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 Foren zum Thema Mediensucht / Angehörigen-Forum
        Erfahrungen in Selbsthilfe/ Angehörigengruppen?

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Samstag, 26.Feb 2011, 19:30

karla Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 5
Mitglied seit: 25.02.2011
Mediensüchtiger Sohn
Mein Sohn ist 24, Student, mediensüchtig. Sein Auftreten, wenn man es noch so nennen kann, ist genauso, wie hier im Forum so oft beschrieben.
Hilfsangebote über eine Therapieeinrichtung am Studienort wollte er annehmen, nachdem er selbst erkannt hat, dass es mehr als kritisch um ihn steht.Er hat mir auch die CDs des Spiels übergeben. Weil die Therapeutin aber im Urlaub war, hat man ihm empfohlen, zunächt die Therapiegruppe aufzusuchen. Danach war der Therapiewille aber ausgeschaltet.
Argumente wie: "die haben ja alle gar keine Ahnung", "das sind ja noch Kinder" habe ich nicht akzeptiert. Dann kam er mit der Sprache heraus. Er sieht nicht ein, auf das zu verzichten, was das Internet ihm bietet: Freunde, Gespräche übers Leben und über Probleme, Zusammenhalt....
Dass ich überhaupt mit ihm ins Gespräch kam, ist einer gemeinsamen Autofahrt ohne Zugang zu PC, Fernseher zu verdanken. Sitzt er bei mir zu Hause, habe ich den Eindruck, dass er die Fernbedienung des Fernsehers betrachtet, wie ein Alkoholiker das Schnappsglas vor ihm. Er muß sie in die Hand nehmen und benutzen (trinken) und ist PC oder TV an, kann ich meinen Sohn überhaupt nicht mehr erreichen, dann ist er gefangen.
Ich weiß dass weder sein Vater noch ich ihm helfen können, wir sind geschieden, aber diesbezüglich immerhin völlig einer Meinung.
Jetzt bin ich auf der Suche nach einem Austausch mit anderen Eltern/ Angehörigen in Berlin, d.h. ich habe mich schon zum Info-Abend angemeldet.
Ich wäre auch bereit, eine solche Gruppe zu gründen.
Wer hat denn Erfahrung mit Angehörigengruppen?
Karla


P.S. ich bin froh und dankbar, dass es dieses Forum gibt!
Sonntag, 6.Mär 2011, 09:39

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 282
Mitglied seit: 12.06.2009
Selbsthilfe
Hallo Karla,
mit unserer Angehörigengruppe haben wir nur die besten Erfahrungen gemacht. Allein die Tatsache, dass Du dort Menschen findest, die in derselben schmerzlichen Situation stecken wie Du, ist ungemein tröstlich. Durch die Erfahrungsberichte der anderen Teilnehmer kannst Du so viel lernen, und es gibt bei jedem Treffen etwas, das Du "mit nach Hause nehmen kannst".
Für die Neugründung einer Gruppe brauchst Du keine besonderen Fähigkeiten, denn bei der Selbsthilfe gibt es niemanden, der es "besser" weiß, sondern lediglich jemanden, der die Termine kordiniert. Im Laufe der Zeit wächst man einfach in die ganze Sache hinein.
Offenbar hast Du schon eine Anlaufstelle gefunden? Solltest Du jedoch selber etwas auf die Beine stellen wollen, würden wir uns freuen, wenn Du Dein Gesuch in unserem Netzwerk für Ratsuchende in der entsprechenden Rubrik eintragen könntest:
http://www.aktiv-gegen-mediensucht.de/foren/17/suche-und-neugruendung-einer-selbsthilfegruppe-shg/ So besteht auch die Chance, dass sich Interessierte melden.
Viel Glück für Dein wichtiges Vorhaben.
Herzlichst, Merle
Sonntag, 6.Mär 2011, 11:53

karla Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 5
Mitglied seit: 25.02.2011
positive Gedanken
Auf der Suche nach einer Angehörigengruppe wurde ich zweimal gefragt, ob ich nicht eine gründen würde. Grundsätzlich bin ich dazu bereit, zumal ich weiß, dass es mit der Zeit der Zusammenkunft und der Terminkoordinierung wahrscheinlich nicht getan ist. Ich habe vor Jahren schon einmal eine Selbsthilfegruppe gegründet und eine lange Zeit (an)geleitet.
Aber ich habe jetzt ziemlich viele Bedenken, mich so zu engagieren, weil ich Angst habe, mich zu sehr in die Problematik einzulassen, die mich ohnehin Tag und Nacht beschäftigt. Angst, selbst darin gefangen zu sein.
Auf der Suche, mich etwas abzulenken, kam mir ein sehr hilfreicher Gedanke (er ist für mich sehr hilfreich!): Das ist das Gefühl der Liebe. Meinen Sohn zu lieben, wie er ist. Ihn zu akzeptieren, wie er ist. Ihn loszulassen, wie er ist.
Denn ich komme nicht daran vorbei, zu erkennen, dass er in vielem ein Spiegelbild von seinen Eltern ist.
Es ist wahnsinnig schwer, das alles in Liebe nachzufühlen, denn die sorgenvollen Gedanken drängen sich immer wieder nach vorn.
Und doch ist das Gefühl sehr schön und es macht mich sehr zuversichtlich.
Mittwoch, 16.Mär 2011, 13:03

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 282
Mitglied seit: 12.06.2009
Loslassen
Hallo Karla,
ich denke, dass dies ein guter und wertvoller Ansatz ist. "Die Energie folgt den Gedanken" - das ist einer meiner Leitsätze, den ich im Herzen trage, aber natürlich nicht immer umsetzen kann. Zu massiv sind doch immer wieder die Sorgen, die ich mir um meine Söhne mache, die Ängste, die bangen Fragen, ob alles gut läuft. Dass ich damit meine gesamten Energien in die negativen Bereiche schicke - allein die Tatsache, dass ich denke, es könnte etwas schief laufen erweckt diese Möglichkeit ja erst zum Leben - wird mir immer wieder schmerzhaft bewusst. Ich denke, dass wir es trainieren können, unsere Energien in die Zuversicht, in das Vertrauen in uns und unsere Erziehung und in die Gelassenheit zu leiten. Erst langsam beginne ich zu begreifen, dass das wichtige (und leider zu viel strapazierte) Wort Loslassen genau so gemeint ist. Ich freue mich, dass Du dies jetzt gerade mit Dir erfährst.
Ob die Gründung einer Selbsthilfegruppe Dich zu sehr in die Suchtthematik hineintreibt, von der Du ja eh schon besetzt bist, ist schwer zu sagen. Auch ich war manchmal erschöpft davon, mich immerzu mit diesem Thema auseinandersetzen zu müssen. Andererseits hat es viele gute Kräfte freigesetzt in mir. Letztendlich hat die intensive Auseinandersetzung mit eventuellen Lösungswegen mit Sicherheit meinem suchtkranken Sohn auch viele positive Energien geschickt, ganz unmerklich. Daran glaube ich fest.
Ich wünsche Dir, dass Du weiterhin beflügelt sein darfst von Deiner wertfreien Liebe zu Deinem Kind. Letztendlich kann uns nichts besseres geschenkt werden.
LG Merle
Montag, 21.Mär 2011, 17:43

karla Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 5
Mitglied seit: 25.02.2011
ich spüre, dass es wirkt....
tatsächlich machen wir Mütter uns ganz schön fertig und auch klein, wenn wir uns immerzu um unsere Söhne sorgen. Immerhin haben wir ihnen ja doch ganz viel mitgegeben, worauf wir auch verdammt stolz sein dürfen. Natürlich ist das so schnell mal dahin gesagt, gerade wenn wir sehen, dass die Jungs irgendwie in der Klemme stecken. (dass besonders Söhne/ Jungs/ Männer von der Online-Abhängigkeit betroffen sind, habe ich gerade auf einem Info-Abend hier in Berlin erfahren). In meinem (unserem) Fall ist etwas sehr Schönes passiert, was vielleicht auch ein bißchen daran liegt, dass ich meinen Sohn nicht mehr ausfrage, kontrolliere o.ä. Ich war ja der Meinung, all das nie zu tun, mein Sohn hat das aber so empfunden und deshalb telefonieren wir nur noch einmal in der Woche. Verabredet ist, dass wir und abwechselnd anrufen. Diese Gespräche sind völlig anders als noch vor ein paar Wochen und sehr sehr angenehm.
Dennoch konnte ich mir nicht verkneifen, nochmal seine Schule zu kontaktieren. Natürlich dürfen die nichts sagen, mein Sohn ist ja erwachsen. Aber sein Vertrauenslehrer hat mir ganz privat am Telefon mitgeteilt, dass sich mein Sohn sich wieder zu einem aufmerksamen und aktiven Studenten entwickelt. Der Lehrer hat sich dafür eingesetzt, dass mein Sohn an der Schule bleiben darf und eindringlich aber nur kurz mit ihm gesprochen. Kurz: er hat ihn sich "zur Brust"genommen.
Manchmal (oder auch ganz oft ) haben Dritte viel mehr Einfluß auf unsere Kinder, als wir.
Ich bin diesem Mann für sein Engagement und auch für die Info so unendlich dankbar!!!! Und seit dem auch sehr viel ruhiger. Natürlich weiß ich, dass das Ganze noch nicht ausgestanden sein kann/muss, aber mein Sohn erfährt gerade ganz viele Erfolge im realen Leben.
Es ist dann mal Zeit, für mich zu sorgen und mich immer wieder daran zu erinnern, ihn gehen zu lassen. ( ich habe mir tatsächlich ein post it mit folgendem Satz hergehängt: So wie Du bist, bist Du richtig. So wie Du bist lass ich Dich gehen! )
Es fühlt sich wirklich gut an!
Eine schöne Woche wünscht Karla






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