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Dienstag, 20.Jun 2017, 23:08

Jan1989 Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 1
Mitglied seit: 20.06.2017
Hi,

meine Name ist Jan und ich bin 27 Jahre alt. Seitdem ich 13 war, ist es meine höchste Priorität soviel Zeit wie möglich vor dem Rechner zu verbringen.

Am sinnvollsten ist es vielleicht, wenn ich kurz meinen Lebenslauf zusammenfasse. Ich bin in einer relativ wohlhabenden Familie mit zwei Brüdern aufgewachsen, meine Eltern haben sich nach der finanziellen Ruinierung meines Vaters getrennt. In der zweiten Klasse hat ein Psychologe bei mir "Hochbegabung" festgestellt und angeraten die dritte Klasse zu überspringen. Nach dem Überspringen war ich mehr oder weniger genauso aufmüpfig und galt eigentlich immer als Störenfried/Klassenkasper. Ich hatte zu dem Zeitpunkt keine Ahnung wie man überhaupt lernt und schloss nach 12 Jahren mit ach und krach mein Abitur mit einem 3,X Schnitt ab. Meine Interesse war eigentlich immer die Physik und ich studierte, ohne jemals eine Prüfung zu bestehen, 3 Semester Physik.

Nach dem Abbruch des Studiums war ich auch die finanzielle Hilfe meines Bruders / Vaters angewiesen und meine Beziehung zu meinem Bruder (mit dem ich auch zusammenwohnte) ist daran beinahe zerbrochen. Ich glaube viele hier können sich meinen Tagesablauf zu dem Zeitpunkt gut vorstellen. Jede freie Sekunde wurde vor dem Pc verbracht und alle Probleme, welcher Natur auch immer sie waren, vor dem Pc ausgesessen.

Das ist nun drei Jahre her und meine Situation auf dem Papier ist besser geworden. Ich habe eine durch eine Allergie ausgelöste Krankheit unter Kontrolle bekommen und arbeite Heute Teilzeit in einer Druckerei und verdiene mir alles zusätzliche Geld als professioneller Pokerspieler.

Jetzt kommen wir zu meinem eigentlichen Problem. Ich bin unglücklich. Ich verbringe täglich mehr als 10 Stunden vor dem Pc. Ich komme mir heute wie ein funktionierender Alkoholiker vor, der zwar in der Lage ist alle Lebensnotwendigkeiten sicherzustellen, aber keine weiteren Ambitionen hat. Ich habe Geld auf dem Konto, keine Verantwortung, keine wirklichen gesundheitlichen Probleme, trotzdem verschwende ich Tag für Tag vor dem Pc. Egal ob spielen oder im Internet Surfen, sobald der Computer einmal an ist, fällt es mir unmöglich ihn freiwillig Abzuschalten bevor ich ins Bett gehe.

Ich will so nicht mehr Leben. Ich merke täglich, wie ich mehr und mehr hinter meinen Freunden zurückfalle, oder wie sich so langsam Rückenschmerzen vom ewigen Sitzen anbahnen. Wenn ich ins Bett gehe und mich mit meinem Leben auseinandersetzen muss, bekomme ich Panik vor der Zukunft. Nichts fühlt sich in dem Moment so komfortabel an wie vor dem Pc zu sitzen, obwohl ich weiss was die Konsequenzen sind.
Mittwoch, 21.Jun 2017, 16:04

Vedrfölnir Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Anzahl Beiträge: 194
Mitglied seit: 03.06.2013
Einfach den Pc und alle anderen elektronischen Unterhaltungsmedien für ein paar Wochen aus deinem Zuhause verbannen; auch das sdu nicht mehr dran kommst und den kalten Enzug machen,
Oder falls du Hilfe brauchst dir in deinem Ort eine Selbsthilfegruppe suchen(auch wegen pokern) oder in ne Suchtklinik gehen.
So einfach ist das


“The only way to deal with an unfree world is to become so absolutely free that your very existence is an act of rebellion.”
-Albert Camus
--

Freitag, 23.Jun 2017, 16:12

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 770
Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo Jan,

ich bin beeindruckt, dass du erkannt hast, wie leer dein Leben ist, obwohl doch soweit alles "noch funktioniert". Die meisten Betroffenen kommen erst an diesen Punkt, wenn gar nichts mehr geht - finanzielle Probleme, Verlust des Arbeitsplatzes, gescheiterte Beziehung etc. Um so mehr denke ich, dass du es schaffen kannst. Du bist in der Lage, dein Leben zu reflektieren, siehst den Problemen klar ins Auge und rennst ganz offenbar vor dem, was sich dir da zeigt, nicht wirklich davon. Noch ist die Scheinlösung das "komfortable" Sitzen vor dem PC, aber deine innere Unruhe lässt dich erkennen, dass dein Leben leer ist. Dies ist eine Chance, die du beim Schopf packen solltest.

Ich möchte dir empfehlen, den Mut aufzubringen, in eine Klinik zu gehen. Nur dort bietet sich dir die Möglichkeit, dein Leben von Grund auf in Frage zu stellen, Ursachen, die dazu geführt haben, zu erkennen und neue Wege zu finden, die längerfristig und tiefgreifend zu einer Veränderung führen können. Ich halte dich für mutig und klug genug, dich dieser Arbeit, die du dort mit professioneller Hilfe zu leisten hast, zu stellen. Es wird im Laufe der Zeit für dich mit Sicherheit ein spannender Prozess sein, dein verstecktes Potential frei zu legen, dem du bislang durch die Flucht vor den PC aus dem Weg gegangen bist.

Ich wünsche mir sehr, dass du dich für diesen Schritt bereit fühlst, der dir die Chance bietet, dein Leben von Grund auf zum Positiven zu verändern, und ich drücke dir fest die Daumen für all das, was da auf dich zukommt.

Herzlichst, Merle





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