"Wir begrüßen Sie herzlich als Gast beim Netzwerk für Ratsuchende von AKTIV GEGEN MEDIENSUCHT e.V. Sie müssen sich registrieren, um in den Foren Beiträge verfassen zu können. Anonyme und kostenlos. Wichtiger Hinweis: Die Nutzung ist völlig unabhängig von den Interessen oder den Zielen des Vereins. (mit-AKTIV werden: Info hier)
noch nicht in den Köpfen angekommen
Hallo trachodon,
danke für Deinen ausführlichen Erfahrungsbericht, der faszinierend aufzeigt, wie wenig noch das Problem Mediensucht in den Köpfen angekommen ist. Die meisten Eltern befürchten für ihre Kinder, dass diese mit Alkohol nicht mässig umzugehen lernen, dass sie irgendwann mit dem Rauchen anfangen oder gar an Drogen geraten. Dass an ganz anderer Stelle eine zum alltäglichen Leben gehörende Droge lauert, die zudem noch ständig verfügbar ist, ist den meisten noch überhaupt nicht bewusst. Das "Heroin aus der Steckdose" steht meist sogar im Kinderzimmer, rund um die Uhr greifbar und meist noch von medienpädagogischer Seite empfohlen. Die Schulen animieren bereits die Grundschulkinder, sich über das Internet Informationen zu holen, und sogar für Kindergartenkinder werden "Lernförderprogramme" am PC empfohlen. Wer sich hierzu kritisch äußert, wird gern als ewig Gestriger abgestempelt und als "Verteufeler der neuen Medien" gebrandmarkt. Mittlerweile gehört viel Mut dazu, sich dem Trend zu immer mehr und mehr, zu Facebook, Lokalisten, Studi VZ und den neuen Superhandies selbst für die Kleinsten entgegenzustellen. Kinder, die diesbezüglich nicht mit dem Neusten vom Neuen ausgerüstet sind, werden ausgegrenzt. Schaut man sich in der S-Bahn um, ist kaum mehr jemand zu sehen, der ein Buch vor der Nase hat oder einfach nur voller Muße aus dem Fenster schaut. Überall ein Blinkern und Piepsen und starre Blicke auf irgend ein Display. So schrumpft die Wahrnehmung der Welt auf Bildschirmformat zusammen und gedanklich zappen wir uns von Programm zu Programm, statt auch mal zu verweilen. Das Leben wird mal eben schnell diagonal gelesen, in Kurzform auf den Punkt gebracht und von Hinz und Kunz öffentlich kommentiert. Mir macht das Angst.
Merle
ich sehe das genauso wie Du: Die Gefahr, in eine Mediensucht zu kommen, ist heute sogar noch viel größer als damals in den 80er Jahren. Und ich finde auch die FSK-Altersfreigaben viel zu lasch.
Wie in meiner Dokumentation erwähnt, habe ich den Eindruck, daß TV+PC bei exzessivem jahrelangem Konsum regelrecht "hypnotisierend" wirken (durch die Fixierung auf das Virtuelle und das gefühlsmäßige Ignorieren des "Real life" und komme mir heute so vor, als hätte ich mehrere Lebensjahre übersprungen (nur dass das für mich natürlich nicht so "lustig" ist wie in den Filmen mit einer Zeitmaschine) oder früher mal einen Schlaganfall erlitten. Als ich hier in dem Forum von einem anderen Betroffenen den Vergleich mit "Wachkoma" gelesen habe, fand ich die Ähnlichkeit mit meiner damaligen Empfindung "Hypnose" doch recht verblüffend. Auch habe ich geradeeben in der Signatur des Users "Taric07" eine Anspielung auf die "Grauen Herren" im Märchen "Momo" gefunden, das ich ja auch in meinem Bericht zitierte. Es scheint mir also, als wenn viele exzessiv Mediensüchtige doch ziemlich ähnlich negative Empfindungen bzw. bildliche Vergleiche für Ihr Leiden haben.
Eure Aufklärungsarbeit ist enorm wichtig. Eltern sollten ihre Kinder über Mediensucht aufklären und sehr kritisch überprüfen, ob ihre Kinder in eine Mediensucht abgleiten. Spätestens wenn sich Verhaltensauffälligkeiten zeigen (Kind sucht kaum Kontakte, übernimmt keine Pflichten, geht nicht zu Feiern, ist schnell ängstlich und gereizt, hat Kommunikationsprobleme) sollten meiner Meinung nach Eltern sehr genau auf eine mögliche Mediensucht als Ursache prüfen.