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        Mein Freund ist süchtig nach WoW

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Dienstag, 8.Feb 2011, 01:40

Lilly Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 1
Mitglied seit: 08.02.2011
Hallo,

mein Freund (25 Jahre) opfert seine ganze Freizeit für dieses Spiel (World of Warcraft). Sobald er nach Hause kommt wird erstmal der Pc angemacht. Wenn ich dann versuche mit ihm darüber zu reden ignoriert er mich entweder komplett oder aber verspricht mir das er kurz abschalten muss, da es für ihn mal wieder soein ein stressiger Tag war. Es heißt dann jedesmal, dass es diesmal nur 2-3 Stündchen sind. Das ist dann aber keineswegs so. Für ihn ist das dann total wichtig, wenn er mit seine "freunden" im Spiel irgendwelche Monster im Spiel gemeinsam bekämpft, um in diesem Spiel irgendwelche Erfolge zu erreichen.Ich komm überhaupt nicht mehr an ihm heran. Das geht jetzt schon seit 2 Jahren so. Ich habe sogar das Gefühl, dass es immer schlimmer wird und ich nichts dagegen unternehmen kann. Ich habe schon so einiges versucht.

Er macht zurzeit eine Ausbildung als Fachinformatiker und tut dafür so gerade das nötigste. Viel Zeit für andere Dinge gibt es nicht mehr. Er spricht dann jedesmal davon, dass er sich sozusagen um zwei Leben kümmern muss. Diese Aussagen machen mir auch schon so langsam Angst. Für ihn ist das Spiel das einzige, worauf er sich noch überhaupt freuen kann. Das Spiel nimmt er sehr ernst, wenn wir beispielsweise zusammen Einkaufen (und das kommt sehr selten vor) steht er unter enormen Zeitdruck, da er sich mit seinen "Freunden" im Spiel verabredet hat ("Ich muss heute auf jedenfall Pünktlich sein, da ich mich heute noch perfekt für den Raid vorbereiten muss" Ich bin mit meinem Latein definitiv am ende.Ich hab einfach so eine Angst davor, dass es immer schlimmer wird und er sogar seine Ausbildung dadurch vernachlässigen könnte.

Brauche dringend eure Hilfe

Liebe Grüße,

Lilly
Donnerstag, 10.Feb 2011, 15:25

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 282
Mitglied seit: 12.06.2009
befreie Dich von seiner Sucht
Hallo Lilly,
das ist ja wahrlich eine traurige Situation, in der Du steckst, und Deine Angst, dies alles könnte schlimmer werden und auch auf Dauer seine Ausbildung gefährden, ist nicht unbegründet. Darauf zu warten, dass sich von alleine etwas verändert, wird nicht der richtige Weg sein. Dein Freund braucht momentan wohl nichts anderes als sein Suchtmittel WoW, und solange er dies hat, fehlt es ihm an nichts. Das Studium hält noch ein wenig den Anschein offen, dass sich die Zukunft anbetreffend bei ihm etwas tut, aber mehr als das absolut Notwendige scheint hier ja nicht statt zu finden.
Der entscheidende Schritt zur Veränderung sollte von Dir aus gehen und dazu solltest Du Dir ganz schonungslos offen die Frage stellen, wie wichtig Dir Dein Freund als Mensch in Deinem Leben ist. Bist Du wirklich bereit, diese ungute Situation an seiner Seite auszuhalten, Dich auf das zu reduzieren, was er als Partnerin von Dir braucht (ihn in Ruhe spielen lassen und das übrige Leben alleine geregelt kriegen)???? Bist Du weiterhin und auf unbestimmte Zeit bereit, Dich mit falschen Versprechungen hinhalten zu lassen, jeden Tag von Neuem zu hoffen, dass er Dich wahrnimmt, jedes Wochenende enttäuscht zur Kenntnis zu nehmen, dass ihr wieder nichts gemeinsam unternommen habt usw. usw.? Dein Freund kann nur aus freien Stücken und aus sich heraus aus seiner Abhängigkeit heraus finden. Seit zwei Jahren versuchst Du, ihn von WoW abzubringen. Hat es was gebracht? Im Gegenteil: Du hast das Gefühl, dass es immer schlimmer wird. Lies Dir doch einmal ausführlich die Berichte der ebenfalls betroffenen Partner in diesem Forum und auch bei "Ihr Eintrag" bei www.rollenspielsucht.de durch. Dort wird deutlich, wie schwer und fast unmöglich es ist, einen süchtigen Partner zur Umkehr zu bringen....
Ich gehe davon aus, dass Du noch sehr jung bist und das ganze Leben noch vor Dir liegt. Ihr seid nicht wirklich aneinander gebunden und Ihr habt keine gemeinsamen Kinder. Was spricht dagegen, sich von seiner Sucht zu befreien, sich für das Leben zu entscheiden und für einen Partner, der dieses Leben lebendig, real und mit allen Höhen und Tiefen mit Dir teilt?
Ich wünsche Dir ganz viel Kraft für mutige und einschneidende Entscheidungen.
LG Merle
Mittwoch, 5.Okt 2011, 22:28
\\
Hallo Lilly,

als ich deinen Beitrag gelesen habe, hat es mich sehr an mein "Familienleben" erinnert.

Als ich (26 Jahre) meinen Lebensgefährten (34 Jahre) vor 6 Jahren kennengelernt habe, konnte er gerade so einen PC anstellen und einen Brief schreiben. Als ich dann ein Jahr später schwanger wurde, hat sich vieles geändert. Ich war ständig müde und musste ab der 28 SSW Bettruhe halten. In dieser Zeit lernte er durch seinen Kumpel die PC-Rollenspiele kennen. Mittlerweile könnte er einen Server fast alleine aufbauen. Nachdem er nur noch jede freie Minute vorm PC saß und wir uns nur noch gestritten haben, trennte ich mich 2009 schweren Herzens von ihm.
Wir waren ein Jahr getrennt. In diesem Jahr kämpfte er um uns. Wenn ich bei Ihm war, saß er nicht mehr vorm PC. Er verbrachte wieder ohne Zeitdruck die Zeit mit uns. Keine Streiterein mehr. Dann gab ich Ihm 2010 eine letzte Chance. Er beteuerte nie wieder zu spielen und zu einem Therapeuten zu gehen. Das erste halbe Jahr war wieder wie früher. Ich weiß nicht wann es wieder begonnen hat, aber leise und heimlich schlich sich das WoW-Virus wieder in unsere Beziehung.

Nun ein Jahr nachdem ich Ihm die Chance gab sitzt er jeden Tag am PC. Ich bekomme noch nicht einmal mehr mit wann er ins Bett kommt. Am Wochenende ist der erste Gang meistens an den PC. Die versprochene therapeutiche Hilfe hat er nie aufgesucht und wenn ich das Thema anspreche, heißt es nur: "ich sitze nicht den ganzen Tag daran" und für 2 Tage "bequemt" er sich dazu etwas Zeit mit mir zu verbringen bis er plötzlich um 22.00 müde ist und ins Bett muss. Eine Kontrolle wann er das sch... Teil anmacht und wie lange gibts nicht, da ich meistens nicht vor 17.00 nach Hause komme. Unsere Tochter schläft gegen 20.00 und mein "Mann" sitzt ab 19.00 vorm Rechner. Fazit: Eine Beziehung existiert nicht. Man lebt nebeneinander her.

Nur was tun? Ihn wieder vor die Tür setzen und sich von seiner Familie das berühmte "ich habs dir doch gleich gesagt" anhören? Wie erklärt man es einem 5 jährigen Kind, dass Mama und Papa ein Jahr später nicht mehr miteinander leben wollen? Und was sagt man seinem Herzen? Zum "Entzug" kann man einen ("Nicht- "Süchtigen nicht zwingen.

Wenn es nur nach dem Verstand und Bauchgefühl ginge, würde ich meine Entscheidung zur "letzten" Chance wieder rückgängig machen und ihn sofort rausschmeißen. Am liebsten würde ich einen Hammer nehmen und sein PC kurz und klein schlagen!

Naja...wie sagt man so schön... "Jeder ist seines Glückes Schmied" ... nun ja... ich schein kein guter Handwerker zu sein!

Ich hoffe für dich, dass du die für dich richtige Entscheidung getroffen hast! Und solltest du dich für den "Kampf" entschieden haben, hoffe ich für dich dass dein Partner den Weg zu dir ins sogenannte "Real Life" findet!

Liebe Grüße!
Mittwoch, 12.Okt 2011, 12:43

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 282
Mitglied seit: 12.06.2009
erneut trennen
Hallo svveety,
ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Du bereust, Deinem Freund vor einem Jahr diese letzte Chance eingeräumt zu haben, jetzt wo Du siehst, dass er seine ganzen Versprechungen nicht eingehalten hat. Wir erleben es immer wieder, dass abhängige Partner oder Kinder ihren Angehörigen das Blaue vom Himmel versprechen und dies aber überhaupt nicht durchzuhalten in der Lage sind. Es wäre letztendlich nur konsequent, Deinen Partner erneut vor die Tür zu setzen, da er seinen Teil der Abmachung ganz und gar nicht eingelöst hat. Wenn die Situation jetzt bleibt wie sie ist und du trotz Deines hohen Leidensdrucks versuchst, dies alles auszuhalten, wirst Du ihm in keinem Fall helfen und zusätzlich noch Dir und Eurem Kind Schaden zufügen.
Dein Freund hat die Wahl: entweder er kämpft erneut um seine Familie, diesmal aber aktiv - das Einzige, was jetzt zählt, sind Taten, denn gute Worte werden keine Veränderungen bewirken - oder er wird Euch endgültig verlieren. Auch er ist seines Glückes Schmied und hat es selbst in der Hand, zu entscheiden, was ihm wichtig ist. Du bist in keiner Weise verpflichtet, diese ungute Partnerschaft auszuhalten.
Ich wünsche Dir ganz viel Kraft.
LG Merle


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