Bundestag: Internetenquete: Medienkompetenz
Anmerkungen zu "Zweiter Zwischenbericht der Enquete-Kommission 'Internet und digitale Gesellschaft'" - Medienkompetenz
Auch die Enquete-Kommission "Internet und digitale Gesellschaft" hat in ihrem Zwischenbericht "Medienkompetenz" festgestellt, "In der Gesellschaft und der Wissenschaft wird Medienabhängigkeit bislang nur unzureichend thematisiert." (S. 14). Die Darstellung der Medienabhängigkeit im Bericht beschränkt sich größtenteils auf statistische Zahlen (Internetabhängigkeit besteht zu 3 bis 5% bzw. 1 bis 5% (S.13)), beschreibt aber nicht das Ausmaß der Auswirkungen wie Schulversagen, Verwahrlosung in angemessener Weise, so dass eine Einschätzung des Problems nicht adäquat erfolgt. Zudem wird auf den bestehenden unverantwortlichen Mangel an überzeugenden Untersuchungen zur Mediensucht hingewiesen, "...fehlt es nach wie vor an ausreichend belastbarem Datenmaterial." (S. 14). Dies hat zur Folge, dass auch die zunächst angeführten Daten zum Anteil von Medienabhängigen zur Gesamtbevölkerung in Zweifel gezogen werden können.
Dass dieses Thema Mediensucht aber von der Kommission als wichtig erachtet wird, zeigt sich, da "Weiterer Handlungsbedarf besteht in der Hinsicht, dass Medienabhängigkeit bislang nicht als eigene Suchtform anerkannt ist. Die Enquete-Kommission indes betrachtet Medienabhängigkeit als eine eigenständige nicht stoffgebundene Suchtform und hält eine
Anerkennung als Erkrankung (Herv. d. Verf.) nach dem Diagnoseschlüssel ICD (International Classification of Diseases) der Weltgesundheitsorganisation für geboten." (S. 14).
Eindeutig zu kurz greift der Hinweis "Die erfolgversprechendste Präventionsmaßnahme ist, Kinder und Jugendliche in ihrem Umgang mit Medien zu begleiten" (S. 14). Zwar sehe ich auch, dass dies eine unbedingt notwendige Maßnahme ist, aber dieser Hinweis verkürzt das Problem, da dabei davon ausgegangen wird, nur Nicht-Erwachsene können das Riskio haben, mediensüchtig zu werden. Es gibt aber viele Erwachsene, die in eine Abhängigkeit geraten und vielleicht deren Kinder darunter leiden. Als nächstes wird der Einfluss des Elternhauses als unbedingt notwendiger Punkt der Vorbeugung festgelegt. Dies kann nicht hinreichend gelingen, aufgrund der angesprochenen häufigen Inkompetenz der Eltern, des hohen Gruppendrucks innerhalb jugendlicher Gruppen und vieler nicht intakter Familien.
Erschreckend ist daher meines Erachtens der bereits in der Einleitung (S. 4) von Herrn Thomas Jarzombek (Vorsitzender) aufgeführte Vorschlag,
alle Schüler mit einem Laptop auszustatten , ohne dabei verpflichtend Einschränkungen bezüglich Nutzung und Kontrolle zu fordern. Die hier und auch unter Handlungsempfehlungen (S. 34) aufgeführte Forderung "Die Enquete-Kommission empfiehlt vor diesem Hintergrund die Ausstattung aller Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufen I und II mit mobilen Computern." kann aus Sicht des Schutzes vor Mediensucht nicht befürwortet werden, wenn nicht durchdachte und sichere Kontrollen damit verbunden sind. Der Vorschlag wirkt eher so, als sollte das Problem mit Hardware erschlagen werden. Obwohl wichtige und gut durchdachte Ansätze in dem Zwischenbericht zu finden sind und auch in Bezug auf Verhinderung von Mediensucht wichtige Punkte eingefügt wurden, so disqualifiziert man sich durch diese naive Lösung, die Medienkompetenz vermitteln soll. Auch das Sondervotum der Fraktion der DPD sowie der Sachverständigen Dr. Wolfgang Schulz und Alvar Freude (S. 38) bemängelt dies: "In der Praxis mangelt es derzeit leider (noch) oft an solchen digitalen Bildungskonzepten und kompetenten Lehrerinnen und Lehrern. Der weitere Ausbau der Hardwareausstattung oder die Ausstattung aller Schülerinnen und Schüler mit mobilen Computern sind daher nur dann sinnvoll, wenn alle Lehrerinnen und Lehrer damit kompetent und souverän umgehen können und Bildungskonzepte voerliegen, die Computer in den Unterricht integrieren. Ein positives Beispiel ...ist ... ,die explizit als Ausbildungsprojekt, nicht als Laptop-Projekt konzipiert ist." Zwar wird hier auch nicht angesprochen, dass bereitgestellte Computer bezüglich Nutzung kontrolliert werden müssen und hohe Sicherheitsanforderungen bestehen, aber der Hinweis, dass das Problem nicht durch Beschaffung von Hardware zu lösen ist, wird deutlich.