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        Sohn (18) - Mediensucht und Depression

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Donnerstag, 24.Mai 2018, 23:36

Diemedge Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 1
Mitglied seit: 24.05.2018
Ich lese hier schon eine Weile mit und möchte jetzt gerne unsere Geschichte erzählen:

Mein Sohn (gerade 18 geworden) war immer ein sehr guter Schüler, dem alles ohne große Anstrengung zugeflogen ist. Schwierig wurde es erst in der Oberstufe des Gymnasiums, was auch an seinem wachsenden Onlinekonsum lag (Playstation). Wir haben unendlich viele Gespräche mit ihm geführt; Zeitlimits vereinbart, Internetsperren eingerichtet, Geräte weggenommen und neue Vereinbarungen getroffen, die nicht eingehalten wurden. Unser Sohn zockte immer ausgiebiger und mutierte zu einem aggressiven Zombie, wenn wir nur an seine Tür klopften, um ihn zum Essen zu rufen. Anfangs war er noch im Fußballverein, traf sich mit Freunden, ging ins Kino etc. Sogar im Fitness-Studio hat er sich angemeldet.

Inzwischen sind wir aber an einem Punkt, an dem er uns nach Strich und Faden austrickst und es schafft, sämtliche Sperren zu umgehen, indem er sich über seine mobilen Daten einen Hotspot eingerichtet hat. Im Moment finanziert er das durch sein Taschengeldkonto. Wird interessant, wenn kein Geld mehr da ist.

Er sitzt fast ausschließlich in seinem abgedunkelten Zimmer, hat kaum noch soziale Kontakte, duscht nur alle paar Tage, macht die Nacht zum Tag, ernährt sich von Junk-Food und hat die Kommunikation mit uns und dem Rest der Familie komplett eingestellt. Vorher bekamen wir ständig €lass mich in Ruhe/nerv mich nicht/geh mir nicht auf den Sack€ zu hören.

Da er gerade sein Abi macht, hat er viel Zeit, die er überwiegend mit Schlafen oder Zocken verbringt. Die Klausuren hat er tatsächlich geschrieben, nachdem er sich mit Hilfe von zwei ärztlichen Attesten mehr Zeit verschafft hatte. Die mündliche Prüfung steht in zwei Wochen an. Ob er das Abi schafft, bleibt abzuwarten.

Meine älteste Tochter hatte ihrem Bruder angeboten, ein paar Tage zu ihr zu kommen, um die Situation zu Hause zu entspannen. Da er seine Playstation nicht mitbringen durfte, hat er den Kontakt abgebrochen.

Um seine Wäsche, sein Zimmer und mittlerweile auch seine Mahlzeiten muss er sich selbst kümmern. Hotel Mama habe ich weitgehend eingestellt. Mittlerweile zeigt er auch eindeutige Anzeichen einer Depression. Was ist eigentlich zuerst da? Die Sucht oder die Depression?

Aggressionen kommen auch hinzu. Mein Mann und ich waren über das Wochenende im Kurzurlaub. Während unserer Abwesenheit, hat unser Sohn seinen Beistelltisch kurz und klein geschlagen. Wir hatten schon Bedenken, überhaupt zu fahren und ihm die Versorgung unseres Katers zu überlassen.

Die Situation belastet mich dermaßen, dass ich seit Wochen nicht richtig schlafen kann. Ich fühle mich hilflos und weiß nicht so recht, wo ich ansetzen soll. Mit ihm reden kann man zurzeit nicht. Wir stehen auch im Kontakt mit der Suchtberatungsstelle hier vor Ort. Da er aber volljährig ist, haben wir keine wirkliche Handhabe.

Für die Zeit nach dem Abi hat er absolut noch keinen Plan. Er hat es ja (noch) bequem hier und macht keine Anstalten, sich über die verschiedenen Möglichkeiten zu informieren.

Ich fühle mich gerade verloren und weiß nicht, an wen ich mich noch wenden kann. Selbst innerhalb der Familie fehlt oft das Verständnis. Kein Außenstehender kann nachvollziehen, was hier abläuft und wie wir uns dabei fühlen. Die Situation wird heruntergespielt und auf den Abi-/Schulstress geschoben. Ich kenne mein Kind und weiß, dass mehr dahintersteckt. Es tut mir weh, sehen zu müssen, wie mein Sohn gerade sein Leben und seine beruflichen Möglichkeiten an die Wand fährt.

Ich frage mich: Soll ich mit ihm reden, ohne allzu großen Druck auszuüben? Oder soll ich ihn in Ruhe lassen, bis er mit seinen Prüfungen fertig ist und anschließend Klartext mit ihm reden? Wie sind eure Erfahrungen?


*In a world where you can be anything, be kind.*
Sonntag, 27.Mai 2018, 18:43

AndreasPa Benutzer ist offline

Benutzer Benutzer
Anzahl Beiträge: 131
Mitglied seit: 06.04.2012
Sohn 18
Hallo, vielen dank für deinen offenen Bericht. Zu erst mal zu deiner Frage, was war zu erst da Depression oder die Spielsucht. Man kann von der Depression ausgehen, wenn auch nur in leichter Form die sich aber durch das ständige Spielen verschlimmert hat. Wo dran liegt das, die Playstation ist nur das Suchtmittel was ihr Sohn einsetzt damit es ihm gut geht. Die Ursachen einer Abhängigkeit (Sucht) liegen alle im psychischen Bereich, je mehr Schwachstellen eine Person hat desto eher wird er abhängig. Da spielen seine Freunde, ja sein ganzes soziales Umfeld eine Rolle auch das Elternhaus. Das soll jetzt nicht heißen das Sie schuld sind an der Abhängigkeit, aber in diesen Bereich sollte bzw. ist was passiert was ihn aus der Bahn warf. Wo mit er selber nicht klar kommt und vielleicht auch mit seinen Eltern und Freunden nicht drüber reden kann, weil er sich vielleicht nicht verstanden fühlt. Diese Ursachen können aber schon eine Zeitlang zurück liegen, bis die Depression ausbrach die ein Grund da für sein kann. Um die Ursachen heraus zu finden, wird nur gelingen wenn Sie behutsam mit ihren Sohn darüber reden, ihn ernst nehmen und auf jeden fall kein druck aufbauen, mit ihm über Ihre Gefühle in der Situation reden. Ihm zeit geben darüber zu reden man darf keine wunder verlangen. Das schlimmste was passieren kann wenn er überhaupt keine Möglichkeit mehr hat zuspielen das die Depression so stark wird das er an Suizid denkt, auch das ist schon vorgekommen. darum muss man so was immer abwägen und kommt auf den zustand der Person an. Eine Psychologische Beratung ist auf jeden fall wichtig. Das sie ihn nicht mehr so Unterstützen ist voll kommen Richtig, das sollten sie auch bei behalten, aber er wird ihre Hilfe bei der Bewältigung der Abhängigkeit brauchen und dann sollten sie schon da sein, allerdings brauchen auch sie als Betroffene professionelle Hilfe um das zu überstehen. Ich wünsche Ihnen da für sehr viel Mut und Kraft und es ist schon mal sehr wichtig das Sie sich hiergemeldet haben, das ist nicht selbstverständlich, Danke.

Gruss Andreas Palla



Hallo, mein Name ist AndreasPalla komme aus Altena/ NRW. Ich bin trockener Alkoholiker, Suchtkrankenhelfer und Initiator der Selbsthilfegruppe für Online- und Medienabhängigkeit - SOM
Mittwoch, 30.Mai 2018, 13:10

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 791
Mitglied seit: 12.06.2009
Hallo,

gerne würde ich dir auf deinen Beitrag antworten, aber leider fühle ich mich dazu nicht in der Lage.

Mein liebster Mann, Christoph Hirte, Betreiber dieser Seite und in diesem Forum immer mal wieder als team-ch unterwegs, ist nach langer schwerer Krankheit am 27.05. gestorben.

Ich kann nicht fassen, dass er nicht mehr bei mir ist. Ich weiß noch nicht, was nun aus diesem Forum wird, aus unserer gesamten Mediensuchtarbeit, der er sich mit Hingabe gewidmet hat. Verzeiht, dass ich mich - zumindest vorübergehend - nicht mehr um euch kümmern kann.

Merle / Christine Hirte


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