Hi Happy,
danke für Deine unterstützenden Worte. Wie Du vielleicht gesehen hast, will sie nun endlich was unternehmen. Wieder mal. Ich kann gar nicht zusammen zählen, wie oft sie in den letzten Monaten Versuche unternommen hat, was zu ändern. Ich glaub auch diesmal nicht dran. Daher ist die Story für mich beendet, ich habe keine Lust mehr, mich belügen und ausnutzen zu lassen.
Es mag schön sein, wenn sie mal wieder vor die Tür will, aber das löst das Problem nicht. "Ersatzbefriedigung" ist vielleicht ganz treffend für dieses Verhalten. Wieder mal stellt sie sich den Problemen nicht und versucht eine Lösung zu finden, sondern läuft wieder nur weg. Nennt man maladaptives Coping (ich glaub, ich les zu viel Fachliteratur...

). Kernproblem sind die seelischen Probleme, die sich viele über Jahre festgefressen haben. Die löst man nicht mit nem Kumpel bei nem Kaffee.
Naja, ich hoffe immer noch, dass sie bald wirklich ernsthaft an einer nachhaltigen Lösung arbeitet, ich jedenfalls mach in diesem endlosen, aussichtslosen Kampf nicht mehr mit.
PS: heute vor genau acht Jahren haben wir uns kennengelernt... Tja, schade.
Chris.
Wut ist gut
Hallo Christian,
ich habe mir jetzt nochmal ausführlich alles durchgelesen, was Du in den letzten fünf Monaten durchlebt und durchlitten hast. Ich fühle mich Deiner Geschichte tief verbunden und habe jedes Auf und jedes Ab im Wechselbad von Freude und dann wieder Skepsis miterlebt. Wut ist ein gutes und kraftvolles Gefühl, solange Du Dir das Versprechen gibst, sie unter Kontrolle zu halten. Es steht Dir zu, endlich so zu fühlen. Ich denke, dass Deine Wut sich in Kraft umwandeln lässt, Kraft, dies alles auszuhalten und durchzuziehen.
Ich begleite Dich mit allen mir zur Verfügung stehenden Kräften und möchte Dir noch einmal sagen, wie beeindruckend ich es finde, dass Du so gekämpft hast. Du musst Deine Frau offenbar sehr lieben. Wie schade, dass sie dies aufgrund ihrer Krankheit nicht wertschätzen kann.
Ich wünsche Dir viel viel viel Zuversicht.
Merle
@ Christian
Wut im Bauch haben auf der einen Seite ist ja noch schön und gut. Aber Tatsachen verdrehen macht die Sache nicht besser. Es ist hier nicht der richtige Platz um über unsere Differenzen zu reden. Wollte dich nur nochmal daran erinnern, dass auch ich hier mitlese
Hallo zusammen,
das wird jetzt hart, aber ich muss mir mal viel von der Seele reden/schreiben.
Es scheint sich nun erledigt zu haben, das, was ich am wenigsten wollte, auch wenn es nach meinen letzten Beiträgen anders klang, ist eingetroffen: ich habe meine Frau verloren. Heute habe ich etwa zwei Stunden mit ihr telefoniert, wir haben viel geschwiegen, viel geheult, viel in Taschentücher geschnoddert. Jedes Wort von ihr tat weh und doch war es so gut, ihre Stimme zu hören, zu spüren, dass ich ihr nicht egal bin, zu merken, dass sie sich Zeit für mich nimmt und mit mir reden möchte.
In den letzten Jahren ist viel passiert, nicht erst seit sie spielt. Wir haben beide Fehler gemacht, uns immer wieder zusammengerissen, versucht, es in Zukunft besser zu machen. Ich habe mich bemüht, ein guter Ehemann zu sein, sie hat sich bemüht, ihre Krankheit zu überwinden. Wir haben in den letzten Monaten viel unternommen, viele Pläne geschmiedet, uns was vorgenommen.
Es war immer sehr turbulent bei uns, zwischen tiefer Liebe und heftigem Streit sind wir immer hin und her gependelt. Hoffnung und Zuversicht haben sich mit Resignation und Verzweiflung abgewechselt. Wir sind beide sehr labile Persönlichkeiten, tragen beide unsere Probleme mit uns rum, sind schwach und verletzlich.
Ich habe damals viel falsch gemacht, es aber eingesehen und versucht, daraus zu lernen und es besser zu machen. Spätestens nach der Hochzeit wusste ich, dass ich mit diesem wunderbaren Menschen mein Leben teilen und verbringen, eine Zukunft planen will. Ich war sicher nicht das, was ich sein wollte: perfekter Ehemann, treuer Partner, loyaler Freund. Aber ich habe mir Mühe gegeben.
Nun muss ich einsehen, diesen Kampf verloren zu haben. Die ewige Frage in meinem Kopf: "warum"? Ich suche die Schuld bei mir. Wie sonst könnte ich mir erklären, dass ich es nicht geschafft habe, sie glücklich zu machen, wenn andere Menschen vom Ende der Welt es schafften? Habe ich nicht genug getan? Ich habe viel aufgegeben und geopfert, Kraft, Zeit, Geld. Habe Geduld und Verständnis gezeigt, die Hoffnung nicht aufgegeben. Ich habe gekämpft, wollte es mit ihr überstehen, wie wir es uns damals geschworen haben: "Der alte Sack und der Frosch schaffen alles".
Ich habe Lügen geschluckt, Enttäuschungen überwunden. Die Hoffnung war immer da. Aber sie hat sich immer weiter von mir entfernt. Wir haben uns zusammengerissen, Pläne und Vorhaben beschlossen, versucht, uns aufeinander zu zu bewegen.
Je weiter sie von mir wegdriftete, desto mehr merkte ich, wie sehr ich sie liebe, was sie mir bedeutet. Ich versuchte es ihr zu zeigen. Durch Worte, Gesten, Taten, Briefe. Aber es war wohl zu spät.
Nun stürzen alle meine Träume, Ziele und Pläne in sich zusammen. Mein ganzes Leben habe ich auf diesen Menschen ausgerichtet, er war meine Zukunft, mein Sinn. Es tut verdammt weh, das alles plötzlich nicht mehr zu haben.
Ich habe nicht, wie angekündigt, irgendwas in den Keller gebracht. Auch den Ring trage ich noch. Sie ist ein großer Teil meines Lebens, der wertvollste Mensch, den ich je getroffen habe. Ich habe durch sie und von ihr viel gelernt, sie hat mir viel gegeben, das weiß ich zu schätzen. Ich werde ihr für all die schöne Zeit ewig dankbar sein.
Immer wieder habe ich gesagt, das ich sie glücklich machen möchte und sie dafür auch loslassen würde. Nun ist es soweit. Und ich muss nicht nur sie loslassen, sondern auch eine unserer Katzen. Die Katzen waren unsere „Babys“, zum Üben, bis die richtigen Babys kommen. Jetzt bin ich mit der anderen Katze nur noch eine halbe Familie, ein Bruchstück von dem, was wir mal geplant hatten.
Dieses ewige „Warum?“ Habe ich zuviel falsch gemacht? Waren wir doch nicht füreinander bestimmt, wie ich immer glaubte? Ist die Krankheit schuld? Wieviel Schuld habe ich an der Krankheit? Was können andere, jüngere Kerle per Internet richtiger oder besser machen als ich? Fragen über Fragen und keine Antworten.
Auch wenn es so rüberkam, ich kann ihr einfach nicht böse sein, dazu liebe ich sie zu sehr. Ich kann sie weder hassen noch vergessen. Ich will ihr nicht wehtun und sie mir auch nicht. Es ist wohl einfach viel schief gelaufen, Schuld und Verantwortung zu suchen, ist da weder einfach noch angebracht. Ich bin unendlich traurig, dass es so gekommen ist, aber wenn es nicht geht, dann geht es nicht. Eine Beziehung sollte auf Vertrauen, Gefühlen und dem Wunsch, miteinander zu leben aufgebaut sein. Man kann das nicht erzwingen und sich auch nicht ständig verbiegen, wenn man nicht aus tiefstem Herzen will.
An Dich, Engel:
Geh Deinen Weg, denk an Dich und tu das, was Du für richtig hältst. Ich wünsche Dir alles Gute und danke Dir für alles, was Du für mich getan hast. Ich werde Dich nie vergessen.
So, ich werd noch ein wenig mit alten Fotos reden und heulen. Macht Euch keine Sorgen, auch wenn ich vielleicht ein paar Tage abwesend bin, ich komm schon durch und melde mich bald wieder.
Chris.
wie die Jahreszeiten
Lieber Christian,
das sagst Du so leicht: wir sollen uns keine Sorgen machen. Natürlich machen wir uns Sorgen, denn wir erleben nun schon seit fünf Monaten Deine bewegte Geschichte mit und fühlen uns Dir dadurch sehr verbunden. Deine verzweifelten Zeilen von gestern Nacht gehen mir zu Herzen, auch wenn ich ganz sicher bin, dass Du heute nach vielen Tränen und vielen Fragen schon klarer in den Tag schauen wirst. Sei sicher - jeder von uns hier im Forum hat solche Zeiten hinter sich, jeder hat schon einmal gedacht, dass es diesmal ganz bestimmt nicht weiter geht. Ich erinnere mich an Tage, an denen ich mich ganz hohl gefühlt habe tief in meinen Knochen, weil mir der Kummer sämtliche Kraft entzogen hatte, an Tage, an denen ich gefroren habe, weil die Einsamkeit, die Verlassenheit und der Schmerz mir sämtliche Lebenswärme genommen hatten. Immer wieder bin ich gestärkt daraus hervor gegangen und habe staunend erlebt, dass ich mich wieder freuen kann. Aus diesem Grunde liebe ich die Jahreszeiten so sehr. Sie spiegeln das wider, was auch wir Menschen erfahren: dem Absterben und dem Stillstand folgen unweigerlich ein neues kraftvolles Aufkeimen und schließlich ein Blühen in voller Pracht. Bei Dir ist momentan Winter, aber der Frühling kommt bestimmt!!!
Ich wünsche Dir so sehr, dass all dies Schwere, das Du jetzt durch machst, Dir ganz viel Reife, Kraft und Gelassenheit schenkt, dann, wenn Du da durch bist.
Ich begleite Dich gedanklich ganz fest.
Merle
schwere zeit ...
... aber darauf folgt unweigerlich auch wieder eine bessere zeit!
es ist schwer für mich, hier die passenden worte zu finden möchte aber trozdem was dazu loswerden. deinen trennungsschmerz möchte ich garnichtgroß kommentieren, es ist bestimmt hart genug. nur soviel sei gesagt, es geht vorbei und es wartet eine neue, andere zeit auf dich.
was mich zum schreiben bewegt hat, ist deine frage "Warum".
diese hab ich mir auch oft gestellt im letzten jahr. bin aber nie zu einer befriedigenden antwort gekommen.
dann habe ich angefangen mich mit einer "religion" zu beschäfftigen in der diese frage als ein problem unseres leidens dargestellt wird.
weiter wird dazu gesagt: das "warum" ist egal. es ist nicht mehr zu ändern. der moment ist, so wie er ist, nun mal entstanden. es liegt an uns was wir draus machen. es ist egal, wer uns wie und von wo, mit welchem holz den pfeil in die brust geschossen hat. wichtig ist, das wir den pfeil rausziehen und die wunde versorgen.
die suche nach der antwort auf das "warum" wird hier als großes prolem gesehen, das in uns menschen viel zerrissenheit, unzufriedenheit hervorruft. anstatt den moment zu erfahren, wie er ist, zerbrechen wir an der gier daran wissen, zu müssen "warum" er so ist.
desweiteren wird dort gelehrt, das alles im ständigen wandel ist. in jeder sekunde verändert sich alles. nichts bleibt für immer so, wie es gerade ist. jeder moment ist einzigartig und wird so, nie wieder kommen. unweigerlich gibt es abläufe, die keiner beinflussen kann. auf die nacht, folgt der tag. berauf und bergab. auf regen folgt sonnenschein. auf lachen folgt weinen und andersrum. wir leben, also müssen wir sterben. usw. usw. usw. und so wird es auch dir gehen. im moment bist du in einem gefühlsmäßigen tief, aber ich muss dich an dieser stelle enttäuschen ( was ich in diesem falle gerne tue ), diese gefühl bleibt nicht für immer. es wird wieder vorbeigehen und du wirst wieder lachen können und ein anderes neues leben führen, mit neuen, anderen erfahrungen an denen du wachsen kannst.
ergo:
frage dich nicht "warum" es soweit gekommen ist. akzepziere deinen schmerz. weine und schaue dir alte fotos an. erlebe und erfahre diese gefühl und dann lass es wieder los und stürz dich in das neu, folgende, was unweigerlich kommen wird.
so das war keine bekehrung oder irgendwas in der art. bitte nicht verkehrt verstehen. ich habe nur in dieser "religion" ne menge hilfe und "antworten" gefunden.
und während ich dein "warum" gelesen habe, fühlte ich mich an mich erinnert, als ich noch auf der suche war.
nehmen kann ich dir dein momentanen schmerz nicht aber vllt konnte ich dich ein bißchen unterstützen

, dein "warum" zu beantworten.
zieh durch und auf zu neuen ufern
Wer den Wal hat, hat keinen Fisch.
Ich möchte nicht öffentlich darüber sprechen, aber das Problem hat sich erledigt. Daher:
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Herzlichen Dank an alle, die hier teilgenommen, mich unterstützt und mit mir gelitten haben.
Viele liebe Grüße,
Chris.
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