Hallo,
ich bin 22 Jahre alt, studiere und bin spielsüchtig.
Ich muss mir meine Geschichte von der Seele schreiben, keine Ahnung ob das jemand liest.
Als Kind hatte ich kaum Zugriff auf Video-/PC-Spiele, und wenn, dann nur in einem von meinen Eltern definierten begrenzten Zeitrahmen. Das funktionierte eigentlich recht gut, bis ich dann einmal genügend gespart hatte und einen Gameboy Advance kaufte. Später folgte eine Spielkonsole und wieder etwas später der eigene PC. Ich spielte immer gern und viel, was meinen Eltern Missmut bereitete. Wenn sie mit mir darüber reden versuchten, hörte ich mir alles schweigend und gelangweilt an und ging danach wieder spielen.
So richtig ging es aber erst so um das Abitur los. Damals bekamen wir erstmals Internet zuhause und irgendwie kam ich auf das Browsergame freewar. (Artikel darüber im Forum ->
http://www.aktiv-gegen-mediensucht.de/thema/248/103/1/freewar/ ) Ich spielte meistens von Mitternacht bis halb sechs in der Früh, damit meine Eltern nichts bemerkten und mich dann rügten.
Mit der Zeit registrierte ich mich bei immer mehr (kostenlosen) Browsergames, ua Die Stämme und Ogame. Um browsergameübliche Wartezeiten besser zu nutzen, meldete ich mich bei noch mehr Spielen an... Kampf um Mittelerde, Travian und einige, deren Namen ich schon vergessen habe. Irgendwann hatte ich einen voll ausgefüllten Tag, der nur darin bestand, jeden Tag so viel wie möglich in allen Spielen zu erreichen.
Irgendwann merkt selbst der größte Idiot, dass das nicht so weitergehen kann. Zu der Zeit fand ich eine Arbeitsstelle als technischer Zeichner. Nach zwei Wochen wurde ich wieder entlassen, da ich jeden unbeobachteten Moment genutzt hatte, um diese verdammten Browsergames zu spielen.
Erst als ich zuhause saß, mit dem Entlassungsschreiben in der Hand wurde mir bewusst, wie ich mein Leben und meine Zeit verschwendete. Ich musste deswegen sogar heulen aber meine Eltern belog ich über den Entlassungsgrund. Ich hätte ihre Enttäuschung nicht ertragen können.
Ich löschte fast alle meine Accounts und legte zwei (freewar, ogame) auf Eis. Ich schaffte es nicht, diese beiden zu löschen, da ich schon so viel investiert hatte.
Wer jetzt glaubt, dass es aufwärts ging, irrt, das war nur die erste Phase.
Irgendwann dann, fing ich mit dem Browsergame Arthoria an (Artikel darüber im Forum ->
http://www.aktiv-gegen-mediensucht.de/thema/330/103/1/arthoria/ ). Ich hatte die Seite den ganzen Tag geöffnet und ging immer wieder mal am PC vorbei und machte ein paar Klicks oder chattete mal rum. Wenn niemand zuhause war, war ich sowieso den ganzen Tag im Internet. Ich spielte zwar "nur" Arthoria und ogame aber trieb mich auch viel auf Foren rum. Die können nämlich genau so suchterzeugend wirken... wenn man es dann nicht mehr aushält, ohne jeden Tag die neuesten Beiträge zu lesen...
Kurz darauf fand ich wieder eine Arbeitsstelle als Software-Engineer, wo ich mich gegen neun Mitbewerber durchsetzte. Mein Problem aber war, dass der Computer, auf dem ich programmierte, eine Internetverbindung hatte. Zuerst ging ich nur in der Mittagspause online aber mit der Zeit surfte ich dann während der Arbeitszeit herum. Und nicht nur ein paar Minuten... von acht Stunden arbeitete ich effektiv vielleicht drei oder vier, der Rest ging größtenteils für Arthoria drauf.
Die Firma behielt mich relativ lange, fast sechs Monate, bevor sie mich kündigte. Meinen Eltern sagte ich, dass sie Personal abbauen mussten und die neuesten zuerst weggeschickt haben.
Durch die Kündigung besann ich mich erst mal wieder und löschte meinen ogame und Arthoria Account. Ich entschied mich, ein Studium zu beginnen.
Doch weil ich durch meine Arbeitslosigkeit massig Zeit hatte, sank ich noch tiefer. Wie bescheuert muss man eigentlich sein, um nach zwei Kündigungen diese ganze Online-Scheiße nicht einfach zum Teufel zu jagen?
Tja, ich war blöd genug.
Ich hatte irgendwann auf ebay einen Lifetime-Account (muss also keine monatlichen Gebühren zahlen) von Herr der Ringe Online erworben. Das Spiel lag eine Zeit lang nur zuhause rum. Da ich jetzt aber arbeitslos war, installierte und spielte ich es. Und siehe da, sofort war der Suchtfaktor da und ich begann weiter im Sumpf der Onlinespiele zu versinken. Ich spielte vormittags, wenn meine Eltern in der Arbeit waren. Bevor mittags mein Vater heimkam, schaltete ich immer aus und tat alibimäßig etwas anders. Nachmittags spielte ich wieder. Abends wartete ich, dass endlich alle schlafen gingen, um in der Nacht wieder spielen zu können. Ich zockte bis zwei oder drei Uhr, schlief bis neun oder zehn und das Ganze ging von vorne los.
An den Wochenenden konnte ich dauernd nur ans Spiel denken. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und spielte auch, wenn meine Eltern da waren, die zuerst mal nichts zu der ganzen Sache sagten.
Vier Tage lang war Abstinenz vom Zocken angesagt, denn da lernte ich wie verrückt für die Aufnahmeprüfung an der Universität.
Fortsetzung im nächsten Post ->