Hallo,
mein 11-Jähriger Sohn ist rollenspielsüchtig. Es ist mein sechstes und jüngstes Kind (einer Patchworkfamilie). Mein vertrauenesvoller Erziehungsstil hat mich bisher alle Klippen in Pubertät und ähnlichen Phasen umschiffen lassen. 4 Töchter sind inzwischen erwachsen. der andere Sohn ist 13 und geht eigenverantwortlich mit den Medien um. Er hat zusätzlich noch seine Freunde, kümmert sich um die Schulsachen und so, wie man es sich eben wünscht. Nun unser "Kleiner" ist abgerutscht. Seit Frühjahr gibt es minecraft in seinem Leben. Erst ganz in Maßen und es ist ja "nur" ein Bauspiel -völlig harmlos, wie ich dachte. Dann kam der Sommerurlaub, wir fuhren an einen Ort an dem wir schon einige Male waren und wo er eigentlich nicht hinwollte - daher führte ich sein tagelanges Heimweh noch nicht unbedingt auf eine Sucht zurück. Er hat die zwei Wochen irgendwie mit anderen Spielen am i-Pod und Fernsehgucken überstanden. Dann fing er plötzlich an mit minecraft-Feunden an zu skypen, ohne Bild, also wie telefonieren, und das hat es dann zum wirklichen Sog gebracht.
Ich hatte mit ihm wegen mangelnder Schulaufgaben eine Frist von einer Woche gesetzt, in der alles aufholen sollte. Und die klare Ansage: wenn bis Sonntagabend nicht alles fertig ist, ist erst wieder was mit Spielen, wenn Du alles erledigt hast. Ich habe das durchgezogen -er ist völlig ausgerastet, war komplett von Sinnen -hat sich verbarrikadiert und ist nachts immer wieder rausgekommen und hat geheult und geschrien. Am nächsten Mittag hat er das Laptop gefunden, hat sich eine "Dosis" verpasst und danach war er plötzlich wieder normal. Ist das nicht erschreckend?
Nun war ich extra mit ihm vier Tage in Holland mit einer Lieblingsschwester (24 J.) und deren Freund. Meer liebte er immer sehr. Ohne Laptop wollte er erst gar nicht ins Auto steigen, nach zwei Tagen wurde er wieder so aufgeregt und weinte und wollte unbedingt am nächsten Tag nachhause. Einige Male ist er mit ans Meer gekommen, aber nach kurzen Strecken war er schon erschöpft und alles wirkte erzwungen. Zu guter Letzt hab ich ihm den Wlan Code verraten, damit er mit seinem besten online-Freund skypen konnte und sich bei ihm ausweinen konnte. Und damit wir anderen wenigstens noch ein bisschen Ruhe hatten. Mir ist ja inzwischen klar, dass es Entzug ist und den kann ich, wenn überhaupt gegen seinen Willen, nur mit guter Vorbereitung und mit Unterstützung beginnen.
Nun könnte man ja sagen bei einem 11-jährigen habe ich doch die Möglichkeiten und die Macht ihn mit Gewalt vom Spielen fern zu halten - aber es geht mir so was von gegen den Strich. Ich spüre, dass mich nur noch ein sehr dünner Faden mit ihm verbindet, zu seinem Vater und zu seinem sehr netten Lehrer hat er viel mehr Abstand als zu mir und ich habe Sorge, dass er sich total verschliesst und ganz vom Weg abkommt.
Meine Frage ist eigentlich: kann es nicht besser sein, dass ich ihn auflaufen lasse, also weiterspielen lasse, so viel, dass er merkt, wie sehr es ihm schadet? Denn doch nur mit eigener Einsicht kann er den Entzug durchstehen.
Er hat jetzt keine Einsicht, er findet es extrem kränkend, wenn ich sage, dass er süchtig ist und dass das eine Krankheit ist.
Ach seufz, alle seine Hobbys wie gärtnern, scooten, Klavierspielen sind völlig uninteressant geworden. Er hat ich allerdings bereit erklärt in einen Trampolinverein zu gehen -ich glaube aber eher unter dem Motto:na gut einmal in der Woche kann ich ihr ja den Gefallen tun, damit ich denn Rest der Woche in Ruhe spielen kann...
Puh, das war jetzt viel Text, sorry, aber musste mal raus...
Ameli
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Hallo Amelie,
ich habe Dir eben eine PN geschickt. Ich hoffe Du meldest Dich bei uns.
LG Merle
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