumpel wird keine Dauerlösung sein können, und so wird er in absehbarer Zeit ziemlich in Schwierigkeiten sein. Dein Mutterherz muss dies aushalten, weil alles, was ihn noch tiefer hinein reitet, ein Schritt zur Umkehr sein wird. Höre nicht auf, fest daran zu glauben.
Ich weiß, wie schwer dies alles ist, denn ich bin denselben Weg gegangen. Heute steht unser Sohn - der einst verlorene - fest im Leben, erfolgreich, lebensfroh, stark und freudig. Keine Spur mehr von Depressionen, keine Spur mehr von Sozialphobie. Auch ich habe mich, vor allem hinterher, manches Mal gefragt, wie ich diese harten Jahre überlebt habe, doch wir alle ahnen gar nicht, wieviele Kraftreserven in uns stecken, die wir aktivieren, wenn nichts mehr zu gehen scheint. Ich bin fest davon überzeugt, dass auch du ein großes Reservoir an Kraft in dir trägst, das dir für die noch bevorstehende schwere Zeit zur Verfügung stehen wird.
Meine Gedanken sind bei dir.
Merle



Seite drucken  |  Nächstes Thema  |  Vorheriges Thema
 
Gehe zu
 


 Wer ist online?


Benutzer online: 0, Gäste online: 66

 Forum Statistiken


Themen: 1146, Beiträge: 4169, Mitglieder: 1983
Wir begrüssen unser neuestes Mitglied: hoffnungsvollxy

 Heutige Geburtstage


Dozentin (52)