Ich bin 33j alt und spiele seit dem 20.05.2005 WoW. Bis zum heutigen Tag habe ich es auf eine reine Spielzeit von 498 Tagen geschafft. Von den 1.738 Tagen die in seit Spielbeginn gelebt habe habe ich 498 Tage in WoW verbracht. Es ist schon erschreckend, wenn man sich so diese Zahlen ansieht und vergleicht.
Ich habe immer schon sehr gerne Video Spiele bzw. PC Spiele gezockt. angefangen mit dem Atari 2600 meines Bruders, hin zum Commodore 64 und von da an zu den PC´s Spielen. Jedoch war es immer nur ein Vergnügen für ein paar Stunden.
Es kam das Jahr 2005. In diesem war ich dann Krankheitbedingt 3 Wochen zu hause. Aus Langeweile besorgte ich mir dann WoW von dem mir ein Freund erzählt hatte. Bis dahin hatte ich garnicht mehr so viel gezockt. Nur noch wenn mal abends nix vernünftiges im TV war oder die Freunde mal keine Zeit hatten.
Vom ersten Tag an war ich von WoW begeistert, die Welt in der man sich bewegt, die verschiedenen Chars die man spielen kann. Man bewegt sich also in dieser Welt, erkundet diese neugierig und levelt so monatelang vor sich hin (damals ging es ja noch nicht so schnell einen Char auf 60 zu bringen). Es gab so viel zu entdecken, da selbst die alte Welt schon so riesig war, das man bis jetzt noch nicht jeden Winkel dort entdeckt hat.
Es kommt wie es kommen muß, man schließt sich einer Gilde an und fängt an zu raiden (damals noch in 40er Raid, was man sich heute kaum noch vorstellen kann). Feste Termine mehrmals die Woche, erste Erfolge weil man gut vorankommt. Der Zusammenhalt und der Jubel wenn man nach Wochenlangen versuchen einen Boss zum ersten mal gelegt hat waren schon unbeschreiblich.
In dieser Zeit fing es langsam an, das man die ersten wichtigen Dinge vernachlässigt. Ich hatte einen guten Freundeskreis mit denen ich mich fast jeden Tag getroffen habe. Wir gingen jedes Wochenende raus und trafen uns einmal in der Woche in einer Kneipe für ein paar Stunden. Nur dumm das dann einer der Raidtage auf diesen Stammtischtag fiel. Hm was tun. Also versuchte ich einen Kompromiss zu finden, am Ende war es aber dann so das ich halt raiden ging statt zum Stammtisch. Auch ging ich nicht mehr jedes Wochenende mit raus. Anfangs riefen die Freunde noch an und fragten ob ich mitkomme, weil ich aber immer andere Ausreden hatte, ließen sie es dann auch irgend wann sein.
In der Firma war es so, das dort mehrere WoW zocken, also hatte man da auch immer ein Gesprächsthema. Rund um die Uhr WoW. Man installierte WoW dort und farmte in den Pausen. Man bekam eine LeckmichamArsch Einstellung. Wenn man mal nicht rechtzeitig raus kam wurde man leicht gereizt, weil man zu spät zum zocken kam.
Zu hause war es so. Man kam von der Arbeit, hat gegessen und dann gezockt bis man ins Bett gegangen ist. Das wiederholte sich dann jeden Tag. Am Wochenende stellte man sich dann den Wecker damit man schon ab 7-8 Uhr anfangen kann zu zocken.
Durch die Gilde und den Raid lernte man andere Menschen kennen, die das gleiche verbindet. Erst ist es so, das man die Stimmen im TS kennen lernt, später traf man sich mit einigen aus der Nähe. Inzwischen ist es so, das man sich mehrmals im Jahr als Gruppe trifft und gemeinsam etwas unternimmt. Besonders dies möchte ich nicht missen.
Letztes Jahr kam es dann dazu, das ich betriebsbedingt arbeitslos wurde. Eine gefährliche Situation, wenn man WoW zockt. Am Anfang denkt man noch „ok ich finde schon was neues“ aber man nutzt die Zeit um noch mehr zu zocken. Ich kann mich nicht richtig motivieren, nicht richtig reinhängen eine neue Stelle zu suchen. Werde je nach Gemütslage depressiv, traurig, gereizt, aggressiv, gleichgültig und lustlos. Gefühlsschwankung pur.
Interessant ist aber, das man sich schon früh einig war, das man schon süchtig ist. Man sich dies aber auch schönreden kann, was einem auch bewusst war. Man fragte sich, was würde ich machen wenn ich nicht zocken würde. TV schauen? Na dann lieber WoW zocken, da kann man wenigsten noch mit den anderen Leuten reden. Lesen? Glaub ich hab jetzt noch ein angefangenes Buch auf dem Nachttisch liegen, was ich mal vor 2 Jahren angefangen habe. Sport treiben? Alleine auch blöd und andere bekommt man auch nicht dazu. In einen Verein gehen? Man lacht, öhm nein. Bewerbungen schreiben? Jaja morgen. Oh die rausgesuchten Stellen liegen jetzt auch schon 3 Wochen rum, die haben jetzt bestimmt schon einen neuen. Man merkt, man findet schon für alles eine Ausrede.
Ah stimmt da waren ja noch die Freunde. Vielleicht mit denen wieder mehr unternehmen? Tja nun ist es so, das diese auch nicht mehr so viel Zeit haben, weil sie einfach und plötzlich Familien gegründet haben, man glaubt garnicht wieviele Kinder im Freundeskreis in den fast 5 WoW Jahren zur Welt kommen können.
Das Leben ist eh das beste Game, nur die Grafik ist scheiße :-)