Leider habe ich es aus diversen (vielleicht verständlichen) Gründen nicht rechtzeitig geschafft, auf die genannte Sendung aufmerksam zu machen. Infos zur Sendung gibt es hier:
http://www.stern.de/tv/sterntv/3-computerspielsucht-gleiche-symptome-wie-bei-alkoholsucht-1563485.html Wahrscheinlich taucht der entsprechende Abschnitt demnächst bei Youtube und Co. auf.
Ich erlaube mir aber mal, im Rückblick zu kommentieren:
Das Gespräch im Studio war gut, umfassend, hinreichend vertieft und trotzdem knapp und verständlich. Der Film selbst gefiel mir nur mäßig. Zum einen wurden Spielabhängige wieder recht negativ dargestellt, zum anderen gab es schlichte Fehler: "Nils und Lucas wissen um die Gefahren von Onlinerollenspielen..." - auf dem Monitor läuft aber Counter Strike. Der Teil mit Matthias Kindler ist eine steinalte Filmkonserve, wenn ich rausfinde, wo ich diesen Part schon mal gesehen habe, berichte ich.
Mir war auch der Zusammenhang von Spielsucht und LAN-Parties zu eng. Gut, es mag einige Leute geben, die nicht auf LANs gehen und lieber zuhause zocken. Aber die LAN-Besucher gehen nicht allein wegen des Spielens dorthin, sondern wegen der Atmosphäre und um sich mit anderen real zu treffen. Diejenigen, die da sind, sind sozial sicher integrierter als die, die früher hingingen und nun lieber zuhause bleiben.
Gar nicht angesprochen wurde die Komorbidität. Es ging allein um Spielsucht, welche Gründe und Ursachen dahinter stehen, blieb völlig unklar. Meiner Ansicht nach hilft es kein bisschen, die Sucht zu "besiegen" (besser: zu kontrollieren oder zu verdrängen). Die Ursachen bleiben, man erkennt sie nur nicht mehr. Die Folgen wurden dargestellt, die Ursachen hingegen nicht.
Die im Vorspann angekündigte Offenbarung: "Was Eltern tun können" enttäuscht doppelt: zum einen sind nicht nur Jugendliche und Heranwachsende betroffen, zum anderen wurde die Frage nicht wirklich beantwortet. Wie gehe ich mit einem Betroffenen um, Internet kappen oder zeitlich beschränken? Wie weise ich ihn darauf hin, dass ein Problem besteht?
Zum Ende, wo es um die Behandlungsmöglichkeit ging, wurde m.E. nicht unterschieden, dass bei Erwachsenen in der Regel eine berufliche Reha ansteht, die die Rentenversicherung übernimmt, bei Jugendlichen aber - mangels Rentenansprüchen - die Krankenkasse in Betracht kommt. Der Unterschied ist gravierend, weil bei beruflicher Reha nicht unbedingt eine ICD-10-Diagnose erforderlich ist.
Naja, kein Meisterstück, aber mal nett. Vielleicht rüttelt der Bericht doch noch ein paar mehr Leute wach.
Chris.