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Kinder ins Versuchslabor?

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inter2naut

(Sonntag, 21.Mär 2010, 21:01)
Versuchslabor für Kinder?
In der Zeitschrift c’t (Magazin für Computer Technik) vom 15.03.2010 wird für Eltern ein „Crashkurs“ für Computerspiele und Internet unter der Überschrift „Die wollen doch nur spielen“ angeboten. Sehr vernünftig wird am Anfang darauf eingegangen – die Unterüberschrift des Artikels lautet „Videospiele und Internetnutzung im Vor- und Grundschulalter“ – dass Kinder von ihren Eltern nicht allein an den PC gelassen werden sollten . Auch die Aussage „Die berufliche Zukunft eines Kindergartenkindes ist nämlich nicht gefährdet, falls es lieber im Sand buddelt oder Bilderbücher anschaut, als sich mit Tastatur und Maus zu befassen.“ kann man sicher so stehen lassen – traurig nur, dass diese Tatsache erwähnt werden muss. Mit einer Medien- und Bildschirmzeit soll der Medienkonsum bei Kindern beschränkt werden, allerdings soll man bei augenblicklicher hoher Fixierung des Kindes auf ein Computerspiel auch „kompromissbereit“ sein. Die erkannte „Sogwirkung“ der Spiele soll danach im Gespräch mit dem Kind thematisiert werden. Begründet werden diese weitgehend einsichtigen Erziehungsregeln vor allem mit der Untersuchung des „Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest (mpfs)“, die aussagt, dass ein knappes Drittel der Kinder zwischen 6 und 7 Jahre mindestens einmal in der Woche ein Computerspiel spielt. Somit lässt der erste Teil des Artikels einige gut gemeinte Ratschläge stehen – mit der Gesamtaussage: Es gibt viele Computerspiele für Kinder – wenn die Eltern gut aufpassen, werden die Kinder durch diesen Medienkonsum nicht geschädigt. Dass es mittlerweile viele Spiele für Kinder gibt, wird später im Artikel übrigens eher negativ bewertet, da ältere gut bewertete Kinderspiele im konsumgetriebenen Spielemarkt inzwischen weitgehend untergegangen sind.
Sehr zweifelhaft ist allerdings die Aussage „Solange Zeitvorgaben grundsätzlich beachtet werden und Freunde, Familie und Schule nicht darunter leiden, ist bei Kindern ab zwölf auch nichts gegen ein durchgespieltes Wochenende zu sagen.“ Wenn ich diese Formulierung ernst nehme, hieße das für mich: „Solange mein Kind noch nicht auffällig ist, sollte ich mich nicht in dessen Computerspielekonsum einmischen!“ Dies halte ich für sträflich und empfände das so, als ob das Kind ins Versuchslabor gesteckt wird – mal sehen, ob Computerspiele eine Auswirkung auf das Leben haben. Gerade hier mit 12 Jahren, in der Pubertät, wenn das Leben neu ausgerichtet werden muss, sollen sich Kinder/Jugendliche durch überwiegend künstliche Lebenswelten auf ihre Zukunft vorbereiten? Herr Hirte hat in seinem Leserbrief zu „Der will nur spielen“ aus der Süddeutschen Zeitung vom 06.03.10 angemahnt, dass der geduldete Zeitbedarf für Computerspiele viel zu hoch ist. Das kann ich nur unterstreichen! Die Auswirkungen auf die Lebensentwicklung von Kindern und Jugendlichen, deren Pubertät durch eine exzessive Computerspielnutzung beeinträchtigt wird, ist sicher sehr negativ. Hoffentlich wird auf diesem Gebiet geforscht, sodass konkrete Maßnahmen gegen Schäden durch Mediennutzung ergriffen werden können. Ansonsten werden Kinder weiterhin bewusst oder unbewusst als Versuchsobjekte benutzt, sodass man in vielen Jahren feststellt, Kinder haben aufgrund ihrer hohen Computerspielnutzung gesellschaftliche und persönliche Kompetenzen nicht erlernt und müssen therapiert werden.

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