Erstmals: Schön, dass es euch/Sie gibt...
Unser Sohn spielt und sieht in übertriebenem Maß seit etwa zwei Jahren fern. Kaum kommt er von der Schule, da sitzt er schon vor dem Laptop, dem Fernseher oder an der (selbst finanzierten, von uns nicht genehmigten) PS3 - auch wenn wir da sind und wir es ihm nicht erlauben. Er sitzt stundenlang dran, wenn nicht gerade Freunde ihn herausholen oder er zum Fussballtraining/spiel muss (noch geht er dann aus dem Haus). Am Wochenende verbringt er so locker 8 bis 10 Stunden vor der Kiste.
Als Folge von seinem Konsum - er macht keine Hausaufgaben - wiederholt er nun die 9. Klasse. Wir haben alles Erdenkliche versucht: Medienzeit mit ihm zu vereinbaren, Konsequenzen zu ziehen, wenn er sich nicht daran hielt, Geräte in Beschlag zu nehmen, alternative Aktivitäten anzubieten... Außerdem haben wir noch viele Gespräche über die Schule geführt, Hilfe oder einen Wechsel angeboten, Lehrer, Verwandte, Freunde sowie Jugendpsychiater (unser Sohn ist Legastheniker und hat ADS) bzw. eine Familientherapie hinzugezogen.... Ergebnis: er macht nur das, was er will: spielen und sich berieseln lassen. Er will vom "Psychosch..." nichts hören. Wir wissen, dass das Spielen eine Flucht ist und dass er mit seinen 15 Jahren nicht von allein aufhören wird. Oder...? Hat jemand ähnliche Erfahrungen und kann uns einen Tipp geben, einen Hoffnungsschimmer? Unser Familienleben leidet extrem unter der Situation, wir sind verzweifelt, ich bin am Rande des Burnouts, wenn nicht schon mitten drin.
Er reagiert außerdem agressiv, verbal und körperlich, wenn wir etwa das Internet sperren oder versuchen, seinen Laptop zu konfizieren. Ich habe manchmal so Angst, dass ich lieber nachgebe. Natürlich nutzt er das aus.
Was können wir tun?
Ich danke euch/Ihnen für eure/Ihre Rückmeldungen
Fleur
Selbsthilfegruppe und Beratungsstelle
Hallo Fleur,
da hast Du ja wahrlich schon Einiges hinter Dir und ich kann Deine Verzweiflung sehr gut verstehen. Es wäre wichtig, dass Du Dich umfassend informierst und so viel wie möglich über diese Problematik in Erfahrung zu bringen versuchst. Schau Dir unsere Forenbeiträge gut an, das, was die Aussteiger schreiben und vor allem das, was die Angehörigen berichten (siehe die Rubrik "Ihr Eintrag" bei
www. rollenspielsucht.de). Es tut gut, zu wissen, dass auch andere Familien mit dieser schwierigen Thematik zu kämpfen haben. Mehr zu wissen, nimmt auch ein ganzes Stück Hilflosigkeit weg und gibt Dir das Gefühl, nicht völlig ohnmächtig dem Ganzen ausgeliefert zu sein. Auch die Angst, die Dich immer wieder so lähmt, ist ein schlechter Ratgeber. Dein Sohn spürt genau, dass Du angreifbar und unsicher bist und wird natürlich genau in die Kerbe hauen, die Dich am meisten bedrückt. Deine Angst gibt ihm viel zu viel Verhandlungsspielraum und macht Dich dauerhaft erpressbar. Mach Dich stark, indem Du mehr weisst.
Es wäre gut, wenn Du Dir Menschen suchen würdest, die in derselben Situation stecken. Ein Austausch mit ebenfalls betroffenen Angehörigen tut gut und ist fast wie eine Therapie. Deshalb empfehlen wir den Hilfesuchenden immer, eine Selbsthilegruppe aufzusuchen. Wir machen damit die allerbesten Erfahrungen. Du kannst in unserem Netzwerk mal schauen, ob es in Deiner Umgebung eine bereits bestehende Gruppe gibt, oder aber selbst ein entsprechendes Gesuch eintragen (völlig anonym!). Solltest Du mit dem Eintragen nicht zurecht kommen, wende Dich doch bitte an uns, damit wir Dir dabei helfen können.
Ich kann Dir eine Beratungsstelle empfehlen, die sich sehr erfolgreich gerade mit sehr jungen Abhängigen und Gefährdeten beschäftigt. Nimm doch online einmal Kontakt mit dieser Stelle auf (
http://www.aktiv-gegen-mediensucht.de/index.php?p=showtopic&toid=467&high=neon)
Ich wünsche Dir viel Kraft für all die Aufgaben, die vor Dir liegen.
Merle
Hallo Fleur,
ich kann ihre Verzweiflung gut nachvollziehen! Ich bin von Merle auf ihren Eintrag aufmerksam geworden und biete ihnen gerne eine Telefonberatung an (bzw. wenn sie in der Nähe von Rosenheim wohnen, auch eine persönliches Beratungsgespräch). Ich arbeite in der Beratungsstelle neon - Prävention und Suchthilfe Rosenheim [
www.neon-rosenheim.de . Das Thema "exzessive Computernutzung" ist eines unserer Schwerpunkte. Wenn Sie Interesse an einem Gespräch haben, kontaktieren Sie mich bitte gerne per E-Mail
gruenbichler@neon-rosenheim.de oder telefonisch 08031 400 58 90.
Viele Grüße,
Benjamin Grünbichler
kleiner Schritt
Hallo Merle,
vielen herzlichen Dank für deine Zeilen. Allein sie haben mir schon gezeigt, dass wir nicht allein mit dem Problem leben und dass wir keine "Außerirdischen" sind. Wir kämpfen uns weiter durch, haben seit 3 Wochen unsere 2 Fernsehgeräte abgebaut und weggebracht. Somit ist wenigstens schon keine PS3 mehr im Einsatz, und unser Sohn kann nicht mehr bis mitten in der Nacht fernsehschauen. Der Laptop ist noch da, die Internetzeit auf 2 Stunden täglich begrenzt. Er sitzt trotzdem außerhalb dieses Zeitrahmens oft und noch zu lange dran, spielt PC-Spiele oder sieht sich DVDs an...
Erstaunlicherweise hat er den Abbau der Fernsehgeräte weitgehend akzeptiert (mit uns war auch nicht darüber zu reden, wir hatten ihn schon längst und oft gewarnt).
Ich werde mich mit Neon in Verbindung setzen, noch einmal vielen Dank für den Tipp.
Liebe Grüße
Fleur
ein Anfang
Hallo Fleur,
da habt Ihr ja schon einmal einen Anfang gewagt und Ihr scheint ja auch einen klaren und festen Ton gehabt zu haben, der jeden Widerspruch sinnlos macht. Das ist gut!!!
Ich würde mich freuen, wenn Ihr Euch mit neon in Verbindung setzt. Hälst Du uns hier im Forum auf dem Laufenden?
Herzliche Grüße
Merle
Gehe zu
Wer ist online?
Benutzer online: 0,
Gäste online: 9
Forum Statistiken
Themen: 658, Beiträge: 1785, Mitglieder: 888
Wir begrüssen unser neuestes Mitglied:
Sepp_
Heutige Geburtstage
Heute hat kein Mitglied Geburtstag.