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 Foren zum Thema Mediensucht / Partner-Forum
        Frau durch Onlinerollenspiel verloren

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Thema ist geschlossen

Donnerstag, 1.Apr 2010, 08:56

Team-ch Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 68
Mitglied seit: 07.06.2009
Migliedsantrag
Hallo Chris,
bereits damals habe ich den Mitgliedsantrag überprüft und erneuert. Leider erkennt das System nicht, dass ich ihm eine PDF-Datei gebe. So muss die Datei abgespeichert werden und als PDF-Datei geöffnet werden. Dann sollte es klappen.
An welche Aufgaben, an denen es wahrlich eine große Auswahl gibt, hast Du denn gedacht? Siehe auch: mit-AKTIV-werden. Oder vielleicht die Spezialisierung auf ein bestimmtes Thema ?
Wir arbeiten z.Zt. schwerpunktmäßig am weiteren Ausbau des Netzwerks für Ratsuchende, damit man schneller Hilfe finden kann.
Bitte einfach melden.
und Danke für das Angebot.
Team-CH
Donnerstag, 1.Apr 2010, 13:51

HappyHour Benutzer ist offline

Benutzer Hat Erfahrung
Anzahl Beiträge: 129
Mitglied seit: 10.11.2009
Abstand wahren...
Hallo Christian,

inzwischen ist doch wieder eine Menge passiert. Und so, wie ich das sehe, wäre es an der Zeit, eine kleine "Auszeit" zu nehmen. Damit meine ich nicht aufzugeben, aber die Fronten verhärten sich zusehends und man fährt andere Kaliber auf. Sachlich ist das Ganze nicht mehr und auf emotionaler Ebene begegnet man sich in den untersten Schubladen.

Eher erschütternd oder ernüchternd, war die Geschichte deiner Frau in diesem Spieleforum. Sollte den anderen Forumsteilnehmern vielleicht eine passende Story präsentiert werden, in deren Mittelpunkt die ganze Familie als spielende Gilde dargestellt wird, sollte man auch genauer lesen und das Gedruckte zwischen den Zeilen beachten.

Sie schreibt, dass ihre "Familie" die grösste Rolle in ihrem Leben spielt. Mit Familie meint sie aber ihre Eltern und nicht DICH!

Du bist im Moment Aussenseiter, wohl eher geduldet als erwünscht. Und mit deinen Bemühungen "verrennst" du dich mehr, als ein Ziel zu erreichen.

Du kannst die besten Ansichten verbreiten, die plausibelsten Gründe anführen und das logischste Verhalten verteidigen. Aber du wirst SIE nicht erreichen.

Um es einmal bildlich auszudrücken:
ihr steht beide auf einer Seite des Berges. Eure einzige Verbindung ist eine Hängebrücke, die euch über eine tiefe Schlucht verbindet. Eine sehr wackelige Verbindung. Und nur mit vorsichtigen Schritten kann man sein Gegenüber erreichen, bevor man vielleicht selbst abstürzt. Es kann jedoch auch eine Seite das Seil kappen. Dann ist ein völlig neuer Weg gefragt und die Suche nach dem selbigen wird sich als schwierige Aufgabe erweisen, wenn es diesen überhaupt gibt.

Darum tue dir selbst ein Gefallen und versuche das Ganze aus ein gesunden Distanz zu sehen. Vielleicht erhälst du völlig neue Ansichten...


LG HappyHour!




... und denkt daran: die beste Rüstung ist euer Körper, der beste Zauber ist "Phantasie" und eure beste Waffe ist der Verstand!
Freitag, 2.Apr 2010, 23:22

Christian Benutzer ist offline

Mitglieder Anfänger
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 89
Mitglied seit: 02.12.2009
Migliedsantrag
Zitat
Original geschrieben von: Team-ch Leider erkennt das System nicht, dass ich ihm eine PDF-Datei gebe. So muss die Datei abgespeichert werden und als PDF-Datei geöffnet werden. Dann sollte es klappen.

Alles klar, hat geklappt, Antrag geht in den nächsten Tagen raus. Gut, dass der Hinweis auf der Seite steht, wie man mit der Datei umgehen muss. Ich habe mal überlegt. Wenn ich nur davon ausgehe, dass ein Prozent der deutschen Internetnutzer abhängig sind und etwa 70% der Bevölkerung ins Netz gehen, dann dürften allein in unserer kleinen Stadt mit rund 56.000 Einwohnern etwa 400 Internet-Abhängige leben. Wenn ich nur ein bis zwei Prozent davon irgendwie erreichen kann, hätten wir eine nette kleine Gruppe zusammen, für eine Selbsthilfegruppe, ein Betroffenen-Café oder sowas. Ich würde Euch wirklich gern unterstützen, über die konkrete Form muss ich aber noch nachgrübeln. Ich habe z.B. keine Ahnung, wie man die Betroffenen überhaupt erreichen kann.

Was mich persönlich angeht, bin ich erstaunt, wie es aufwärts geht. Gestern war ich mit meinen "Jungs" draußen. Das war super, ich habe gemerkt, wie sehr ich mich auf meine Freunde verlassen kann. Die haben mit mir geredet, mir zugehört, mich aufgebaut. Und es waren Leute dabei, die ich vielleicht einmal im Jahr sehe und gestern war es, als würden wir täglich miteinander plaudern. So vertraut, so freundschaftlich. Auch auf meine Familie kann ich zählen. Meine Mutter und mein Bruder waren am Montag spontan da, sie wussten gar nicht, ob ich zuhause bin. Standen unerwartet aber wie erbeten vor der Tür. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Heute war ich aktiv. Habe die Wohnung aufgeräumt und etwas umgestaltet. Habe den lange vernachlässigten Balkon von Unkraut befreit und Blumenzwiebeln gepflanzt. Nächste Woche kommt der große Balkon dran (wir haben zwei). Letztes Jahr im Sommer habe ich von meinen Freunden ein Auto geschenkt bekommen (nen alten Scirocco), da muss wohl noch was dran gemacht werden. Das will ich in den nächsten Wochen in Angriff nehmen, dann bin ich nach vielen Jahren endlich wieder mobil. Ich habe plötzlich soviel Kraft, soviele Ziele und Beschäftigungen, ich kann sagen, dass es mir gut und jeden Tag besser geht.

Ich bin mir wohl noch nicht sicher, wie ich mit anderen Frauen umgehen soll. Einerseits bin ich verheiratet und will meiner Frau auch in dieser Phase treu sein. Andererseits bin ich kein Kind von Traurigkeit und noch lange nicht weg "vom Markt". Ich weiß, dass ich nicht lange allein sein kann/will. Aber ich will auch keine flüchtigen Affären, weil kein Mensch es verdient, nur als Trostpflaster instrumentalisiert zu werden. In dem Punkt bin ich wirklich sehr unsicher.

Naja, ich weiß, dass es aufwärts und vorwärts geht. Ich habe meine Pläne und Ziele und freue mich auf jeden neuen Tag. Mein Spiel ist das reale Leben. Wenn ich das mit einem MMORPG vergleiche, sieht es gut aus. Ich beschränke mich nicht auf ein 15-20 Zoll großes Fenster, in meinem Spiel spielen sechseinhalb Milliarden Spieler mit, statt nur ein paar tausend. Mein Spiel berührt alle fünf Sinne und ist nicht auf audio-visuelle Reize beschränkt. Mein Spiel hat eine unschlagbare Grafik. Ich bestimme, was ich tun kann und bin nicht auf die programmierten Möglichkeiten beschränkt.

Die Unterstützung von meinen Freunden und Euch hilft mir, mich neu zu erfinden, mich mindestens jeden Tag ein Stück mehr zu entdecken. Ich will mein Potenzial entfalten und meine Kraft positiv nutzen. Ich muss Euch an dieser Stelle wirklich mal ein dickes "Danke" aussprechen.

Noch etwas am Rande, was ich gestern in der Zeitung las. Immer dann, wenn ich vom Tod vernachlässigter Kinder höre, überkommt mich ein böser Verdacht zur Ursache. Bei der kleinen Lea aus der Oberpfalz scheint er sich leider zu bestätigen. Die Mutter soll exzessiv Online-Kniffel gespielt haben, statt sich um ihr Kind zu kümmern. Ich finde sowas traurig. Wir müssen echt was unternehmen, um solche und ähnliche Schicksale zu verhindern. Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten.

Liebe Grüße,
Chris.
Sonntag, 4.Apr 2010, 22:39

HappyHour Benutzer ist offline

Benutzer Hat Erfahrung
Anzahl Beiträge: 129
Mitglied seit: 10.11.2009
The Phönix has landed...
Hallo Christian,


endlich hast du die Titanic verlassen!!! Und der Phönix war der einzige Weg dies zu erreichen, denn nur er kann auf seinen Schwingen dem Untergang im Wasser entfliehen. Ich sehe hier nun ein ganz neuen Menschen vor mir, der zielorientiert SEIN Leben in die Hand nimmt. Hut ab! Und wie sehr ich mich darüber freue, kann ich hier nur schwer zum Ausdruck bringen...

Die "Erleicherterung" die in deinen Worten mitschwingt sind ein gutes Zeichen für deinen neuen Weg. Besser wie dein Phönix-Avatar kannst du deine momentane Lage wohl nicht beschreiben und gerade das ist es, was mich sooo begeistert.

Hier steht ein neuer Mensch mit neuen Zielen vor mir, der begreift, wie wertvoll er selbst und die direkten Mitmenschen um ihn herum sind. Und ich meine jene Weggefährten, die dich verstehen, dich begreifen und den Sinn deiner Worte teilen. Allein schon die Ideen für deine Vorhaben zeigen die Kraft, die in dir entstanden ist. Verstehe mich jetzt nicht falsch, aber mir kommt es vor, wie wenn du dich von einem Dämon befreit hättest, so klingen deine Worte in meinem Ohr...

Jetzt, wo du deine alten Qualitäten und Freunde wieder entdeckst, wird deine "Problemwelt" etwas in den Hintergrund rücken (müssen). Wie ich in meinem letzten Post schon sagte, wird dir die Distanz zu den Ereignissen und Problematiken, neue Wege zeigen.

Ich wünsche dir in diesem Sinne ein Osterfest der besonderen Art....



Immer auf deiner Seite...

LG HappyHour!!!



... und denkt daran: die beste Rüstung ist euer Körper, der beste Zauber ist "Phantasie" und eure beste Waffe ist der Verstand!
Sonntag, 4.Apr 2010, 23:45

Christian Benutzer ist offline

Mitglieder Anfänger
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 89
Mitglied seit: 02.12.2009
Hi Happy,

danke für Deine lieben Worte. Ja, es geht aufwärts, ich spüre wieder Kraft in mir, Tatendrang, Energie. Wenn auch meine Frau vielleicht noch lange mit ihrer Abhängigkeit kämpfen muss, ich will die Co-Abhängigkeit loswerden und mich sinnvollen Dingen widmen. Ich weiß nicht, ob Du es gesehen hast, aber ich will wirklich AKTIV werden und mich für den Verein einsetzen. Scroll mal auf der Foren-Hauptseite ganz runter, dann siehst Du, was ich meine.

Ich bin kein Bekehrer oder Weltverbesserer, aber ich denke, dass ich etwas bewirken kann. Und dafür will ich nun arbeiten. Wenn ich meiner Frau nicht helfen kann, dann wenigstens anderen. Das gibt mir Sinn und Erfüllung. Ich habe meinen Platz in der Welt, meinen Job, mein Studium, meine Katzen, meine Freunde, meine Familie, meine Pläne und Ziele. Jeder Tag ist ein Geschenk und ich will diese Geschenke nicht im Klo runterspülen, indem ich jeden Tag sinnlos vor dem PC hänge. Nein, auf mich warten Aufgaben. Der Balkon, das 500-Teile-Puzzle, die Arbeit für den Verein, mein halb-fertiges Auto.

Die Distanz wird zwar jeden Tag größer, aber für mich auch erträglicher. Trotzdem hoffe ich für meine Frau, dass sie bald die Kraft findet, etwas zu ändern und ihr Leben in den Griff zu bekommen. Jeder Abhängige ist einer zuviel und jeder Mensch ist zu wertvoll, als dass seine Seele und sein Charakter vom Netz gefressen werden sollen.

Dir und allen anderen auch ein nettes Osterfest!

Chris.
Montag, 12.Apr 2010, 22:48

Christian Benutzer ist offline

Mitglieder Anfänger
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 89
Mitglied seit: 02.12.2009
Whoa.

Ich habe mir nochmal die ersten meiner Beiträge in diesem Thema durchgelesen. Erkenntnisse: es hat sich auch nach einem halben Jahr nicht wirklich viel geändert. Meine Frau ist ein völlig normaler Fall. Der Verlauf der Suchtkurve, die Anamnese, die Versuche, aufzuhören, die Lügen, die Flucht, die Reue. Hab ich nun echt etwa tausend Mal gelesen (zB http://wowdetox.com/ = World-of-Warcraft-Entgiftung, Aussteiger-Seite für WoW-Spieler mit zig-Tausend Geschichten) und während meiner Recherchen und Studien nun auch immer wieder erlebt.

Im Grunde ganz einfach:

- Du bist vorveranlagt, genetisch, durch Sozialisation, im Extremfall durch Misshandlung oder Mobbing oder sowas.
- Coping (=Problembewältigungsstrategie) klappt nicht im realen Leben, Deine Urinstinkte kommen hoch
- Instinkt sagt: bleib am Leben. Weil Dir niemand hilft, hilfst Du Dir selbst. Tiefenpsychologische Lösung eines neurotischen Konfliktes
- Du entwickelst eine Impulskontrollstörung, Dein Denken und Handeln, Deine ganze Lebensplanung gehen durcheinander
- Du ziehst Deine Familie und Deine Freunde mit rein - Co-Abhängigkeit
- Dein Handeln sorgt für Dopamin-Schübe, Dein Belohnungszentrum freut sich
...
- Dein Belohnungszentrum ist auf Balance ausgelegt, die Dauer-Dusche von Dopamin verträgt es nicht. Es zieht sich einen Pelz an, wird resistent
- Du willst, brauchst mehr Kick, mehr Dopamin, Dein Belohnungszentrum ist aber an der Decke. Wenn's Dir nicht ab und zu richtig beschissen geht, kann es Dir nicht gut gehen.
- Dopamin hilft nicht mehr, Du freust Dich über nichts mehr, hast keine Gefühle mehr. Nennt man Anhedonie.
- Du bist am Limit, Dein "Stoff" hilft nicht mehr, nichts und niemand hilft Dir. Jetzt gehst Du in Therapie, Du hast das Ende der Leiter erreicht.

Meine Frau ist ziemlich am Ende der Leiter. Wie ich im Vorwort meines Buches schreibe, entweder Einsicht oder Absturz. Ich halte sie fest, werde sie aber nicht auffangen und ihr auch nicht hinterher springen. Dazu lebe ich zu gern. Ich bekomm mein Dopamin durch Spazieren, für die Staatsprüfung lernen, mich hier austauschen, den Balkon bepflanzen, mit den Katzen spielen, Bude aufräumen und putzen, mit Freunden treffen. Und ab und zu fahr ich runter und kaum mir Serotonin. Das entspannt und macht ausgeglichen. Kick und Entspannung, aber immer Herr der Dinge bleiben.

Schöne Grüße aus dem Labor,
Chris.

[Edit:]

Ich sollte noch dazu erwähnen, falls es nicht deutlich genug durch kam: das ist der Verlauf JEDER Sucht, nicht nur "Spiel-Sucht", "Internet-Sucht" oder "Social-Network-Sucht". So läuft jede Sucht ab. Als die Glücksspiel-Sucht aufkam, war die Wissenschaft auch überfordert und hat die Kriterien aus den stoffgebundenen Süchten abgeleitet. Nun Steht die Wissenschaft vor dem Problem: ist Online-Abhängigkeit eher eine stoffungebundene Sucht oder eine Art Glücksspiel-Sucht? Katze beiß sich selbst in den Schwanz... Machen wir lieber eine Impulskontrollstörung daraus, so wie pathologische Brandstifter, da haben wir ja auch ein paar Millionen von in Deutschland, oder...?
Mittwoch, 14.Apr 2010, 14:26

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 268
Mitglied seit: 12.06.2009
Loslassen = Liebe
Hallo Christian,
ja, es ist unglaublich, was sich da in Dir verändert. Ich freue mich so sehr darüber, auch über den Phönix, der das sinkende Schiff hinter sich gelassen hat. Dein Prozess, Dein langer Leidensweg, der Dich an den Punkt des Loslassens geführt hat, an dem Du jetzt bist, ist atemberaubend und macht all denen Mut, die manchmal glauben, Veränderung sei nicht möglich. Du zeigst, dass es gelingen kann, wenn man sich mutig und schonungslos mit den Gegebenheiten auseinandersetzt.
Heute sind mir wunderbare Zeilen zum Thema Loslassen (= Liebe) "zugefallen". Ich möchte Sie an Dich weitergeben:

Ich wage es,
Dich allein zu lassen
in Deinen Gedanken
und Entscheidungen.

Ich will nicht für Dich denken,
Dich nicht mit meinen
Vorschlägen entmündigen
und immer besser wissen,
was gut für Dich ist.

Ich wage es,
mich nicht verantwortlich
für Dich zu fühlen.
Ich lasse Dich Deinen Weg finden,
nicht, weil ich Dich nicht liebe,
sondern weil ich Dich liebe.

Ulrich Schaffer

Ich wünsche Dir einen wunderschönen fröhlichen losgelösten Tag.
Merle
Mittwoch, 14.Apr 2010, 22:33

Christian Benutzer ist offline

Mitglieder Anfänger
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 89
Mitglied seit: 02.12.2009
Danke für das Gedicht, Merle,

das erinnert mich an ein Poster, dass ich vor einer Weile bei uns im Ort in einem Foto-Laden gesehen habe. Weiß nicht mehr genau, wie es ging und von wem es war, jedenfalls stand der Text auf Deutsch und zwischen den deutschen Zeilen auf Französisch da. War sehr nachdenklich und aufrichtig, geht genau in die Richtung wie Dein Gedicht.

Naja, wie bemerkt, es geht nicht vorwärts. Meine Frau hat mal wieder einen großen dreistelligen Betrag verfeuert, klebt nach wie vor am Rechner. Wie ich sagte, wir sind keinen Schritt weiter. Hab ihr von meinen letzten Aktivitäten erzählt, wer zwischendurch Kinder bekommen hat, wer jetzt mit seiner Partnerin ein Haus baut, wer wieder mal umzieht. Scheint sie zwar zu interessieren, aber nicht wirklich an sie zu heranzustoßen. Änderungswille ist nicht da. Sie habe Angst. "Wovor?" "...."

Sie sieht, wie kaputt die Eltern sind. Sie sieht die bösen Briefe von der Bank, vom Handy, ist jetzt auch bei PayPal und ClickandBuy gesperrt (gut, die wollen Geld verdienen und sie ist immer treuer Kunde gewesen, sie wird sicher bald weitermachen können).

Sie hat kaputte Zähne und muss beim Zahnarzt was dazubezahlen, das stört sie mehr, als ein Vielfaches davon in Einsen und Nullen zu stecken. Es ist echt traurig, wie es mit ihr abwärts geht. Heute wollte sie sich mit einem alten Freund aus der Schulzeit treffen. Ich wette, da ist nichts draus geworden.

Ich geb ihr noch ein halbes Jahr. Entweder ist sie dann völlig am Ende und kriegt selbst die Kurve oder ich zieh die Reißleine. Und damit meine ich nicht, sie fallen zu lassen.

Egal, welche diagnostischen Kriterienkataloge (s. Kapitel 1) ich ansetze: sie erfüllt alle Kriterien. Diese Frau braucht dringend Hilfe, aber sie will keine. Wie krank kann einen diese Sucht machen? Oder war man vorher schon krank? Ist es wichtig, das zu unterscheiden oder sollte man sich auf das Problem und den Menschen konzentrieren?

:/

Chris.

[Edit:]

Hab das Poster gefunden: http://img88.imageshack.us/img88/2075/ichwillquiero.jpg
Samstag, 17.Apr 2010, 01:23

Christian Benutzer ist offline

Mitglieder Anfänger
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 89
Mitglied seit: 02.12.2009
Gute Nacht allerseits,

vorhin sprach ich mit einem Freund über das Problem. Wir kamen beide zu dem Schluss, dass nur noch die
Zitat
oder ich zieh die Reißleine. Und damit meine ich nicht, sie fallen zu lassen.

was bewirken kann. Entweder gucken wir zu, wie diese Frau ungebremst auf den Erdboden zurast oder wir retten sie.

Ich will sie retten, auch, wenn es drastische Maßnahmen erfordert. Gegen ihren Willen (den es nach Kapitel 2 nicht mehr gibt), aber zu ihrem Guten.

Ich drück Euch,

Chris.
Samstag, 1.Mai 2010, 15:52

Christian Benutzer ist offline

Mitglieder Anfänger
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 89
Mitglied seit: 02.12.2009
Hi Mitstreiter und Unterstützer,

die letzten Tage waren wieder sehr hart. Sie sagte mir, sie wolle eine alte Schulfreundin in Aachen besuchen. Nachdem sie diese Lüge mehrfach wiederholt hat, rückte sie mit der Wahrheit raus. Sie trifft sich in Maastricht mit einem Kerl, der ebenfalls gespielt und gemerkt hat, dass er keine realen Freunde mehr hat. Das Treffen soll eine Art Selbsthilfe werden.

Ich bin nicht sauer, dass sie sich mit einem Kerl trifft. Selbst wenn sie mit nem anderen in die Kiste springen würde, könnte ich nichts dagegen tun. Aber ich bin stinkesauer, dass sie wieder mal gelogen hat. Und dass ihr Hilfe angeboten wird, auf die sie nicht mal mit einem kleinen "Danke" reagiert. Es reißen sich Leute den Ar*** auf, um ihr zu helfen, aber sie merkt es nicht.

Heut morgen rief sie mich an und fragte, ob ich ihren Motorroller am Bahnhof abholen könne.Habe ich natürlich nach den Lügen und Enttäuschungen der letzten Tage abgelehnt. Ich seh nicht mehr ein, warum ich diese Sch**** mitmachen soll. Ich habe keine Lust mehr, belogen und benutzt zu werden. Soll sie sehen, wie sie klar kommt.

Ich habe ihr mehrfach die Daten unserer Suchtberatungsstelle gegeben. Per PM, per SMS, per Mail, auf Papier, sie hat das immer wieder verbummelt und immer wieder nachgefragt. Ich geb ihr noch ein paar Tage Zeit. Wenn sie es dann nicht hinbekommt, sich endlich Hilfe zu holen und zu gucken, dass sie in eine Therapie kommt, zieh ich - wie angekündigt - die Reißleine. Vor einem halben Jahr überschrieb ich dieses Thema mit "Frau durch Onlinerollenspiel verloren", ich habe zwischenzeitlich daran gezweifelt, weil ich wieder Hoffnung hatte. Aber nun ist echt Feierabend. Es ist keine Schande, krank zu sein, aber es ist schlimm, mit einer Krankheit nicht zum Arzt zu gehen.

Wenn sie es nun nicht packt, ist diese Frau für mich erledigt. Dann sage ich "Tschüss" zu dem Mist und lasse sie in ihrem Sch*** verrecken.

*wutimbauch*

Chris.
Samstag, 1.Mai 2010, 18:04

Knackpunkt Benutzer ist offline

Benutzer Anfänger
Anzahl Beiträge: 95
Mitglied seit: 29.10.2009
ohha, da hatabe jemand wirklich krass wut im bauch, das konnte man richtig schön rauslesen.
so wie´s ausssieht, schaltet dein körper/geist gerade seinen selbstschutz ein um dir zu sagen jetzt is schluß mit lustig. du hast und wolltest helfen so gut du kannst aber jetzt bist du an einem punkt, an dem dein 6.sinn (der geist) dir sagt: ende, aus, schluß. bis hierhin und nicht weiter.
vllt. ist auch das, das gefühl und die einstellung, die deine frau "erfahren" und spüren muss um zu wissen jetzt ist das ende der fahnenstange erreicht und sie beginnt ernsthaft über ihr leben nachzudenken, denn bis hierhin warst ja, soweit ich´s erlesen konnte, immer noch du, der auf sie zugegangen ist und "alles"für sie getan hast.

ich wünsch dir die kraft das durchzuhalten und durchzuziehen


Wer den Wal hat, hat keinen Fisch.
Samstag, 1.Mai 2010, 19:05

Christian Benutzer ist offline

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Mitglied seit: 02.12.2009
Hi Knackpunkt,

ja, das siehst Du ganz richtig. Ich bin am Ende und will den Mist nicht mehr mitmachen. Ich habe keinen Bock mehr drauf, mich ausnutzen und missbrauchen zu lassen. Es reicht wirklich, diese ewige Lügerei, die leeren Versprechen, die Versuche, was zu ändern, es hilft alles nicht. Es tut mir natürlich weh, aber ich glaube, ich muss die Frau echt verrecken und versumpfen lassen. Soll sie an der Sch**** ersticken, aber ich mach da nicht mehr mit.

Sie bekommt noch ein paar Tage Zeit, wenn sie es bis dahin nicht hinbekommt, kriegt sie unangenehmen Besuch. Der Dreck muss echt mal aufhören. Und die Eltern sind demnächst auch noch dran. Das ist kein Versprechen, sondern eine Drohung.

Achja: mal so nebenbei bemerkt: die fünfstellige Abfindung der Mutter ist verballert, weg, alle. Rund 40.000 EUR in weniger als vier Monaten in ein Spiel gesteckt. Ist das nicht krank? Die ganze Familie ist krank, die Schwester hat erfolgreich die Abi-Zulassung vergeigt, wohnt nun in Hamburg bei ihrem Freund.

Nee, wenn da nicht bald was passiert, rotiert der Hammer. Meine Frau erzählte mir stolz von zwei spielfreien Tagen. Toll. Sie hat multiple Störungen: Persönlichkeitsstörungen, depressive Episoden, Impulskontrollstörungen, maladaptive Copingstrategien, schizoide Störungen. Das Spiel ist ein Zeichen für den Mist. Wenn die Krankheit Pickel machen würde, wäre sie weg, wenn man einen Verband drumwickelt? Sicher nicht. Ohne stationäre Therapie geht es hier nicht mehr, das muss sie kapieren, sie ist völlig kaputt, krank, zerstört. "Guck, Verband, man sieht es nicht mehr." Sie muss dringend in Therapie, aber sie begreift es nicht.

Tja, mal sehen, was sich in den nächsten Tagen tut. Wenn sich nicht nachhaltig was bewegt, geht ein Brief von mir raus.

Danke für's Zuhören, musste mich mal abreagieren.

Chris.
Sonntag, 2.Mai 2010, 01:09

Christian Benutzer ist offline

Mitglieder Anfänger
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Anzahl Beiträge: 89
Mitglied seit: 02.12.2009
Hallo zusammen,

heute hatte ich ein schönes Grillfest mit meinen Freunden. Wir haben über mein Problem und mein Buch gesprochen, ich konnte einige Testleser rekrutieren.

Meine Freunde stehen auch hinter meinem Vorhaben, wenn nichts mehr hilft, geht nur noch "Ultima ratio". Ich warte noch ab, was meine Frau zu berichten hat. Wenn das wieder nur blödes Blabla wie in den letzten Wochen ist, kriegt sie die die volle Packung.

Chris.
Sonntag, 2.Mai 2010, 18:46

Christian Benutzer ist offline

Mitglieder Anfänger
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Anzahl Beiträge: 89
Mitglied seit: 02.12.2009
Und die leeren, gebrochenen Versprechen und Enttäuschungen gehen weiter:

Sie wollte sich heute bei mir melden, um von dem Treffen mit dem Kerl zu berichten. Ebenso hatte sie fest zugesagt, auf Eure Hilfsangebote und Antworten in ihrem Thread zu reagieren. Wie so oft hat sie sich nicht dran gehalten.

Seit langer Zeit mache ich diesen Mist aus Aufs und Abs nun durch, immer wieder Versprechungen, kleine Ansätze, aber immer wieder auch Enttäuschungen. Jetzt ist Schluss. Morgen wandert alles, was mich an sie erinnern könnte, in den Keller. Wenn sie irgendwann nochmal vor der Tür steht, dann hoffentlich mit Möbelwagen.

Tut mir leid, dass ich zu meiner Geschichte kein Happy End präsentieren kann. Aber ich bin nicht der erste und sicher nicht der letzte, dessen Schicksal so verläuft. Vielen Dank für die treue Anteilnahme und die Unterstützung in den letzten Monaten.

Chris.
Montag, 3.Mai 2010, 11:14

HappyHour Benutzer ist offline

Benutzer Hat Erfahrung
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Rückblick
Hallo Christian,

vor ziemlich genau 5 Monaten hast du diesen Thread eröffnet und seitdem begleite ich dich auf deinem Schicksalsweg. Die vielen Hoffnungsschimmer die zwischendurch aufleuchteten, erwiesen sich im Nachhinein leider als als nicht berechtigt. Dass sich deine Enttäuschung nun in Wut wandelt ist einerseits verständlich, aber ich habe dich als sachlichen Menschen kennengelernt, der die Dinge von allen Seiten betrachtet. Vielleicht versuchen, etwas die Emotionen im Griff zu behalten, auch wenn es schwer fällt.

Da du nun deinen letzten Schritt wagst, die ganze Geschichte über die radikalere Schiene zu regeln, kann ich dir nur wünschen, dass am Ende sich alles nach deinen Vorstellungen regelt.

Ich drücke dir die Daumen für dein Vorhaben und den damit verbundenen Erfolg deiner Absichten.

LG HappyHour!!!



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