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Freitag, 11.Nov 2016, 15:58

heini Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 2
Mitglied seit: 11.11.2016
Sollte ich wirklich eine Klinik für Medien-Sucht ausprobieren?
Guten Tag,

ich verfasse hier einen Beitrag, weil ich mir unsicher bin ob ich das richtige getan haben.

Ich bin 28 Jahre alt und diagnostizierter Asperger mit Nebendiagnose ADS. Ich habe große Probleme kontakt zu Freunden zu halten. Wenn mich schon jemand nach meiner Nummer fragt will ich schnell weg. Aber im Grunde habe ich im Kopf die Überzeugung das ich da bock drauf habe, auf soziale kontakte und ein erfülltes leben. Nach vollem Zeitraum Krankengeldbezug bin ich seit ca. 2 Jahren in eine WfbM gekommen weil ich nicht klarkam.

Vor einer Woche hat sich meine erste Freundin von mir getrennt, wir waren 1 1/2 Jahre ein Paar. Sie hat als Borderliner auch ihre Probleme aber wir fanden immer besser zueinander, Auseinandersetzungen wurden immer besser, erträglicher und milder. Sie trennte sich von mir und das gab mir den Schub endlich mal nachzudenken.

Wenn es ihr schlecht ging habe ich gesagt ich komme nicht weil ich an den Computer wollte. Wenn ich mehrere Tage bei ihr in der Wohnung war ging die Unzufriedenheit los. Ich habe ausreden erfunden warum ich nach hause müsse, aber eigentlich wollte ich nach hause um zu spielen. Jetzt bin ich zu einer Beratungsstelle gegangen wo mir ein Klinikaufenthalt ans Herz gelegt wurde. Ich bin bei Maßnahmen fast rausgeflogen bis ich irgendwann nochmal Schule versucht habe und bin dann geflogen weil ich immer zu spät kam, habe immer zu viel gespielt. 16 bzw. 6 Stunden wenn Schul- oder Arbeitstagen. Jede freie Minute die ich hatte, alles immer schnell damit man wieder an den PC konnte. Auch immer ärger mit den Eltern gehabt.

Ich habe gesagt es gibt da einen Abzweig wo ich nicht sicher bin. Am einen ende steht Spielsucht und am anderen Soziale „ngste und der letztere Abzweig trifft heute wieder ein. Mit dem ganzen Schwung habe ich mich mit einem Freund verabredet, nur für 2 Stunden bei ihm und dann wieder nach Hause. Keine Spur von dem Gedanken an den PC nur die angst dort hin zu gehen. Und das ist mein Dilemma.

Ich bin mir nun unsicher ob ich mich irre mit der Spielsucht, da ich gestern noch angegeben habe das ich wegen des Spielens mich nicht mit meinen Freunden verabrede, und jetzt habe ich einfach nur Angst vor dem Treffen. Können solche Sozialen „ngste nebenher laufen wenn es dann nicht mehr ums spielen geht sondern nur noch die angst jemanden zu treffen? Damals als ich mit dem Bus gefahren bin und die Freundin eines Freundes getroffen habe, habe ich getan als würde ich von der Arbeit schlafen damit man mich nicht anspricht.
Dienstag, 15.Nov 2016, 12:17

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 782
Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo Heini,
in eine Klinik zu gehen, halte ich für eine hervorragende Idee. Dort wird man sich nämlich nicht nur mit deiner Spielsucht auseinander setzen, sondern auch mit deinen sozialen „ngsten. Beides hängt unmittelbar zusammen und kann dort umfassend beleuchtet werden, wenn du wirklich dazu bereit bist, etwas gravierend zu ändern in deinem Leben.
Ich bin der Meinung, dass es mit der Spielsucht und den sozialen „ngsten ähnlich ist wie mit dem Huhn und dem Ei. Was war zuerst da? Hat es dich an den Computer gedrängt, weil du Angst hattest, im realen Leben mit wirklichen Menschen konfrontiert zu werden? Oder hat dich das exzessive Abtauchen in die virtuellen Welten noch kontaktscheuer gemacht als du es von deiner Veranlagung her sowieso schon bist? Ich denke, dass sich jeweils das eine durch das andere verstärkt. Durch deine Scheu flüchtest du dich an den PC, weil du dich hinter dem Bildschirm verstecken kannst und nicht wirklich sozial gefordert wirst - ebenso vergrößern sich deine Kontaktängste, weil du es allmählich immer mehr verlernst, mit realen Situationen umzugehen.
Stell dich der Herausforderung, die ein Klinikaufenthalt beinhaltet, und sorge dafür, dass du so lang wie möglich dort bleiben kannst, um wirklich in die Tiefe zu gehen und das Gelernte stabilisieren und in dir manifestieren zu können. Ich glaube, dass du das schaffst, denn du scheinst an einem Wendepunkt angekommen zu sein.
Ich drücke dir die Daumen.
Merle
Dienstag, 15.Nov 2016, 22:47

heini Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 2
Mitglied seit: 11.11.2016
Ein Zwischenbericht
Hallo Merle,

danke für deine Antwort. Ich hatte in der Zwischenzeit schon einen weiteren Termin bei der Beratungsstelle, diesmal mit meiner ABW kraft. Da habe ich dann zum beantragen der Reha verschiedene Formulare bekommen. Nach einem langen Gespräch ist komischerweise niemand mehr von Asperger überzeugt. Selbst in der Werkstatt erkennt mich in diesem Bild niemand wieder. Ich hatte ja schon länger die Vermutung mit der Medienabhängigkeit, auch bei meinem Arzt habe ich das schon mal angesprochen, er hielt das aber nicht für wichtig und tat das damit ab, das es halt meine Kompensation sei.

Vieleicht bin ich selbst Schuld daran das es jetzt so lange gedauert hat. Als ich zum ersten mal in eine Ambulanz ging, schickte der erste Arzt mich wieder weg mit der Begründung das sei keine Krankheit. Ich konnte es damals einfach sehr schlecht in Worte fassen weil ich nicht genau wusste was mit mir los war. Die sozialen „ngste waren zu diesem Zeitpunkt schon da und ich glaube ich bin zu diesem Zeitpunkt auch depresiv geworden. Ich habe das damals nur mit den Worten "Ich kann mit Kumpels kein Bier trinken gehen." ausdrücken können. Daraufhin habe ich dinge erzählt die nicht zu 100% der Wahrheit entsprachen, weil ich Angst hatte das ich mit meinen Problemen alleine gelassen werde. Und bei Gutachten habe ich einfach geschwiegen, als ob ich mit allem überfordert wäre und die Sozialarbeiterin hat alles erzählt. Diese Angst hält auch bis heute noch an und einmal habe ich versucht das auch zu verstehen zu gegeben. Allerdings habe ich nicht den Eindruck das man darauf eingehen will.

Bei dem psychologen von der Beratungsstelle fühle ich mich zum ersten mal richtig verstanden. Das Gefühl hatte ich in den letzten 4 jahren Behandlung nicht. Aus meiner Sicht sieht es so aus als ob die Medienabhängigkeit an der sozialen Angst schuld ist. Mit 14 kann ich mich erinnern war ich viel mit Kumpels unterwegs und hatte noch keine Hemmungen, mit 16 war das auch noch so und auch mit Mädels hab ich damals einiges zu tun gehabt.

Trotz Angst vor dem Treffen mit dem Kumpel, war am Anfang alles entspannt. Zwischendurch habe ich YouTube/Zocken etc. vermisst. Und umso länger das Treffen dauerte, umso größer wurde die Angst das seine Freundin vom Friseur wieder kommt bevor ich wieder weg bin.

Viele Grüße
Heini
Samstag, 19.Nov 2016, 19:37

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 782
Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo Heini,

da hast du ja schon relativ früh selbst geahnt, was mit dir los ist - unglaublich. Ich kann gut verstehen, dass es dir nicht möglich war, die Symptome der Mediensucht in Worte zu fassen, weil diese als Krankheitsbild ja noch längst nicht in allen Köpfen angekommen ist. Wir erleben ganz oft, dass Betroffene im Verlauf ihrer Medienabhängigkeit Anzeichen von Persönlichkeitsstörungen entwickeln - soziale „ngste und am Ende eigentlich immer Depressionen, die in den meisten Fällen nicht ausbleiben, wenn über Jahre exzessiv gezockt wird. Deshalb bin ich froh, dass du endlich verstanden wirst und Gehör findest.

Ich kann dir versichern, dass deine „ngste im Laufe der Zeit verschwinden werden, wenn du es geschafft hast, dich aus der Mediensucht heraus zu arbeiten. Auch deine Depressionen werden sich in Luft auflösen, wenn du wieder ganz im realen Leben angekommen bist, einen zufriedenstellenden Tagesablauf hast, Erfolgserlebnisse, soziale Kontakte und ein Ziel. Dein psychologischer Berater wird dir dabei zur Seite stehen, und ein ausführlicher Klinikaufenthalt kann dich dabei hervorragend unterstützen. Die eigentliche Arbeit wirst jedoch du leisten müssen, aber ich spüre bei dir eine enorme Bereitschaft dazu und bereits jetzt schon ein tiefes Verständnis der Zusammenhänge, die dich in diese Lage gebracht haben. Du wirst es schaffen, da raus zu kommen. Davon bin ich überzeugt.

LG Merle


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