Rollenspiel Beginn einer Suchtkarriere ?
Liebe Angehörige
Mein Sohn, 15 Jahre alt spielt seit einigen Monaten ein Internetspiel, wo im Team verschiedene Ziele (quests) angesteuert werden.
Mein Eheberater, der auch Erziehungsberater ist, hat mich wachgerüttelt und das als sehr bedenklich eingestuft.
Ich hatte daraufhin intensive Gespräche mit meinem Sohn.
Er sieht ein, dass es kritisch ist, aber er wäre selbst nicht süchtig, hätte einfach Lust zu spielen und alle seine Freunde würden es auch tun, teilweise sogar noch schlimmer.
Er hat sich auf einfache Grenzen eingelassen: 21.30Uhr ausschalten und 1 computerfreier Tag in der Woche, was er auch versucht zu beachten.
Aber in den Ferien soll das nicht gelten. Ich habe Angst.
Wir als Eltern könnten unsere Macht einsetzen und den Internetzugang sperren. Aber ist das Problem damit gelöst ????
Ich habe hier schon ein paar Beiträge gelesen und festgestellt, dass das Problem damit nicht gelöst ist.
So wie es aussieht steht mein Sohn am Anfang einer Suchtkarriere.
Mein Sohn hat Vertrauen zu mir. Ich will ihm den Internetzugang nicht sperren, sondern ihn zur Einsicht und Selbstverantwortung bringen.
Wie kann ich das anstellen?
Hallo Karin,
es ist gut, dass du rechtzeitig reagierst! Sein Wunsch, dass die Internet/Computer-Regel in den Ferien nicht gilt, finde ich bedenklich. Vor allem, Ferien sind dazu da um mit Freunden raus zu gehen und etwas zu unternehmen!
Und es ist richtig, dass das Sucht-Problem mit dem dicht-schalten des Internet zuganges nicht gelöst ist. Er sollte keine Computer-, Gameboy oder Konsolenspiele spielen. Es ist nur ein Ausweichmittel bis das Internet am nächsten Tag wieder verfügbar ist. Das selbe gilt auch für Fernsehen. Und auch ruhig mal bei den Freunden anrufen und fragen was die Jungs den ganzen Tag machen, ob sie draußen unterwegs sind, oder ob sie vor dem Computer/Fernseher hocken.
Es müssen Alternativen für deinen Sohn geschaffen werden. Hat er Hobbys? Spielt er zum Beispielt ein Instrument, oder spielt er gerne Fußball? Oder Unternehmt ihr häuft etwas? Ein einfacher Spiele abend, oder ein Ausflug in den Zoo, aber auch eine kleine Wanderung klingen doch lustig?
Wenn das Kind nichts zu tun hat, ist es selbstverständlich, dass es sich der alternative Internet zu wendet.
Ebenso wichtig ist es, dass dein Kind frühzeitig erkennt, welchen extremen Schaden es sich mit der Mediensucht zufügen kann! Aber noch ist es nicht zu spät!
Liebe Grüße, Jeanette
Wenn man bis zum Hals in der Scheiße steckt, sollte man nicht auch noch den Kopf hängen lassen...
eingreifen
Hallo Karin,
so wie es klingt, steht Dein Sohn noch ganz am Anfang. Wenn Du zu lange wartest, wird sich das, was momentan noch als relativ steuerbar erscheint, zu einem wirklichen und vielleicht nur schwer rückgängig zu machenden Problem entwickeln. Wenn wir in unserer Selbsthilfegruppe Eltern von exzessiv spielenden Kindern fragen, was sie getan hätten, wenn sie gewusst hätten, wohin dies alles führt, ist einstimmig die Antwort: "Wir hätten ganz klar die Mediennutzungszeiten radikal reduziert und uns in jedem Fall
gegen Onlinerollenspiele entschieden." Der Prozess der Abhängigkeit vollzieht sich schleichend, und ehe man es sich versieht, ist einem die Situation total entglitten. Dein Sohn ist noch so jung - erspare ihm, dass er den Weg gehen muss, der in unzähligen Aussteigerberichten auf
www.rollenspielsucht.de nachzulesen ist. Warte nicht länger - greife ein!
Ich kann Deine Gedanken, dass durch den Spielentzug das Problem nicht gelöst sein könnte, nachvollziehen. Doch was ist, wenn erst das Spiel überhaupt das Problem geschaffen hat? Dass Dein Sohn meint, die gesamte Suchtproblematik hätte nichts mit ihm zu tun, ist normal. Kein Süchtiger erkennt, dass er ein Problem hat. Das sehen immer erst mal nur die anderen. Dein Erziehungsberater hat Recht:
Onlinerollenspiele sind äußerst bedenklich und Du solltest nicht zulassen, dass Dein Sohn solche Spiele spielt. Wichtig ist, dass Ihr gemeinsam Alternativen für ihn findet, die ihm die unzähligen Stunden vor dem PC nach und nach ersetzen. Viele Jugendliche spielen aus Langeweile und brauchen dringend Hilfe, damit sie ihre Freizeit auszufüllen wissen. Vielleicht will er Schlagzeug lernen oder E-Gitarre, in einen Sportverein gehen oder sich sozial engagieren? Setz alle Hebel in Bewegung, ihm ausreichend Ersatz zu schaffen für das, was Du ihm nimmst.
Ich wünsche Dir ganz viel Kraft.
Merle
kein Interesse an Alternativen
Vielen Dank Merle und Jeanette für die Antworten.
Mein Sohn bezeichnet mich als peinlich. Ich würde übertreiben.
Ich habe mich auch mit anderen Eltern unterhalten, die schon seit 3 Jahren rummachen. Die meinen, dass man sich damit abfinden sollte. Es gehört heutzutage einfach zum Leben der Jugendlichen dazu. Es wäre unmöglich, sie ganz davon wegzubringen.
In den Ferien hatte ich ihn ziemlich weg vom Spiel. Aber jetzt hat die Schule angefangen und er spielt wieder. Seine Mitschüler spielen ja auch und so wie ich den Eindruck habe, reden sie darüber in der Schule und animieren sich gegenseitig. Es ist ein Gymnasium.
Er hat es in den Ferien, trotz mehrmaliger Aufforderung, nicht geschafft, sich mit einem Freund zu treffen. Er sagt, es läge nicht an ihm, er hätte es versucht.
Die Freunde hatten keine Zeit.
Ich suche nach Alternativen. Er war lange Zeit im Karateverein. Wenn ich sage, er solle doch wieder Kontakt aufnehmen, dann sagt er wohl "ja, mach ich", aber er macht es nicht. Wenn ich selbst versuche, Kontakt aufzunehmen, dann wird er wütend und meint, es sei doch seine Sache, ich solle mich da nicht einmischen. Ich soll mich natürlich auch nicht mit den Eltern seiner Freunde in Verbindung setzen. Was ich aber für dringend nötig empfinde.
Mache ich zuviel Druck wird er rebellisch, mache ich keinen Druck tut sich auch nichts.
Wie stehen denn die Schulen dazu?
Da gibt es Informationsabende wegen Drogen- und Alkoholmissbrauch. Wie sieht es aber mit dieser Spielsucht aus?
Ich spiele mit den Gedanken hier etwas anzuregen. Mein Sohn ist strikt dagegen, weil er befürchtet, dass er damit in Verbindung gebracht wird.
liebe Grüße
Karin
mit anderen Eltern kurzschließen
Hallo Karin,
alle Eltern von 15-Jährigen sind in deren Augen peinlich und Dein Sohn wird in jedem Fall immer etwas finden an Dir, was ihn geniert. Deshalb solltest Du Dir diesbezüglich ein dickes Fell anschaffen. Wenn es Dir wirklich wichtig ist, hier an diesem Punkt etwas zu verändern, darfst Du nicht erpressbar sein. Je klarer Deine Haltung dazu ist und je sicherer Du diese vor Deinem Sohn vertrittst, desto eher wird er sie akzeptieren. Es ist in jedem Fall eine gute Idee, Dich mit den Eltern seiner Freunde in Verbindung zu setzen, auch wenn ihm dies unangenehm ist. Vielleicht trefft Ihr Euch mal in größerem Kreis, um über die Gesamtproblematik zu sprechen und auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Mit Sicherheit rennst Du bei allen offene Türen ein, denn die Medienauseinandersetzung hat mittlerweile fast jede Familie massiv erreicht. Wenn alle an einem Strang ziehen, würde es auch leichter sein, Alternativen für die Jungs zu finden, die sie u.U. gemeinsam angehen können.
In welchem Postleitzahlenbereich wohnst Du denn? Im Umkreis von München (ca. 120 km Radius) halten wir nämlich an Schulen Vorträge über das Thema Onlinesucht. Bis jetzt ist jede Veranstaltung von uns mit großem Interesse aufgenommen worden. Es ist immens wichtig, dass die Schulen diesbezüglich zur Aufklärung bei den Eltern beitragen.
LG Merle
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