Mein Sohn, bereits 26, studiert 600 km weit von zu Hause. Von uns ,seinen Eltern wird er unterstützt, da er biher sein Studium bis zum 7.ten Semester schaffte .Die Persönlichkeitsveränderung , die uns am meisten Sorge bereitet, fiel extrem schon seit 3 Jahren auf. Völlig " einsichtig" ließ er sich auf eine ambulante Psychotherapie ein, ging sogar in stationäre psychosomatischer Therapie in den Ferien 2010 einmal 6 und einmal 7 Wochen lang.
Er ist , benimmt sich und zeigt sich depressiv auch weitrerhin ohne Zocken, ohne Alkoholabus oder "kiffen".
Da sein Studium so schwer zu ertragen ist wie er es nennt, braucht er einfach sein Spiel , meist WOW, zum Entspannen und glücklich sein, abends nach der Uni. Bei meinem letzten Besuch war ich als seine Mutter bestürzt über den Zustand seiner Wohnung und seiner abwesenden Haltung.
Verzweifelt fuhr ich weg nach Hause als auf meine Frage : kommst du am Wochenende nach hause ? er antwortete: was soll ich da!
Dieses Wochenende wird er zum Geburtstag meines Mannes erscheinen.Reden werden wir müssen, möchte jedoch nicht immer zu Hause schlechte Stimmung haben ,so dass er gar nicht mehr heimmöchte. Im Moment glaubt er noch sich wohlzufühlen und alles unter Kontrolle zu haben... er ist aber irgendwie gar nicht mehr mein Sohn wie er früher war.
Gefühlsmäßig ist er recht kalt und verständnislos, recht vergeßlich, Behördengänge sind für ihn ein Grauen, ebenso Rechnungen, Post, Bankgeschäfte.
Er überzieht regelmäßig sein Konto, vergißt Rechnungen zu zahlen und zu hause anzurufen. Unsere Sorgen und mein Leid ebenso wie Zureden bringen nichts, er argumentiert gevieft ,stellt sich sogar empört, wird böse oder aggressiv.
Im PLZ 86637 Bereich wird er bald Ferien verbringen, er wäre mit dem Besuch einer Selbsthilfegruppe oder Therapeuten einverstanden...
Vielleich , hoffe ich könnte mir Ihre Antwort helfen.
Vielen Dank
Hallo Jana,
ich lese gerade ihren Eintrag im öffentlichen Forum und kann ihre Sorgen, nach dem was sie geschrieben haben, gut nachvollziehen.
Das Café Connection ist ein Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene der Suchtberatungs- und Behandlungsstelle in Donauwörth hat sich seit einiger Zeit viel mit dem Thema exzessiver Internetkonsum und Computerspielabhängigkeit auseinandergesetzt.
Gerne darf sich ihr Sohn in seinen Ferien bei uns melden um über seine derzeitige Spielsituation zu reden und eventuell Veränderungswünsche zu erarbeiten. Auch sie als Mutter sind herzlich willkommen sich Informationen, Tipps und Ratschläge einzuholen. Netten Gruß aus Donauwörth. Niels Pruin, Homepage:
www.cafeconnection-donauwoerth.de
Hallo Jana,
die Symptome, die Du von Deinem Sohn schilderst, sind deckungsgleich mit dem, was wir immer wieder von anderen betroffenen Angehörigen mitgeteilt bekommen: nicht wirkliches Anwesend-Sein, Depressivität, emotionale Kälte, Vergeßlichkeit, Überforderung bei Bankangelegenheiten, Unselbständigkeit, Härte gegenüber der Familie, Aggressionen beim Thema Internetnutzung, verheerender Zustand der Wohnung etc.etc. Meist scheinen die Betroffenen nicht wirklich erreichbar zu sein und jedes Gespräch perlt an ihnen ab. Das Leid der Angehörigen wird von ihnen nicht wahrgenommen, weil ihnen nicht bewusst ist, dass es überhaupt ein Problem gibt. Würde man sie in Ruhe lassen - so ist ihre Meinung - wäre alles in Ordnung, denn dass bei ihnen eine Suchtkrankheit vorliegt, ist ihnen überhaupt nicht klar. Dass Euer Sohn bereit ist, einen Therapeuten zu Rate zu ziehen, ist ein anerkennenswerter Schritt, wobei dieses Zugeständnis natürlich auch dazu dienen kann, Euch zwischenzeitlich zufrieden zu stellen, frei nach dem Motto: "Ich gehe ja schon, aber dann gebt auch Ruhe." Solange aber keine wirkliche Bereitschaft zu einer einschneidenden Veränderung beim Betroffenen selbst vorliegt, wird keine therapeutische Massnahme fruchten.
Seid Ihr denn sicher, dass das Studium nach wie vor stattfindet, oder wird von Eurem Sohn lediglich der Status Student mit einem Minimum an Einsatz aufrecht erhalten, um Eure finanzielle Zuwendung zu sichern? Vielleicht könntet Ihr hier etwas in Erfahrung bringen?
Bei der Beratungsstelle in Donauwörth seid Ihr mit Sicherheit in besten Händen und könnt Euch umfassend informieren, welche Schritte für Euch anstehen, um die Jetztsituation voran zu bringen. Vielleicht geht Ihr erst einmal ohne Euren Sohn dort hin, um zuerst einmal Eure Wahrnehmungen und Gefühle frei zu schildern, wie ich es Euch in meiner Mail heute vormittag schon geraten habe.
Wie war Euer gemeinsames Wochenende? Ist Euer Sohn tatsächlich gekommen? Vielleicht magst Du, liebe Jana, uns hier im Forum weiter berichten. Wir alle können Deine Hilflosigkeit und Verzweiflung nachvollziehen und wünschen Dir viel Kraft, dies alles durchzustehen.
LG Merle
Vielen Dank für die netten Worte und Empfehlungen, die ich beherzigen werde.
Ja, mein Sohn war ein paar Tage zu Hause, ein Aufenthalt den wir zu Gesprächen mit ihm nutzten. Wir Eltern und auch Großvater wollten deutlich machen
dass weiteres Spielen in diesem Ausmaß ihm selber und seiner Zukunft schadet. Als Mutter machte ich ihm klar, dass es so nicht weitergehen könne
und ich mit den Nerven am Ende bin.
Er selbst jedoch war nicht davon überzeugt etwas ändern zu müssen, ja, er wäre sogar weit davon entfernt einschneidende Maßnahmen zu ergreifen.
Er sagte sogar dass die Gespräche mit uns hier zu Hause sehr aufschlussreich wären, er mache sich Gedanken darüber und möchte nicht uns in Sorge wissen.
Die ganzen Infos über Mediensucht die ich ihm zeigen wollte, wehrte er etwas abfällig ab wie :" aber mama, nein !"
3 Tage lang gab es bei uns kein Spiel für ihn im Internet, er hat die Homepage für meinen Mann noch eingerichtet, war jedoch sichtlich nervös und hat laufend geschimpft wenn es nicht ganz so lief wie er`s gerne wollte....
Mein Glück ist dass seine Freundin meiner Meinung ist, sie versucht ebenso ihn für andere Aktivitäten zu begeistern.. mit mäßigen Erfolg. Er will öfter allein abchillen oder mit seinen Freunden die Zeit allein verbringen. Fakt ist dass er bei Gesprächen sich nur sehr schwer beteiligt, langsam oder gar nicht antwortet und kein Interesse für " banale " Freizeitaktivitäten hat.
Nach seinem Besuch zu Hause verhielt er sich ganz anders, viel netter, er telefonierte öfter mit uns , fragte wie es uns geht...
Die Lage ist jedoch nicht stabil, da er genau weiß was wir gerne von ihm hören wollen, und er bisher keine Versprechen über Änderungen abgeben wollte.
Eine Prüfung hat er bestanden, zur Zeit besucht er einen Kurs und wird in 10 Tagen noch einmal heimkommen. In dieser Zeit hoffe ich ihn für etwas Arbeit
überreden zu können.
Es ist alles äußerst zäh und schmerzhaft , es entstehen des Öfteren Lichtblicke und Hoffnungen , danach wieder das alte Muster,
besorgniserregend für uns als Eltern mehr als für ihn selber.
noch fehlt der Leidensdruck
Liebe Jana,
ja, genau das ist der Punkt: dies alles ist vorerst für die Angehörigen wesentlich schmerzhafter als für den Betroffenen selbst. Solange sich dessen Leben noch einigermaßen aufrecht erhalten lässt, die wichtigsten Dinge funktionieren, und er weitestgehend in Ruhe gelassen wird, ist bei ihm kein Problembewusstsein und kein Leidensdruck da. Diese beiden Komponenten sind aber unabdingbar, um die Kraft zu einer einschneidenden Veränderung (Therapie, Klinikaufenthalt etc.) aufzubringen. Vorerst wird Euch nichts anderes übrig bleiben, als gut im Auge zu behalten, ob sich sein Studium tatsächlich noch Studium nennen darf, oder ob hier nur auf niedrigstem Level ein Status aufrecht erhalten wird, der die finanzielle Absicherung garantiert. Sollte dies der Fall sein, gilt es, dringend einzugreifen und die pekuniäre Unterstützung sofort zu streichen. Ansonsten versuche, für Dich selbst zu sorgen und Dein Leben, zusammen mit Deinem Mann, gut und kraftvoll zu gestalten. Lasst es nicht zu, dass die Onlinesucht Eures Sohnes Euch kaputt macht.
Ich grüße Dich herzlich.
Merle
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