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        Mein Mann und sein (fast) einziges Hobby (ich bin total genervt)

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Freitag, 20.Mai 2011, 02:04

Choode Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 2
Mitglied seit: 20.05.2011
Ich war erstaunt zu lesen, dass ich nicht die einzige Frau bin, die sich immer wieder über das stunden-tage-nächtelange (Online-)Zocken ihres Mannes aufregt. Man muss das echt erlebt haben - dieses nervige Team-Speak-Gebrülle ("Yeah - ich hab ihn gemessert", "Panzer!", "Scheisse", "Wo bist du denn, Mann?", "Hallo?" und die totale Unerreichbarkeit, die stundenlang gleiche Körperhaltung (da vergisst er sogar das Essen, im Grunde geht er nur aufs Klo, wen es gar nicht anders geht), das Ignorieren von Telefonanrufen, das Ignorieren meiner Anwesenheit (ich frage mich, was er denkt, dass ich in der Zwischenzeit mache - wahrscheinlich macht er sich darüber nicht mal Gedanken, aber wehe, ich gehe in der Zwischenzeit ohne Bescheid zu sagen aus der Wohnung, dann wird er danach verbal angriffslustig... -
Das Schlimmste für mich in der Schwangerschaft mit meiner Tochter (jetzt 4 Monate) diese (gefühlte) Einsamkeit an den Abenden, an denen er gezockt hat (und das waren nicht wenige). Oft war ich am späten Abend total aggressiv und innerlich am Kochen deswegen, habe auch ein paar Mal meiner Wut (teilweise) Luft gemacht (nur verbal oder durch Rückzug ins Schlafzimmer/Abschließen der Schlafzimmertür, wir wohnen in einer kleinen 2-Zimmer-Wohnung, der PC meines Mannes steht im Wohnzimmer, meiner im Schlafzimmer).
Es hat nie was gebracht, er hat sein Verhalten nicht geändert. Ich muss dazu sagen, dass er außer dem Zocken auch noch Air-Soft spielt und sich permanent in einschlägigen Foren aufhält, entweder um sich auf OPs vorzubereiten, Fotos von OPs anzuschauen/einzustellen, um Zubehör zu kaufen/verkaufen oder auch nur - wie es mir scheint - um die Kontakte zu haben (manchmal schreiben die auch nur Mist). Für die Waffen und die Ausrüstung gibt er ständig Geld aus, bestellt online Equipment, ständigt klingelt der Paketbote und bringt wieder irgendeinen Plastik-aus-China-Mist, neulich 12 Ampullen Gas, zig Säcke Munition und die x-te Tarnmuster-Jacke/Hose/...

Außer diesen beiden Interessen (und gelegentlichen "Outdoor"-Aktivitäten, die im Zusammenhang mit dem Air-Soft stehen) hat er kein mir bekanntes anderes Hobby (mehr) - früher machte er Musik (Metal/Grindcore), aber das war vor unserer Beziehung. Vor der Schwangerschaft hatten wir eine Zeitlang zusammen mit Walking begonnen (mein Mann hat Übergewicht), das macht er ganz selten auch noch jetzt allein (ich kann ja nicht, weil einer beim Kind bleiben muss, ich stille außerdem noch voll).

Jetzt ist unsere Tochter 4 Monate alt und er zockt weiter, ich habe den Eindruck, er beschäftigt sich nur oberflächlich mit seinem Kind und den damit verbundenen aktuellen Themen (er war auch nicht im Geburtsvorbereitskurs - Ausrede ist immer sein 3-Schicht-Dienst, klar, aber zum Zocken bleibt komischerweise immer Zeit .... -)
Ich zweifle ziemlich oft an unserer Beziehung, ärgere mich, dass ich ihn geheiratet habe etc... -
er hat dann immer mal wieder seine "lieben" Momente, wodurch ich mir alles schön rede und so gehts seit geschätzt 2 Jahren (wir sind 2,5 Jahre verheiratet und 3,5 Jahre zusammen).

Ich mache mir Sorgen, auch im Hinblick auf meine Tochter. Was ist das für ein Vater, der ständig online Leute erschießt?
Er ist noch NIE mit dem Baby alleine spazieren gegangen, zusammen mit mir vielleicht 5 mal bewusst (ohne sonstige Erledigungen). Ich bin permanent mit meiner Tochter zusammen und erlebe es sehr intensiv mit ihr, aber es ist auch alles anstrengend und ich habe keine schönen Visionen von unsere Familien-Zukunft. Die beengte Wohnsituation (2ZKB im 5. Stock ohne Aufzug, schleppschlepp) tut ihr Übriges.
Wenn wir gestritten haben, fiel auch schon mal das Thema "getrennt leben", aber im Moment hab ich nicht die Kraft/den Mut so einen Schritt zu tun. Dafür ist dann auch noch nicht wirklich "genug" Krasses passiert... - aber ich spiele oft mit dem Gedanken, male mir auch ein Leben ohne ihn aus. Im Moment versuche ich das Zocken zu tolerieren vor dem Hintergrund, dass ich versuche, einfach meinen Interessen nachzugehen (oder in Zukunft gehen werde).

Wenn ich ihn auf das Zocken anspreche, werde ich als zornig hingestellt oder mit der Freundin seines Freundes auf eine Ebene gestellt, die scheinbar schon mit Gegenständen auf ihren zockenden Freund geworfen hat, weil er nicht vom PC wegzubringen war.....

Ich habe schon oft zu ihm gesagt, dass ich eh noch viel zu nett in der Hinsicht bin -andere Frauen würden ganz schön auf die Barrikaden gehen, weil sie das Zocken stört, sie sich vernachlässigt fühlen oder wollen, dass er sich mehr mit dem Kind beschäftigt oder im Haushalt hilft.

Ich hoffe, hier Leute (Frauen oder Männer) kennenzulernen, denen es ähnlich geht im Hinblick auf ihre/n PartnerIn.


Freitag, 20.Mai 2011, 23:38

Choode Benutzer ist offline

Benutzer
Themenstarter
Anzahl Beiträge: 2
Mitglied seit: 20.05.2011
Welches Spiel?
Bad Company 2
Montag, 30.Mai 2011, 15:49

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 282
Mitglied seit: 12.06.2009
Hol Dich und Dein Kind da raus
Hallo Choode,
Du schreibst, es sei noch nicht "genug" Krasses passiert? Dabei empfinde ich, dass sich all das, was Du schilderst, so unendlich traurig anhört, so einsam, so verlassen und so unglaublich.
Wenn ich mich zurückversetze in die Zeit, in der meine Kinder klein waren - wie wichtig war es gerade in dieser schwierigen und auch seelisch sehr aufgerüttelten Phase, einen Partner an der Seite zu haben, der zumindest ein bißchen Verständnis zeigt, der bereit ist, einem auch mal etwas abzunehmen, und der in jedem Fall ganz klar zu erkennen gibt, dass er seine Familie liebt. Nichts davon spüre ich aus Deinem Bericht.
Mach Dir nichts vor, Choode. Es wird auf Dauer keine Lösung sein, ganz tapfer zu versuchen, Deinen Interessen nach zu gehen (oder davon zu träumen). Die Geburt eines Kindes ist ein so tiefer und allumfassender Einschnitt im Leben und ist dennoch an Deinem zockenden Mann offenbar spurlos vorüber gegangen. Auf was wartest Du? Was sollte noch passieren, damit sich dieser Zustand des Dauerzockens verändert? Was könnte einschneidender und grenzüberschreitender sein, als die Geburt seiner Tochter, die eigentlich bei ihm das Bedürfnis hätte aufkommen lassen müssen, sein Leben grundlegend zu verändern?
Ich kann wahrlich gut verstehen, dass Du in Deiner jetzigen Situation nicht den Mut und die Kraft hast, eine Trennung in die Wege zu leiten und Dich lieber auf Gedankenspiele wie "wie wäre es ohne ihn?" beschränkst. Aber vielleicht können Dir das Wohl Deiner Tochter, ihre gesunde seelische Entwicklung und ihr Recht auf eine fröhliche und kraftvolle Mama, bald die Motivation geben, diesbezüglich eine klare Entscheidung zu treffen. Dein Mann hat sich ungeachtet seiner kleinen Familie für die virtuelle Welt entschieden. Hol Dich und Dein Kind da raus. Entscheide Du Dich fürs Leben.


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