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        Ich bin WoW süchtig. Jetzt reichts!

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Montag, 3.Aug 2009, 16:48

Rac78 Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 4
Mitglied seit: 03.08.2009
Ich bin WoW süchtig. Jetzt reichts!
(Kleines Vorwort: Der Post wurde von mir vor ca. 3 Wochen in einem anderen Forum geschrieben. Auf Bitten von Christine und Christoph Hirte von
www.rollenspielsucht.de poste ich den Beitrag hier nocheinmal, und ergänze ihn um das was sich bisher getan hat. Den Originalpost habe ich leicht abgewandelt, da sich ja einiges geändert hat.)


Hallo,
ich bin 31 Jahre alt, WoW süchtig und seit 4 Wochen raus aus dem Game. Trotz massiver WoW Sucht ist mit klar das nicht WoW für die Sucht verantwortlich ist, sondern ich selbst! Mit meinem Alter gehöre ich dann doch schon zu den etwas erfahreneren Spielern. Und ich war erfolgreicher Hardcoregamer.

Eins vorweg, ich hatte nochmal verdammtes Glück, das ich den letzten "lebenswichtigen" Part meines Lebens, meinen Beruf, zum Glück nicht durch die Sucht verlohren oder geschädigt habe. Dorch ein gutes Gleitzeitmodel konnte ich voll arbeiten, UND WoW zocken. Alle anderen Bereiche meines Lebens haben die letzten Jahre über massiv gelitten.

Angefangen habe ich vor 13 Jahren mit dem Onlinegaming. Damals noch über AOL und Modem, später dann ISDN und dann auch DSL. Meine ersten Spiele waren immer Shooter, die ich eigentlich immer nur im Team (CTF) gespielt habe. Sicher habe ich zu der Zeit auch zu viel Zeit online gespielt, aber das hielt sich doch noch im Rahmen. Zumindest hat mein soziales Umfeld darunter noch nicht so stark gelitten. Es ist auch deutlich einfacher nach einem normalen Clanwar, bei dem 1 Runde "nur" 20 Minuten dauert, und der "War" nach 4x20 Minuten zu Ende ist einfach noch die Kiste aus zu machen, und mit Freunden weg zu gehen. Mit 21, vor 10 Jahren also bin ich zu Hause nach einem Krach mit meinem Dad ausgezogen in die eigene Wohnung, und seitdem hatte mich keiner mehr "unter Kontrolle". Am wenigsten ich mich selbst.

Ich habe mich für einen Betaaccount des geschlossenen US-Betatest für WoW beworben (über einen Freund der zu der Zeit in den USA gearbeitet hat), und meine ersten Schritte in dem Spiel gemacht. Durch die EU-Betaphase (auch dort hatte ich einen Account) ging es dann direkt am Releasetag von WoW so richtig los. Das ich dazu extra 2 Wochen Urlaub genommen hatte um gleich vor der breiten Masse durch die Questgebiete zu kommen, zeigt schon wie sehr mich das Spiel schon wärend seiner Betaphase in den Bann gezogen hatte. Dieses Verhalten des Urlaub bei neuem Addon habe ich seiter immer eingehalten.

Ab LVL60 kam dann der Faktor dazu, der mich vollkommen an WoW fastziniert hat, und ich denke auch der mich all die Jahre so an WoW gebunden hat: das Raiden. Von Anfang an hatte ich das "Glück" in einer sehr erfolgreichen Gilde raiden zu können. 6 Tage die Woche Raid, jeden Abend ca. 4-5 Stunden. + natürlich was man so an Instanzen/Farmen vorlegen musste, um sich das Raiden überhaupt "leisten" zu können (Pots/Flasks/Enchants Prequests etc.). Es ging für mich immer "erfolgreich" weiter, vom normalen Spieler wurde ich innerhalb kürzester Zeit aufgrund meiner Erfahrung und meines Führungsstils zum Leiter der Gilde, und habe sie all die Jahre lang erfolgreich geleitet. Was das Spiel angeht, bin(war) ich einer der erfolgreichen "Hardcoreraider" die stolz drauf sind so schnell wie möglich die neuen Instanzen zu clearen. Und ich bin ein angesehener Raidleader, und hatte daher ständig entsprechendes Feedback, was einfach dafür gesorgt hat das ich mich gar nicht so schuldig gefühlt habe wegen meiner Zockerei.

So erfolgreich ich aber Ingame war, das ganze habe ich mir teuer erkauft: mit Zeit...Reallife Zeit! Als ich meinen Account jetzt endlich geschlossen habe, standen 350 Tage Spielzeit auf meinen Chars. 350 Tage reine Spielzeit! Und über 3 Jahre lang eine Raidbeteiligung von 100%, d.H. jeden einzelnen Raidtag war ich dabei (6 von 7 Tage die Woche)! Die einzigen 2 Bereiche die ich bis zum Schluß am "laufen" gehalten habe war mein Beruf (in dem ich absolut zufrieden bin), und meine Beziehung einigermaßen. Obwohl es auch da den ein oder anderen Krach gegeben hat, allerdings hatte ich da das "Glück", das wir so gut in WoW unterwegs waren, das wir immer wieder den gesammten Raidcontent in 2-3 Tagen clear hatten, und ich an den restlichen Tagen dann wenigstens noch Zeit mit meiner Freundin verbracht habe. Was ich natürlich so "verkauft" habe, das sie ja Recht hat, und ich mir jetzt wieder mehr Zeit für sie nehme.

Montag, 3.Aug 2009, 16:49

Rac78 Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 4
Mitglied seit: 03.08.2009
Dadurch das ich meinen Job gar nicht, und meine Freundin nicht zu sehr überstrapaziert habe, ist ja klar welche Bereiche meines Lebens vollkommen untergegangen sind: Familie, Freunde und Wohnung/Auto. Das Spiel hatte mich so im Bann, das meine Wohnung immer mehr verkommen ist, mein Auto kaputt Monatelang am Straßenrand gestanden ist, und mich meine Freunde schon lange nichtmehr anrufen ob ich Abends was mit ihnen mache. Auch zu meiner Familie hatte ich nur noch selten Kontakt, da hab ich dann immer meinen Job als Grund vorgeschoben. Das habe ich die letzten Jahre über gründlich verbockt. Das zeigt sich ganz gut auch z.B. an der Steuererklärung, auch die hab ich die letzten Jahre nicht mehr gemacht, und damit tausende € verschenkt. Zu der Zeit als das Auto noch gelaufen ist, habe ich fällige Strfzettel erst dann bezahlt wenn wirklich der Gerichtsvollzieher kurz davor stand das Geld zu pfänden. Nicht das ich das Geld nicht gehabt hätte, aber ich hatte einfach keine Zeit wegen WoW zur Bank zu gehen.

Das ich süchtig bin, ist mir schon lange klar. Aber ich habe nie die Möglichkeit gehabt einen Schlußstrich zu ziehen, das hat die Sucht einfach nicht zugelassen. Als dann der Vermieter eine Wohnungsbegehung angekündigt hatt, da ich ja jahrelang die Fenster nicht geputzt habe, wurde mir endlich klar vor was vor einem Scherbenhaufen ich jetzt stehe, und das es für mich nur 2 Möglichkeiten gibt: Den Weg zurück ins richtige Leben, oder den totalen Absturz. Das sich meine Beziehung und mein Job bald den anderen Bereichen angeschlossen hätte, war ja abzusehen. Ewig lang lässt sich das Hardcoreraiden einfach nicht durchhalten, ohne sein Leben komplett abzuschiesen. Wärend jemand der noch Zu Hause wohnt einfach "nur" Stress mit Familie/Freunden/Schule bekommt, häufen sich bei einem "Erwachsenen" der eine eigene Wohnung/Auto etc. hat sehr schnell Probleme an die bald nicht mehr ohne weiteres zu lösen sind.

Da ist mir einfach klar geworden was ich überhaupt angerichtet habe, und ich möchte hier gar nicht bis ins Detail darauf eingehen wie verheerend meine Wohnung z.B. ausgesehen hatt (ihr macht euch KEINE Vorstellung...). In dieser einen klaren Phase habe ich meinen WoW-Account gekündigt, WoW gelöscht und alle CD´s +Keys vernichtet, und den Blizzard-Authentictor den ich zum einloggen benötige zerstört. Dann bin ich aufgestanden, zu meinem Vater ins Elternhaus gefahren, und habe ihm von meiner Sucht erzählt, und ihn um Hilfe gebeten.

Ich hatte bis Freitag (also den ganzen Juli) zufällierweise 4 Wochen Urlaub, und verbringe meine Tage derzeit voll und ganz damit mit Hilfe meines Vaters mein Leben neu zu ordnen und versuche bei Freunden/familien wieder gut zu machen, was ich die letzten Jahre versaut habe. Ich habe 3 Wochen lang meine Wohnung entmüllt und gereinigt, mein Auto ist mittlerweile wieder repariert, und ich kämpfe mich langsam wieder zurück ins Leben. Ich habe eine ambulante Therapie begonnen, und mich einer Selbsthilfegruppe angeschlossen beides hilft mir, genau wir Gespräche mit anderen betroffenen, extrem viel. Meine derzeitige Wohnung habe ich gekündigt, und bis ich mich wieder so stabil fühle, das ich nicht wieder zurückfalle, kann ich zum Glück hier im Elternhaus wohnen. Von dort aus werde ich dann auch einen Neuanfang mit neuer Wohung zusammen mit meiner Freundin beginnen. Die nächsten 3 Monate, in denen ich die alte Wohnung noch weiter zahlen muss (Kündigungsfrist) will ich nutzen um hier alles wieder auf die Reihe zu bekommen.

Ich habe noch sehr sehr viel Arbeit vor mir all den Schaden den ich die letzten Jahre lang, vor allem bei Freunden/Familie wieder gut zu machen. Und vor allem wieder ein eigenes Leben im Reallife zu führen, das wieder voll und ganz mir gehört...und nicht der Sucht nach WoW untergeordnet wird.

Da ich ja jetzt endlich wieder Zeit habe (schon komisch wie viel mann davon auf einmal wieder hat ohne WoW) habe ich auch genug Zeit mir Gedanken über mich, meine "Onlinefreunde" und WoW an sich zu machen. Wenn ich mal nur überlege wie viele "Topgilden" es auf jeden einzelnen Server gibt, und wie viele dort eine Raidbeteiligung von mehr als 90% haben, so wird mir nach und nach klar wie viele Menschen hinter den Chars ihr Reallife nichtmehr im Griff haben. Egal mit welchen Ausreden die Menschen dort kommen, dieser immense Zeitaufwand ist nicht gesund.

Ich betreibe seit 4 Wochen wieder aktiv Sport (jogge wieder jeden 2-3 Tag für 1 Stunde, laufe Inline etc.), ich lese wieder viel, und gehe ständig mit meiner Freundin und Freunden sowie meinem Bruder etc. aus. Ich nehme mir aber auch genug Zeit für mich einfach mal ne weile in die Sonne zu liegen, entspannt Musik zu hören, nen kühlen Eistee zu trinken und einfach nur zu geniesen. So eine innere Ruhe wie ich da wieder erlebe, hatte ich die ganzen letzten Jahre nie... immer das "schlechte Gewissen", das ich in WoW gerade was verpasse. Meine Gilde hat mich ja gebraucht, ich musste Farmen etc...



Montag, 3.Aug 2009, 16:50

Rac78 Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 4
Mitglied seit: 03.08.2009
Zum Ende nur noch eine Sache: Wenn ich mir div. Foren so durchlese, und einige behaupten sie sind nicht süchtig nach WoW, dann macht doch mal nen ganz einfachen Test: Meldet euch 1 Woche ab von allen Raids, und lasst WoW mal nur 1 Woche komplett aus. Wenn ihr das nicht könnt ohne vor der Situation Angst zu haben, oder ohne euch selbst irgend welche Gründe vorzulügen warum ihr das ja nicht braucht, dann solltet ihr euch wirklich Gedanken machen.

Mediensucht ist eine Krankheit, und es ist kein Makel und ihr seit deswegen auch nicht weniger wert. Die Mediensucht ist eine behandelbare Krankheit, wenn man sich Hilfe holt. Ich kann jeden nur wirklich ermutigen: macht den Schritt aus der Sucht! Holt euch Hilfe! Holt euch euer Leben zurück! Das wirkliche Leben ist es einfach wert!

Ich wünsche wirklich allen hier die die Hilfe suchen, oder zumindest erkannt haben das sie ein Problem haben alles Gute! Ich hoffe das ich mit der Hilfe meiner Familie, und sicher auch durch die Suchttherapie, mein Leben wieder vollkommen, und vor allem dauerhaft in den Griff bekomme.

Ich bin wirklich froh darüber das es solche Foren gibt. Dadurch das ich mir die Schicksale von vielen WoW Spielern durchgelesen haben wurde mir meine Sucht erst bewusst. Das hat zwar bei mir leider noch nicht ausgereicht, aber dadurch hatte dieser Schlüsselmoment, der Moment an dem ich den Brief mit dem Termin der Wohungsbegehung bekommen habe, erst die Chance mich so zu treffen das ich endlich etwas unternommen habe.

Online bin ich natürlich noch... allerdings jetzt nur noch mit einem Web&Walk Stick der Telekom. Und da hier in der gesammten Gegend nur EDGE zur Verfügung steht, und Voice over IP, wie Teamspeak oder Ventrilo gesperrt sind, kann ich das Internet zwar noch nutzen....spielen ist aber technisch ausgeschlossen.

Und ich werde auch ganz sicher in meiner neuen Wohnung erstmal keinen DSL-Anschluß legen lassen.

Gruß

Rac78
Dienstag, 4.Aug 2009, 22:17

howlucky Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 1
Mitglied seit: 04.08.2009
Hallo Rac78,
ich glaube wir WoWler, bzw. Ex-WoWler dürfen uns duzen… GZ zu dem so schweren Achievement: „lucky without FakeLife“ Ich kann mir vorstellen, wie schwer es dir gefallen ist, den Bereich deines Lebens, der dich jahrelange begleitet hat - dein virtuelles Leben aufzugeben – zugunstem dem anfangs mit Problemen schier überfluteten Real Life. Und ich bin stolz auf dich. Es zeigt, was für ein ehrgeiziger, leidenschaftlicher und auch intelligenter Mensch du sein musst, dass du nun die Notbremse gezogen hast. Und es beglückt mich auch, deine Euphorie zu spüren, dass du nun wieder Sachen entdeckst, bzw. zurückentdeckst, die andere Bereiche deines Lebens betreffen, wie Freunde & Familie. Ich bin mir sicher, dass du es schaffst, nicht wieder in alte Strukturen zurückzufallen, denn du wirst gebraucht: nicht von deiner Gilde, nicht von deinen IG-Friends: sondern von deiner Familie, deinen Freunden und von uns. Und ganz tief in deinem Inneren weißt du: ein lächeln, ein „danke“ und auch eine Umarmung ist 1000 mal mehr wert als ein /umarmen/GZ/danken in der virtuellen Scheinwelt. Und ein Emote ala: halt die Ohren steif, du schaffst es schon – das gibt es nicht in der Welt der Kriegskunst – und genau solche Emotes wünsche ich dir ganz viel in der Realität.

Howlucky (we are…)
Dienstag, 11.Aug 2009, 21:17

inter2naut Benutzer ist offline

Mitglieder Anfänger
Anzahl Beiträge: 32
Mitglied seit: 08.07.2009
Herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Ausstieg
Hallo,
ich gratuliere zum erfolgreichen Ausstieg.
Mit freundlichen Grüßen
inter2naut
Mittwoch, 12.Aug 2009, 19:51

Rac78 Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 4
Mitglied seit: 03.08.2009
Vielen dank ihr beiden.

Und ich bereue es keine Sekunde! Mann merkt erst wieder wie schön doch das Leben an sich ist, wenn man es wieder befreit und ohne Zwang geniesen kann. Ich muss echt sagen, mir gehts so gut wie seit zig Jahren nicht mehr.

Und mit jedem Tag der vergeht verstehe ich weniger wie mich WoW so in den Bann ziehen konnte, das ich Jahrelang mein Leben nur nach einem Spiel ausgerichtet hab.

Gruß

ein sehr sehr zufriedender Aussteiger!
Sonntag, 13.Sep 2009, 22:37

Liox Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 1
Mitglied seit: 13.09.2009
Herzlichen Glückwunsch zum Ausstieg.

Ich hab direkt eine Frage:
Hast du jemals WoW als Ablenkung benutzt?

Ich hab keine Ahnung wie es dir oder besser euch (Rax und Howlucky) gegangen ist, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich mich (ja, aktiver WoWler, noch) als süchtig bezeichnen sollte oder nicht. Klar, ich verbringe sehr viel Zeit im Spiel. Aber die meiste Zeit, die ich in das Spiel investiere... bin ich im Prinzip in den Foren, als Ablenkung. Weil ich es einfach (teilweise) nicht schaffe, genug Energie und Kraft aufzubringen um mich hinzusetzen und meinen Unistoff zu lernen.
Die Frage, die sich stellt ist recht simpel: Bin ich schlapp weil ich abends WoW zocke oder bin ich schlapp, weil mir einfach die Motivation und Energie fehlt?
Kann dieses Spiel dir wirklich so viel Kraft entziehen, dass du nichts anderes mehr schaffst?

Und falls ja... einfach aufhören? Den Charakter löschen und sagen "Goodbye, das wars!" ?
Die Frage ist doch: Warum?

Hmmm......

^^ (wer kennt diesen Smiley nicht?)

Irgendwie hilft es hier zu schreiben.....

Eure Texte machen mich konfus! ^^

Nochmal herzlichen Glüchwunsch zum Ausstieg, du liest evtl... ich hab das noch vor mir.
Und ich freue mich nicht darauf irgendwann das Licht auszumachen.

Ich hab viel rumgeschrieben, Gedanken die mir hier durch den Kopf wirbeln:
Ergebnis:
"Glaubst du / ihr, dass man mit genug Disziplin diesen Sogeffekt kontrollieren kann?"


Donnerstag, 17.Sep 2009, 12:41

Schredder Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 6
Mitglied seit: 17.09.2009
Ausstieg aus WoW
Hallo Liox!

Ich will Dir da keine großen Hoffnungen machen, ich halte das aus eigener Erfahrung für eine kaum durchhaltbare Gratwanderung,
so fängt eigentlich die Suchtverharmlosung meistens an. Siehe auch den Vorschlag von Rac78, ob man mal eine Woche komplett drauf
verzichten könnte, ohne in den Account zu gucken. Wenn das nicht ohne schlechtes Gewissen geht, bist Du schon mitten drin.

Zunächst zu mir:
ich bin 41, verh., 2 Kinder, voll berufstätig und war 12 Monate "weg" durch Onlinespiel, obwohl die Prioritäten da eigentlich klar sein sollten.
Ich bin froh, dass ich a.) nicht studiert habe, weil ich inzwischen weiß, dass ich nicht die nötige Selbstdisziplin besessen hätte, meinen Stoff durchzuziehen, und b.) dass in der aus meiner Sicht kritischen Alterszone 14 - 25 Jahren zu meiner Zeit die Spiele noch nicht so perfekt ausgereizt waren, als dass ich in etwas derart Schwerwiegendes wie WoW hineingezogen werden konnte. So blieb es bei einzelnen offline verzockten Nachmittagen oder Wochenenden mit Freunden am Atari oder C64, später auch PC-Spiele.

Bei mir war es nicht WoW, sondern Travian, aber die Mechanismen sind ähnlich (Farmen, Raiden, Verbündete, ständiges Vergrößern und Verbessern, mehr Zeit = schnelleres Wachstum, Skype etc. für schnelle Kommunikation). Was ich im Nachhinein sehr bedenklich finde ist, dass es ja nicht nur die reine Onlinezeit ist, die das Real Life auffrisst, sondern zusätzlich viel Zeit verloren geht, weil man sich gedanklich mit dem Spiel beschäftigt (z. B. wie sieht die Strategie für den nächsten Spielzug aus, was passiert wohl gerade usw.).
Das beantwortet z. T. schon Deine Frage:
"Bin ich schlapp weil ich abends WoW zocke oder bin ich schlapp, weil mir einfach die Motivation und Energie fehlt?"
Das häufige Denken an WoW "was mache ich dort als nächstes..." blockiert den Teil Deines Denkens, der sich normalerweise darum kümmern sollte:
"was mache ich im RL als nächstes...". Es findet sukzessive eine Verdrängung der "unwichtigen" Alltäglichkeiten statt bzw. diese werden dem Spielrhythmus angepasst.

Ich hole jetzt mal weiter aus.

Deine Frage trifft meiner Meinung nach den Kern des gesamten Problems:
im Grunde sind DIE Leute am ehesten gefährdet, in WoW & Co. hineingezogen zu werden, die (noch) nicht über eine klare Vorstellung verfügen, wie das weitere Leben ablaufen soll und was ihnen wirklich wichtig ist. Ich war mit 20 z. B. noch überhaupt nicht fit fürs eigenständige Leben, hatte keinen Plan, wo es hingehen soll, bin aber durch eine regelmäßige Beschäftigung über die Jahre gut voran gekommen. Offen gestanden ist das bis heute so, nur wirkt es nach außen nicht so. Als Familienvater mit Eigenheim wirke ich wie jemand, der das genau so geplant und durchgezogen hat, tatsächlich hat es sich aber eher "immer so ergeben" und passte so.
Es waren immer andere, die auf mich zukamen, damit es in meinem Leben voran ging.

Soll heißen: ICH SELBST WAR NICHT AKTIV. So trat dann auch Travian (es hätte auch WoW sein können) per Banner in mein Leben und ich war schnell bereit, dafür Zeit und Geld zu investieren, weil es irgendwie in mein Leben passte und Spaß/Ablenkung versprach. Dies wäre so nicht möglich gewesen, wenn ich irgendwann im Leben mal für mich selbst verbindlich festgelegt hätte, was ich im Leben oder zumindest in den nächsten 5 Jahren erreichen will und wo generell meine Prioritäten liegen.

Dankenswerterweise hatte ich das Glück, beruflich an einer Seminarreihe zur Persönlichkeitsentwicklung teilzunehmen. Hier wurden mir regelrecht die Augen geöffnet, wie unmotiviert ich mich durchs Leben treiben lasse und dass ich eigentlich gar keine Ziele habe (außer höchstens, dass alles so bleiben soll, wie es ist). Was würde ich darum geben, mit dem inzwischen angehäuften Wissen um diese Dinge nochmal bei 20 anfangen zu können!
Inzwischen ahne ich, wieviel Zeit ich verplempert habe.

Deshalb meine Empfehlung, Euch so früh wie möglich dieser Baustelle zu widmen: WAS WILL ICH ÜBERHAUPT?
In Deinem Fall: macht mir das Studium Spaß, habe ich mich für das richtige Fach entschieden, will ich überhaupt studieren?
Will ICH das, oder wollen eher andere, dass ich das mache?

Man braucht dazu keine Spezialliteratur (wobei ich z. B. das "Simplify Your Life"-Buch für einen guten Ansatz halte),
sondern nur Stift und Papier und 1 - 2 Tage komplette Auszeit. Setzt Euch irgendwo hin, wo ihr Euch wohl fühlt und schreibt auf, was Euch wichtig ist.
Das Ergebnis sieht oft ähnlich aus: Familie, Lebenspartner, Freunde, schöne Urlaubsreisen, schickes Haus/Auto, eigene Familie, bestimmte Träume, Kreatives, etc.. Konkretisiert diese wichtigen Punkte in bringt sie in eine Reihenfolge "was ist mir dabei wichtiger als" und schreibt es nochmal als "Ranking" auf.
Dieses Ergebnis laminiert ihr Euch am besten und tragt es immer in der Hosentasche oder im Portemonnaie mit Euch herum.

Kommt dann mal wieder die Wankelmütigkeit, zückt die Karte.

(Huch, 5000 Zeichen
Samstag, 17.Okt 2009, 18:33

Pug Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 4
Mitglied seit: 17.10.2009
Zitat
Original geschrieben von: Liox
Kann dieses Spiel dir wirklich so viel Kraft entziehen, dass du nichts anderes mehr schaffst?

Ja! Es spielt auch keine Rolle, ob es WoW oder irgendein anderes Spiel ist. Du merkst, dass du viel Zeit darin investierst und dich immer wieder gerne damit beschäftigst. Allein das lange vor dem Computer herum sitzen ist schon anstrengend. Das Spielen selbst noch viel mehr. Das Gehirn benutzt genauso viel Kapazitäten in einem Computerspiel wie im "wirklichen Leben". Das bedeutet am Ende, dass dein Körper nicht unterscheiden kann, ob es eine wichtige Handlung ist oder nur ein Spiel. Und wenn du dich täglich damit befasst, muss es wohl wichtig sein.

Und wenn du dich fragst, ob das Spiel eventuell zu deiner Erschöpfung führt, dann versuche es doch mal ohne das Spiel. Dann merkst du ganz schnell, was wirklich los ist.

Zitat
Original geschrieben von: Liox
Und falls ja... einfach aufhören? Den Charakter löschen und sagen "Goodbye, das wars!" ?
Die Frage ist doch: Warum?

Den Charakter zu löschen ist ein häufig gehörter Witz in MMORPG-Kreisen. Die wenigsten werden es wohl wirklich tun und wer es getan hat, der hat offensichtlich ein Problem mit dem Spiel gehabt und versucht, es so zu lösen. Aber so einfach funktioniert es am Ende auch wieder nicht. Die einzige Möglichkeit ist, die Beschäftigung mit dem Spiel komplett einzustellen und dazu gehört auch das Lesen im Forum usw.

Sicherlich bist du auch nicht durch Zufall in einem Mediensuchtforum gelandet
Donnerstag, 22.Okt 2009, 13:09

Wusel Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 3
Mitglied seit: 22.10.2009
WOW süchtig
Hallo,

ich bin weiblich, 46 J. und möchte mal zu meiner Person was WOW angeht schreiben.
Ich spielte seit etwas über 1 Jahr fast täglich WOW. Bis gestern, bzw letzte Nacht.
Als ich damals das Spiel begann, fragte mich jemand " und bist du schon süchtig?" Ich verneinte und meinte nur, ich kann immer aufhören. Empfand mich nicht als süchtige. Doch verfehlt..Es kam schleichend, so wie ich es auch im ARD Bericht hörte, so war es auch bei mir.
Es gab Tage, viele Tage wo ich so ziemlich den ganzen Tag spielte, m.u. mal Pausen, aber sonst zockte ich viel. Zu WOW kam ich über meine Schwester die meinte, damit ich Kontakte bekäme. Fand ich ja auch lieb von ihr, nur habe ich niemals gedacht, das ich jemand bin die süchtig wird. Doch verfehlt....
Ich lernte viele Menschen dort kennen, alle wollten das gleiche, an die Spitze. Irgendwann als ich im "Silberwald" gegen die sogen. Mops kämpfte, vergeblich aber, kam jemand der mir half. Seither zockten wir gemeinsam fast täglich. Er gab mir Tipps wie ich was mache, wie ich Rüstung aufbaue etc.pp. Dieser Zocker war längst im Lvl 80. Ich kam in eine Gilde, dann in eine andere weil ich mir dort viel Hilfe erwartete welches sich dann aber als Spuk entpuppte. Somit ging ich in die alte Gilde zurück wo ich herzlich aufgenommen wurde. Ich zockte die letzte Zeit ( vor ca 6 Monaten begann es) z.t. auch Nachts, hauptsache man kommt weiter. Jeder dort will 80 werden, auch ich wollte es. Hatte aber seit etwa 6 Monaten schon eine Jägerin die 80 war, doch wollte ich mehr Figuren auf 80 bekommen. Ich farmte Blümchen die songen. Kräuter mit meinem Magier und auch dem Dudu, doch ich entdeckte an mir plötzlich, das ich auch in der Realität Blumen die ich am Wegesrand oder auf den Feldern, sogar Unkraut zwischen den Steinen sah, das es das nicht sein kann, weil ich dies immer gleich mit WOW verband. Ich weiß noch, dass meine Schwester Anfangs ähnliches andeutete von sich.Erst fand ich es recht amüsant, doch dann wurde es mir zu viel. Selbst Alpträume hatte ich speziell auf WOW gehabt. Es gab vor einigen Monaten schonmal einen Tag wo ich sagte, ich gebe es auf. Doch dann habe ich doch weiter gezockt. Ich war doch entäuscht über mich selbst. somit zockte und kämpfte ich weiter, Ich ging mehr und mehr in PVP Schlachtzügen war begeistert und WOW zog mich immer mehr in den Bann. Raids habe ich kaum gezockt.
Kurz vor meinem 46 Geburtstag, spielte ich schon nicht mehr so gerne. Ich schaffte es sogar mal 1 Woche das Spiel links liegen zu lassen. Als ich dann reales machte, ich fühlte mich wohler und als ich dann mal wieder für kurze Zeit WOW zockte, fühlte ich erneute Entäuschung über mich. D.h. es war nicht mehr das was ich reeal für ein gutes Gefühl entnahm, es war nur noch zocken. Nun war ich mir sicher, WOW aufzugeben. Ganz sicher .
Gestern goooglete ich dann mal über WOW Sucht und traf gleich auf diese Seite. Ich sah mir den ARD Bericht vom 12. August `o8 an ,von dem ich schon hörte, aber ihn damals nicht selbst sah. Nun war ich 100 % sicher WOW entgültig aufzugeben. Das war mein fester Entschluss.
Nachdem ich noch eine mail schrieb, habe ich alle Charaktäre geslöscht, angefangen von der kleinsten Figur bis zur im Lvl größten. Als ich vor der Pala im Lvl 44 und vor der Jägerin im Lvl 80 war, wars mir schon etwas mulmig. Ich schickte alles erworbene Gold an andere. Bei den sogen. Allis hatte ich auch eine Figur die ich auch löschte. Überwiegend war ich Hordezockerin.
Ich dachte immer, ich sei kurz vor der Sucht, denke ich habe gerade noch rechtzeitig die Notbremse ziehen können,. Ich wollte nicht soweit kommen, das ich völlig abrutschte. Mein Haushalt blieb oft liegen, lebe allein, lebe eher zurückgezogen, leider derzeit nicht erwerbsfähig da kam damals WOW in mein Leben welches ich nun aber wieder völlig aus meinem Leben gestrichen habe. Ich denke mitlerweile doch so, das ich nicht nahe an der Grenze der Sucht war, sondern schon leicht angehaucht war oder ich vielleicht auch im Mittleren Teil stand. Noch weiter wollte ich es auf keinen Fall kommen lassen. Ich kenne Erwachsene die wirklich süchtig sind, die vieles liegen lassen im realen Leben.
In diesem Sinne, GZ an alle Aussteiger und GZ an die die es hoffentlich noch werden !
Die besagen Lächelzeichen wie in einem Bericht schon erwähnt : ^^ ich sage immer Hasenzähnchen dazu, werden mich viell. noch an WOW erinnern, aber ich bin fest entschlossen dieses Spiel aufzugeben.....ich habe es ja schon aufgegeben. Nicht nur gelöscht sondern auch gekündigt.
Dank auch an die Eheleute Hirte die diese HP gestaltet haben und es anderen ehem. Zockern ermöglichen hier ihre Postings abzugeben.
Montag, 26.Okt 2009, 12:43

engelchen Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 8
Mitglied seit: 24.10.2009
Ohgottogott!!!
Hallo an Alle,
ich überwind mich jetzt und erzähl meine Geschichte:
ich bin 49, glücklich verheiratet und Mutter eines 23 jährigen Sohnes, der WOWsüchtig ist.
Ich habs lange nicht bemerkt, weil er seit 05 zum Studium in eine 400km entfernte Stadt gezogen ist.
Damit ging der ganze Murks los.
Studiengang geschmissen, 1Jahr rumgedaddelt, dann zum nächsten Termin neuen Studiengang gestartet,aber den Antrag für Bafög stellen nicht geschafft,den neuen Studiengang auch nach paar Wochen wieder geschmissen, vermutlich weil das verdammte Spiel schon seine ganze Aufmerksamkeit hatte.
Wir haben dann geholfen, den Antrag zu stllen und uns beim Besuch über die vermüllte Studentenbude gewundert. Kam aber nicht in Gesprächen an ihn ran.
Seine Reaktionen auf meine Fragen wurden immer aggressiver und irgendwann hat er ganz dichtgemacht und ist nicht mehr ans Telefon gegangen.
Die Besuche bei uns haben sich auf 2-3x pro Jahr reduziert. Manchmal über 5 Monate kein Lebenszeichen. Und wenn er dann kam, wurde der Zustand seiner- ich nenn es Verwahrlosung -immer besorgniserregender. Hinfahren hat nichts genutzt, er wollte uns gar nicht in seiner Nähe haben. Das Versteckspiel funktioniert ja dann auch nicht.
Ich weiss nicht, wie oft wir versucht haben, mit ihm zu reden. Es endete in immer schlimmeren Auseinandersetzungen.
Aus Sorge um einen kompletten Abriss des Kontaktes zu meinem Sohn hab ich versucht, ihm den Ball zuzuspielen. Ich hab ihn angefleht, mit uns in Kontakt zu bleiben, wenigstens 1-2x im Monat. Hab gesagt, wie groß meine Sorge um ihn ist und dass ich ihm helfen möchte.
Hat nicht viel genutzt. Allen Angebote von Hilfe und Lösungsvorschläge hat er zuerst zugestimmt (um seine Ruhe zu haben) und wenn er dann wieder weg war,wars das dann auch.
Dann kam der Rausschmiss aus seiem Studizimmer, Miete nicht gezahlt. Kein Bafög mehr, kein Job, Umzug in Wg. Job über Kumpel, echte Sch...Arbeit, aber wenigstens etwas Kohle. Aber als ihm irgendwann das Wasser finanziell bis zum Hals stand, hat er angerufen. Wir haben gesagt, so geht das nicht.
Wir sind für ihn da, wenn er Hilfe braucht, aber nicht als Kohlebeschaffer.
Bin als Mutter schon da, vor 1 Jahr, total ratlos (überfordert) gewesen. Ums kurz machen: jetzt hatte er die Kündigung für sein WG- Zimmer, die Mahnungen aller Rechnungen haben dazu geführt, das der Gerichtsvollzieher sich angekündigt hat (mehrere) und ihm steht das Wasser bis Oberkante Unterlippe.
Vor ca. 2 Wochen kam er dann plötzlich nach hause.
Und wie ein Geschenk des Himmels (hätt nie gedacht, dass ich so eine schlimme Geschichte mal so sehen würde!) hat er sich geöffnet und mir die halbe Nacht fast alles erzählt. Hat gesagt, das er Hilfe braucht und nicht mehr weiter weiss.
Der Grund für die Erkenntnis waren seine defekten PCs. Auf einmal keine virtullen Verstecke mehr im Zugriff und die bittere Erkenntnis, dass eine Welt ohne WOW gar nicht mehr seine Welt ist.
Freunde sind schon lange aus seinem Leben abgebogen. Ohne PC kam das volle Panikprogramm.
Wir haben geholfen: über die Caritas Psychologengespräch mit 5 Kostenlosen Folgegesprächen, Hartz IV Antrag geholt und ausgefüllt, Abgabe diese Woche (geht er hin oder wieder nicht?), Gläubiger um Aufschub und Ratenzahlung gebeten, Wiederaufnahme in die Krankenversicherung angeleiert (er ist seit Dezember letzten Jahres NICHT versichert).
Aber die Katastrophe ist: Ein Freund von ihm aus dem Spiel hat ihm kostenlos?!? einen PC geschickt und er glaubt daran, dass er den Ausstieg aus dem Spiel langsam schafft. Kontrolliert. Er kontrolliert sich selbst. Will es schaffen! Sagt, er hat jetzt den Mut und die Kraft, das Problem, die Sucht, in den Griff zu kriegen.
Mit Hilfe des Psychologen, und wenn er eine Job hat, sieht alles schon ganz anders aus.

Ich möchte ihm so gerne glauben! Aber ich habe große Angst davor, was passiert, wenn er es nicht schafft.
Ich kann ja nicht dauernd neben ihm stehen und sagen, was er tun soll.
Ich bin verzweifelt.
Er ist verzweifelt.
Wir sind verzweifelt.
Das ist in, groben Zügen, meine, unsere Geschichte.







Montag, 26.Okt 2009, 13:59

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 282
Mitglied seit: 12.06.2009
unsere Geschichten ähneln sich
Hallo engelchen,

ich habe beim Lesen Deines Beitrags immer wieder verwundert festgestellt, wie sehr sich unsere Geschichten ähneln. Bei unserem Sohn war es auch so, 600 km von uns entfernt, irgendwann so gut wie gar nicht mehr erreichbar, kein Bafög mehr auf die Reihe gekriegt, kein Studium mehr - nur noch WoW.

Eigentlich gehört unser Austausch ja ins Angehörigenforum. Hast Du Lust, Deine Geschichte nochmal da rein zu schreiben? Andere Mütter werden dankbar sein, sich auch wiederum in Deinen Zeilen wieder zu erkennen. Ich antworte Dir dann wieder und erzähle Dir mehr von mir.
Sonntag, 6.Dez 2009, 20:39

Knackpunkt Benutzer ist offline

Benutzer Anfänger
Anzahl Beiträge: 96
Mitglied seit: 29.10.2009
Hiho.

Ich habe mich mal gerade wieder mit meiner Problematik beschäftigt und bin ei der Suche nach hilfreichen Tipps u.ä. auf diese Seite gestoßen.
Habe mich dann auch mal gleich registriert, weil das ganze schon seriös aussieht und ich denke, das ich hier am ehesten "Leidensgenossen" finde als sonstwo.
Ich hoffe einfach auf angenehmen austausch, tipps und vllt. auch die möglichkeit tipps oder hifen geben zu können. sozusagen eine onlineselbsthilfegruppe.
Zu meiner person:
Ich bin 32 Jahre jung und lebe mit meiner freundin, 2 kindern (8 und 10 jahre alt), hund und katze zusammen.
Ich bin seit 10 jahren arbeitslos. die rollenverteilung sieht bei uns so aus: meine freundin geht arbeiten und ich mache den hausmann.
Wie kam es zur Sucht?
Ich bin leider extrem anfällig für süchtigmachende stoffe, medien usw.. angefangen hat es mit dem zigaretten rauchen. und dann kam das kiffen hinzu.
das war im nachhinein das schlimmste was mir passieren konnte. jahrelang ging´s gut und dann kam die eine party.schön breit gewesen, ne tüte und n bier in der hand und plötzlich die 1. Panikattacke meines lebens. damals wusste ich nur noch nicht, das man das so nennt und das es sowas überhaupt gibt.
Für die, die sowas nicht kennen: herzrasen, schwitzen, hyperventilation, kreislaufläuft nicht mehr im kreis, atemnot usw.. ich dachte, ich geb gleich den löffel ab und das war´s.scheiß gefühl!! wünsche ich keinem.
ok, ab nach hause, rausch ausschlafen und nächsten tag gucken was geht. tüte an, zug genommen und es ging wieder los aber in schwächerer form. also nur kreislaufprobs., schwitzen, schwindel. gut dachte ich mir lässt die finger von dem kram,das is nich mehr so wie´s mal war.
ich hab von einem tag auf den anderen aufgehört zu kiffen, nach 6 jahren. gut, entzug is auch nicht das ware aber besser als das was davor war. das war vor ca. 7 jahren.


Wer den Wal hat, hat keinen Fisch.
Sonntag, 6.Dez 2009, 20:40

Knackpunkt Benutzer ist offline

Benutzer Anfänger
Anzahl Beiträge: 96
Mitglied seit: 29.10.2009
dann kamen aber irgendwie erst richtig die probleme. 1. die panik-/angstattacken kamen trozdem noch, mal ebend so und was machste jetzt mit deiner freizeit.
party´s wollte ich erstmal nicht mehr mitmachen um mir den entzug zu erleichtern, job hatte ich nicht, irgendwie musste die zeit rumkriegen.
Playstation gekauft und gezockt. erst offline später online. jeden abend so 2 stunden. dann erzählte irgendjmd mal was von WoW. und bei so´nem fantasy, rollenspielkram spring ich ja sofort an. zack rechner und WoW gekauft und los gings.
Die ersten tage dachte ich "... watt´n scheiß spiel..." aber ok dachte ich mir, du hast dir n rechner für das spiel gekauft und extra kohle ausgegeben, guckste mal vllt kommt der spaß ja später. und er kam dann auch. das ganze war vor knapp 5 jahren.
und wie alle suchtmittel schafft es auch WoW hervorragend von den wichtigen sachen abzulenken.
-Panikattacken: kaum noch, keine zeit drann zu denken.
-Arbeit suchen: keine zeit, musste doch daylis machen, kochen, angeln und haustierchen sammeln. außerdem hat ich doch nen job, farmen um gold zu machen^^.
-Freundin nervt: rechner, wow und ts an und schon hab ich nix mehr gehört.
-Mit den Kindern spielen: geht nicht, muss raiden. geht fernseher gucken und nervt nicht.
Rausgegangen bin ich sogut wie garnicht mehr. Freunde hat ich nur noch in WoW. Und war der rechner aus, war ich so scheiße drauf, das ich mich selber nich ausstehe konnte und eigentlich total hilflos war. Mittwoch´s war ein horrortag. Serverwartung, "... sind die bekloppt und dann auch noch 2 stunden länger als geplant ...".
In den momenten stehst du dann vor´m scherbenhaufen deines eigentlichen lebens aber bekommst es nicht mit und man redet sich alles schön.
und wie sehr WoW mich weggeschossen hat, hab ich an meinen panikattacken bemerkt. immer wenn ich mitbekommen habe, ok es geht wieder los, du wirst unruhig, nervös, herz fängt an zu rasen usw. hab ich WoW angemacht und es war wie weggeblasen.
hat alles super funktioniert is letztes jahr zwischen weihnachten und neujahr. beim spielen hab ich attacken bekommen, das ich 3 mal in einer woche den notarzt gerufen habe. der hat mich schon für bekloppt erklärt und mir dan erstmal nahegelegt, das untersuchen zu lassen.
Dann bin ich im februar ´09 in eine klinik und bis 18.8.09 war ich 8 wochen auf einer therapie.
kurzum, hab ich so knapp 4 1/2 jahre WoW gespielt und seid januar nicht mehr.
in der therapie hab ich echt viele hilfreiche sachen gelernt und ich versuche gerade mein leben neu zu ordnen.
es ist garnicht so leicht mit dem thema WoW abzuschließen. immerhin hab ich 4 jahre meines lebens in dieser welt verbracht und in dieser zeit intensiver dort, als im richtigen leben gelebt. ich hab meine char´s aufgebaut, gepflegt, ausgerüstet und das ganze gedöns, ihr kennt das ja. und das jetzt loszulassen is man garnich so einfach. ich möchte die zeit auch nicht missen. es war schön, solang wie´s gedauert hat und ich habe auch viele interessante leute kennen gelernt aber jetzt spiel ich n anderes spiel.
Das ganze nennt sich "Mein wirklich, reales Leben im hier und jetzt."
Mörderische Grafik, high definition 3D, dolby pro logic 8.0 blabla surround sound, neuartiger geruchseffekt, garantiertes ansprechen aller gefühle und sinne des menschen und garantierte einzigartigkeit!
So das war mal so´ne grobe einleitung zu meiner person. wer fragen hat oder wie auch immer.immer raus damit und wer rechtschreibfehler findet, darf sie behalten



Wer den Wal hat, hat keinen Fisch.


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