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Mittwoch, 2.Nov 2016, 23:41

Daziidazi Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 4
Mitglied seit: 02.11.2016
ich habe mich entschieden
Nach jahrelanger Chatsucht habe ich mich für die Freiheit entschieden. Ein starker Satz, der mir selbst Angst einjagt. Wie soll ich das schaffen?
Der Chat ist so nahe wie mein Rechner und mein Handy, ohne die ich faktisch nicht sein kann. Im Chat warten Frauen auf mich, die sich gerne mit mir unterhalten und mehr.

Vor Jahren habe ich begonnen, Frauen in Chats zu kontaktieren. Die Kontakte zu manchen Frauen wurden intensiver und der Austausch sehr tief. Fast alle Frauen, mit denen ich intensiver Kontakt hatte, öffneten sich dabei für erotische Gedanken, erotische Fantasien, ließen sich erregen und waren teilweise sogar bereit, mir visuelle Reize zu gewähren. Die Chats bewirkten oft einen sehr starken emotionalen Reiz für mich - den Kick. Dieser war immer dann am stärksten, wenn ich merkte, eine Frau fühlte sich so stark von mir angesprochen, dass sie erotische Signale sandte oder auf meine leisen erotischen Signale bereitwillig einging. Die sexuellen Gefühle, die dabei bei mir entstanden, kostete ich voll aus und ich nahm mir sozusagen alles, was ich bekommen konnte.

Immer wieder bemerkte meine Frau, mit der ich mittlerweile 25 Jahre verheiratet bin, dass ich über Chats Kontakte zu Frauen hatte. Am schlimmsten war es als sie bemerkte, dass ich kurz davor war, ein Treffen mit einer Frau zu arrangieren. Es kam nie zu diesem Treffen und ich habe auch sonst nie eine Frau getroffen. Das war nie mein Ziel. Gleichwohl hätte ich sehr oft die Möglichkeit gehabt, da sich offenbar viele Frauen nach Nähe, Zuwendung, Zärtlichkeit und mehr sehnen und diese in ihrer Ehe oder ihrem Umfeld nicht bekommen.

Die Momente, in denen meine Frau etwas merkte, führten in aller Regel zu großen Ehekrisen und persönlichen Krisen vor allem bei ihr. Seit langem setze ich mich deshalb auch damit auseinander, was mich in den Chat treibt, oder - ehrlicher formuliert - welchen Vorteil ich vom Chatten trotz negativer Begleiterscheinungen habe. Die Vorteile sind klar: es sind die erotischen Reize, sexuelle Gefühle, aber auch Annahme, Respekt und Selbstwert, den ich erlebe, wenn mich eine Frau "toll" findet.

Mir ist auch einigermaßen klar, welche Muster in meinem Leben vorhanden sind, was in meiner Ehe schief läuft und mir ist auch klar, welche Muster sich schon in meiner Kindheit und Jugend etabliert haben. Auf einen extrem knappen Nenner gebracht: Ich habe mich schon von meiner Mutter dominieren lassen und habe ich auf meine heimliche Art dafür gerächt. Nun wiederholt sich das Muster in meiner Ehe. Ich lasse mich von meiner Frau dominieren und räche mich dafür durch den Chat.

Nun will ich raus. In die Freiheit. Abstinent leben - und habe Angst davor. Es gibt zu viele Gelegenheiten, in denen ich unbeobachtet bin. Zu viele Möglichkeiten, alles zu verstecken und heimlich den Kontakt zu Frauen zu suchen. Aber ich will kämpfen und bin bereit, mein Leben zu verändern.

Wem geht es ähnlich und wer mag seine Gedanken und Erfahrungen mit mir teilen? Sehr gerne schreibe ich noch mehr, tiefer, offener.

Mittwoch, 2.Nov 2016, 23:44

Daziidazi Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 4
Mitglied seit: 02.11.2016
Therapie
Ergänzen möchte ich noch, dass mir seit etwa zwei Monaten eine Therapeutin auf meinem Weg hilft und mich begleitet. Durch sie habe meine Muster erkannt und verstanden, woran es mir mangelt. Nun bin ich auf dem Weg, mein Belohnungssystem neu zu justieren, Systeme zur Absicherung zu entwickeln und mit meiner Abstinenz fertig zu werden.

Ich frage mich, ob dieses Forum mir helfen kann oder ob es eher Gift für mich ist? Ich kann nicht ausschließen, dass es ähnliche Wirkungen wie ein Chat auf mich haben kann, aber ich wage es dennoch, hier zu posten.
Freitag, 4.Nov 2016, 07:41

Vedrfölnir Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Anzahl Beiträge: 194
Mitglied seit: 03.06.2013
Am besten du trennst dich erstmal von deinem PC; Smartphone und allem wo du online mit anderen Frauen chatten kannst und holst dir profisionelle Hilfe; vielleicht auch in eine Klinik einweisen lassen?
Aber erstmal erkundigst dich bei merle und Co für Adressen für Süchtige.
Und noch was dazu...Absicherung gibt es nie also weg mit dem elektromüll und gut ist.. wie lange willst das machen bis ihr euch scheidet wegen solcher Verzeihung Chats mit anderen Damen?
Nein am besten du fängst gleich heute mit der Radikalkur an; wünsch dir viel Erfolg dabei.
(hoffentlich war ich jetzt nett)


“The only way to deal with an unfree world is to become so absolutely free that your very existence is an act of rebellion.”
-Albert Camus
--

Freitag, 4.Nov 2016, 23:39

Daziidazi Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 4
Mitglied seit: 02.11.2016
Aus heutiger Sicht würde ich sagen: geht alles nicht. Ich arbeite im Geschäft mit nichts außer dem Computer, habe geschäftlich ein iPhone (das die Sache zugegeben zunächst verschlimmert hat), mache privat sehr viel mit dem Rechner, bin mit der Familie über whatsapp verbunden. Komplette elektronische Abstinenz ist im Rahmen meiner momentanen sozialen Situation unmöglich.
Vielleicht sagst du jetzt: dann bist du noch nicht ganz unten - erst ganz unten wirst du mich verstehen.
Mag sein. Aber ich schmecke auch die Freiheit und bin aktuell auf der Suche nach neuen Gewohnheiten. Dabei erhoffe ich mir Unterstützung. Habe dazu Kontakt aufgenommen zu einer Selbsthilfegruppe, E-Mail-Seelsorge, spreche offen mit meiner Frau darüber und habe mich in diesem Forum angemeldet.

Garantiert das irgendetwas? Nein. Habe ich einen absoluten Schutz, wenn ich meine Kommunikationselektronik entferne? Nein. Ein neues Handy ist rasch gekauft. Am Ende zählt mein Willen. Dieser wird beeinflusst durch Gefühle, Situationen, Gewohnheiten. An meinen Gefühlen kann ich arbeiten, bspw. an Gefühlen die in Bezug auf meine Frau entstehen. Möchte diesbezüglich erreichen, mich nicht mehr so rasch frustrieren oder dominieren zu lassen, was häufig zum "Racheakt Chat" geführt hat.

Ein Kampf an vielen Fronten. Ob ich es schaffen werde? Offenes Spiel. Es ist nicht das erste Mal, dass ich den Kampf aufnehme. Es wäre das erste Mal, dass ich obsiege.
Freitag, 4.Nov 2016, 23:46

Daziidazi Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 4
Mitglied seit: 02.11.2016
PS ja, du warst nett :-)
Montag, 7.Nov 2016, 17:26

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 800
Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo Daziidazi,
ich wünsche dir sehr, dass du den Kampf diesmal gewinnst. Deine Therapie wird dich sicherlich dabei unterstützen. Ich habe auch den Eindruck, dass du offen mit deiner Frau über die gesamte Problematik zu sprechen gewillt bist. So kann sie besser verstehen lernen, welche Mechanismen dich jeweils wieder in die ungute Chatsituation treiben. Habt ihr mal daran gedacht, parallel zu deiner Therapie auch eine Paartherapie zu machen? Es wäre sicherlich sinnvoll, dem Problem von mehreren Seiten zu Leibe zu rücken.
Schau doch mal in unser Partnerforum und lies dir die Beiträge der betroffenen Angehörigen durch. So wird dir zutiefst bewusst, wieviel Leid auch deine Frau durch deine Chatabhängigkeit zu tragen hat. Solltest du im Forum für Betroffene Beiträge finden, die deiner Problematik ähneln, kannst du ja zu den Schreibern per PN Kontakt aufnehmen.
Ich kann dir eine Adresse empfehlen, die sich sehr kompetent mit genau dieser Thematik befasst. Vielleicht willst du dich dort ja mal melden: http://www.aktiv-gegen-mediensucht.de/index.php?p=showtopic&toid=329&high=return
Ich wünsche dir, dass dein Wille ganz stark ist, denn dieser Schalter im Kopf, den es umzulegen gilt, ist letztendlich ausschlaggebend für den Erfolg. Das hast du selbst in der Hand, unterstützt durch Fachkräfte auf deinem schwierigen Weg.
Herzlichst, Merle


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