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        Ich weiß nicht mehr weiter....

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Donnerstag, 23.Dez 2010, 16:15

Franz Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 3
Mitglied seit: 23.12.2010
WoW-Sucht
Da ich keinen anderen Ausweg mehr sehe und es selbstständig nicht schaffe mich aus dem Sumpf der Rollenspiele heraus zu ziehen, habe ich den Entschluss gefasst mir Hilfe von außen zu holen.

Vorerst zu meiner Person:
Ich heiße Franz, bin 20 Jahre alt und komme aus Dresden.
Ich habe das Gymnasium nach der 10. Klasse verlassen und begann daraufhin eine Lehre als Koch, welche ich im Sommer diesen Jahres erfolgreich abschließen konnte.
Seit Juli verbringe ich meine Zeit zu Hause, ich wohne zusammen mit meinem 6 Jahre jüngeren Bruder bei meiner Mutter.
Meine Eltern trennten sich als ich 12 war, mein Vater hat letztes Jahr neu geheiratet und mit seiner Lebensgefährtin 2 Kinder.

Ausschlagebend für diesen Beitrag war ein Gespräch, bzw eigentlich war es mehr ein Monolog meiner Mutter, heute früh.

Als ich heute Mittag aufstand, setzte ich mich wie jeden Tag an meinen PC, loggte mich in meinen WoW-Account ein und began zu spielen.
Nach einer Stunde kam meine Mutter weinend in mein Zimmer und sagte mir das Sie nicht mehr weiß wie es weiter gehen soll.
Sie fragte mich wie ich mir mein Leben in Zukunft vorstelle, doch Ich konnte nichts antworten.
Als sie mir ein Ultimatum setzte und mir drohte dem Internetanbieter zu kündigen, begann ich zu verstehen was ich mir und meiner Familie im letzten Jahr angetan habe.

Alles fing eigentlich schon in der Schule an.
Ich war schon immer leicht abzulenken, langweilte mich in der Schule und begann unaufmerksam zu werden.
Meine Freizeit verbrachte ich mein Leben lang eigentlich immer mit Freunden, trieb aktiv Leistungssport und hatte erziehlte sowohl im Sport als auch in der Schule gute Leistungen.
Als ich in der 6. Klasse anfing Konsolenspiele zu spielen, faszinierten diese mich extrem und ich began meine Freizeitaktivitäten zu minimieren.
Meine Schulischen Leistungen wurden immer schlechter, bald konnte ich den im Unterricht verlorenen Stoff nicht mehr aufholen und ich entschied mich dazu kein Abitur zu machen sondern nach der 10. Klasse aufzuhören.
In der Schule dachte ich unentwegs an den Nachmittag und freute mich darauf wieder spielen zu können.

Als ich meine Lehre began, zog ich für ein Jahr nach Potsdam. In diesem Jahr konnte ich nicht spielen, da ich kein Geld hatte um mir irgend etwas zu leisten.
Meine Ausbildungvergütung reichte gerade aus um meine Miete und mein Essen zu bezahlen.
nach einem Jahr brach ich förmlich zusammen, denn alles wugs mir über den Kopf.
Meine Mutter holte mich zurück nach Dresden,ich setzte meine Lehre fort und beendete sie schließlich auch.

Als ich wieder nach Dresden zog, kaufte ich mir einen Computer und began mich mit Computerspielen von der Arbeit abuzulenken.
Seit nunmehr 2 Jahre spiele ich WoW.
Seit einem Jahr habe ich eine tragende Rolle in meiner Gilde un fungiere als Raid-Leiter.
Nach dem Abschluss meiner Lehre im Sommer hatte ich keine Lust mehr zu arbeiten und spielte jeden tag 10 Stunden oder mehr, schlief bis mittags und blieb bis nachts wach.
Ich log meine Mutter an und täuschte vor mich um einen Abrietsplatz zu kümmern, erzählte ihr ich würde Probearbeiten gehen, tat dies aber nicht.

Nach dem Monolog meine Mutter heut mittag wurde mir klar das ich süchtig bin und deinstallierte wow von meinem Rechner, seit dem sitze ich vor meinem Computer und frage mich wie es weiter gehen soll und meine Traum-Welt bricht zusammen.
Ich brauche dringend Hilfe und weiß keine Ausweg aus meiner Situation.
Ich traue mich nicht mich meiner Mutter anzuvertrauen, soziale Kontakte habe ich ebenfalls fast vollständig abgebrochen.

Mir ist klar das es so nicht weiter gehen kann, weiß jedoch nicht woher ich die nötige Kraft beziehen soll um mich aus diesem Sog zu befreien.
Ich hoffe mir kann jemand Ratschläge geben.
Freitag, 24.Dez 2010, 09:58
Hallo Franz,

aus eigener Erfahrung kann ich Dir folgende Ratschläge geben:

1. Fang an, Dir die Wahrheit über dich und Deine Sucht zu sagen
2. Rede offen mit Deiner Mutter über Deine Sucht, Deine Ängste und Probleme und halte den Kontakt zu ihr aufrecht
3. Gehe zur Suchthilfe und nimm professionelle Hilfe in Anspruch, am besten bei jemanden, der sich mit Onlinesucht auskennt
4. Sorge dafür, daß Du keinen Zugriff mehr auf das Suchtmittel hast - wenn es nicht anders geht, melde das Internet ab
5. Bleibe stark, die Zeit des Entzugs ist schwierig und das Verlangen groß
6. Sitze nicht einfach da und sinniere über Dein Verlangen zu spielen - beschäftige Dich stattdessen mit sinnvollen Dingen
7. Mache Dir immer wieder die negativen Seiten des Spielens bewußt und das was die Sucht aus Dir gemacht hat
8. Schreibe einen Abschiedsbrief an das Spiel - wie an eine verflossene Liebe, die Dir nicht mehr gutgetan hat
9. Gehe kleine Schritte zurück ins Leben: Unternimm was, kontaktiere Freunde, hast/hattest Du Hobbies?
10. Halte jeden Abend vor dem Schlafengehen Rückschau auf den Tag - was hast Du heute Sinnvolles getan?
11. Gründe oder besuche eine Selbsthilfegruppe
12. Besuche einen Yogakurs. Warum Yoga? Weil Yoga auf wunderbare Weise Bewegung, Entspannung, Meditation, Körpererfahrung und Selbstbewußtsein miteinander verbindet (und die Krankenkasse zahlt in der Regel sogar die Kosten dafür - und nein: Yoga ist nicht "nur was für Frauen"
13. Wofür interessierst Du dich? Was wolltest Du schon immer mal machen? In welche Richtung könnte es beruflich weitergehen?

Versuche Dich so vielschichtig wie möglich mit Deiner Sucht, ihren Ursachen und den Alternativen dazu auseinanderzusetzen.
Eine einzelne Maßnahme ist wie ein Seil, auf dem Du über einen Abgrund balancierst - die Gefahr abzustürzen ist relativ hoch.
Spann Dir viele Seile und du schaffst Dir ein Netz, das dich sicher tragen wird.

Ich wünsche Dir alles Gute dafür und allen frohe Weihnachten.

Marc
Freitag, 24.Dez 2010, 10:08

kleinesMauf Benutzer ist offline

Benutzer Anfänger
Anzahl Beiträge: 70
Mitglied seit: 09.11.2009
Guten Morgen Franz,

den ersten Schritt hast du geschafft! Du hast es erkannt und beschlossen, dass es so nicht weitergehen kann. Jetzt gib nicht auf! Gehe weiter. Ich weiß wie du dich fühlst, es wird nicht leicht, aber lass dich davon nicht entmutigen!
Es ist Weihnachten, eine bessere Möglichkeit sich zu beschäftigen gibt es nicht! Denn das ist jetht ganz, ganz wichtig. Du musst dich beschäftigen, lass nicht zu, dass dir langweilig wird. Setz dich auch nicht vor den Fernseher, Gameboy oder ähnliches.
Ich habe die Feststellung gemacht, dass es am einfachsten mit einer To-do-Liste geht die du abarbeitest.

Du musst dich deiner Mutter nicht anvertrauen, sie kennt dich, sie weiß was mit dir los ist. Sonst wäre sie niemals in dein Zimmer gekommen.
Wie wäre es wenn du mit ihr zusammen Plätzchen bäckst? Ist der Baum schon geschmückt und sind die Geschenke schon verpackt? Oder wie wäre es mit einem Spaziergang durch die Winterlandschaft? Mit deiner Mutter, oder deinem Bruder? Und wenn ihr habt, der Hund freut sich bestimmt auch.

Lass auf keinen Fall zu, dass sich WoW in deine Gedanke schleicht und werde nicht nachlässig.
Wenn du das willst, kann ich dir helfen. Ich wohne in der Nähe, bzw. ist es mit dem Zug nicht weit nach Dresden. Wir können uns gerne treffen, und wenn du nur jemanden zum Reden brauchst.

Ganz liebe Grüße und frohe Weihnachten! Jeanette



Wenn man bis zum Hals in der Scheiße steckt, sollte man nicht auch noch den Kopf hängen lassen...
Freitag, 24.Dez 2010, 21:07

Franz Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 3
Mitglied seit: 23.12.2010
Hi,
Ich war heut früh 2 Stunden joggen, hat sich gut angefühlt wieder aktiv etwas zu tun.
Als ich zuhause war habe ich mich in meinen WoW-Acount eingeloggt, habe alle meine Charakter gelöscht, habe meine Acount-Abo gekündigt.
Außerdem hab ich alle Cds, Hefte und anderes was mit WoW zu tun hat zerknüllt und in den Müll geschmissen.

Grad haben wir Abendbrot gegessen und ich les ein Buch welches ich von meiner mom bekommen habe.

Nachmittags überkam mich die Langeweile und ich wusste nicht was ich machen sollte...

Ich habe überlegt einen alten Freund anzurufen, tat dies dann aber nicht da ja Weihnachten ist und er sicher mit seiner Familie feiert.
Ich dachte darüber nach was ich mit ihm unternehmen könnte und es stellte sich mir die Frage wie ich ihm sagen soll das ich Rollenspielsüchtig bin....

Irgendwie fühle ich mich heut Ohnmächtig und weiß nicht so recht wie es weiter gehen soll....
Freitag, 24.Dez 2010, 22:53

Franz Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 3
Mitglied seit: 23.12.2010
Ich muss nochmal schreiben und bisschen was los werden.

Ich bin eben über mich selbst erschrocken, ich habe ernsthaf tüberlegt die Tüte mit meinem WoW Zeug aus dem Müll zu holen.
Mir viel dann aber ein, dass ich eh alle CDs zerknickt hatte und meine Chars eh down sind...

Zur Zeit lese ich in nem neuen Gitarren Buch und träller bisschen dazu, leider kann ich fast gar nicht mehr Gitarre spielen, fand jedoch im Internet die Noten für Linking Park-What ive done.

Dieses Lied beschreibt ganz genau meine Situation. Als ich es spielte hatte ich das Gefühl ein Schleier löst sich vor meinen Augen und alles wurde auf einmal viel leichter....
Ich denke ich werde wieder anfangen Gitarre zu spielen, denn das beschäftigt mich tagsüber....

Allgemein fühle ich mich jedoch sehr leer und weiß im inneren bin ich allein und brauche dringend Hilfe von außen...Ich habe extreme Angst davor meine alten Freunde anzurufen, warum weiß ich nicht so recht...

Ich habe jedoch beschlossen was ich mit meinem Weihnachtsgeld machen werde... ich kaufe mir einen netten mp3 Player damit ich beim Joggen musik hören kann, generell war das heute ein sehr emotionaler Moment, als ich völlig kaputt am Baum gelehnt habe, mitten im verschneiten Wald...
Ich hatte wieder das unglaublich bedrückende Gefühl, als ob mir jemand dicke Gewichte auf meine Schultern gepackt hätte.
Sonntag, 26.Dez 2010, 19:07

dora Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 7
Mitglied seit: 16.12.2010
WOW
Hallo Franz du bist genau so alt wie mein Sohn,nur er will jegliche hilfe nicht annehmen.Egal was ich auch versuche.Hut ab das du es möchtest.Ich bin die meiste Zeit nicht zuhause nicht weil ich es nicht möchte,nein weil ich es mit ihn in einer Wohnung nicht aushalte.Kämpfe seit ca.2Jahren mit ihm.Ich habe seit ca 5 Monaten wieder einen lieben Menschen gefunden mit dem ich sehr glücklich bin,er würde auch meinen Sohn helfen aber er möchte sich da nicht einmischen.Da mein Sohn von Jobcenter Geld bekommt aber zur zeit keine Termine wahrnimmt, hat er Kürzung reinbekommen.Wen es so weitergeht ist er bald ohne Geld,den die Kürzen bis zu 100 %.Und ich müßte ihn bei mir abmelden er wär ohne Wohnung ,den ich beziehe auch ALG 2,das Amt zahlt sonst meie Wohnung nicht mehr.Glaub mir ich hab Angst das es soweit kommen wird.Habe ihm viele Stellen wo er Hilfe bekommen könnt aufgeschrieben,aber er will sie nicht.Er möchte das Interned wieder sagt er.Er hat bis auf einen Freund nimmanden mehr richiges.Und der hat nicht oft Zeit.Er kann ja nicht in Interned sonst könnte er sich mit dir oder anderen austauschen.Wünsche dir viel Glück nimm die Hilfe von ausen an. GLG Dora
Montag, 27.Dez 2010, 18:18

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 282
Mitglied seit: 12.06.2009
wir helfen Dir
Hallo Franz,
ja, die erste Zeit ist hart und da musst Du gnadenlos durch. Aber Du hast das Schlimmste schon geschafft - Du hast alle CD`s zerbrochen und Dir durch diese massive Massnahme weitestgehend den Rückweg versperrt. Das ist gut!!! Ich finde wohl, dass Du mit Deiner Mutter sprechen solltest, denn, so wie Du es schilderst, habt Ihr ein gutes Verhältnis zueinander. Sie kann Dir helfen, Beschäftigung zu finden - dass Aller-allerwichtigste für den Anfang. Lies Dir mal die Forenbeiträge von chiller durch: http://www.aktiv-gegen-mediensucht.de/thema/654/132/brauche-einen-rat-fuer-die-zukunft/ und auch die Beiträge von Cigaan: http://www.aktiv-gegen-mediensucht.de/index.php?p=showtopic&toid=390&high=Cigaan Beide haben sich aktiv da durchgekämpft und Cigaan hat es auch bereits wunderbar geschafft. Chiller schafft sich auf bewundernswerte Weise ganz viele Aktivitäten, um das Risiko zu umgehen, aus purer Langeweile doch wieder rückfällig zu werden. Sprich mit Deinen Freunden darüber, klär sie auf über den Stand der Dinge, und bitte sie, Dich so oft wie möglich mit nach "draußen" zu nehmen. Und vor allen Dingen: kümmere Dich ganz konkret und hartnäckig um einen Arbeitsplatz. Ein fester regelmässiger Tagesablauf und Aufgaben, die Dich fordern, können Dir enorm weiterhelfen. (siehe auch Marcus` Beitrag vom 19.12.10)
Du wirst es schaffen und wir alle begleiten Dich auf Deinem Weg. Schreib, so oft Du kannst hier ins Forum, berichte die weiteren Schritte, Deine Erfolge und Niederlagen, um Dir bewusst zu machen, dass sich was bewegt.
Ich wünsche Dir viel viel Zuversicht und klares Handeln.
LG Merle


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