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        Frau durch Onlinerollenspiel verloren

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Frau durch Onlinerollenspiel verloren

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Christian

(Mittwoch, 2.Dez 2009, 15:39)
Hallo zusammen,

auch ich bin durch die Reportage „Spielen, spielen, spielen“ auf die Seite rollenspielsucht.de aufmerksam geworden und möchte aus aktuellem Anlass meine Geschichte erzählen.

Ich bin betroffener Ehemann einer rollenspielsüchtigen Frau. Ich bin 30 Jahre alt, sie fast 25, Medienkonsum war bei uns immer ein Thema, wir haben alle aktuellen Videospielkonsolen und verbringen beide viel Zeit vor dem Computer.

Wir haben uns vor etwa siebeneinhalb Jahren kennengelernt, haben vor fast drei Jahren geheiratet und sind zusammen gezogen. Wie haben viel zusammen gespielt, vor allem Konsolen, haben aber zunächst auch andere Hobbies und Freizeitaktivitäten gepflegt. Wir sind beide voll berufstätig und verdienen nicht schlecht.

Irgendwann bin ich auf das Onlinerollenspiel „Tales of Pirates“ (TOP) gestoßen, ein im Grunde kostenloses Spiel der Firma igg.com. Wir haben zunächst wenig und zusammen gespielt, aber unsere anderen Hobbies nicht vernachlässigt. Das Spiel wurde dann irgendwann langweilig und wir haben aufgehört. Meine Frau hat neben der Arbeit ein Fernstudium begonnen und engagiert betrieben. Durch den Austausch mit anderen Studenten hat sie neue Leute kennengelernt und konnte Erfolge im Studium verbuchen.

Nach einem Semester kam bei ihr der Eindruck auf, das Studium sei nebenberuflich sehr belastend und wollte eine Pause einlegen. Zur Abwechslung hat sie TOP wiederentdeckt. Da ich inzwischen ebenfalls nebenberuflich ein Studium begonnen habe, wollte ich meine Zeit nicht mit Onlinespielen verbringen.

Meine Frau rutschte immer tiefer in das Spiel, lernte Leute kennen, trat einer „Gilde“ bei. Und sie entdeckte die „Mall“, eine Art Online-Geschäft, wo man Waffen, Rüstungen und anderes Spielzubehör gegen reales Geld kaufen konnte. Sie steckte immer mehr Geld in virtuelle Gegenstände, konnte irgendwann ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen. Sie lieh sich Geld bei mir und ihren Eltern. Auch das reichte irgendwann nicht, es kamen Mahnungen und böse Briefe von der Bank. Ihr Dispo auf dem Girokonto wurde gestrichen und sie musste einen Verbraucherkredit zur Umschuldung aufnehmen.

Sie überredete ihre Mutter und ihren Stiefvater, auch zu spielen. Wenn ihre Familie zusammen saß, gab es nur noch TOP als Gesprächsthema. Meine Frau vernachlässigte sich immer mehr, Nahrung und Schlaf gab es nur, wenn das Spiel es zuließ. Da es ein amerikanisches Spiel ist und ihre „Gildenfreunde“ überwiegend aus den USA kommen, musste sie oft nachts spielen, um an Veranstaltungen teilnehmen zu können.

Meine Frau ließ im Beruf nach und es gab einige Personalgespräche. Sie erkannte ihr Problem und begann eine Psychotherapie, die sie nach einigen Monaten aber abgebrochen hat.

Sie spürte Anerkennung und Aufmerksamkeit in der Gilde und wurde immer mehr zu „Niniel“, ihrem virtuellen Avatar. Irgendwann vor einem halben Jahr vertiefte sie den Kontakt zu einem Spieler aus Jordanien, der zehn Jahre jünger als ich und fünf Jahre jünger als meine Frau ist. Sie chattete viel mit ihm und wollte ihn mal treffen. Meine Frau und er haben dann im Spiel „geheiratet“, sie hat mir versichert, er sei nur ein Kumpel im Spiel und ich solle mir keine Sorgen machen.

Das Spiel war wie eine Mauer, ich kam nicht mehr an meine Frau ran, nur noch selten haben wir etwas zusammen unternommen, allenfalls mal gemeinsames Abendessen oder einen Film auf dem Sofa gucken. Bereits morgens vor der Arbeit hat sie am PC gesessen, ließ den Rechner teilweise mehrere Tage und Nächte am Stück laufen, auch wenn sie nicht davor gesessen hat. Sie wollte zwischenzeitlich ausziehen, unterschrieb einen Mietvertrag. Sie zog dann aber doch nicht aus, weil wir dachten, die Situation auch so in den Griff zu bekommen. Makler und Miete für diese Wohnung kosteten aber trotzdem rund 1.200 EUR, die ich ihr vorstrecken musste.

(Fortsetzung folgt)

Christian

(Mittwoch, 2.Dez 2009, 15:39)
Vor eineinhalb Wochen habe ich unbeabsichtigt meiner Frau beim Chatten mit dem Spieler aus Jordanien zugesehen. Sie sprachen über den geplanten Besuch meiner Frau bei ihm und darüber, ob man sich in islamischen Ländern in der Öffentlichkeit küssen könne und dass sie zusammen in einem Bett schlafen wollen. Sie bat ihn auch um einen Ring. Er kündigte an, sein Haus umzubauen, damit er für sich und meine Frau eine abgeschlossene Wohnung hätte (er lebt mit seiner Familie zusammen).

Ich stellte meine Frau zur Rede, sie konnte oder wollte nichts erklären und flüchtete wieder in das Spiel. Seitdem sprach ich sie immer wieder darauf an, bat sie darum, sich zwischen mir und dem Spiel bzw. ihm zu entscheiden. Sie rannte immer wieder davon uns spielte, statt sich ihren Problemen zu stellen.

Vor einer Woche bat ich sie darum, auszuziehen. Sie wohnt nun bei ihren Eltern und ihrer Schwester und schläft auf dem Boden. Das Spiel ist allgegenwärtig, weil es dort keine anderen Themen gibt. Die Mutter hat inzwischen ihren Job aufgegeben und eine fünfstellige Abfindung erhalten. Sie hat allein diese Woche 2.000 EUR in das Spiel gesteckt. Da sie nun viel Zeit zum Spielen hat, wird die Abfindung wohl nicht lange halten, sie rennt geradewegs in ihr Verderben.

In dieser Umgebung wird meine Frau keine Unterstützung bekommen, reale Freunde hat sie kaum noch, die anderen Spieler werden ihr auch nicht helfen und sie immer wieder zum Spielen überreden.

Ich treffe meine Frau noch alle paar Tage an einem neutralen Ort. Wenn sie mit mir allein ist und nicht spielt, ist sie nicht mehr „Niniel“, sondern eine ganz andere Person. Sie klingt vernünftig, erkennt ihre Probleme, bereut die Fehler. Sie kann sich aber immer noch nicht entscheiden, sitzt zwischen zwei bis drei Stühlen. Ich versuche, ihr klarzumachen, dass die Situation durch Abwarten und Weglaufen nicht besser wird, aber es hilft nichts. Auf der Arbeit ist sie ständig in den Foren vom Spiel oder der Gilde unterwegs und bei ihren Eltern kommt sie vom Spiel auch nicht los.

Ich muss einsehen, dass ich meine Frau vor mindestens einem Jahr schon verloren habe. Auch ich habe Fehler gemacht, es war nicht alles perfekt. Aber ich habe immer versucht, mit ihr ein glückliches Leben zu führen. Leider kann man die Zeit nicht zurückdrehen. Bei ihr sind die Gefühle verloren gegangen, ich habe das Vertrauen in sie verloren, weil sie mich ein halbes Jahr belogen hat.

Momentan bin ich leider machtlos, kann nichts mehr tun als zuzusehen, wie sie weiter absteigt und sich vernachlässigt. Sie hat sich seit Monaten keine neue Kleidung mehr kaufen können, viele ihrer Sachen sind inzwischen kaputt, weil sie lieber dafür sorgt, dass ihre Spielfiguren immer die neueste Ausrüstung bekommen.

Ich hoffe, dass meine Geschichte einen anderen Blick auf die Problematik eröffnet. Es ist nicht immer „WoW“ und es sind nicht nur Minderjährige, die ihr reales Leben aufgeben und in virtuelle Welten flüchten.

Ich danke für die Aufmerksamkeit und möchte Familie Hirte, allen anderen Beteiligten bei rollenspielsucht.de und dem Verein Aktiv gegen Mediensucht e.V. für das Engagement und die Aufklärung Respekt und Anerkennung aussprechen.

Liebe Grüße,
Christian.

kleinesMauf

(Mittwoch, 2.Dez 2009, 21:37)
Hallo Christian...

Ich verstehe dich, ich verstehe deine Frau.
Wenn du meine Geschichte liest, verstehst du vielleicht wie deine Frau gerade zerrissen ist, zwischen Spiel und dir.

Sie liebt dich, aber sie liebt auch dieses Spiel.
Das Spielen macht Spaß, sie bekommt dadurch Anerkennung.
Sie hat Aufgaben.

Es muss etwas passieren, dass ihr auf einen Schlag klar macht, was gerade los ist. Das sie die ganze Situation mal aus der Ferne betrachtet, vollkommen unvoreingenommen.

Vielleicht kannst du sie zu einer Therapie animieren und sie begleiten?

Sie wieder zu dir holen, das Internet abstellen oder sichern, dann aber nicht einfach zusammen rum sitzen, sondern alternativen finden.


Ich weiß es ist schwer... sehr schwer...
Aber ich hoffe du schaffst das, IHR schafft das.
Gib nicht auf.

Vielleicht kannst du ihr klar machen, wie schön das leben vor dem Spiel war, wie viel Spaß ihr gemeinsam hattet.

Und diesen Mann den sie kennen gelernt hat...
Ich habe das auch erlebt...

Schreiben können sie alle ganz nett und lieb, aber erlebe diese Menschen einmal real...
*kopfschüttel*


Ich wünsche dir viel Glück und Kraft das durch zustehen.



Liebe Grüße, kleines Mauf...

Christian

(Mittwoch, 2.Dez 2009, 21:50)
Hallo kleines Mauf,

danke für Deine Anteilnahme. Ja, ich habe hier viele Geschichten von Aussteigern und betroffenen Angehörigen gelesen, ist schon mal ein gutes Gefühl, nicht allein zu sein. Ich denke, ich wäre bereit für eine Therapie oder zumindest eine Selbsthilfegruppe, nur ich glaube nicht, das sie das ist. Wenn ich mit ihr rede, klingt sie vernünftig und einsichtig, sobald sie am PC sitzt, legt irgendwer einen Schalter um.

Mit dem Zurückholen ist es nicht so einfach. Zum einen hat sie mich zu lange hintergangen und belogen, da ist viel Vertrauen verloren gegangen. Zum anderen raten meine Freunde, einen Schlussstrich zu ziehen und die Sache abzuschließen. Die kümmern sich zwar gut um mich, haben aber selbst jedes Verständnis für meine Frau verloren. Zudem kennen die ja nur, was ich denen erzähle und nicht die Perspektive meiner Frau. Sämtliche Kontakte zwischen meiner Frau und meinen Freunden sind abgebrochen, auch zu "ihren" Freunden aus der Schulzeit hat sie keinen Draht mehr, obwohl sie diese Kontakte lange gepflegt hat, bevor sie zu spielen begann.

Fast acht Jahre Beziehung kann man nicht so leicht vergessen und auch seine Gefühle nicht einfach abschalten. Selbst wenn es mit uns nicht mehr klappt, so möchte ich aber auch nicht zusehen, wie sie vor die Hunde geht und womöglich noch den Job verliert.

Wenn sie Personalgespräche mit ihrem Chef hatte oder die Bank wieder mahnte, kamen kurze Episoden der Einsicht. Aber schnell wurde sie von der Gilde und ihrer eigenen Familie wieder reingezogen. Ich finde es bizarr und unfassbar, wie eine ganze Familie von erwachsenen Menschen so abstürzen kann.

Aber ich werd mir Deinen Rat zu Herzen nehmen und weiter berichten, wie es läuft. Danke nochmal für Deine aufbauenden Worte.

Gruß, Chris.

HappyHour

(Freitag, 4.Dez 2009, 01:15)
Hallo Christian,

zuerst einmal: "We are family!" (All jene in diesem Forum hier).


Jeder Betroffene hier kennt eben jene Situation, wie du sie beschreibst. Nicht DU musst in Therapie, sondern deine Frau!!!

Ja, klar, jeder (sorry) alkoholabhängige, sagt dir auch alles, was du hören willst. Nur darum geht es nicht!

Du lebst "Mrs. Jekyll und Mrs. Hide"...

ZITAT:
"Wenn sie Personalgespräche mit ihrem Chef hatte oder die Bank wieder mahnte, kamen kurze Episoden der Einsicht. Aber schnell wurde sie von der Gilde und ihrer eigenen Familie wieder reingezogen. Ich finde es bizarr und unfassbar, wie eine ganze Familie von erwachsenen Menschen so abstürzen kann."...

ANTWORT:
Nur wenn Druck da ist, bewegt sich "kurz" etwas. Kann das die Lösung sein?


ZITAT:
"Fast acht Jahre Beziehung kann man nicht so leicht vergessen und auch seine Gefühle nicht einfach abschalten. Selbst wenn es mit uns nicht mehr klappt, so möchte ich aber auch nicht zusehen, wie sie vor die Hunde geht und womöglich noch den Job verliert."...

ANTWORT:
... also lieber mit Sterben, als das Leid zu ertragen? Du scheinst mir doch ein recht starker Mensch zu sein und beurteilst die Situation doch sehr korrekt.


Wie du siehst, ist "KleinesMauf" durch die Hölle gegangen. Aber sie hat sich gefangen (ich ziehe nochmals meinen Hut davor, da ich ihre Geschichte nun lange verfolge).


Bekehre, rette, deine Frau!!! Schaffst du das nicht, so rette dich selbst! Du musst als "Starker" die Übersicht behalten, nur so bleibt eine Chance auf Besserung.

Vielleicht bin ich mit meinen Gedanken daneben, aber ich hoffe dir ein kleines Stück Selbstvertrauen zurückgegeben zu haben, welches du doch noch nicht ganz verloren hast.


Halte uns (mich) auf dem Laufenden, nicht aus Neugier, sondern das Schicksal zu teilen.


Immer an deiner Seite...

HappyHour!!!

Christian

(Freitag, 4.Dez 2009, 12:24)
Hallo HappyHour,

danke für Deine Meinung und Hilfe. Ich merke jetzt schon, dass es richtig und gut war, meine Geschichte mit Euch zu teilen und mir auch die Schicksale anderer durchzulesen. Man versteht das Problem wohl nur dann, wenn man es selbst erlebt hat.

Ich habe meiner Frau gestern einen Brief geschrieben, den wollte ich ihr erst nach dem nächsten Treffen am Wochenende geben. Ich hätte sie gefragt, ob sie aussteigen will. Falls nicht, hätte sie den Brief bekommen. Sie rief gestern aber von der Arbeit an, als ich nicht zuhause war. Später rief ich zurück, sie hatte aber keine Zeit. Wollte mich dann anrufen, wenn sie "zuhause" (bei ihren Eltern) ist. Passiert ist nichts.

Später haben wir gechattet und ich fragte, warum sie nicht angerufen hat. Sie hatte wieder keine Zeit. Viel später dann: "ich hab gespielt".

Da war für mich klar, dass wir das geplante Gespräch am Wochenende vergessen können, die Antwort stand ja fest. Ich fahr heut nachmittag zur Wohnung ihrer Eltern und werf meinen Brief zusammen mit den Mahnungen und Rechnungen dieser Woche in den Briefkasten.

Im Brief berichte ich davon, was Onlinespiele anrichten können und habe ihr auch das Goodbye-WOW-Tagebuch ausgedruckt. Ich hoffe, dass es was hilft, dass sie dadurch wach wird.

Mit der Beziehung werde ich wohl abschließen müssen. Und sie wird sich entscheiden müssen, ob das mit dem Kerl aus Jordanien was werden kann. Sie müsste hier alles abbrechen und sich in eine unsichere Zukunft in einem unbekannten Land stützen und mit einem Mann leben, den sie nur aus Chats kennt.

Der Brief war positiv, kein Geheule und Vorwürfe. Ich möchte ihr nicht weh tun, sondern ihr helfen. Wenn sie mit mir nicht glücklich werden kann, soll sie wenigstens auf andere Weise glücklich sein. Für mich wird es ja auch irgendwie weitergehen.

Liebe Grüße und nochmals danke für Eure Unterstützung.

Chris.

HappyHour

(Freitag, 4.Dez 2009, 21:49)
Guten Abend Christian,

das lief für dich leider nicht so gut an diesem Wochenende und du scheinst nun doch eher zu resignieren. Ich habe mir nochmals viele Gedanken über deine Situation gemacht, habe mir deine Berichte noch einmal in aller Ruhe durchgelesen. Ich komme daher zu diesen Überlegungen:

1.) Wenn du deine Frau noch retten willst, musst du sie zuerst aus der Umklammerung ihrer Eltern befreien, da diese ja selbst spielen. Eine Person die in direktem visuellen Kontakt steht, hat wesentlich mehr Macht über einen anderen als jener, der "nur" über das Telefon zu erreichen ist.

2.) Du solltest natürlich einen Plan haben was geschehen sollte, käme sie zurück. Ideen gefällig? Als da wären:

...Gespräche führen, Spaziergänge, Kino, Essen gehen, Schwimmbad besuchen, Schlitten fahren, Freunde besuchen, ein Hobby pflegen/beginnen, in Erinnerungen schwelgen (alte Bilder/Filme anschauen), Tanzen gehen, Disco besuchen, ein Livekonzert, ein Wochenende im Wellness-Hotel, eine Städtereise, ein Tandemsprung aus dem Flugzeug, Bungiespringen, rumalbern, sich stundenlang in die Augen sehen, zusammen ein Video schauen (aber keine Konsole!!!), zusammen kochen, die Wohnung neu streichen, Klamotten kaufen, Freunde besuchen, ein Spieleabend (ich meine hier aber Brettspiele) zu zweit oder mit Freunden, in die Sternwarte gehen, Museum, Ausstellung, über Bücher diskutieren, ein gemeinsamen Abend in der Badewanne (Kerzen drum rum nicht vergessen ), eine Fahrradtour, Eislaufen im Stadion, Enten füttern, in den Zoo gehen, Pokern (um was auch immer ), in eine Galerie gehen, mal in einem Kaffee über andere Leute ablästern, Weihnachtsmarkt besuchen, Urlaubspläne schmieden, bei Ebay stöbern, einen Fitnessabend im Studio, in der Sauna schwitzen, Badminton spielen, Kegeln oder Bowlen (am besten mit Freunden), altes Spielzeug vom Speicher holen, die Sehenswürdigkeiten der eigenen Stadt erkunden, eine Bahnfahrt zur nächst grösseren, interessanteren Stadt (kostet fast nix mit der Regiobahn), oder einfach mal nur die Seele baumeln lassen...

NUR KEINEN PC!!!


Sollte dies alles nicht fruchten, so hast du zumindestens dein Bestes gegeben. Gräme dich nicht um den Jordanier, er ist dann nicht mehr dein Problem.

ZITAT:
"Und sie wird sich entscheiden müssen, ob das mit dem Kerl aus Jordanien was werden kann. Sie müsste hier alles abbrechen und sich in eine unsichere Zukunft in einem unbekannten Land stützen und mit einem Mann leben, den sie nur aus Chats kennt."

Sorry, sie lebt bereits in einem unbekanntem Land (WoW), dadurch ist bereits ihre Zukunft unsicher, und wovon lebt sie eigentlich im Moment???


LETZTES ZITAT:
"Wenn sie mit mir nicht glücklich werden kann, soll sie wenigstens auf andere Weise glücklich sein. Für mich wird es ja auch irgendwie weitergehen."

Sollte es wirklich soweit kommen, so ist ihr Glückszustand auch nicht mehr dein Problem. Nein, es wird nicht "irgendwie" weitergehen, sondern es wird positiv weitergehen. DU bist der, der mit festen Füssen am Abgrund steht und versucht den fast Abstürzenden mit seinen Händen wieder nach oben zu ziehen.

Oder sieh es so: für manche ist das Licht am Ende des Tunnels, die Beleuchtung des Zuges, der sie gleich überfahren wird... lass es für dich das Tageslicht sein, durchschreite den Tunnel und siehe dann das Geschenk des Lebens.

Trotz aller Umstände wünsche ich dir ein Wochenende, welches deinen Wünschen und Vorstellungen entspricht.


Viele Grüße sendet

HappyHour

Christian

(Samstag, 5.Dez 2009, 10:17)
Hallo Happy Hour,

es scheint positive Entwicklungen zu geben. Meine Frau hatte gestern einen miesen Arbeitstag und wollte früh ins Bett. Ich habe ihr gesagt, dass ich da bin, wenn sie reden möchte, aber weil sie gestern Abend erstmal nichts von sich hören ließ, habe ich mich mit meinen Jungs getroffen. Ich dachte halt, sie würde schlafen, daher hab ich ihr nicht gesagt, dass ich raus gehe. Meine Frau versuchte gegen Mitternacht, mich über Skype zu erreichen, was natürlich nicht klappte. Hab dann eine SMS von ihr bekommen, sie vermisse mich. Das habe ich lange nicht gehört. Sie hat sonst immer die Katzen, die Badewanne oder sowas vermisst, aber nicht mich .

Bin gerade aufgestanden und nur wenige Minuten später kam wieder eine SMS. Meine Frau möchte mit mir raus, Weihnachtsmarkt, Kino oder sowas. Ein solcher Vorschlag von ihr ist echt überraschend. Das Wetter hier ist grad ziemlich bescheiden, nicht mal das hindert sie. Sonst diente das Wetter immer als passende Ausrede, damit sie zuhause bleiben konnte. Ich bin wirklich erstaunt.

Ich weiß nicht, was passiert ist und welchen Anteil mein Brief daran hat, aber das werde ich ja sicher noch erfahren.

Am Telefon klang sie ganz anders als sonst, das "guten Morgen" kam viel angenehmer rüber und auch das "ich freu mich" klang aufrichtig. Ich denke, wir werden einen netten verregneten Nachmittag mit viel Zeit zum quatschen haben. Hatte zwar für heut was mit meinen Jungs geplant, denen aber auch gesagt, dass ich für sie da sein will und das Priorität hat. Ich denke, meine Jungs verstehen und akzeptieren das. Wenn ich mit ihr nichts unternehme, tut es keiner.

Du hast eine ganze Stange an Beschäftigungen und Unternehmungen aufgelistet, danke dafür. Viel davon wäre mir auch eingefallen, aber ich bin für jede weitere Idee dankbar. Bei "altes Spielzeug vom Speicher holen" fiel mir ein, dass meine Schwester neulich mir zwei Kisten Lego vorbeigebracht hat. Nachdem sie sich nach zehn Jahren von ihrem Freund getrennt hat (diesmal sind Rollenspiele nicht schuld dran), ist sie umgezogen und hatte in der neuen Wohnung keinen Platz mehr dafür.

Danke auch für die aufbauenden Worte, positiv denken ist wirklich der richtige Weg. Du hast immer so schöne Bilder, um einem positive Gedanken zu vermitteln und ihm Mut zu machen.

Also, mal sehen, was der Nachmittag bringt (außer nasse Klamotten), ich berichte natürlich weiter.

Liebe Grüße,

Chris.

Christian

(Sonntag, 6.Dez 2009, 10:12)
Hallo zusammen,

das war gestern ein richtig schöner Tag. Wir sind über sieben Stunden unterwegs gewesen, haben erst Kinokarten geholt (New Moon), sind dann rumgebummelt und über den Weihnachtsmarkt. Meine Frau hat sich an den kleinen Dingen erfreut, die ein Computerspiel niemals bieten kann: Regentropfen auf der Brille, geschmückte Weihnachtsbäume (davon hat sie gleich einen Screenshot, äh, ein Foto gemacht), den Duft von geräuchertem Fisch und den Geschmack einer Bratwurst, die Freude über ein gewonnenes Eis beim Burger-Monopoly, Hosen im Laden zu betrachten statt auf einer Webseite, die wohlige Wärme einer heißen Schokolade mit Amaretto und Sahne. Sie hatte ein Glitzern in den Augen wie ein kleines Kind, das zum ersten Mal über einen Weihnachtsmarkt geht.

Ich habe ihr gestern immer wieder gesagt, was ich empfinde und denke. Dass ich stolz bin, weil sie auf den Computer verzichten kann (sonst hat sie samstags immer ganztägig gespielt), dass ich mich freue, weil sie Zeit hat, dass ich mich auf weitere Unternehmungen mit ihr freue.

Wir haben es letztes Jahr nicht zum Weihnachtsmarkt geschafft und waren Monate nicht im Kino. Gestern beides auf einmal. Nächste Woche möchten wir zum nächsten Weihnachtsmarkt, der nächste Kinofilm wird "Avatar" in ein paar Wochen. Leider ist unser Schwimmbad grad zu wegen Grundreinigung und Instandsetzung, da wollten wir auch mal wieder hin.

So schön das alles war: ich habe leider immer noch Zweifel und Sorgen, dass sie mir nur was vorspielt. Es hat bei mir tiefes Misstrauen hinterlassen, dass sie mich ein halbes Jahr belogen hat. Ich habe ihr in den letzten Monaten alles geglaubt und wurde herb enttäuscht. Das tat weh und hat viel kaputt gemacht. Da müssen wir noch sehr lange dran arbeiten.

Wir sind uns einig, dass die räumliche Trennung gut ist und es reicht, wenn wir uns ein bis zwei Mal pro Woche treffen. Wir machen erstmal ganz kleine Schritte, würden wir jetzt losrennen, fallen wir nur wieder hin.

Sie hat den Brief und das Goodbye-WoW-Tagebuch gelesen und war sehr berührt. Sie sagt, sie sei noch nicht soweit, aufzuhören. Und wenn, dann würde sie ihre Charaktere nicht löschen wollen, sondern ich solle ihre Passwörter ändern. Halte ich zwar nicht für richtig, aber noch ist es ja nicht soweit. Vielleicht ergibt sich mit der Zeit ja noch was. Der Wille zum Ausstieg ist wohl da, es fehlt ihr aber noch die Kraft. Sie hat aber schon angekündigt, sich hier zu melden, wenn sie es geschafft hat.

Soweit von mir für heute, Fortsetzung folgt natürlich.

Schönen Sonntag noch,

Chris.

Knackpunkt

(Sonntag, 6.Dez 2009, 19:54)
hi christian.

habe mir gerade deine/eure situation durchgelesen und konnte einige parallelen zu meiner damaligen sitaution erkennen. nur das ich der wow spieler war.
es ist schön zu sehen, wie du um sie und um dich und um eure zukunft kämpfst.
und irgendwie tut es mir auch leid dasich das jetzt aufzeigen muss aber mir is was aufgefallen und das wollte ich dir mal ebend zeigen:

Zitat
.... Sie sagt, sie sei noch nicht soweit, aufzuhören. Und wenn, dann würde sie ihre Charaktere nicht löschen wollen, sondern ich solle ihre Passwörter ändern....


sagt meiner meinung nach alles. jemand der nich will das ihm geholfen wird oder der bereit ist, was zu ändern, dem kannst du auch nicht helfen. es ist nunmal so, das der süchtige als allererstes den willen haben muss aufzuhören und was zu ändern. erst dann kann man anfangen zu helfen. vorher redest du gegen die sogenannte "wand" und sie sagt dir genau das, was du hören willst.

Zitat
... Der Wille zum Ausstieg ist wohl da, es fehlt ihr aber noch die Kraft....


was denn nun? auf der einen seite sagt sie , sie hört noch nicht auf und hier sagt, sie das sie will. meiner meinung nach ´n typisches anzeichen von ausreden suchen um immer weiterzumachen.

Zitat
... Sie hat aber schon angekündigt, sich hier zu melden, wenn sie es geschafft hat....


genau das meine ich damit, wenn ich sag, das sie dir das erzählt, was du hören willst.

ich hoffe du verteufelst mich jetzt nichtaber das sind so die sachen, die ich meiner freundin auch erzählt habe und noch viel mehr. aus eigener erfahrung weiss ich, was man seinem partner alles so erzählen und verkaufen kann nur damit derjenige ruhe gibt und man bis zur nächsten diskussion ruhe hat.
solange sie nicht will, hast du keine chance sie darauszuholen.

zu der beziehung an sich möchte ich das mal so sagen. ihr seid laaaange zusammen und es ist verdammt schwer sowas loszulassen, nur musst du dich dabei folgendes fragen:
wie lange geht das schon? seid ihr bzw. bist du glücklich damit? geht sie auf dich ein und nimmt es war, das sie ein problem hat und wird sie was daran ändern wollen?
ich will damit nur sagen, das es auch eine co-abhängigkeit gibt und das du auch ein eigenes leben hast, das es wert ist zu leben. natürlich am ehesten mit ihr aber eventuell auch ohne sie wenn du mit ihr nicht mehr glücklich werden kannst.


wie gesagt. is meine meinung und ich hoffe das es dir, auch wenn´s jetzt eher negativ war, ein wenig geholfen hat.

Christian

(Sonntag, 6.Dez 2009, 21:24)
Hi Knackpunkt,

ja, besonders aufbauend war Dein Beitrag nicht, trotzdem danke ich Dir dafür. Co-Abhängigkeit kenne ich, denke, dass ich da auch mit drin stecke. Aber die Fortschritte meiner Frau scheinen mir ein Ansatz zu sein. Wenn man versteht, wie Onlinerollenspiele funktionieren, sieht man, dass sie irgendwann kippen muss. Zur Seite, wo sie ganz aufhört oder zur Seite, wo sie komplett abstürzt. Dass sie nach eineinhalb Jahren wieder an diesem Scheidepunkt steht, ist wohl nicht zu unterschätzen, sie hat schon schlimmere Phasen hinter sich.

Gestern die Stunden, die wir draußen waren, heute Nachmittag war sie erst um fünf Uhr am PC, hat vorher Bücher gelesen, Haare gefärbt, sonst was gemacht. Drei Meter daneben war der PC, der war aus, nicht mal für Emails oder Youtube oder sonstwas hat sie den angemacht.

Ich möchte sie ungern abstürzen lassen, daher halte ich zu ihr. Mir geht es inzwischen besser, auch dank Eurer Hilfe. Ich bekomme meinen Alltag wieder geregelt und freu mich auf die Treffen mit meiner Frau. Im Moment sind wir beide zufrieden, halten den Kontakt, hängen aber nicht aufeinander rum.

Ich habe hier nicht in aller Ausführlichkeit dargestellt, was ich in all den Jahren falsch gemacht habe, das müsste man auch alles berücksichtigen. Dann könnte man meine Frau eher verstehen. Momentan ist sie wie ich auch mit den Gefühlen und Gedanken durcheinander, da ist es schwer, eine Entscheidung zu treffen, die das Leben auf jeden Fall verändern wird. Wir brauchen Zeit und arbeiten dran. Das ist aber schon viel mehr, als ich noch vor wenigen Tagen erwartet habe.

Ich kenne Deine Geschichte nicht, daher kann ich nur wenige Rückschlüsse und Ratschläge aus Deinen Worten ziehen. Dementsprechend geh ich an die Sache mit meiner Frau mit einer - hoffentlich gesunden - Mischung aus Zuversicht und Skepsis ran und schaue, wie sich die Sache entwickelt. Da ich hier ja fortlaufend berichte, kannst Du einschreiten, wenn Du meinst, dass ich auf dem falschen Weg bin.

Gruß, Chris.

[Nachtrag (21:32 Uhr):]

Habe Deine Geschichte doch noch gefunden, war gut versteckt. Werde sie nochmal in Ruhe lesen und sacken lassen.

merle

(Montag, 7.Dez 2009, 13:23)
kämpf weiter
Hallo Christian,
seit Tagen schon trage ich Deine Geschichte mit mir herum und verfolge den weiteren Verlauf. Ich möchte Dir Mut machen, weiter zu kämpfen. Es ist gut, wenn Deine Frau merkt, wie wichtig sie Dir ist und es ist gut, wenn Sie durch Dich so oft wie möglich "nach draußen" geholt wird. Nur muss ich Knackpunkt recht geben: Sei auf der Hut, auch um Dich selbst zu schützen! Süchtige sind äußerst geschickt darin, das Blaue vom Himmel zu versprechen, nur damit der andere sich in Sicherheit wiegt und wieder für eine Weile Ruhe gibt. Das soll Dich aber nicht entmutigen. Der Abstand, den Ihr zwischen Euch gebracht habt, wird Dir helfen, nicht mehr mit Haut und Haaren von dieser Problematik aufgefressen zu werden und wird Dir ermöglichen, "für Dich selbst zu sorgen." Das ist die beste Basis, um Deiner Frau kraftvoll und selbstbestimmt gegenübertreten zu können. Letztendlich wird sie allein die Entscheidung fällen, ob sie da raus will oder verloren geht. Du kannst nur liebend an ihrer Seite stehen. Vertrauen ist ein guter Weg, aber eine dicke Prise Skepsis steht Dir zu und kann nicht schaden. Wenn Sie sich für die virtuelle Welt entscheidet, dann entscheide Du Dich für das Leben.
Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft.
Merle

Christian

(Freitag, 11.Dez 2009, 01:08)
Hallo miteinander,

wieder eine schlaflose Nacht. Sie war neulich hier in unserer gemeinsamen Wohnung, waren gemischte Gefühle. Die Katze hat sie erkannt, "meine" Katze hat "ihre" Katze gerochen. Wie haben viel gechattet, SMS geschrieben,waren zusammen essen. Es tut weh, wenn sie weg ist und es kribbelt, wenn sie da ist. Das elende Alleinsein wird zu einer Sehnsucht, die ich lange nicht mehr gespürt habe.

Wir wollen uns Schritt für Schritt aufeinander zu bewegen. Sie hat dieses Forum entdeckt (über rollenspielsucht.de) und sich angmeldet. Auf Ihren Wunsch habe ich ihren Klarnamen und teilweise ihren Nickname (Avatar) entfernt. Sie macht unglaubliche Fortschritte - wir machen sie. Ich möchte nicht vorgreifen, am Wochenende sind wir auf dem Weihnachtsmarkt, das wird sicher sehr schön.

Ich hab Angst, dass es zu schnell geht. Samstag Weihnachtsmarkt, Sonntag ihr Geburtstag. Sie meinte, ich müsste ihr nix schenken, aber eine Kleinigkeit sollte drin sein. Und ein Kuchen.

Über die Weihnachtsfeiertage ist sie allein, ihre Familie fährt nach Hamburg. Heiligabend gehen wir zusammen lecker essen. Weihnachten war der Familie immer immer ein Familienfest. Ich hab oft Weihnachten bei denen gefeiert, weil meine Familie kaputt war. Nun ist auch ihre Familie kaputt, keine X-Mas-Deko mehr, kein Tannenbaum, keine Schwippbögen. Einsames Weihnachten. :(

Wenn's nach mir geht, möchte ich nix planen. Hoffnung und Träume gerne, aber Plan? Ich kann nur von mir berichten, was ich denke und fühle. Es ist jedenfalls viel passiert und ohne Euch hätte ich nicht die Kraft gehabt, das durchzustehen.

Ich muss mich bremsen, die Sehnsucht, das Vermissen, alles tut weh. Aber wir sollten nicht wieder in alte Muster verfallen. Ich nehm sie gern in den Arm, aber wenn sie beim Spazieren meine Hand nimmt oder mich nur flüchtig küsst - ich will das ja, aber ich weiß nicht, ob es richtig ist.

Im Moment ist alles so schön und tut so weh, ich weiß noch nicht, wo ich bin.

Hab mir vorhin unsere Hochzeitsfotos angesehen. Wenn sie einverstanden ist, bekommt ihr die mal zu sehen. Optisch haben wir uns nicht verändert, sind kaum älter geworden. Zwischenmenschlich haben wir eine Achterbahnfahrt hinter uns, die noch lange nicht zuende ist.

Ich drück euch,
Chris.

Knackpunkt

(Freitag, 11.Dez 2009, 09:03)
ich finds super das du/ihr für euch kämpft. und so wie´s aussieht gehts ja auch schon vorwärts und erlebt neben dem ganzen negativen ereignissen ja auch ne menge positive sachen, so wie sich das anhört. gerade jetzt zu weihnachten is das natürlich besonders schwer mit ´ner trennung.

du darfst dich selber jetzt nicht "vernachlässigen". zieh die positiven sachen aus eurer momentanen situation und bleib halt nicht immer bei den schlechten stehen. geh raus, treib sport und lass keine langeweile aufkommen. körperliche beschäfftigung hilft am besten gegen schlechte gedanken usw.. warm anziehen, mp3 player auf und 2h fahrrad fahren. ist gut für den körper und macht den kopf frei.

ihr wollt was ändern und habt damit bereits begonnen und das is der wichtigste und entscheidende schritt. es wird nicht immer einfach, aber wenn´s einfach wäre, is es ja auch irgendwie langweilig.

eine frage noch. damit euch diese weihnachten nicht ganz flöten geht, könnt ihr da nicht zusammen ein wenig eure gemeinsame wohnung schmücken? bevor ihr abends essen geht z.b.? oder geht das gefühlstechnisch nicht?

bis die tage und kopf hoch sonst kannste nicht sehen wo´s hingeht
.

merle

(Freitag, 11.Dez 2009, 12:36)
Genieß das!
Ich kann gut nachvollziehen, Christian, was in Dir vorgeht. Ich erinnere mich an alleinige Zeiten bei mir, an denen ich vor Einsamkeit Gänsehaut hatte.... Aber solche Phasen bergen auch immer eine Chance in sich. Dadurch dass Du Dich jetzt so intensiv empfindest, bist Du ganz nah an Dir dran, näher als sonst. Du lernst Dich kennen, bis tief innen drin. Wie oft stopfen wir diese Stille, die wir ganz schnell mit Leere verwechseln, mit anderen Dingen. Wir fahren uns irgendwelche Medien rein, wir fliehen in ein Onlinespiel, wir flüchten nach draußen in die laute Welt - nur um nicht spüren zu müssen, dass da auch mal nichts ist, nur wir und unser Fühlen. Viele Beziehungen, so denke ich, bestehen nur deshalb, weil dann wenigstens jemand da ist, egal ob es zusammen passt. Halte durch! Nur so kannst Du für Dich herausfinden, was Deine Frau und Euer gemeinsames Leben für Dich bedeutet. Dalai Lama hat gesagt: "Liebe bedeutet, dass man sich mehr liebt als braucht."
Du sagst, dass Du noch nicht weißt, wo Du bist. Das ist schön. Wie oft wissen wir, wo`s langgeht. Wie oft wissen wir, was zu sagen ist. Die sprachlosen Momente und diejenigen, an denen uns die Orientierung fehlt, versprechen Entwicklung, Veränderung, Wachstum. Genieß das!
Ich wünsche Dir viele weitere tiefe, alleinige, schmerzlich schöne und schlimm kribbelige Nachdenktage.
Merle

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