Mut zur Nichthilfe
Hallo Perplex,
wir erleben immer wieder, dass in vielen Fällen erst viel zu spät erkannt wird, dass die Rollenspielsucht die Ursache für das Schleifen-Lassen des Studiums, das Abbrechen der Ausbildung, den Kontaktabriss zur Familie ist. Bis den Angehörigen klar wird, was mit ihrem "Kind" los ist, gehen oft viele Jahre ins Land und ist oft die Situation bereits so festgezurrt, dass guter Rat teuer ist. Leider ist es tatsächlich so, dass Ihr keinerlei Möglichkeiten habt, Euren erwachsenen Sohn zu einer Therapie zu bewegen. Nur die eigene Einsicht kann hier helfen und auch nur dann kann eine Therapie oder sonstige Behandlung überhaupt greifen. Was Euch bleibt, ist, gut zu überprüfen, an welcher Stelle Ihr Euren Sohn nach wie vor "deckt", wo Ihr ihm eigene Verantwortlichkeiten abnehmt und ihn vor den Konsequenzen seines Suchtverhaltens schützt. Hier gilt es, anzusetzen. Oft zahlen die Eltern nach wie vor, obwohl letztendlich gar kein Studium mehr stattfindet, kommen für aufgelaufene Schulden auf, sorgen für ein gedecktes Konto und das regelmässige Abbuchen der Miete. Die Angst davor, dass das Kind endgültig abstürzen könnte, die Angst vor der Räumungsklage, dem Gerichtsvollzieher oder der Kontensperrung, macht sie in allen Bereichen erpressbar, und führt dazu, dass sie alles dafür tun, diese Abwärtsspirale aufzuhalten. Doch dieses Verhalten wirkt suchtverlängernd und kann verursachen, dass sich dieser Zustand bis zum Sankt Nimmerleinstag hinzieht.
Schützt Euer Kind nicht vor sich selbst und lasst ihn die Konsequenzen seines Verhaltens schmerzlich spüren. Mutet ihm das Leben zu, denn er ist erwachsen und selbst für das, was er tut und für das, was er unterlässt verantwortlich. Ich weiß, wie weh das tut und wie ohnmächtig sich das anfühlt da innen drin. Doch nur durch das konsequente Aushalten der "hilfreichen Nichthilfe" gebt Ihr Eurem Sohn die Chance, aufzuwachen und aus einem Leidensdruck heraus selbst und aus eigener Kraft eine Veränderung in Angriff zu nehmen.
Viel Glück auf diesem schweren Weg. Ich begleite Euch gedanklich ganz fest.
Merle
Berlin!
Hallo Katrin. Das ist mein erster Beitrag in diesem Forum. Ich lese, dass Du in Berlin lebst. Nachdem ich festgestellt habe, in welcher Situation mein Sohn (24) ist, bin ich nur noch dabei, mich mit der Frage Online-und/oder Mediensucht zu befassen. Dabei bin ich auf eine Angehörigengruppe im Cafe´Beispiellos in Berlin Kreuzberg gestoßen, die in der übernächsten Woche einen Info-Abend für Angehörige durchführt.
Wir beide können uns auch gern austauschen, egal ob telefonisch, persönlich oder hier im Forum.
Erstmal alles Gute, Karla
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