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 Foren zum Thema Mediensucht / Angehörigen-Forum
        Mein Sohn ist WOWsüchtig!

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Montag, 26.Okt 2009, 14:09

engelchen Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 8
Mitglied seit: 24.10.2009
ohgottogott!!!
Merle hat mich gebeten, den folgenden Beitrag auch hier ins Angehörigen-Forum zu stellen- mach ich gerne:

Hallo an Alle,
ich überwind mich jetzt und erzähl meine Geschichte:
ich bin 49, glücklich verheiratet und Mutter eines 23 jährigen Sohnes, der WOWsüchtig ist.
Ich habs lange nicht bemerkt, weil er seit 05 zum Studium in eine 400km entfernte Stadt gezogen ist.
Damit ging der ganze Murks los.
Studiengang geschmissen, 1Jahr rumgedaddelt, dann zum nächsten Termin neuen Studiengang gestartet,aber den Antrag für Bafög stellen nicht geschafft,den neuen Studiengang auch nach paar Wochen wieder geschmissen, vermutlich weil das verdammte Spiel schon seine ganze Aufmerksamkeit hatte.
Wir haben dann geholfen, den Antrag zu stllen und uns beim Besuch über die vermüllte Studentenbude gewundert. Kam aber nicht in Gesprächen an ihn ran.
Seine Reaktionen auf meine Fragen wurden immer aggressiver und irgendwann hat er ganz dichtgemacht und ist nicht mehr ans Telefon gegangen.
Die Besuche bei uns haben sich auf 2-3x pro Jahr reduziert. Manchmal über 5 Monate kein Lebenszeichen. Und wenn er dann kam, wurde der Zustand seiner- ich nenn es Verwahrlosung -immer besorgniserregender. Hinfahren hat nichts genutzt, er wollte uns gar nicht in seiner Nähe haben. Das Versteckspiel funktioniert ja dann auch nicht.
Ich weiss nicht, wie oft wir versucht haben, mit ihm zu reden. Es endete in immer schlimmeren Auseinandersetzungen.
Aus Sorge um einen kompletten Abriss des Kontaktes zu meinem Sohn hab ich versucht, ihm den Ball zuzuspielen. Ich hab ihn angefleht, mit uns in Kontakt zu bleiben, wenigstens 1-2x im Monat. Hab gesagt, wie groß meine Sorge um ihn ist und dass ich ihm helfen möchte.
Hat nicht viel genutzt. Allen Angebote von Hilfe und Lösungsvorschläge hat er zuerst zugestimmt (um seine Ruhe zu haben) und wenn er dann wieder weg war,wars das dann auch.
Dann kam der Rausschmiss aus seiem Studizimmer, Miete nicht gezahlt. Kein Bafög mehr, kein Job, Umzug in Wg. Job über Kumpel, echte Sch...Arbeit, aber wenigstens etwas Kohle. Aber als ihm irgendwann das Wasser finanziell bis zum Hals stand, hat er angerufen. Wir haben gesagt, so geht das nicht.
Wir sind für ihn da, wenn er Hilfe braucht, aber nicht als Kohlebeschaffer.
Bin als Mutter schon da, vor 1 Jahr, total ratlos (überfordert) gewesen. Ums kurz machen: jetzt hatte er die Kündigung für sein WG- Zimmer, die Mahnungen aller Rechnungen haben dazu geführt, das der Gerichtsvollzieher sich angekündigt hat (mehrere) und ihm steht das Wasser bis Oberkante Unterlippe.
Vor ca. 2 Wochen kam er dann plötzlich nach hause.
Und wie ein Geschenk des Himmels (hätt nie gedacht, dass ich so eine schlimme Geschichte mal so sehen würde!) hat er sich geöffnet und mir die halbe Nacht fast alles erzählt. Hat gesagt, das er Hilfe braucht und nicht mehr weiter weiss.
Der Grund für die Erkenntnis waren seine defekten PCs. Auf einmal keine virtullen Verstecke mehr im Zugriff und die bittere Erkenntnis, dass eine Welt ohne WOW gar nicht mehr seine Welt ist.
Freunde sind schon lange aus seinem Leben abgebogen. Ohne PC kam das volle Panikprogramm.
Wir haben geholfen: über die Caritas Psychologengespräch mit 5 Kostenlosen Folgegesprächen, Hartz IV Antrag geholt und ausgefüllt, Abgabe diese Woche (geht er hin oder wieder nicht?), Gläubiger um Aufschub und Ratenzahlung gebeten, Wiederaufnahme in die Krankenversicherung angeleiert (er ist seit Dezember letzten Jahres NICHT versichert).
Aber die Katastrophe ist: Ein Freund von ihm aus dem Spiel hat ihm kostenlos?!? einen PC geschickt und er glaubt daran, dass er den Ausstieg aus dem Spiel langsam schafft. Kontrolliert. Er kontrolliert sich selbst. Will es schaffen! Sagt, er hat jetzt den Mut und die Kraft, das Problem, die Sucht, in den Griff zu kriegen.
Mit Hilfe des Psychologen, und wenn er eine Job hat, sieht alles schon ganz anders aus.

Ich möchte ihm so gerne glauben! Aber ich habe große Angst davor, was passiert, wenn er es nicht schafft.
Ich kann ja nicht dauernd neben ihm stehen und sagen, was er tun soll.
Ich bin verzweifelt.
Er ist verzweifelt.
Wir sind verzweifelt.
Das ist in, groben Zügen, meine, unsere Geschichte.








Montag, 26.Okt 2009, 15:05

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 268
Mitglied seit: 12.06.2009
immer an eine Veränderung glauben
Hallo engelchen,
Klasse, dass Du meine Bitte gleich und sofort in die Tat umgesetzt hast.
Meine / Unsere Geschichte findest Du bei www.rollenspielsucht.de in der Rubrik "Warum". Und dort wirst Du auch feststellen, dass wir die Titelzeile "Wir haben unseren Sohn ans Internet verloren" nach mehr als zwei Jahren haben abändern dürfen in "Wir ha tt en unseren Sohn..." Dies soll Dir Mut machen, die Hoffnung nicht aufzugeben und immer und unbeirrt an eine Veränderung bei Deinem Kind zu glauben.
Wer in WoW "verloren geht", hat keinen Bezug mehr zur Familie und zum Leben da draußen. Das heißt aber in keinem Fall, dass Euer Sohn Euch nicht liebt. Es ist ganz wichtig, dass Du das immer weißt, damit die Verzweiflung Dich nicht völlig untergehen läßt. Bei aller Konsequenz Deines Handelns ihm gegenüber muss auch für ihn immer spürbar sein, dass Du zu ihm stehst und nie aufhören wirst, für ihn da zu sein. Trotzdem musst Du ihn dringend sein Leben selbständig in die Hand nehmen lassen, ihm nichts mehr abnehmen, ihm das Leben zumuten . Er ist erwachsen. Auch wenn er erst einmal tief fällt, gibt ihm dies die Chance, aus eigener Kraft wieder aufzustehen. Das Durchfüttern bis zum Sankt Nimmerleinstag ist bei WoW-Sucht fatal. Lass Dich auf keinen Fall einwickeln - Süchtige sind äußerst geschickt darin, ihre Angehörigen zu beruhigen, das Blaue vom Himmel herunter zu versprechen und Besserung zu geloben. Dies dient nur dazu, einen Aufschub zu erreichen und sich das Suchtmittel zu bewahren. Du darfst ihn, wenn er nicht konkret eine Veränderung in Angriff nimmt, auf keinen Fall mehr finanziell unterstützen!!! Bei Sucht sind meistens die Finanzen der einzige Hebel zu einer Bewusstseinsveränderung beim Betroffenen.
Zum Ausstieg auf Raten siehe Beitrag Nr. 361 bei "Ihr Eintrag" www.rollenspielsucht.de


Montag, 26.Okt 2009, 16:49

engelchen Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 8
Mitglied seit: 24.10.2009
Danke für die schnelle Antwort
Hallo Merle, danke für die aufmunternden Worte.
Ich werde mir erst langsam der Tatsache bewusst, in was für ein Räderwerk wir, mein Mann und ich, da reingeraten sind und es wird immer klarer, das der Weg für unseren Filius aus "aufstehen und selber wieder gehen lernen" besteht und nicht aus dauernder Hilfe in Form von Essen, Geld und sauberer Wäsche etc..
Es fällt mir so schwer, kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn ich mein Leben im Vergleich zu seinem Leben betrachte.
Aber mir ist schon klar, dass das falsch ist. Im Moment habe ich selbst einen Zwiespalt zwischen meiner rationalen und meiner emotionalen Seite.
Ich erkenne wohl, wohin zuviel falsch verstandene Fürsorge führt, trotzdem ist es total schwer, dem eigenen Kind in der Not Hilfe in Form von Anleitung zur Selbsthilfe zu geben.
Gerade habe ein Telefonat mit einem Berater Caritas geführt, der mir mit ähnlichen Worte genau das gleiche gesagt hat.
Ich brauche jetzt wohl selbst jemanden, der mir immer wieder in den Arm kneift und mir sagt, was ich NICHT machen darf!
Puh, was für eine Aufgabe!

Aber jeder Mensch wächst mit seinen Aufgaben!
Dienstag, 27.Okt 2009, 13:23

NIDRO Benutzer ist offline

Benutzer Anfänger
Anzahl Beiträge: 16
Mitglied seit: 26.10.2009
Angehörigenberatung
Hallo Engelchen,

viel Kraft wünsch Ihnen auf Ihrem Weg. Sie haben den Mut gefunden sich dem Problem der Abhängigkeit ihres Sohnes zu stellen. Dies ist die einzige Hilfe, die sie geben können. Gehen Sie weiterhin zur Beratungsstelle und holen sich dort Hilfe und Rat, fragen Sie auch nach Angehörigengruppen. Auch wenn es vielleicht "nur" Angehörigtengruppen für Alkoholiker oder Drogenabgängige gibt, die Probleme, die Lösungswege und die Schwierigkeiten sind oft ähnlich, also mal den Mut fassen und sich so eine Gruppe mal ansehen. Vielleicht ist die Leute dort "in Ordnung" und Sie können sich dort auch Unterstützung und Kraft holen.
Eine der Chancen ihrem Sohn zu helfen, ist am eignen Verhalten (Stichwort Co-Abhängigkeit) zu arbeiten. Denn wenn Sie sich ändern, kann er nicht mehr so weitermachen. (alte Weisheit der systemischen Familientherapie - Funktioniert tatsächlich)
Noch ein Tipp: Infomaterial finden Sie auch bei Klick-Safe.de.

Viel Kraft und viel Erfolg!!

NIDRO




06232 / 2 60 47 NIDRO Speyer/Germersheim
Fachstelle Spielsucht
huegel-nidro@ludwigsmuehle.de
Montag, 14.Dez 2009, 12:34

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 268
Mitglied seit: 12.06.2009
Happy birthday
Hallo Engelchen,
alles Liebe zum Geburtstag!! Habe gerade entdeckt, dass Du heute Deinen großen Tag hast.
Wie läuft es denn bei Euch? Ist bereits eine Veränderung eingetreten? Erzähl doch mal wieder ein bißchen, was sich in der Zwischenzeit getan hat. Aber heute feier erst mal schön, lass Dich verwöhnen und genieße Deinen Tag.
Liebe Grüße
Merle
Montag, 14.Dez 2009, 14:42

Knackpunkt Benutzer ist offline

Benutzer Anfänger
Anzahl Beiträge: 95
Mitglied seit: 29.10.2009
Alles Gute zum Ehrentag!
wenn ich´s richtig sehe, is es ja auch noch n runder .
das gibt bestimmt ne dicke party


Wer den Wal hat, hat keinen Fisch.
Montag, 14.Dez 2009, 15:40

HappyHour Benutzer ist offline

Benutzer Hat Erfahrung
Anzahl Beiträge: 129
Mitglied seit: 10.11.2009
Zum Wiegenfeste, wünsch´ ich nur das Beste!

Alles Gute, eine tolle Feier heute und mögen alle deine Wünsche in Erfüllung gehen.


LG HappyHour!


... und denkt daran: die beste Rüstung ist euer Körper, der beste Zauber ist "Phantasie" und eure beste Waffe ist der Verstand!


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