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        Vom Netz in die Depression und dann??

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Mittwoch, 4.Mai 2016, 10:27

Nicky Benutzer ist offline

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Anzahl Beiträge: 11
Mitglied seit: 25.04.2016
Zu Bellis bella
Hallo Bellis, was deinem Sohn passiert ist absolut identisch mit den Dingen, die wir hier erleben. Unser Sohn ist 19 Jahre alt, auch wir haben früher vieles gegen das Spielen probiert. Einschränken, wegnehmen, Geldhahn abdrehen..nichts hat geholfen. Zuletzt kaufte er sich, nachdem seine Feststation weggeschlossen war, mit dem ersparten Geld einen gamer laptop. Fehlte zunehmend in der Schule, machte keine Hausaufgaben, kein einziges Attest erreichte die Schule, die Leistungen stürzten ab und unser Sohn in eine Depression. Die „rzte haben ihm Antidepressivum verschrieben, er lügt und mogelt sich, genau wie dein Sohn, um alles herum. Für uns ist die Situation nicht mehr haltbar. Jegliche Form von Therapie, die in seinen Spielealltag eingreifen würde lehnt er ab.
Wir selbst sind so ausgelaugt, dass unser Tag schon seit Langem nicht mehr uns gehört. Unser Sohn zieht jetzt in eine WG, möchte die 12. Klasse wiederholen und mit der FH-Reife abgehen. Ich befürchte allerdings, dass der Plan nicht aufgeht und sich der eingeschlagene Weg noch weiter hinzieht. Was für Erfahrungen habt ihr mit Geldentzug gemacht? Wenn er verwahrlost und den gezahlten Unterhalt nicht für den Lebensunterhalt nutzt sondern für Spiele o.ä. habe ich vor, den Unterhalt zu entziehen-auch, wenn unser Sohn dann den Klageweg beschreiten würde.. LG


Mittwoch, 4.Mai 2016, 10:31

Nicky Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 11
Mitglied seit: 25.04.2016
Zu Bellis Bella 2
Hallo Bellis, wenn ich deine Mails lese ist das, als hätte ich sie selbst geschrieben. Auch in unserem Freundeskreis finden sich nicht nur Personen, die ein "Raussetzen" des Kindes aus dem elterlichen Haus, Unterhaltsentzug etc. verstehen können. Auch ich erkläre dann jedes Mal die Abwärtsspirale und frage nach einem anderen geeigneten Vorschlag. Natürlich fällt keinem etwas anderes ein und das ist u n s e r e Spirale...wir machen uns Gedanken, setzen uns auseinander , telefonieren mit Behörden, Sozialdiensten etc., die Gedanken kreisen nachts um den Ausweg und das "Warum" (..während sich unsere Kinder aggressiv und jeglicher Realität entrückt vor dem Rechner fertig machen..). Manchmal habe ich das Gefühl, so gelähmt zu sein, dass ich an vielen Dingen nicht mehr teilnehme, mein Haushalt ungepflegter bleibt, der Hund einen Gassigang zu wenig bekommt oder ich mit meinen Gedanken nicht bei der Sache bin. Wenn mir dann noch Bilder vom Abiball des eigentich stattgefundenen Abiturjahrgangs zugemailt werden, dann habe auch i c h das Gefühl, nicht mehr in dieser Welt anwesend zu sein. Das darf nicht sein!! Schon aus diesem Grund muß das Kind raus aus dem Haus. Es nutzt ihm und mir nichts, wenn ich am Boden liege. Nicht immer kann ich diese Einstellung halten, aber ich möchte auch mein Leben zurück haben. Eine schwierige Aufgabe, aber wenn wir das nicht schaffen geben wir auf. Bevor ich aufgebe und selbst in einer reaktiven Depression versinke würde ich mir psychologische Hilfe holen. Das für dich selbst zu organisieren ist ein Klacks gegenüber den Dingen, die du schon auf die Beine gestellt hast. Die Beziehung zu unseren Kindern muß irgendwann sowieso eine neue Basis finden. Es tut nur so unendlich weh, das Kind loszulassen und zu wissen, das man momentan nur noch einen kleinen Anteil seines Kindes in diesem Onlinespielsüchtigem findet und man nicht weiß ob es jemals eine neue Badis gibt und wie diese dann aussehen kann. Bis dahin ist es allerdings noch ein langer Weg, aber dieser Weg ist so wie er ist. Weder unsere Kinder noch wir können da erstmal raus. Ich versuche, mir neue erfüllende Aufgaben zu suchen. Vereinstätigkeit hilft mir z.B. sehr. Ich bin alleine in diesem Verein und nur ein bis zwei Personen kennen das Schicksal unserer Familie. Dort kann ich wertfrei auftreten. Arbeit mit Jugendlichen unterschiedlichen Alters macht mich manchmal traurig, aber meistens frei - dein Wertgefühl steigt wieder und macht den Kopf ein wenig freier. Es werden mit Sicherheit noch viele Dinge passieren, immer und immer wieder werden uns Dinge aussichtslos erscheinen, aber es gibt definierte Pfeiler in diesem Weg, an dem wir uns orientieren können. Dieses Forum hat mir sehr geholfen, schneller einen klaren Blick für die Dinge zu bekommen und die Beiträge der Betroffenen zeigen auch Erfolge. Wir dürfen also auch ein wenig hoffen und uns zwischendurch erlauben, die Sinne für andere Themen zu öffnen, o h n e, dass wir uns als "Rabeneltern" fühlen müssten. Keiner, der nicht betroffen ist kann dieses Gefühl aus Hilflosigkeit, Wertlosigkeit, Wut, Verzweiflung und Trauer nachvollziehen. Und schon beim ersten Durchlesen hatte ich hier das Gefühl endlich eine Grmeinschaft gefunden zu haben, die versteht, was mit Depression und Spielsucht gemeint ist. Wichtig ist nach meiner Erfahrung wirklich, den Weg zur klinischen Therapie möglichst kurz zu halten - wir befinden uns aber auch noch auf dem Weg...vielleicht kannst du deinem Mann das vermitteln?! Er weiß mit dem Suchtverhalten gar nicht umzugehen und hat es als nicht anwesend für sich deklariert. Er lehnt es ab und kompensiert es durch Zahlungen. Er kann sich dann sagen: Es geht doch, er hat was, aber sitzt ja da, ist harmlos..macht aber die Augen vor der zunehmenden geistigen und körperlichen Verwahrlosung zu. War dein Mann einmal in der WG? Hat er mit einem Mediensuchtspezialisten gesprochen, ein Fachbuch gelesen? Nur so werden ihm die Unterschiede zwischen "dreht gerade ein bißchen seltsam" und der Suchterkrankung klar. Durch eigenes Handeln. Du kannst nicht auch noch deinen Ex-Mann tragen, das ist zuviel! Auch er sitzt im Elternboot, aber es ist kein gemeinsames Boot sondern zwei einzelne Boote. Du bist schon sehr weit vorausgepaddelt und er muß sich nun, wenn er den Abstand aufholen möchte, an deine Erkenntnisse des Weges halten. So könnte er den "gefahrenen Weg" schneller nachvollziehen und vielleicht seid ihr an einem Punkt in der Lage, das Boot "Sohn" gemeinsam zu steuern. Viele Wege einzuschlagen ist ja nicht möglich!
Ich wünsche dir und uns allen weiterhin viel Kraft -liebe Grüße!!
Mittwoch, 4.Mai 2016, 11:15

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 779
Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo Nicky,

das hört sich wahrlich nicht gut an. Dass euer Sohn unter den gegebenen Umständen die 12. Klasse schafft und dann mit seiner Fachhochschulreife etwas Sinnvolles in Angriff nimmt, um seine Zukunft zu gestalten, wage ich stark zu bezweifeln. Solange er an den PC gefesselt bleibt, wird er sich weiterhin in der Abwärtsschleife befinden und im Sinkflug sein Leben in den Sand setzen. Du findest in diesem Forum zahllose Beispiele, die diese Erfahrung bestätigen.

Für euch ist auf jeden Fall jetzt erst einmal ein wichtiger Schritt geschafft: Ihr habt die gesamte Problematik nicht mehr frei Haus, seid nicht mehr stündlich mit dem ganzen Drama konfrontiert und könnt ein wenig aufatmen und euch endlich wieder einmal eurem eigenen Leben zuwenden. Dass gerade du als Mutter natürlich den Ballast des Kummers, des Sorgens, der Enttäuschung und der Angst um seine Zukunft tragen musst, steht außer Frage. Aber glaube mir: Es ist eine Erleichterung, dass zumindest einmal die räumliche Trennung vollzogen ist und das Kapitel Sucht nicht mehr jeden geschlagenen Tag präsent ist.

Gebt eurem Sohn auf jeden Fall jetzt erst einmal die Chance, sich zu beweisen und seine hehren Pläne in die Tat umzusetzen. Sobald klar wird, dass dies alles nur hohles Geschwätz war und er, wie es zu erwarten ist, doch seine Tage verzockt, statt in die Schule zu gehen, habt ihr allen Grund, eure finanzielle Unterstützung einzustellen. Ihr könnt das, was ihr ihm hättet zukommen lassen, auf ein extra Konto überweisen, um eurer "Zahlungspflicht" nachzukommen. So schützt ihr ihn davor, seinen Unterhalt zu verspielen und könnt ihm das ihm zustehende Geld für die Zeit DANACH in Aussicht stellen, wenn er sein Leben wieder im Griff hat. Erkundigt euch bei einem Anwalt, in wieweit ihr, wenn eine Suchtproblematik vorliegt, in der Pflicht seid, damit ihr nicht in ständiger Ungewissheit und Angst leben müsst, dass da etwas auf euch zukommt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihr gezwungen seid, eurem Sohn Geld zukommen zu lassen, das er aufgrund seiner Abhängigkeit ganz offensichtlich zweckentfremden wird - ein Tatbestand, der seine Sucht verlängert. Ihr müsst die Möglichkeit haben, ihn finanziell "trocken zu legen", damit der Leidensdruck entsteht, den es braucht, damit er seine Situation begreift und handlungsfähig wird.

Ich wünsche euch viel Kraft.

LG Merle
Montag, 17.Okt 2016, 09:40

Nicky Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 11
Mitglied seit: 25.04.2016
Es ist ja nun schon eine ganze Weile her und viel passiert, aber um es von vorneherein wegzunehmen - der Fortgang der Dinge lässt sich genau so, wie von Merle vermutet beschreiben. Unser Sohn zog zum Anfang des letzten Sommers in eine WG und hatte große Vorsätze. Gezogen von vielen Endorphinen startete er erneut in die 12. Klasse und er erzählte ein paar Wochen lang wie gut alles lief. Doch trotzdem beschlich uns das Gefühl, belogen zu werden. Das WG-Zimmer verlodderte immer ein bißchen mehr und nach 2 Monaten hatte er es immer noch nicht geschafft, die Fenstermaße für dringend notwendige Jalousien auszumessen oder aber eine Glühbirne aufzuhängen. Ein Anruf in der Schule bestätigte den Verdacht: Große Fehlzeiten, anfangs entschuldigt, dann unentschuldigt machten sich bemerkbar Das Lehrerkollegium bot Hilfsmöglichkeiten an, von denen man nur träumen kann...auch sie wurden nicht respektiert oder eingehalten. Seit einer Woche weiß unser Sohn nun, dass er aus der WG ausziehen soll. Sein "Lebenswandel" unterscheidet sich zu sehr von dem der anderen Mitbewohner. Er hat in den Ferien bei einer Zeitarbeitsfirma im Gastronomiebereich gearbeitet und kam in den frühen Morgenstunden nach Hause. Das sind Zeiten, in denen andere meistens noch schlafen wollen und in einer kleinen Wohnung hört jeder alles..
Wir vermuten, dass nun bald die rote Karte der Schule folgen wird..unser Sohn möchte keinen Tag länger in seiner WG leben und wieder nach Hause zurück... ich befürchte allerdings, dass dann die Geschichte wieder von ganz Vorne beginnt..!
Für uns heißt die einzige Lösung:Behandlung der Problematik, die Frage ist, wie er darauf reagiert. Ich verstehe auch nicht, warum er noch immer meint auf einem zukunftsträchtigen Weg zu sein. Obwohl, wenn ich es mir genau überlege behauptet er das nur. Er zeigt seiner Außenwelt im äußeren Auftreten und in der Kommunikation den Sohn, der er sein müsste. Mit Worten wie:" Läuft alles bestens, demnächst mache ich...., ich fahre dann in den Urlaub..., ich habe soviel gelernt....", suggeriert er Erfolg und Ausgeglichenheit. Auch wir müssen uns während eines Gesprächs ständig bewusst machen, was da wirklich läuft-nämlich nichts! Ein Gespräch steht nun an und ich sehe eine kleine Chance, ihn zu einer vernünftigen Entscheidung zu bekommen..habt ihr noch einen Tip?
Er meinte, dass, wenn er nicht nach Hause dürfe müsste er sich eine andere Wohnung suchen....vom Regen in die Traufe..??!!
Samstag, 22.Okt 2016, 16:16

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 779
Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo Nicky,

ja, leider war genau dieser Verlauf zu erwarten. Man muss nur ausführlich die vielen Forenbeiträge, die hier zu finden sind, lesen, um zu erkennen, dass all diese Geschichten sich praktisch gleichen....

Auf keinen Fall dürft ihr euch darauf einlassen, euren Sohn wieder bei euch zu Hause aufzunehmen, denn dann, wie du selbst ja schon erkennst, geht das ganze Spiel von vorne los. Du wirst dich selber nur schwer davor schützen können, wieder tagtäglich "retten" zu wollen, und die dann wieder Tag für Tag präsente Suchtproblematik wird erneut die ganze Familie in ihren Sog ziehen. Ich stelle mir das vor wie bei einem sinkenden Schiff, das zwangsläufig alles, was in erreichbarer Nähe ist, mit in die Tiefe zieht. Du wirst ihm wieder das Essen ins Zimmer stellen, versuchen, die schlimmste Vermüllung aufzuhalten, du wirst dich wieder hinreißen lassen, zu ermahnen, zu betteln, zu hoffen und zu bitten.

Eurem Sohn wird erst dann bewusst werden, wo er mit sich hingeraten ist, wenn er die Verantwortung dafür ganz alleine tragen muss (Wohnung gekündigt, Strom abgestellt, Telefon / Internet gekappt, Geld aufgebraucht etc.). An dieser Stelle wird uns Eltern viel abverlangt, weil es fast unmenschlich schwer ist, dies auszuhalten ohne einzugreifen. Doch erst wenn er die bitteren Konsequenzen hautnah und schmerzhaft am eigenen Leib und ungeschützt zu spüren bekommt, erst wenn er die Suppe ganz allein auslöffeln muss, hat er eine Chance, aufzuwachen. Erst dieser immense Leidensdruck kann dazu führen, dass er eine Veränderung wünscht. Und erst dann machen eine Therapie oder ein Klinikaufenthalt Sinn. Wenn er immer wieder aufgefangen wird - und das wird er, wenn er wieder bei euch zu Hause lebt - kann sich dieser Zustand über Jahre hinziehen, ohne dass sich etwas bewegt.

Sprecht mit ihm und erklärt ihm, dass ihr ihn aus eben diesen Gründen nicht wieder bei euch aufnehmen werdet. Wichtig ist, dass er sich eurer Liebe sicher sein kann und auch wissen darf, dass ihr ihn voll und ganz unterstützt, wenn er es geschafft hat, seine Problematik zu erkennen und entsprechend zu handeln. Hier zählen jedoch keine Worte, keine "ab-jetzt-werde-ich" -Vorsätze, keine leeren Versprechungen, sondern einzig und allein die direkte Umsetzung in die Tat. Lasst euch auf nichts ein und macht ihm klar, dass ihr so "hart" handeln müsst, eben WEIL ihr ihn liebt.

Ich begleite euch gedanklich ganz fest.
Herzlichst, Merle
Montag, 14.Nov 2016, 18:11

Nicky Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 11
Mitglied seit: 25.04.2016
Hallo Merle, es war nun so weit - Rauswurf aus der WG, weil der Lebenswandel ein komplett anderer als bei allen anderen Mitgliedern war, ständige Probleme mit dem Schulbesuch, eine Spirale an Lügen und Freundeskreisverlust, eine gewisse Unfähigkeit, sich selbst zu verpflegen reichten nun doch aus, unseren Sohn zum Einlenken zu bewegen. Dazu der Druck, den der angekündigte Unterhaltsverlust mit sich brachte ließen ihn wissen, dass es so keinen Ausweg "pro Spiel" gab. Wie ein unruhiges Pferd in einer Box suchte er doch noch nach einem Weg zur Flucht für und entschloss sich nun für den einzig richtigen Weg - eine Therapie..
Wir sind sehr erleichtert und bangen zugleich, da er über 18 Jahre alt ist und die Therapie jederzeit abbrechen kann. Einmal war es bereits soweit, aber die Aussicht auf Obdachlosigkeit hielt ihn dann doch. Tatsächlich hat nur der Ausschluss jedweden Fluchtweges geholfen...vielen Dank für die große Hilfe an dieser Stelle. Deine Ermutigung diesen harten Weg durchzuhalten haben uns Kraft und Zuversicht gegeben. Außerdem verstehe ich inzwischen sehr gut, wie die "Sucht tickt" und bemerke, wenn ich mit Lügen konfrontiert werde oder es Aussagen als Mittel zum Zweck gibt. Das lässt einen im Gespräch wesentlich ruhiger, aber auch bestimmter auftreten. Ich hoffe für unseren weiteren Weg...
Dienstag, 15.Nov 2016, 12:32

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
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Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo Nicky,
da hat sich ja wirklich viel bei euch bewegt in diesen wenigen Wochen. Gut! Allerdings wäre es viel effektiver, wenn euer Sohn in eine Suchtklinik (egal welche Sucht!) gehen würde. Ein oder zwei kurze Sitzungen pro Woche können meines Erachtens nicht wirklich zeitnah so viel bewegen und wären eher nach einem Klinikaufenthalt zur weiteren Stabilisierung geeignet. Vielleicht könnt ihr eurem Sohn diesen Weg ans Herz legen.
Wie ist denn jetzt seine Wohnsituation? Ihr habt ihn doch hoffentlich nicht doch zu Hause wieder aufgenommen?
LG Merle
Mittwoch, 16.Nov 2016, 00:40

Nicky Benutzer ist offline

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Mitglied seit: 25.04.2016
Hallo Merle, vielen Dank für deine schnelle Reaktion! Mit Therapie meinte ich eine stationäre Therapie..Momentan befindet er sich dort und versucht durchzuhalten. Einmal wollte er bereits abbrechen , ich hoffe er hält durch. Wenn nicht....ich mag überhaupt nicht daran denken! So langsam bräuchte ich allerdings selbst Hilfe. Ich kann nachts nicht schlafen, das Gespräch, das ich mit ihm in der Klinik während der Abbruchgedanken führte verfolgt mich...es ist so wenig von dem, was unseren Sohn ausmacht vorhanden. Ich komme mir vor, wie in einem Dauerkampfeinsatz gegen Dämonen. Paradox! Er bekämpfte sie im Netz, im Rollenspiel und ich habe das Gefühl sie sind aus dem PC gestiegen und ich kämpfe nun weiter - nur ohne Tastatur, Verbindung und Bildschirm. Das Spiel hat sich "verselbständigt"... Meinem Sohn habe ich versucht klar zu machen, dass die Klinik unser aller, letzte gemeinsame Plattform vor dem Totalsbsturz ist. Eine Kommunikation ohne Lügen und Berechnung ist schon länger nicht mehr möglich. Ich hoffe, wir können aufbauen. Drückt uns die Daumen!
Samstag, 19.Nov 2016, 19:52

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
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Hallo Nicky,
ja, ich weiß nur zu genau, wie dir zumute ist und ich möchte dir ans Herz legen, jetzt erst einmal nur voller Zuversicht nach vorne zu schauen. Diese Gedanken: "Was wird, wenn er abbricht?" "Das hält er nicht durch." "Was wird aus ihm, wenn er es nicht schafft?", sind negative Kräfte. Jeder Satz, der in Frage stellt, dass er diesmal seinen Weg gut macht, verselbständigt sich zu geballter negativer Kraft, die auf zerstörerische Weise wahr werden muss, weil diese Gedanken im Raum stehen. Versuche statt dessen, dir ganz bewusst positive Glaubenssätze zu schaffen. Ich gebe dir einen meiner Lieblingssinnsprüche mit auf diesen schweren Weg: GUTE GEDANKEN SIND WIE ENGEL, DIE WIR AUSSENDEN, UM DAS GEWÜNSCHTE HERBEI ZU FÜHREN.
Ich begleite dich gedanklich mit vielen kraftvollen Wünschen.
Herzlichst, Merle
Dienstag, 28.Mär 2017, 05:12

Nicky Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 11
Mitglied seit: 25.04.2016
Hallo, ihr Lieben, ich möchte auf der einen Seite berichten und auf der anderen Seite tauchen nun neue Fragen zu Erfahrungswerten aus diesem Forum auf.
Unser Sohn hat seine Therapie stationär durchgezogen und kommt nun voller Hoffnung raus. Vorerst wird er nach Hause zurückkehren und es schön, zu sehen, wie er sich freut. Auch bei uns ist die Freude groß und gleichsam von „ngsten begleitet. Wichtig ist, dass er nun die erlernten Strukturen weiterhin beibehàlt und sich nicht unterkriegen lässt. Er sucht nun nach einer Lehrstelle und ich hoffe, dass er eine findet.
Die Therapie war für ihn ( O-Ton..) das Beste, was ihm passieren konnte und er bedauert heute sehr, sich so lange gesträubt zu haben.
Wie geht das Leben nach der Therapie weiter? Gibt es Dinge, auf die hinsichtlich der Sucht geachtet werden sollen? Wie sind eure Erfahrungen mit dem PC-Konsum nach der Therapie, der Smartphone Benutzung usw... , wie kann ich hier zu Hause zu "mehr Struktur" verhelfen?
Das sind Fragen, die mich nun beschäftigen und vielleicht gibt es auch jemanden aus dem Aussteiger-Forum, der berichten kann, wie die " Reise" bei ihm/ihr verlief.....
Dienstag, 28.Mär 2017, 05:56

Vedrfölnir Benutzer ist offline

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Anzahl Beiträge: 194
Mitglied seit: 03.06.2013
Reise würde ich das nicht nennen.
Denn ich nutze Medien ja aber nicht alle bzw gewisse lass ich weg weil die einfach nur nervig sind und viele wir eigentlich gar nicht brauchen!
Aber ich werde mal heute nach der Arbeit einen etwas längeren Text zum Thema verfassen wenn ich dran denke.
mfg


“The only way to deal with an unfree world is to become so absolutely free that your very existence is an act of rebellion.”
-Albert Camus
--

Sonntag, 2.Apr 2017, 18:53

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
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Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo Nicky,

ich bin so froh, dass ihr nun endlich an einem Punkt angekommen seid, an dem sich für euren Sohn neue Perspektiven auftun. Aber in der Tat ist der Weg nach dem Klinikaufenthalt erst einmal ein sehr fragiler und gefährdeter. Ich hatte damals, als unser Sohn voller Elan, voller Zuversicht und neu erwachten Kräften, aber auch voller bangem nach vorne Schauen aus der Klinik entlassen wurde, zu ihm gesagt, dass es nun drei Säulen gibt, die er sich Stück für Stück aufbauen muss:
- eine eigene Wohnung, in der er sich wohl fühlt
- eine Ausbildung (in seinem Fall ein duales Studium)
- Kontakte zu anderen
Wir hatten Gück, dass alle drei Punkte sich innerhalb weniger Wochen erfüllt hatten, und so hatte er keinen Durchhänger und konnte mit diesen Erfolgserlebnissen im Rücken komplett durchstarten. Bis heute (dies ist nun vier Jahre her!!) ist er auf der Überholspur des Lebens.

Euer Sohn sollte - neben den drei von mir erwähnten Säulen - auf folgende Punkte diszipliniert und sehr genau achten: Er sollte Situationen vermeiden, die ihn früher zum PC haben greifen lassen (Langeweile, Leere, keine Aufgaben, keine Tagestruktur etc.) Denkt gemeinsam darüber nach, wie er alte Muster vermeiden kann. Es kann schon helfen, sein Zimmer gravierend umzugestalten, sodass z.B. der PC nicht im Mittelpunkt steht sondern vielleicht erst einmal hervorgeholt werden muss. Neue Farben, ein Umstellen der Möbel, ein paar Pflanzen, die ihm gefallen, können ihm Tag für Tag bewusst machen, dass er ein neues Leben beginnt und das alte hinter sich gelassen hat. Am Allersinnvollsten wäre es natürlich, wenn euer Sohn für die erste Zeit, bis sein Leben sich stabilisiert hat, gar keinen eigenen PC und kein Smartphone benutzt, sondern nur für seine Bewerbungen auf euren "Haus-PC" zurück greift. Dies wäre ein sehr effektiver Schutz für ihn selbst. Alles, was ihn "triggert", muss er strikt meiden.

Unserem Sohn hat der Sport ganz entscheidend bei der Bewältigung seiner Suchterkrankung geholfen. Wir haben ihm das Fitnessstudio finanziert, damit er dranbleiben kann, denn in der Klinik hatte er das körperliche Auspowern für sich entdeckt und ist bis heute dabei geblieben. Es wäre wichtig, dass auch euer Sohn körperlich aktiv bleibt, weil auch das ihn davon abhält, strukturlos abzuhängen, was ihn nur gefährden würde.

Ermutigt ihn, weiterhin regelmäßig in eine Selbsthilfegruppe zu gehen. Am Anfang helfen die Kontakte, die in der Klinik geknüpft wurden, um einen ersten Freundeskreis aufzubauen. Ihr werdet aber sehen, dass diese Kontakte nach und nach von neuen Kontakten (z.B. von der Arbeit) abgelöst werden.

Wie sehr ich euch wünsche, dass er gut und nahtlos über die erste "zarte" Zeit hinüber kommt, kann ich dir gar nicht schildern. Ich drücke so fest die Daumen. Du kannst dich jederzeit melden, wenn Fragen auftauchen.

Herzlichst, Merle
Dienstag, 7.Nov 2017, 00:06

Nicky Benutzer ist offline

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Liebe Merle, es ist nun schon wieder eine Menge Zeit ins Land gegangen und ich möchte ein wenig davon erzählen, wie die Geschichte weiter geht..
.es ist vieles passiert, kleine Schritte nach Vorne, Einbrüche, einen Schritt zurück und wieder von Vorne, aber stets mit mehrheitlich positiven Tendenzen. Die Therapie hat dabei die Möglichkeit des selbstständigen Einlenkens geschaffen auch, wenn unser Sohn sein Helfernetzwek leider niemals weiter in Anspruch genommen hat. Das hätte und würde ihm mit Sicherheit im Alltag sehr helfen, aber er hat oft eine €Ladehemmung€..., gerade bei solchen Dingen..Er belügt sich auch heute manchmal noch und ich kann leider nicht sagen, dass der PC gar keine Rolle mehr spielt. Bislang spielen die Spiele aber - schon rein zeitlich gesehen- eine untergeordnete Rolle. Er macht inzwischen eine Lehre, die ihm Spaß macht und hat eine Freundin, die mit beiden Beinen fest in der Realität steht. Einen Gegenpol mit dem man die Freizeit gemeinsam gestalten kann ist für ihn enorm wichtig und das hält ihn €hoch€. Ein wenig Angst habe ich davor, wie es ohne €Schild in der Öffentlichkeit€ aussähe..aber er nimmt das Leben z.Zt. voll an. Geht ins Kino, mal aus, zum Bowling,
er trainiert in seiner Fussballmannschaft, braucht aber keine weiteren Freunde,( er hat alle Online-Spielbeziehungen, die sich bis in sein reales Leben vorgearbeitet hatten, abgebrochen und hat ebenso zu allen alten €Freunden€ keinen Kontakt mehr) .
Unser Sohn wohnt noch immer in unserem Haus,(separater Teil), aber das möchten wir in naher Zukunft ändern,da er viele Bequemlichkeiten nutzt, aber rein gar nichts dafür tut. Schafft Unordnung ohne aufzuräumen, pflegt die Einrichtungsgegenstände wenig bis nicht und sieht es nicht ein, e t w a s Ordnung walten zu lassen. Ganz zu schweigen davon, etwas für uns zu erledigen. Und da kommt mein dejavu ins Spiel. Das Gefühl machen zu können was man will: Es nutzt nichts, ich muß da zugucken....und das möchten wir nicht mehr. Unser Sohn bezahlt keine Miete, ißt meistens mit und ist nicht einmal bereit, den Rasen zu mähen, da kommt bei ihm wieder die alte Antriebsarmut durch. Es geht auch noch immer Geld für Spielzubehör drauf..zwar wenig im Vergleich, aber es fehlt ihm am Ende des Monats..
Meines Erachtens wird es Zeit, dass er die komplette Verantwortung für sein Leben übernimmt. So ist es, habe ich das Gefüh, zu einfach und auch kein realistischer Alltag. Mein Mann und ich finden, dass es auch an der Zeit ist, unser gemeinsames Leben fortzusetzen und ihm positiven Inhalt zu geben. Unser Sohn hat nun die Wahl über seine Zukunft,,die Grundlagen für ein positives Vorankommen sind geschaffen.. mehr als unsere Meinung, Ratschläge und Handeln aus den Erfahrungen, die wir in den letzten Jahren gemacht haben können wir ihm nicht mitgeben, aber es gibt inzwischen Grenzen, deren Überschreitung wir uns nicht mehr antun können und auch nicht möchten...gegenseitiges Vertrauen, Ehrlichkeit im gegenseitigen Umgang sowie keine Sucht in unserem Haushalt siind unsere Grundlagen, die immer aktuelll für ein funktionierendes Miteinander stehen um die es sich zu kämpfen lohnt.
Ohne eine stationäre Therapie hätten viele Schritte nicht gegangen werden können. ..
Ich möchte deshalb jede(n) Betroffene(n) motivieren, sich auf eine Therapie einzulassen und sich somit den Raum für neue, reale Dinge selbst zu erschaffen. Es ist bestimmt kein leichter Weg, aber er lohnt sich!!
Unsere Erfahrung ist in jedem Fall: Es werden definitiv Türen geschlossen, aber andere, wunderbare tun sich auf. Eine erste Tür ist dieses Forum! Vielen Dank für die großartige Unterstützung!!

Sonntag, 12.Nov 2017, 15:51

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
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Mitglied seit: 12.06.2009
Liebe Nicky,

da hat sich ja in der Tat viel getan, auch wenn es sich immer wieder mühsam gestaltet und noch eher holpert als flutscht. Aber auch bei euch Eltern hat sich ganz offensichtlich eine wichtige Veränderung eingestellt: Ihr habt das tiefe Bedürfnis, euch von dem Thema Sucht nicht weiter vereinnahmen zu lassen und euch endlich wieder in Ruhe und mit Frieden im Herzen eurem gemeinsamen Zweierleben zuzuwenden. Das ist gut!! Sorgt dafür, dass aus diesem "in naher Zukunft", von dem du schreibst, ein konkreter Termin wird, an den euer Sohn sich zu halten hat. So könnt ihr sicher sein, dass sein Auszug auch wirklich stattfindet, was ganz ganz wichtig auch für ihn ist.

Dass er mittlerweile eine Freundin hat, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht, ist ein wahres Heilmittel. Nichts kann einen ehemals Abhängigen besser ins reale Leben zurück führen, als ein Mädchen, das ihn mit nach draussen nimmt, ihn erdet und seinem Selbstwertgefühl Auftrieb gibt.

Ich wünsche euch allen, dass es weiterhin aufwärts geht und sich weitere neue Türen öffnen. Wenn euer Sohn erst eine entscheidende Strecke seines neuen Weges hinter sich gebracht hat und weiterhin an seiner Ausbildung Interesse und Freude hat, wird sich seine Situation immer weiter stabilisieren.

LG Merle


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