Pc-Sucht
Letztes Jahr schrieb ich diesen Beitrag ins Forum auf
www.rollenspielsucht.de
Moin moin,
ich dachte, ich schreibe auch mal ein paar Zeilen hierzu...
Ich habe nicht alle Beiträge gelesen, aber in manchen erkenne ich mich leider selbst wieder.
Ich bin 16 Jahre alt und habe 3 schlimme Suchtjahre hinter mir.
Was heisst hier "schlimm"? Nunja, Zeitgefühl = 0, in der Schule Fehlstunden 200+-/Halbjahr.
9te Klasse nicht geschafft - Wiederholt - Hoffnung auf Besserung - Abgang (wieder 200+- Fehlstunden/Halbjahr 6 Fächer keine Zensur = Kein Abschluss) - Abgang vom Gymnasium..., Verlust meines sozialen Umfelds, usw.
Irgendwann in dem Zeitraum zog ich Psychotherapeuten hinzu... Ich bekannte mich klar zur Computersucht, dennoch ist der Weg schwer, immernoch.
Ich sammle schon wieder fleissig Fehlstunden auf der Realschule, die ich besuchen DARF.
Was treibt mich dazu? Absolute Faulheit? Oder die Angst zu versagen? Lustlosigkeit? Sucht? Unselbstständigkeit? = alles Ausreden?
Mein Therapeut versucht mich immer von einer Klinik zu überzeugen - was ich allerdings nicht einsehe, da möchte ich auf gar keinen Fall hin. Wobei ich selber merke, wie hilflos ich manchmal bin. Damit meine ich, dass ich vieles im Alltag nicht bewältigen kann.
Dass ich Psychosomatisch auf Stress reagiere, macht es auch nicht einfacher.
Familiär bietet sich auch immer ununterbrochen Stress an. Auch in dem, endlich wieder vorhandenen, Freundeskreis.
Eine zeitlang ging es auch gut, ich verlor die Interesse ans Internet (MMORPGs + Ego-Shooter).
Ich schlief viel, hing vor dem TV... auch nicht die Beste Lösung.
Dennoch hielt ich immer mein Umfeld aufrecht und bin nicht irgendwann verloren gegangen.
Es ist nicht immer leicht, gegen die Sucht anzukämpfen.
Sie bietet immerhin eine Welt ohne Sorgen. Eine Welt, wie sie einem gefällt. - Eine VIRTUELLE "Welt".
Ich muss noch nichtmal zocken, ich kann mir im Internet auch anders die Zeit totschlagen. (Inner Woche)
Am Wochenende bin ich IMMER unterwegs - Alkoholexzesse/Komasaufen (so nennt es mein Therapeut), "einen draufmachen", Freunde treffen. - Hört sich typisch an für einen Teenager, ist es aber nicht mehr, wenn man wie ich weiß, dass man damit versucht seine Probleme zu ertränken. Mich für eine Weile zu betäuben. Klappt nur nicht ganz, dessen bin ich mir bewusst, trotzdem brauch ich es manchmal. Zu sehr? Habe ich noch ein anderes Suchtproblem? Oder redet mir das mein Therapeut ein?
Es gibt soviele Themen, die totgeschwiegen werden. Das muss sich dringend ändern. Die Welt braucht mehr Toleranz und mehr Verständnis.
Achja, ich wollte erwähnen, dass an mir selbst aufgefallen ist, wenn ich z.B. Kopfschmerzen habe, sobald ich vor dem PC sitze, so abgelenkt bin, dass ich sie nicht mehr spüre. Verrückt? Irgendwie schon.
Dadurch dass ich aufgehört habe mich sportlich zu betätigen, nimmt meine Trägheit deutlich zu. Das verunsichert mich oft, weil ich sonst so ehrgeizig und "Sportgeil" war.
Ich liebte es... Ich liebe es eigentlich immernoch. Doch wo bleibt meine Motivation? Schade... Vielleicht find ich die irgendwann wieder. Denn eigentlich müsst ich längst meinen Hintern bewegen, ich habe schon mit 16 soviele körperliche Probleme, das ist nicht normal. (Keine Behinderungen, wobei es schon zur Behinderung geworden ist, da ich, sobald ich mich überanstrenge, komplett zusammensacken könnte, das erschöpft mich so sehr, dass ich tagelang nichts mehr machen möchte). Sollte ich den Weg zurück finden, müsste ich mich so sehr quälen... Ich schuf noch vor 1 Jahr über 50+ Liegestütze am Stück, jetzt brech ich nach 10 schon zusammen... Wobei ich sagen muss, ich hatte schon immer Probleme. Ob es meine Koniditon ist, oder Kreislauf. Trotzdem konnte mir niemand was vormachen, was Sport betraf...
Sport machte ich folgenden:
Kunstturnen,Fußball,Handball,Badminton(Pflicht-AG)
Tja, wie soll ich sagen... Das waren dann meine 2 Cents zu dem Thema Sucht...
Jetzt ist es 2010.
(Fortsetzung im nächsten Post)
Bald bin ich 17 und immernoch nichts Neues eigentlich, ausser ein Haufen Probleme. Die Zentralen Prüfungen und Abschluss stehen an und ich bin super unkonzentriert und träge.
Mittlerweile hab ich den Therapeuten gewechselt, irgendwie brachte mich das nicht vorwärts und ich verlor echt die Lust da 1x wöchentlich meine Zeit zu verschwenden.
Tja, nun sitz ich wieder hier, spät in der Nacht, nichts hat sich verändert.
Ich schaff es einfach nicht, ich weiß, dass es so nicht weitergehen kann, trotzdem läuft hier einfach mal nichts. Was soll ich tun? Ich verfall immer wieder in meine Gewohnheiten.
Ich hab viele Freunde, aber trotzdem fühl ich mich einsam. Trotz des regelmäßigen Kontaktes zu ihnen. Allerdings kontaktieren immer nur sie mich, irgendwie meld ich mich nie bei denen. ...
Ich gehe unregelmäßig zur Schule und hab zwischenzeitlich schon Post bekommen (wegen den Fehlstunden).
Ja gut, meine Mutter lässt mir auch sehr viel Spielraum, sie lässt mich ziehen ... Vielleicht ist es falsch so zu denken, aber ein bisschen geb ich ihr die Schuld. Das hört sich fies an, fühlt sich auch komisch an, zu schreiben.
Andauernd ist hier Stress untereinander, mein Bruder macht mich unterandrem auch sehr fertig.
Ich kann sein Verhalten nicht mehr einschätzen oder deuten. Er lässt mich in einer Disco allein stehen und fuckt mich mal richtig ab. Ich weiß nicht wie ich es anders ausdrücken soll. Auf der einen Seite tut er so, als würde er sich Sorgen um mich machen, auf der anderen Seite macht er mich kaputt. Er foltert mich. Vielleicht unbewusst, aber auch wenn ich es ungern zugebe, ich brauche meinen Bruder natürlich. Die Anerkennung und Aufrichtigkeit die unter Geschwistern einfach da sein sollte, meiner Meinung nach. Es fehlt bei uns einfach. Er macht mir Vorwürfe, ich würde ihm seine Freunde wegnehmen, ich sei wie mein Vater (der für ihn absolute Hassperson ist), ich werde immer von Mutter und Bruder angeschrien, egal was ich tu/sag. Wenn ich sie darauf hinweise heisst es, ich würde genauso sein. .... Wir 3 wissen aber genau, dass es nicht so ist ... Klar, ich reagier auch mal patzig, aber ich schreie nicht ... Das ist schlimm für mich, ich blocke auch, wenn sie mich anschreien, sie streiten es allerdings immer ab, werden dabei aber immer lauter ... Ich schreibe grad echt viel über die beiden, das wundert mich. Ich bin auch fast dabei zu weinen ... Dazu hat mir letztes Jahr mein Vater so sehr enttäuscht, dass es auch sehr wehtut und alles wieder aufwühlt, wenn ich so darüber nachdenke. Aber wenn ich mich dem nicht stell, wie soll ich sonst lernen damit umzugehen? Mein Vater hat mich von heut' auf morgen einfach verlassen. Er hat sein Handy ausgeschaltet, damit ich ihn nicht erreiche. Nach Monaten kam ne Lasche Entschuldigung per SMS. Ich antwortete: "Meinst du, nach ner billigen SMS ist wieder alles gut?" oder so in der Art... An Silvester war ich so betrunken, dass ich nen krassen Heulkrampf gehabt hab, wären meine Freundinnen nicht zur Stelle gewesen, hätte ich nicht gewusst, wohin mit mir. In meinem Suff hab ich meinem Vater ne SMS geschrieben, dass ich jedes Mal weinen muss, wenn ich durch irgendwas daran erinnern werde-trotzdem Frohes Neues. Das wollte ich gar nicht, hatte mich nicht mehr unter Kontrolle. Was soll's ... Eine Antwort kam darauf nicht - wie soll es auch anders sein. Ja, und sonst hab ich noch einen Bruder, aber zwischen uns gab es nie Probleme ...
Hm, das war jetzt ein kleiner Einblick in meine derzeitige Situation, es gibt noch soviel, aber... das pack ich nicht in Worte zu fassen, jedenfalls im Moment nicht.
Naja gut, im Endeffekt lande ich immer wieder vor dem PC, ich kann es ebenfalls kaum noch ertragen, wie die anderen Betroffenen hier.
Ich kann es gar nicht beschreiben. Das haben die anderen schon gut in Worte gefasst.
... Ich überlege sogar schon über die Sommerferien 2010 in eine spezielle Klinik zu gehen ... Da hab ich allerdings irgendwie Angst vor ... Ich merke, dass die Therapie so irgendwie nicht anzuschlagen scheint.
Vorerst versuche ich hier Vorschläge zu sammeln ... Ich würd mich freuen und sage jetzt schonmal danke, es kann nämlich sein, dass ich ein paar Tage oder Wochen vergesse hier reinzuschauen, da wird das Spielen wieder wichtiger sein....
Aber nun zwing ich mich mal ins Bett zu gehen... Ich muss ja morgen in die Schule....
Liebe Grüße, kruemel (mag meinen Namen nicht schreiben :/ ...)
Hallo kruemel,
danke, dass Du hier im Forum Deine Geschichte und Deine Gefühle so offen und schonungslos geschildert hast.
Ich finde überhaupt nicht, dass Deine Situation hoffnungslos ist. Du hast doch das Wichtigste, das Entscheidendste bereits geschafft: Du hast begriffen, dass Du süchtig bist. Und Du hast einen ganz wichtigen Satz geschrieben: Aber wenn ich mich dem nicht stell, wie soll ich sonst lernen damit umzugehen? Da bist Du doch schon ganz weit gekommen mit Dir. Dass dadurch nicht gleich und sofort alles gut ist, ist doch klar. Du kannst das nicht unbedingt alleine schaffen, dafür ist Deine Gesamtsituation zu problematisch.
Warum hast Du denn Angst, in eine Klinik zu gehen? Dort wirst Du Menschen finden, die in derselben Situation wie Du stecken, dort werden Leute sein, denen Du Dich mit Deinem ganzen Ballast anvertrauen darfst. Du kannst Dir alles von der Seele reden, Du bekommst Hilfestellungen, damit Du es schaffst, Dein Verhalten zu verändern, längerfristig, konstant. Das sind doch alles Dinge, auf die Du Dich freuen könntest. Erschreckend wäre doch, sich vorzustellen, dass alles so bleibt, wie es jetzt ist, oder? Geh eine Veränderung ganz aktiv an und riskiere dabei was - es wird sich lohnen und Du wirst weiterkommen mit Dir.
Ganz liebe Grüße
Merle
Gehe zu
Wer ist online?
Benutzer online: 0,
Gäste online: 13
Forum Statistiken
Themen: 643, Beiträge: 1743, Mitglieder: 827
Wir begrüssen unser neuestes Mitglied:
holger1964
Heutige Geburtstage
Heute hat kein Mitglied Geburtstag.