Mein Sohn ist 11 und bereits spielsüchtig!
Hallo, liebe Familie Hirte und alle anderen Leser,
Ich habe mir gestern (mal wieder) die Reportage der ARD auf youtube angesehen und war sehr froh, dass Sie Ihren Sohn zurückbekommen haben....mich hat Ihre Geschichte sehr berührt und tut es immer noch und immer wieder!
Ich habe ein bisschen auf Ihrer Seite gestöbert und nur Berichte über ältere Kinder/Jugendliche gelesen. Kurz zu mir und meiner Situation: Ich bin alleinerziehend mit zwei Kindern. Ein Mädchen, 16, ein Junge, 11. Mein Sohn ist wie viele Jungs in dem Alter auch, fasziniert von der Computerwelt. Er kennt sich mittlerweile sehr gut aus und das ist ja auch gut so, wenn man bedenkt, dass es heutzutage keinen Arbeitsplatz mehr ohne Computer gibt. Mein Sohn geht in die 5. KLasse eines Gymnasiums.
Ich weiß garnicht recht, wie ich anfangen soll, die Situation zu beschreiben....wie fing es an? Mit den normalen Computerspielen, die Kinder eben so spielen: 5 Freunde, Ponyhof usw, alles also recht harmlos. Vor ca. einem Jahr hat sein Freund ihn mit dem Spiel Metin2 bekanntgemacht. Auch ein Rollen-Onlinespiel. Seitdem gibts kein Halten mehr....er hat mich vor kurzer Zeit von einer Stunde Spielzeit auf 2 Stunden pro Tag raufgehandelt, weil alle anderen auch viel länger spielen dürfen und eben auch oft zusammen gespielt wird. Das ist tatsächlich so, wie ich meinen Beobachtungen entnehmen kann. Mein Sohn wird sogar bedauert von seinen Mitschülern, weil er so eine strenge Mutter hat...."Ich will nicht in deiner Haut stecken" etc.pp. Vor ein paar Tagen hat einer seiner Freund sogar eine Geburtstagseinladung sausen lassen, weil er lieber online zocken wollte. Dieser Freund darf am Wochenende solange spielen wie er will. Er ist auch erst 11!!
Es gab und gibt natürlich immer noch Streit über die PC-Nutzungszeit. Kürzlich wurde es mir zu bunt, er hat sich an die Regeln wieder und wieder nicht gehalten und ich habe den PC einkassiert (eigens, um diese Möglichkeit zu haben, habe ich in ein Notebook investiert, damit ich handlungsfähiger bin) und außer Haus gebracht für 2 Wochen. Zunächst mal ist mein Sohn zu den Zeiten, zu denen er normalerweise spielte, aber nicht konnte, ausgerastet. Ja, ausgerastet. Wie ein Junkie, der keine Spritze hat. Ich war entsetzt. Bin aber froh, dass ich mal ein "Exempel" statuiert habe und meine Drohung wahrgemacht habe und auch durchgehalten. Nach 2 Tagen hat sich sein Verhalten normalisiert und er ist zu altbekannten Spielen übergegangen. Er spielt gern Diabolo und war viel draußen. Ich war schon einmal beruhigt, weil ihm die Fähigkeit offensichtlich noch nicht verlorengegangen ist, sich auch mit etwas Anderem zu beschäftigen. Nun hat er seit ein paar Tagen den Rechner unter strengen Auflagen wiederbekommen. Nichteinhaltung der Zeit wird umgehend mit PC-Entzug gestraft. Vor einer Weile ist sein Account gehackt worden, monatelange "Arbeit", viele Items, Geld, alles war weg. Er hat erst geweint wie ein Schlosshund, dann aber beschlossen, Metin2 nie wieder zu spielen, weil er bereits das zweite Mal bestohlen wurde. Nun kam er kürzlich zu mir und berichtete, sein Freund habe ihm einen Lv. 38er Krieger geschenkt...:( anscheinend geht es doch wieder los. Bleibt abzuwarten.
Vor ca. einem halben Jahr, kam mein Sohn auf mich zu und wollte UNBEDINGT WoW spielen! Mein Sohn ist sehr, sehr hartnäckig, wenn er was will, akzeptiert nur schwer, wenn er seinen willen nicht bekommt und macht mir dementsprechend das Leben sehr schwer. Aber trotzdem habe ich da - eine der wenigen Male - ganz entschieden NEIN gesagt. Und ich bin sehr froh, wenn ich das hier alles lese! Ich habe ausführlich mit ihm darüber gesprochen und werde mir heute mit ihm die ARD Reportage zusammen ansehen. Er hat es akzeptiert, dass das ungefähr so gefährlich ist, wie mit geschlossenen Augen bei Rot über die Ampel zu gehen. NOCH! Ich möchte noch erwähnen, dass wir schon seit etwa einem halben Jahr keinen Fernseher haben, mein Sohn zwar eine Playstation besitzt, die aber auf dem Dachboden ist, weil ich einfach verhindern will, dass von PC zu Playstation zu Fernseher gewechselt wird - wie es vorher war und bei diversen Klassenkameraden auch noch ist! Betonen möchte ich allerdings, dass er nie einen eigenen Fernseher oder Playstion in seinem Zimmer hatte - sein Notebook kann er aber natürlich dort mit hinnehmen.
Teil 2 folgt in einem weiteren Posting
Dumm ist nur der, der Dummes tut.