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Freitag, 19.Mai 2017, 17:00

Franc Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 6
Mitglied seit: 19.05.2017
Hallo alle zusammen,

meine Eltern haben mir mal einen Link zu dieser Website geschickt, und einfach nur gemeint: "vielleicht könnte es dich ja interessieren"
Hintergrund dafür wird wohl sein weil ich schon seit über 10 Jahren exzessiv Videospiele konsumiere.

Alles hat damit angefangen das ich einen eigenen PC, in meinem Kinderzimmer, mit ca. 13 Jahren hatte, (ich kann mich nicht so wirklich erinnern wann es war).
Was ich zu dieser Zeit zuhauf gespielt habe war 'Lord of the Rings:The Battle for Middle-earth' und 'Robin Hood Die Legende von Sherwood'. Ich durfte von meinen Eltern aus nur 2h pro Tag Spielen und daran habe ich mich gehalten, neue Spiele kamen raus und neue Welten habe ich entdeckt. Von Zeit zu Zeit habe ich immer weniger was mit Freunden draußen gemacht was sehr schleichend kam. Und wenn ich so zurückdenke weiß ich nicht wie das hätte meinen Eltern auffallen sollen, da es Täglich unterschiedlich war. nur Insgesamt sind es weniger Stunden geworden die ich draußen verbracht habe und mehr Stunden dich ich Zuhause verbracht habe. Auch wenn ich nicht spielen konnte hatte ich einfach nicht mehr so den Drang rauszugehen. Aufgefallen ist es eig. nur meinen Freunden wenn ich mich nicht mit ihnen verabredet habe sondern immer häufiger sagte: "heute will ich nicht".

Das hat sich alles so eine Zeit lang hingezogen, ich habe die Hauptschule solala abgeschlossen, den Quali bestanden und habe mich für Ausbildungsplätze beworben. Bis ich mit meinen Eltern mit umgezogen bin und eine Arbeitsstelle in der Nähe gefunden habe. Nachdem ich angefangen habe zu Arbeiten haben meine Eltern die 2h grenze Aufgehoben, was sie allerdings nie gesagt haben, sondern ich einfach nur durch Grenzen testen festgestellt habe. Ich habe im neuen Zuhause auch angefangen Online zu spielen und somit habe ich mir keine Freunde in der Umgebung gesucht, ich bin nie rausgegangen und mein Tagesablauf bestand aus Arbeiten,Spielen,Schlafen. Auch heute noch verabscheue ich diese Gegend einfach weil man als "Kind oder Jugendlicher" keinerlei Positive Aktivitäten ausüben kann, es sei denn man ist an Basketball, Fußball oder Skateboard interessiert, was ich einfach nicht war und noch immer nicht bin.
Während dieser ganzen Zeit bin ich von PC auf Xbox umgestiegen und habe dort dann hauptsächlich Halo 3 gespielt, in diesem Spiel bin ich auch sehr oft Ausgerastet wenn es mal nicht so gelaufen ist wie ich wollte. Ich habe Controller gegen die Wand geschmissen und herumgeschrien. Meine Eltern haben mich darauf auch zuhauf angesprochen damals und mir mit Internetentzug gedroht oder mir die Xbox wegzunehmen, wozu es allerdings nie kam, da ich mich selber schnell wieder gefangen habe wenn mein Vater mich angeschrien hat.

Nach einer Zeit ist mir dann selbst aufgefallen was mich so zur Wut treibt und habe spiele PVP (Player vs Player) spiele einfach vermieden. So bin ich dann auf Rollenspiele wie Mass Effect und Risen gekommen die mich gefesselt haben und die ich dann Hauptsächlich gespielt habe. Und so bin ich langsam von Online Spielen weggekommen da die meisten Online Spiele die mich interessiert haben auf PVP basierten.
Nachdem ich Mass Effect 3 durch hatte und mir der Xbox One Preview nicht gefiel bin ich noch vor dem Release der Xbox One wieder auf PC umgestiegen und habe dort dann SWToR (Star Wars The old Republic) gespielt, ein MMORPG (Multi Massive Online Role Play Game). In dieser Zeit habe ich auch angefangen das Spielen für etwas anderes zu nutzen, ich habe das Spiel auf Englisch gestellt und mich dazu gezwungen Englisch zu lernen, da ich in der Schule nicht wirklich gut darin war und im Grunde nur die Basics konnte. War ich nicht in der Lage mich auf Englisch zu unterhalten.
Mein Tagesablauf bestand immer noch aus Arbeiten, Spielen, Schlafen. In meinem Beruf war ich nun Geselle und meine Prüfung habe ich mit Praktisch und Theoretisch Gut bestanden. Meine Eltern haben nichts dazu gesagt das ich täglich vor und nach der Arbeit stundenlange gespielt habe.
Nach 4 Jahren SWToR hat sich das Spiel in etwas verwandelt das mir nicht gefiel und so wechselte ich auf ein anderes MMORPG, Final Fantasy XIV ARR.
Im Grunde änderte sich da nicht viel, mein Tagesablauf blieb gleich für ca. 1 Jahr lang.

Dann habe ich meine Arbeit gekündigt weil ich nur noch Spät und Nachtschicht hatte (über 2 Jahre), was für mich unerträglich war, Schlafrhythmus war vollkommen dahin und ich bekam Depressionen, In der Arbeit habe ich mich häufig mit dem Chef gestritten und kam auch von Zeit zu Zeit weniger mit meinen Arbeitskollegen zurecht. (Das ich keinen Zuschlag für Spät und Nachtschicht bekam und bei Nachtschicht 6 Tage Arbeiten musste wobei ich die 8h im Wochenende auch keinen Zuschlag bekam und die Bezahlung relativ miserabel war, hat natürlich nicht gerade geholfen um mich glücklich zu stellen.)
Ich habe gekündigt ohne eine Aussicht auf einen anderen Job zu haben, somit war ich Arbeitslos.
Freitag, 19.Mai 2017, 17:30

Franc Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 6
Mitglied seit: 19.05.2017
PT 2:

Allerdings wollte ich den selben Beruf auch nicht nochmal ausüben da er mir nicht wirklich gefiel und auf dem selben Level gab es nur die Möglichkeit eine Firma zu finden die auch Spät und Nachtschicht hat, was ich nicht machen wollte.

Also war ich ein Jahr Arbeitslos und mein Tagesablauf bestand dann nur noch aus Spielen und Schlafen. Was mir nicht wirklich geholfen hat um aus der Depression raus zu kommen, da man im Spiel nicht gerade therapeutische Hilfe bekommt wenn man spielt, warum sollte man auch, wenn man nicht down ist solange man im Spiel Spaß hat.
In diesem Jahr wo ich Arbeitslos war wollte ich eig. eine Weltreise machen, allerdings nicht alleine und nicht mit fremden Leuten, der "Freund" der mit mir eig. die Weltreise machen wollte, wollte dann anscheinend doch nicht und es kam nie dazu. Und so habe ich eben keine gemacht. Allerdings bin ich dann vor gut zwei Monaten in ein anderes Land gezogen und bin nun dort am Sprache Lernen und Arbeit suchen. Ich komme in der Woche vll. gerade mal auf 1h Spielzeit was ein großer unterschied ist zu der Zeit wo ich Arbeitslos zuhause war. (12-15h Spielzeit/Tag).

Ich fühle mich in keiner Sicht hingezogen ausreden zu suchen um zum Spielen zu kommen, Ich habe meinen Freunden die ich in FFXIV gefunden habe und die ich noch von SWToR kenne gesagt das ich nicht spielen kann und es mit der Wahrheit begründet und jeder von ihnen hat vollstes Verständnis dafür und versucht mich darin zu unterstützen wenn sie können.


In meiner Zeit ende von SWToR bis jetzt habe ich mich viel damit beschäftigt wie das Gehirn funktioniert, wie unser Unterbewusstsein auf Input reagiert, (viele Dokus zu all diesen Themen auf Youtube angeschaut) Unter anderem habe ich dadurch das ich alle Spiele und auch Filme nun auf Englisch anschaue die Möglichkeit mich auf Englisch zu unterhalten.
Durch Online Spiele im allgemeinen habe ich weit bessere Deutsch Kenntnisse als ich sie zuvor hatte, ich kann mit Wut besser umgehen und habe seltener Angst. Ich kann besser Kopfrechnen und ich kann mich in die Situationen anderer Einfühlen und sie besser verstehen als ich es zuvor konnte.
Ich ernähre mich "Gesund" (auch wenn wenig "Gesund im Sinne das ich mir keine Zuckerbomben gebe, nicht übermäßig viel Fett esse, nicht Rauche und auch kein Alkohol Trinke" vieles davon einfach weil es mir nicht schmeckt, ich achte nicht generell darauf. Ich habe einfach keinen Appetit auf Süßes oder fettiges.)

Allerdings, Ich habe keine Freunde außer die die ich über die Spiele kennengelernt habe. (ich bezeichne sie nicht als virtuelle Freunde da ich schon einige davon besucht habe ich weiß das sie Real sind.)
Ich weiß nichts über ein Liebesleben.
Und ich bin Körperlich nicht wirklich fit. (abgemagert 45kg auf 1.70) Noch habe ich keine akuten Schmerzen allerdings könnte es denke ich mal schnell dazu kommen.


Das ist soweit meine Geschichte. Ich weiß nicht ob es in diesen Thread reinpasst, oder woanders rein gehört, Aber ich wollte das einfach nur loswerden. Und wenn ich jemanden helfen konnte, oder helfen kann. Dann stelle ich mich zur Verfügung.
Montag, 22.Mai 2017, 18:00

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 770
Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo Franc,

vielen Dank, dass du uns in einem so ausführlichen Beitrag den Verlauf deiner Mediennutzung mitgeteilt hast. Ich war beim Lesen am Ende doch sehr erleichtert, dass du es mittlerweile geschafft hast, deine Spielzeiten so radikal zu reduzieren. Dennoch scheinst du ja nicht wirklich zufrieden zu sein. Du hast keine Freunde, du hast nie die Liebe kennen gelernt und scheinst nach wie vor komplett isoliert zu sein. Denkst du nicht auch, dass dein früheres Freizeitverhalten dazu geführt hat, dass du es bis heute quasi verlernt hast, dich zusammen mit anderen gut zu fühlen?

Ich habe nicht ganz verstanden, was du uns Lesern letztendlich sagen möchtest, denn du stellst dich ja sogar zur Verfügung, anderen helfen zu wollen, was mich sehr freut. Aber zu welchen Erkenntnissen bist du durch deinen Lebensverlauf gekommen und was würdest du Hilfesuchenden, die in genau der selben Situation stecken, wie du damals, raten? Vielleicht hast du Lust, uns dies noch genauer zu schreiben.

LG Merle
Montag, 22.Mai 2017, 19:19

Franc Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 6
Mitglied seit: 19.05.2017
Hallo merle,

Schwer zu sagen ob ich mich jetzt wirklich deswegen nicht in Menschengruppen wohl fühle oder wegen etwas anderem. Ich denke auf jeden Fall das ich mich dadurch Isoliert habe und das ich mehr und mehr Introvertiert geworden bin.
Wie ich helfen kann weiß ich auch nicht genau. Wenn ich eine Situation lese bei der ich helfen kann werde ich es wissen ob ich vll. ein par Tipps geben kann, oder aufklären kann woran es liegt.

Falls jemand in der selben Situation sein Sollte dann kann ich nur Raten, mehr in den Spielen zu sehen als nur vergnügen, versucht damit zu lernen, bei mir ist das Suchtgefühl dadurch denke ich abgestorben. Wenn ich nicht spielen kann, dann kann ich nicht, deswegen fühle ich mich nicht schlecht, wenn ich spielen kann, dann will ich manchmal gar nicht.
Und Eltern kann ich nur raten sich mit den Spielen zu befassen die ihr Kind spielt, das Kind fragen worum es in den Spielen geht, was er/sie darin sieht.
Wenn Kritisieren dann mit Begründungen die Wissenschaftlich fundiert sind, weil ob sie es glauben oder nicht, viele Kinder die eine Begründung erst abstreiten lesen dann im Internet darüber nach wenn sie alleine sind. Menschen geben selten zu das sie Falsch liegen.
(z.B. Ego Shooter - Kriegsspiele wie Battlefield die einen hohen Grad an Realismus aufweisen sind oft für die Kinder zum Stressabbau und um Aggressionen loszuwerden, da wäre ne Frage angebracht was es da zum Abbauen gibt, woher der Stress kommt. wenn dieser gelöst ist machen solche Spiele gleich weniger Spaß, weil im Grunde lernt man von Battlefield nichts was man in friedlicheren Spielen nicht auch lernt und sogar besser.
Wenn das Kind offen darüber redet ist ist auch offener für Vorschläge sollte es zu einer Konversation über Sucht gehen weil das Kind zu viel spielt und Tag ein Tag aus.

Alles im Allen sehe ich Spiele als Lernhilfsmittel, man darf es nicht übertreiben und sollte mMn. die Spiele nicht nur als Unterhaltung ansehen.
Menschen sind wie jedes andere Lebewesen, man lernt am leichtesten im Spiel. Egal welche Art, ob Videospiel oder Mensch ärgere dich nicht.
Wenn Spiele einem nichts beibringen können sehe ich sie als nutzlos an. Nur Unterhaltung ist für mich einfach nichts was mich glücklich stellt.

Die Spielzeit reduzieren ist einfacher als gedacht wenn man süchtig ist. Man muss einfach nur einen Ausgleich dafür bereitstellen können. Damit ist nicht gemeint das man eine Sucht mit einer anderen wechselt, sondern das man dem Gehirn das bei einem Videospiel die ganze Zeit am Arbeiten ist, eine Aufgabe gibt.
Ich kann z.B. häufig spielen, aber mir ist nicht langweilig genug, ich habe momentan wo ich bin die Möglichkeit mich mit meiner Verwandtschaft zu unterhalten und etwas auszumachen und ebenso muss ich noch die Sprache lernen. Das gibt meinem Gehirn genug zu tun das mir nicht danach ist zu spielen.

LG
Donnerstag, 25.Mai 2017, 08:19

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 770
Mitglied seit: 12.06.2009
Danke, Franc. Ich glaube ich habe jetzt schon besser verstanden, zu welchen Erkenntnissen du gekommen bist und welche Einsichten dir geholfen haben, deine Spielzeiten bewusst zu reduzieren. Ich freue mich auf deine aktive Teilnahme hier im Forum.
LG Merle


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