Hinweis: folgende Zeilen wurden von mir bereits in einem anderen Forum (http://rollenspielsucht.de) geschrieben. Die Betreiber Christine und Christoph Hirte baten mich den Beitrag hier nochmals einzustellen.
Aufstieg und Fall eines Rollenspielgeschädigten
An alle Leidenden,
auch ich habe eine Karriere in einem sogenannten MMORPG namens "Runes of Magic" hinter mir. Vergleichbar mit WoW, nur, es ist kostenfrei!
Und durch diesen Umstand bin ich seinerzeit auf dieses Spiel gestossen. Es war mein erstes Spiel dieser Art und dermassen unbedarft ging ich die Sache auch an. Der Zeitaufwand hielt sich am Anfang noch in Grenzen, mehr oder weniger war es nur die Neugier, einzelne Aufgaben zu lösen. Die fatale Änderung meines Spielverhaltens ergab sich mehr oder minder durch einen Zufall. Ein Mitspieler sprach mich an, doch seiner Gilde beizutreten. Da mir das Gildenleben bis dato fremd war und es mir eigentlich nur Vorteile versprach, willigte ich dem Beitritt zu.
Hiermit war natürlich auch sofort der Zugang zum Gilden-TS (TS stellt quasi eine Sprachkonferenz der Gildenmitglieder dar) verbunden. So wurden erste soziale Kontakte geknüpft und man fand schnell "seine" Freunde mit denen man bevorzugt Aufgaben löste. Man kann den Druck der von (durch) eine Gilde ausgeht nur schwer beschreiben, aber es ist eigentlich immer jemand Online und eine entsprechende Erwartungshaltung ("Kommst du?" - "Wir brauchen dich!" - "Wir haben die schon erwartet!" - "Schön das du da bist!"

schwebt einem durch den Kopf. Du bist Teil einer Gemeinschaft, aber gerade diese fesselt dich auch, versucht dich laufend im Spiel zu halten.
So verlängerte sich meine tägliche Spielzeit permanent. Da in der Gilde jedoch auch 24/7-Spieler (eben jene, die fast 24 Std., 7 Tage die Woche online sind) aktiv waren, war ich dauernd bestrebt deren Vorsprung einzuholen, oder diesen zumindest nicht zu groß werden zu lassen. Was wiederum mehr Zeitaufwand verlangte. So schloss sich der Teufelskreis. Um einmal eine Vorstellung eines solchen Tagesablaufs zu geben, beschreibe ich hier kurz diesen:
Aufstehen, einloggen, erste Daylies, kurz frühstücken, Büro, Fortsetzung der Daylies und erste Quests (ist in meinem Beruf kein Problem dies nebenbei zu tun), nach Hause, Essen, Raids und Inis bis in die Nacht, schlafen...
Aber wie es eben so ist, wenn mehrere Menschen "in einem Boot", sprich, einer Gilde sitzen, gab es nach einiger Zeit auch hier Streitereien. Kurzum, ich verliess die Gilde. Ich war zuerst wie befreit, ja, endlich konnte ich wieder nach meinen Regeln und Zeitvorgaben spielen. Dies ging auch kurze Zeit gut so. Da als Einzelgänger aber die interessanten Aufgaben unlösbar waren, entschied ich mich abermals nach einer neuen Gilde Ausschau zu halten. Ein riesen Fehler!!!
Über die Gilden-Vorstellungsseiten entschied ich mich für eine, meiner Meinung nach, geeigneten Gilde und bewarb mich dort. Aufgrund meines gut ausgestatteten Chars war es kein Problem aufgenommen zu werden. ... und alsbald begann das Spiel von vorne: der Gildendruck war wieder da, die Spielzeiten explodierten wieder.
Aber so, wie es ein Zufall war zu diesem Spiel zu kommen, war es genau jene 1 Sekunde, die mich von diesem auch wieder weg brachte. Über einen Bericht bin ich auf einer Homepage über Spielesucht gelandet. Nach dem Durchlesen fast aller Berichte, Gesprächen mit Freunden und dem Abwägen aller Konsequenzen, habe ich gehandelt.
Eingeloggt, nocheinmal von allen "Netten" verabschiedet, alles verschenkt, ausgeloggt, Char gelöscht, Spiel deinstalliert, fertig.
Damit es nicht zu hart wurde, hatte ich mir sofort ein Ausgleichshobby verpasst. Ich habe meine alte Eisenbahn vom Speicher geholt und baue diese nun wieder neu auf. Mit dieser sind auch schöne Erinnerungen verbunden, die nun neu erweckt wurden, vielleicht so ähnlich wie bei einem Wiedereinstieg in "Runes of Magic" wäre. Aber genau das wollte ich ja erreichen, die Gedankenwelt wieder in geordnete Bahnen zu lenken.
Es hat bei mir lange gedauert, bis ich die Sinnlosigkeit solcher Spiele erkannt habe, da es bei solchen eigentlich gar kein Ziel gibt (besser gesagt, das Ziel wird jeweils wieder weiter verschoben), daher sind sie völlig sinnfrei.
Und wie wertvoll solche "Freundschaften" in einer Gilde sind, habe ich beim Verlassen der erste Gilde auch gemerkt, ich sage nur "Aus den Augen, aus dem Sinn"...
Ich kann nur allen noch NICHT Betroffenen raten die Finger von Spielen zu lassen, die auf Gruppenspiel ausgelegt sind. Ihr werdet dem Druck nicht standhalten!!!
Ich geniesse nun meine Freiheiten und wie schön es ist "zwangfrei" zu leben, können sicherlich alle anderen Aussteiger hier bestätigen.
Ich danke den Betreibern dieser Seite für ihr Engagement und wünsche allen Betroffenen den Weg zu Ihrem Glück wiederzufinden.
.. und denkt daran: eure beste Rüstung ist euer Körper, der beste Zauber ist "Phantasie" und eure beste Waffe ist der Verstand!
... und denkt daran: die beste Rüstung ist euer Körper, der beste Zauber ist "Phantasie" und eure beste Waffe ist der Verstand!