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Freitag, 23.Sep 2011, 14:08

Blume1974 Benutzer ist offline

Benutzer
Anzahl Beiträge: 1
Mitglied seit: 23.09.2011
Sohn süchtig
Hallo,
ich bin neu hier und erstmal froh, etwas gefunden zu haben, wo ich mich als Mutter informieren kann. Schön, dass ihr das macht!
Also mein Sohn, 19 Jahre, lebt ca 50 km entfernt von mir und macht dort Fachabi. Letztes Jahr war begleitet von ganz massiven Fehlzeiten in der Schule und Lehrer informierten mich, dass der Junge kaum wirklich anwesend war, wenn er denn mal da war... Müdigkeit, Vergesslichkeit, ein wildes Durcheinander bei allem was er tat. Als ich ihn darauf ansprach, meinte er Probleme in Mathe und dann den Anschluss verpasst zu haben. Dann große Versprechungen alles werde wieder gut und er will die 12. Klasse unbedingt wiederholen. Na gut, nochmal ne Chance, dachte ich. Nun ist auch seine Freundin, die ihm viel bedeutet in der Woche bei ihm. Das Schuljahr hat letzten Monat begonnen und ich hatte gestern von der Schule die Info erneut 98 Fehlstunden! Oh nein, was ist hier los, war mein Gedanke und egal wie ich darüber nachdachte, mit logischen Menschenverstand war das für mich nicht zu erklären! Hab dann gestern versucht mit ihm zu reden und nach langen hin und her und herumwinden, meinte er, er sei mit der Anwesenheit der Freundin total überfordert. Nach langer Überlegung und der Gewissheit, dass das nicht allein der Grund für meinen so verzweifelten JUngen den ich da gestern gesehen habe, sein konnte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen, den Verdacht, dass er ein Problem mit Spielsucht haben könnte, hatte ich nämlich schon lange...Seine Freundin mag es überhaupt nicht, wenn er spielt und somit hat er kaum eine Chance zu spielen. Also geht er nur zu ein paar Stunden und spielt den Rest. Ich fühle mich sehr hilflos, zumal ich diese Verzweiflung gestern in seinen Augen nicht vergessen kann, eben halt wie ein Süchtiger, der nicht zu seiner Droge kann. Nun zu meiner Frage, wie kann ich ihn jetzt unterstützen und macht es vielleicht Sinn, ihm die Wohnung (sein liebstes) in der Großstadt wegzunehmen und ihn lieber wieder nach hause zu holen?
Dienstag, 4.Okt 2011, 11:20

merle Benutzer ist offline

Aktiv-Gegen-Mediensucht Team
Anzahl Beiträge: 282
Mitglied seit: 12.06.2009
gemeinsam anpacken
Hallo Blume,
ich kann gut verstehen, wie weh es Dir tut, Deinen Sohn so verzweifelt zu sehen. Aber ich habe den Eindruck, dass Euer Verhältnis gut ist und dass es Euch gelingt, offen und ehrlich miteinander zu sprechen. Dies sehe ich als eine Chance, gemeinsam diese Krise anzupacken.
Ich denke, dass es zunächst einmal wichtig wäre, Deinem Sohn zu sagen, dass Du weißt, was mit ihm los ist. Das wird ihn erleichtern. Jetzt kann er endlich mit offenen Karten spielen und muss sein Problem nicht mehr verheimlichen. Zeige ihm unsere beiden Internetseiten und bitte ihn, die Foren ausführlich zu lesen, damit er weiß, dass er nicht allein ist mit seinem Problem und dass es auch einen Weg da raus gibt. Vielleicht kann seine Freundin mithelfen und ihn ganz aktiv darin unterstützen, den Ausstieg anzugehen. Wenn ihm von diesen beiden wichtigsten Menschen viel Verständnis entgegengebracht wird und er sich nicht unendlichen Vorwürfen und Drohungen ausgesetzt fühlt, wird er erleichtert sein. Dies kann seine Motivation, da raus zu finden, nur erhöhen. Trotzdem sollte ihm vor Augen geführt werden, welche Folgen es haben wird, wenn er weiterhin spielt: Er wird früher oder später von seiner Freundin verlassen werden, keinen Schulabschluss haben und längerfristig auch sein eigenes Domizil, das ihm ja so wichtig ist, verlieren. Das sollte ihm bewusst sein. Deshalb wäre es auch so gut für ihn, unsere Aussteigerberichte (auch die auf www.rollenspielsucht.de) zu lesen. Hier wird ihm anschaulich vor Augen geführt, was diese Sucht mit den Menschen macht, wie verheerend es bergab geht und das ganze Leben außer Kontrolle gerät. Und er wird ermutigt, auch den Ausstieg zu wagen, weil er anschaulich geschildert bekommt, dass andere es auch geschafft haben.
Ich wünsche Dir für das entscheidende Gespräch mit Deinem Sohn ganz viel Einfühlungsvermögen und Liebe.
Merle


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